Tim Meyer • LinkedIn
Auf gleich vier Ebenen wirkt der Schaden, den die gestern veröffentlichten Eckpunkte der geplanten Änderungen am Gebäudeenergiegesetz anrichten bzw. anrichten würden
1. Die Klimaschutzziele wären unerreichbar
2. Die Modernisierung unserer Wirtschaft und Infrastruktur würde verzögert inkl. der Folgen für unsere Wettbewerbsfähigkeit
3. Im Geschosswohnbau drohen hohe finanzielle Belastungen, die gerade ärmere Menschen hart treffen können
4. Populistische, post-faktische Narrative werden weiter normalisiert und erodieren gesellschaftlichen Zusammenhalt
Am meisten Sorgen mache ich mir über die letzten Punkte. Die wirken tiefer und länger, weil Vertrauen und gesellschaftspolitische Prozesse langsamer zu reparieren sind als Märkte und sich am Ende die Wärmepumpe ohnehin durchsetzen wird.
Zumal der erste Punkt dazu führen könnte, dass das Gesetz so gar nicht zustande kommt oder zumindest nicht im jetzigen Zeitplan. Denn das Einigungspapier der Fraktionsspitzen ist noch sehr vage, der Inhalt teilweise sehr absurd und die rechtlichen Hürden in Europa- und Klimaschutzrecht zum Glück nicht ganz niedrig. Und die ersten Reaktionen auf die Eckpunkte fallen vermutlich nicht ganz so aus, wie sich die Fraktionsspitzen das erhofft hatten.
Potential für viel weiteren Streit und Verzögerungen also. Und damit für weiteres Chaos im Wärmesektor, wenn zum 1. Juli 2026 kein neues Gesetz in Kraft tritt, sondern erste Fristen aus dem heute gültigen GEG.
Selbst wenn in den nächsten Wochen einiger Schaden für den Klimaschutz noch abgewendet werden könnte, der gesellschaftspolitische Schaden wächst weiter – wenn nicht endlich die Wirklichkeit wieder Einzug in den Diskurs erhält. Die große Frage lautet daher: wie bekommen wir das hin?
P.S.: wer daran zweifelt, dass die Inhalte der Eckpunkte, also der Weg über "Grüngas/Grünheizöl" nicht in der gleichen Wirklichkeit liegen können wie die Aussage "wir halten an den Klimaschutzzielen fest" möge bitte irgendwelche Zahlen und Projektionen vorlegen. Auch in der Wärmebranche glaubt niemand das ernsthaft.
Trommelwirbel: Es gibt gar keine Einigung! Zentrale Fragen bleiben völlig offen.
Und der eigentliche Oberhammer: Die Reiche/Spahn-CDU hat sich mit der Forderung durchgesetzt, die Wärmewende auch auf EU-Ebene zu untergraben.
- Die neue Quote für klimafreundlichen Brennstoff in neuen Öl- & Gasheizungen ist nebulös! Im “Einigungspapier” steht nur der lachhaft niedrige Startwert von 10 % für 2029. Für die Zeit danach heißt es nur, man werde die Schritte im Gesetz festlegen. Daran hängt aber der Klimaschutz.
- Völlig offen bleibt auch welche neuen Heizungen in welcher Höhe zukünftig gefördert werden. Für die Bundesförderung findet sich nur der Satz, dass die “auskömmliche Finanzierung bis 2029 sichergestellt werden” soll. Noch weniger Einigung geht wohl schlecht!
- Die Wärmewende soll jetzt auch auf EU-Ebene ausgebremst werden. Konkret heißt das: Die Koalition will sich in Brüssel für die Verzögerung & Aushöhlung der Gebäudeeffizienzrichtlinie (EPBD) einsetzen. Klar, die Wärmewende nur in Deutschland zu verschleppen, reicht ja nicht aus!
- Und natürlich bleibt der Kernpunkt: Mit neuen Gas- und Ölheizungen treiben wir Bürger*innen in eine Kostenfalle. Denn die Gaspreise hängen an den Lieferungen autoritärer Staaten. Und: Die Gasnetze werden angesichts des Erfolgs effizienter Wärmepumpen immer teurer.
Werner Koller, LL.M. •
CDU und CSU fokussierten sich 2023 in einer Wutkampagne auf einen gar nicht vorhandenen"Wärmepumpenzwang", was sich als erfolgreiche Parole gegen Habeck erwies. Besser wird nun nichts ...
Der folgende Kommentar auf n-tv bringt es auf den Punkt:
👉 Vor allem aber ist dadurch der Markt für diese erprobten und in Deutschland von namhaften Herstellern produzierten Geräte vorübergehend eingebrochen. Nach der Wahl allerdings gerieten die Unionsparteien in die Zwickmühle: Das längst angepasste Gesetz funktionierte nämlich inzwischen so gut, dass im Jahr 2025 Wärmepumpen zur meistverkauften Heizungsart wurden. Das für die Klimaziele zentrale Vorhaben, den Wärmesektor zu elektrifizieren, wurde ein Stück greifbarer. Die Förderung wurde transparenter. Und die Installateure waren zufrieden.
👉 Aber irgendetwas musste nach einer solchen Wutkampagne ja geschehen, und deswegen packt die Union nun ein berüchtigtes Konzept aus: das der "Technologieoffenheit". Das 65-Prozent-Ziel wird gekippt, was den Einbau von Gasheizungen weiter möglich macht. Um diese klima- und industriepolitisch fragwürdige Entscheidung zu rechtfertigen, soll in den Gasheizungen künftig allerdings ein schrittweise steigender Anteil von "Grüngasen" verfeuert werden. Dazu gehört unter anderem Biomethan, aber auch mit Strom aus erneuerbaren Energien hergestellter grüner Wasserstoff.
👉 Das Problem dabei ist: All diese Brennstoffe sind selten und teuer. Wasserstoff in der Menge, wie er für die deutsche Wärmeversorgung nötig wäre, wird aktuell nicht einmal ansatzweise produziert. Und man trifft in der Branche eigentlich niemanden, der ernsthaft davon ausgeht, dass Wasserstoff jemals in Heizungen sinnvoll und bezahlbar eingesetzt werden könnte. Sollten eines Tages größere Mengen in Deutschland verfügbar sein, werden sie in der Stahlindustrie oder im Schwerlastverkehr gebraucht. In Heizungen aber wäre Wasserstoff einfach nur ein sündhaft teurer Umweg: Mit Strom, der auch eine Wärmepumpe antreiben könnte, wird zuerst ein Gas produziert, um es dann zu verfeuern.
✅ Wenn Hausbesitzer nun ermuntert werden, noch einmal eine Gasheizung einzubauen, könnten sie in einigen Jahren ihr blaues Wunder erleben: Gas wird aufgrund steigender CO2-Preise in der Europäischen Union Schritt für Schritt teurer. Und wenn absehbar weniger Menschen eine Gasheizung zu Hause haben, steigen die Netzkosten für jede einzelne von ihnen, was die Geräte zusätzlich teurer macht. Es könnte der Tag kommen, an dem die Kosten so in die Höhe schießen, dass die Besitzer von Gasheizungen aus ihrem Problem mit Steuergeldern herausgefördert werden müssen.
Quelle: https://lnkd.in/daVUjdk5
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