Sonntag, 12. April 2026

Es lohnt sich wegen der hohen Wertschöpfung, die ein funktionierender ÖPNV erzielt - Also des Geldes wegen

Am Beispiel München aufgezeigt - aber ein funktionierender ÖVNP lohnt sich nicht nur in München!

 Hier Süddeutsche Zeitung 15. März 2026 Von Martin Mühlfenzl 

Jeder investierte Euro bringt das Dreifache zurück

Nahverkehr in München: Warum es sich lohnt, viel Geld für Bahn, Bus und Tram auszugeben, zeigt eine neue Studie auf. Es geht dabei nicht nur um Klimaschutz, sondern um Milliarden Euro an ökonomischem Nutzen.

Bernd Rosenbusch, der Geschäftsführer des Münchner Verkehrs- und Tarifverbunds, hat eine Entwicklung ausgemacht, die ihn positiv für die Zukunft des öffentlichen Personennahverkehrs in München und dem Umland stimmt. Selbst die „schwärzesten Landräte“, sagt Rosenbusch beim MVV-Jahrespressegespräch, – also jene CSU-Politiker, die vom Nutzen des ÖPNV bisher nicht restlos überzeugt waren – hätten mittlerweile eingesehen, dass es einen „guten Personennahverkehr“ braucht. Und zwar nicht nur wegen des Komforts und der Qualität, die eine gut ausgebaute Schieneninfrastruktur und eng getaktete Buslinien mit sich bringen, sondern wegen der hohen Wertschöpfung, die ein funktionierender ÖPNV erzielt. Also des Geldes wegen.

Bayernweit sind laut Zahlen der Bayerischen Eisenbahngesellschaft (BEG) in den Zügen des Regionalverkehrs und der S-Bahnen täglich etwa 1,3 Millionen Menschen unterwegs – die allermeisten davon in München und dem Umland. Allein im Gebiet des MVV mit seinen mehr als vier Millionen Einwohnern, das erneut erweitert wird, nutzen mehr als 900 000 Pendlerinnen und Pendler das Deutschlandticket. Die Zahl der Fahrgäste im Personennahverkehr steigt kontinuierlich Jahr für Jahr an. Auch und gerade deshalb hat der MVV in einer Studie untersuchen lassen, welchen wirtschaftlichen Nutzen der ÖPNV erzielt.

Die Antwort, die sich aus der Untersuchung des Münchner Mobilitätsclusters „MCube“ – geleitet durch die TU München – ergibt, das Entwicklungen rund um das Thema Mobilität beleuchtet, ist eindeutig: einen enorm großen. In Zahlen gesprochen: 

Jeder Euro, der in den Erhalt und Ausbau der Verkehrsinfrastruktur des öffentlichen Personennahverkehrs gesteckt wird, wirft einen Gewinn von 3,60 Euro ab. 

Anders gesagt: Die Gesamtwertschöpfung des ÖPNV innerhalb des MVV-Raums liegt bei etwa 5,7 Milliarden Euro im Jahr. Dem gegenüber stehen Betriebskosten von etwa 1,6 Milliarden Euro jährlich.

„Selbst angesichts der angespannten Haushaltslage darf beim ÖPNV nicht eingespart werden.“

Bereits im vergangenen Jahr hat MCube die Wirkung des öffentlichen Nahverkehrs auf die Wirtschaftsleistung des Landes tiefergehend untersucht und ist zu dem Ergebnis gekommen, dass der ÖPNV ein absoluter Wirtschaftstreiber ist. Aber auch einen hohen Beitrag zum Klimaschutz leistet und die Lebensqualität der Menschen erhöht. Deutschlandweit betrachtet stehen demnach Betriebskosten im ÖPNV in Höhe von etwa 25 Milliarden Euro 75 Milliarden Euro an ökonomischen Nutzen gegenüber. „Jeder Euro, der in Bus, Bahn und Tram investiert wird, bringt der deutschen Volkswirtschaft das Dreifache zurück“, lautete im vergangenen Jahr das Fazit von MCube.

Dass diese Wertschöpfung innerhalb des MVV-Verbundes, der mittlerweile im Nordosten bis nach Landshut und im Südwesten bis Garmisch-Partenkirchen reicht, noch einmal höher liegt als im Bundesdurchschnitt, lässt für MVV-Chef Rosenbusch nur einen Schluss zu: „Selbst angesichts der angespannten Haushaltslage darf beim ÖPNV nicht eingespart werden. Investitionen lohnen sich einfach wirtschaftlich.“

Untersucht haben die Macher der Studie über die Wertschöpfung innerhalb des MVV-Raums mehrere Faktoren, die zu wirtschaftlicher Prosperität beitragen. Darunter Einflüsse auf den Handel, den Tourismus, den Immobilienmarkt und den Pendelverkehr. Dabei, so machte Felix Waldner von Mcube klar, gebe es natürlich regionale Unterschiede. Aufgrund ihrer Größe, Dichte und hohen Abhängigkeit vom öffentlichen Nahverkehr wird durch den ÖPNV alleine in der Landeshauptstadt durchschnittlich eine Wertschöpfung von mehr als drei Milliarden Euro erzielt. Im Landkreis München liegt diese immerhin noch bei nahezu 500 Millionen Euro im Jahr. Aber selbst in ländlicher geprägten Landkreisen erziele der ÖPNV immer noch „einen bemerkenswert hohen Wertschöpfungsbeitrag“, heißt es in der Studie.

Wirtschaftlich bedeutsam ist dabei natürlich zunächst der Beitrag, der von den Verkehrsunternehmen selbst, die den ÖPNV tragen, erwirtschaftet wird. Dieser liegt bei jährlich etwa 1,6 Milliarden Euro. Auch der Einzelhandel profitiert von einem funktionierenden ÖPNV – dessen Beitrag in diesem Bereich liegt bei etwa 300 Millionen Euro. Weitaus höher zahlt der Nahverkehr auf die sogenannte tourismusbezogene Wertschöpfung ein, die im Mittel bei nahezu 900 Millionen Euro liegt. Als indirekte Kategorie werten die Studien-Macher das Pendeln: Durch Agglomerationseffekte, Erreichbarkeit und Abhängigkeit entsteht ein wirtschaftlicher Gewinn ebenfalls im hohen dreistelligen Millionenbereich.

Bleiben noch die Auswirkungen auf den Klimaschutz, die Umwelt, Gesundheit und auch den Flächenverbrauch: Dort ermittelte MCube ein Einsparpotenzial durch den ÖPNV in Höhe von 668 Millionen Euro.

Diese bereits bestehende hohe Wertschöpfung innerhalb des MVV-Raums sei das Ergebnis langfristiger Investitionen, verlässlicher Finanzierung sowie einer kontinuierlichen Weiterentwicklung des Angebots, heißt es vom Verkehrsverbund. „Ohne eine dauerhafte politische und finanzielle Unterstützung würde die hohe positive ökonomische und gesellschaftliche Hebelwirkung des ÖPNV für Pendler, Einzelhandel und Tourismus mittel- bis langfristig spürbar nachlassen“, bilanziert der Verkehrsverbund. Oder wie MVV-Chef Rosenbusch sagt: Es dürfe keinesfalls gespart werden.

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