Samstag, 18. April 2026

Ausbau von Großbatteriespeichern in Deutschland nimmt Fahrt auf

 hier Von Martin Tillich 17. April 2026,

„Massive, unterschätzte Welle“: Großbatteriespeicher boomen in Deutschland

Deutschlands Batteriespeicher wachsen so stark wie nie. Im März 2026 wurde fast eine Gigawattstunde neue Speicherkapazität installiert, mehr als 60 Prozent davon in Großbatterien. Warum das für Energiewende, Netzstabilität und Versorgungssicherheit so wichtig ist.

Der Ausbau von Batteriespeichern in Deutschland gewinnt deutlich an Dynamik. Im März 2026 wurde laut Marktstammdatenregister fast eine Gigawattstunde neue Speicherkapazität installiert – ein Rekordwert. 

Mehr als 60 Prozent davon entfallen auf Großbatterien. Darauf weist der Energieexperte Tim Meyer in einem aktuellen Branchenbeitrag auf Linkedin hin. Weitere Nachmeldungen werden demnach bis Ende April erwartet.


Große Speicher holen stark auf

Auch insgesamt wächst die Bedeutung großer Speicheranlagen rasant: Im laufenden Jahr stammen bereits mehr als die Hälfte der neu installierten Batteriespeicher aus Anlagen mit mehr als einer Megawattstunde Kapazität oder einer Megawatt Leistung. 

Zum Vergleich: 2025 lag dieser Anteil im Durchschnitt noch bei 25 Prozent, 2024 bei gut 13 Prozent. Tim Meyer spricht deshalb von einer „sehr massiven und unterschätzten Welle“, die den Markt erfasst habe.

Auch der Gewerbespeichermarkt wächst

Positive Impulse kommen zudem aus dem Gewerbespeichermarkt, also aus Batteriespeichern für Unternehmen und Betriebe. Dieser Bereich wächst deutlich und dürfte den Vorjahreswert übertreffen. Der Heimspeichermarkt – also Batteriespeicher für Privathaushalte – entwickelt sich dagegen schwächer, was vor allem an der geringeren Nachfrage im Photovoltaiksegment, also bei Solaranlagen, liegt.

Drei Linien-Diagramme zeigen den Zubau von Großbatterien in MWh von 2020 bis März 2026. 

1. Großspeicher (gelb): 

Anfangs geringe Werte, ab 2022 starker Anstieg mit Spitzenwerten um 300 MWh, im März 2026 ein steiler Anstieg auf 600 MWh.

2. Gewerbespeicher (orange-gelb): 

Konstante, niedrige Werte unter 50 MWh mit leichtem Anstieg bis 2026. 3. Heimspeicher (orange): 

Anstieg von 2020 bis 2023 auf etwa 500 MWh, danach Schwankungen mit leichtem Abwärtstrend bis 2026. Titel: „März 2026: Zubau von Großbatterien steigt (endlich) steil an“. Datenquelle: battery-charts.de.

Warum das eine gute Nachricht ist

Großbatteriespeicher übernehmen zunehmend zentrale Aufgaben im Energiesystem. Sie stabilisieren das Stromnetz, puffern kurzfristige Schwankungen und machen mehr erneuerbare Energie nutzbar, indem sie Überschüsse aufnehmen und bei Bedarf wieder abgeben. Zugleich können sie dazu beitragen, Netze zu entlasten und Kapazitäten für neue Anlagen zu schaffen.

Voraussetzung ist allerdings, dass Netzanschlüsse und Anreize so gestaltet werden, dass Speicher netzdienlich eingebunden werden und bestehende Engpässe nicht verschärfen. Gerade deshalb gelten sie als wichtiger Baustein für Versorgungssicherheit und die Integration erneuerbarer Energien. 


Tim Meyer  / LinkedIn

Ist er das, der Anfang vom Batterie-Tsunami? 

Für den März 2026 verzeichnet das Marktstammdatenregister bereits knapp 1 GWh Zubau neuer Batteriespeicherkapazität. 

Über 60% davon Großbatterien – klarer Rekord. Die Werte werden noch weiter steigen, da Nachmeldungen bis Ende April möglich sind. 

Eilen wir ab jetzt also von Rekord zu Rekord?

Aktuell werden die Monatswerte für Speicherzubau noch von wenigen Meldungen besonders großer Batteriespeichern geprägt, kommen also statistische Ausreißer vor. Der Trend ist aber klar: kumuliert stammen im Jahr 2026 bisher über 50% der neuen Batteriespeicher aus dem Segment der Großbatterien mit über 1 MWh Kapazität oder 1 MW Leistung. Im letzten Jahr waren es im Durchschnitt noch 25%, in 2024 nur gut 13%. 

Klar scheint also, dass die Batteriekurve endlich steil nach oben zeigt. 

Ebenso klar scheint jedoch auch, dass es zu einem „Tsunami“ in der Größe der gemeldeten Anschlussbegehren von vielen hundert GW nicht kommen wird. Zu sperrig und batteriefeindlich sind in vielen Netzgebieten die Anschlussbedingungen, zu unklar die zukünftigen Marktregeln, zu überfüllt die Anfrage-Pipelines. Wer mit Batterieprojektentwicklern spricht, kommt aus dem Kopfschütteln nicht mehr heraus. 

Gleichzeitig hat der attraktive Markt für Großbatterien viele neue Player angezogen. Jeder Einzelne kämpft zwar gegen große Hürden, die Summe der von allen zusammen durchgebrachten Projekte ist aber dennoch für Überraschungen gut. Und es gibt sie, die "Koalitionen der Willigen" aus Entwicklern und Netzbetreibern, die trotz mangelnder Unterstützung durch Politik und Aufsichtsbehörde markttaugliche Anschlussregeln entwickeln. 

Mein Tipp daher: das wird kein Tsunami, aber eine sehr massive und sehr unterschätzte Welle. 


Martin Jendrischik / LinkedIn

166 Millionen Euro jährliche Ersparnis.
Gleiche Versorgungssicherheit.

Neue LCP-Delta-Modellierung zeigt: Langzeit-Batteriespeicher brauchen ein Drittel der Subventionen von Gaskraftwerken. 31 €/kW vs. 102 €/kW Förderbedarf.

82-87% aller Versorgungsengpässe dauern unter 10 Stunden. Die mehrtägige Dunkelflaute ist die Ausnahme, nicht die Regel.

Trotzdem arbeitet das Wirtschaftsministerium daran, Batteriespeicher aus den Ausschreibungen der Kraftwerksstrategie herauszuhalten. Der SPIEGEL hat dokumentiert, wie das konkret funktioniert.



Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen