BR 24 hier Jan Zimmermann 21.04.2026
Energiekrise: Booster für den Klimaschutz?
Die aktuelle Energiekrise ist das bestimmende Thema beim Petersberger Klimadialog in Berlin. Umweltminister Schneider fordert wie zahlreiche Amtskollegen den Ausstieg aus fossilen Energien wie Öl und Gas. Befördert die Krise die Energiewende?
Wer beim Petersberger Klimadialog im Berliner Westhafen durch die Reihen der Ministerinnen und Minister läuft, hört vor allem ein Thema: die aktuelle Energiekrise und ihre Folgen. Die Sorge um die globale Energieversorgung ist in allen Gesprächen zu spüren.
Auf der alljährlichen Veranstaltung, zu der die Bundesregierung verantwortliche Klimapolitiker aus der ganzen Welt einlädt, wird die UN-Klimakonferenz im November vorbereitet.
Minister fordern schnellere Energiewende
Bundesumweltminister Carsten Schneider (SPD) sagt in seiner Eröffnungsrede: "Wer heute auf Importe von Öl und Gas angewiesen ist, setzt sich unkalkulierbaren Risiken aus." National wie international führe kein Weg an einem Ausstieg aus den fossilen Energien vorbei. UN-Generalsekretär António Guterres pflichtet per Videozuschaltung bei: "Fossile Brennstoffe zerstören nicht nur unseren Planeten, sondern nehmen unsere Volkswirtschaften in Geiselhaft."
Auch die Klimaminister der beiden Länder, die dieses Jahr für die Ausrichtung der Weltklimakonferenz verantwortlich sind, also die Türkei und Australien, sind sich einig: Auf die Energiekrise könne nur ein massiver Ausbau der Erneuerbaren die richtige Antwort sein. Beide Länder hätten schon viel in neue Energien investiert, jetzt solle noch mehr Geld fließen. Nur so könne Energiesicherheit in Zukunft garantiert werden, erklärt Chris Bowen, Minister für Klimawandel und Energie in Australien. Der türkische Umweltminister Murat Kurum sagt: "Wir müssen Energiequellen diversifizieren und alternative Energiequellen ausbauen."
Die Krise als Chance für mehr Klimaschutz
Es scheint so, als gebe die Krise in Folge des Iran-Kriegs dem internationalen Klimaschutz einen neuen Schub. Die Frage ist nur, ob auf die große Einigkeit in Berlin auch tatsächlich konkrete Beschlüsse und Taten auf der Klimakonferenz im Herbst in der türkischen Stadt Antalya folgen.
Die Weltlage ist derzeit von Krisen und Konflikten dominiert. Das macht internationale Verhandlungen schwierig. Der türkische Umweltminister Kurum sagt: "Dem Multilateralismus geht es gerade nicht gut, aber er ist noch nicht tot." Die Weltklimakonferenz sei nach wie vor der richtige Ort, alle an einen Tisch zu holen.
Verhandlungen um Ausstieg aus Öl und Gas
Mehreren Ländern geht aber der bisherige Prozess zu langsam. Sie wollen vorangehen
beim schrittweisen Ausstieg aus den fossilen Energien.
So soll schon in der kommenden Woche ein Treffen im kolumbianischen Santa Marta stattfinden
Ausrichter dieser Konferenz sind die Niederlande und Kolumbien. Um sie herum scharrt sich eine Gruppe von Staaten, die möglichst schnell Öl und Gas den Rücken kehren wollen – darunter auch die meisten größeren EU-Länder. Für Deutschland wird nicht Umweltminister Schneider, dafür jedoch sein Staatssekretär Jochen Flasbarth teilnehmen.
Umweltschützer kritisieren "widersprüchliche Klimapolitik"
Umwelt- und Klimaschutzverbände fordern von der Bundesregierung ein stärkeres Engagement und ein Ende der "widersprüchlichen Klimapolitik". Einerseits sei sie Gastgeberin der Gespräche, drossle aber im eigenen Land die Anstrengungen beim Klimaschutz, so Martin Kaiser von Greenpeace.
Die Rolle rückwärts beim Verbrenner-Aus, das neue Heizungsgesetz und die geplanten Einschnitte bei der privaten Solarförderungen gingen in die völlig falsche Richtung.
Im BR24-Interview betont Kaiser: "Wir müssen viel konsequenter aus der Verbrennung von Öl und Gas aussteigen."
Viviane Raddatz von der Umweltorganisation WWF kritisiert gegenüber BR24: "Vor allem die Vorhaben des Wirtschafts- und Energieministeriums liegen komplett quer zu dem, was man tun müsste." Sie fordert, mehr auf Elektrifizierung zu setzen – im Verkehr, beim Heizen, in der Wirtschaft.
Kritik gibt es auch am Entlastungspaket der schwarz-roten Koalition – vor allem mit Blick auf die Senkung der Energiesteuer für Benzin und Diesel. Fossile Energie für alle günstiger zu machen, sei falsch, so Lutz Weischer von Germanwatch. Statt mit der Gießkanne zu entlasten, wären Förderprogramme, die den Umstieg auf klimafreundliche Techniken ermöglichen, notwendig.
Wie positioniert sich der Kanzler?
Am Mittwoch, dem zweiten Tag der Beratungen, wird Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) beim Petersberger Klimadialog erwartet. Mit Spannung wird darauf geschaut, welche Konsequenzen er aus der aktuellen Lage zieht. Umweltschützer und viele Wissenschaftler hoffen, dass die Energiekrise zum Booster für den Klimaschutz wird.
Petersberger Klimadialog: Abkehr vom Öl? Schneider hofft auf Fortschritt in der Krise
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