Till Irmisch/ Umweltinstitut München LinkedIn
Wer die gestern abend erschienene neueste Lage der Nation noch nicht gehört hat, hat eine großartige Analyse zur - von allen Seiten geführte - absolut irreführenden Debatte um das Heizungsgesetz verpasst.
👉 Zur Lage der Nation Nr. 456: https://lagedernation.org/
Philip Banse und Dr. Ulf Buermeyer, LL.M. bringen in 30 spektakulären Podcast-Minuten auf den Punkt, warum die Diskussion ums GEG am eigentlichen Problem vorbei führt. Viel wichtiger ist die Entwicklung des Gaspreises aufgrund des Ausstiegs aus den Gasnetzen: Die werden vermutlich viel schneller abgeschaltet, als viele sich das vorstellen. Daher von mir eine klare Hörempfehlung, zu der ich nur zwei kurze Kommentare habe:
🧐 Was aus meiner Sicht nicht stimmt, ist dass der Betrieb der Gasnetze für Stadtwerke unwirtschaftlich wird. Die können die Fixkosten, wie im Podcast nämlich eigentlich gut erklärt, nämlich einfach auf ihre Kund*innen umlegen. Denen ist völlig egal, wie viel die Kund*innen zahlen müssen. Sie haben kein Eigeninteresse daran, aus der "Cash Cow" Gasgeschäft auszusteigen. Wenn es irgendwann unbezahlbar wird, werden sie nach neuen Subventionen schreien (bzw. tun das schon heute). Und genau diese Netzbetreiber will die Bundesregierung jetzt darüber entscheiden lassen, ob sie überhaupt eine Stilllegung der Gasnetze geplant angehen oder nicht. Anders gesagt lautet die Taktik: Erst nicht planen und dann den Schuldigen fossilen Unternehmen mit Geld der Steuerzahlenden den *rsch retten. Es ist wirklich unfassbar
Wirklich super analysieren die beiden aber, wie man sich als Mieter*in gegen Gasheizungen wehren kann.
Man kann sehr gut argumentieren, dass mit Gas zu heizen finanziell nicht mehr nachhaltig ist. Daher würde eine Umlage der Kosten durch die Vermieter*in einer Regel im BGB widersprechen. Und dabei ist noch nicht mal der klimapolitische Aspekt von Nachhaltigkeit einbezogen. Das heißt, Mieter*innen sollten schnellstmöglich zum Mieterverein laufen, wenn die Vermieter*in eine neue Gasheizung einbauen will, um gegen eine Umlage der Modernisierungskosten zu protestieren.
Darum lautet das Fazit am Ende auch: Das GEG ist nicht zu streng, sondern zu lasch - vor allem aus einer sozialen Perspektive: "Wenn man da jetzt nicht politisch will, dass einem das komplett um die Ohren fliegt, dann kann der Ruf eigentlich nur lauten: Weg vom Gas im Mietshaus, und zwar pronto!"
Das ist die Diskussion, die eigentlich geführt werden sollte - und nicht eine Beibehaltung der laschen 65%-Regel. Da müssen auch wir Umweltverbände uns an die eigene Nase fassen
Danke für die (fast) perfekte Einordnung an das Lage der Nation-Team! Es bleibt zu hoffen, dass die Message bei den 1,5 Mio monatlichen Lage-Hörer*innen auch ankommt: Gas is over!
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