Dr. Martin Bethke / LinkedIn
Zu teuer, zu langsam, zu riskant
Und im Vergleich dazu wirkt deutsche Energiepolitik, als wolle sie gleichzeitig im Jahr 1978, 2026 und 2045 stattfinden.
Bei all dem Gestümper und der Planungslosigkeit in der deutschen Energiepolitik unter Katherina Reiche, lohnt sich auch ein Blick nach Norwegen. Während dort selbst eine staatlich eingesetzte Kommission sagt: Kernkraft ist aktuell zu teuer, zu langsam und gegenüber günstigeren Alternativen schlicht nicht die naheliegende Antwort, klingt es bei uns unter Merz und Reiche stellenweise so, als müsse man nur lange genug „Atom“ oder „Fusion“ sagen, dann werde daraus schon ein Industriestrompreis.
Und das wird hier - neben der Rückkehr zu Gas und dem Ausbremsen der Erneuerbaren - dann als Antwort auf die akuten Energiefragen von Wirtschaft und Industrie verkauft. Das ist ungefähr so, als würde man einem Mittelständler mit Liquiditätsdruck sagen: „Keine Sorge, in ein paar Jahren kommt vielleicht die Sonne ins Kraftwerk.“ Gleichzeitig behauptet die Bundesregierung dann aber auch, dass sie am Ziel von 80 Prozent Erneuerbaren bis 2030 festhält. Genau deshalb wirkt diese Debatte so schräg.
Unternehmen und Verbraucher brauchen keine energiepolitische Sci-Fi-Erzählung und auch keine atomare Nostalgie. Sie brauchen verlässliche Preise, Netze, Speicher, Tempo und eine Politik, die das Machbare endlich wichtiger nimmt als das Symbolische.
Oder anders: Wer Versorgungssicherheit ernst meint, sollte Erneuerbare, Netze und Flexibilität hochfahren, und nicht so tun, als läge die Rettung wahlweise im Reaktor von gestern oder im Fusionsversprechen von übermorgen.
Link zum Artikel: https://lnkd.in/dNhdXX5N (auf englisch)
Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen