Freitag, 28. November 2025

Die Frage ist, wie viele fossile Interessen wir noch bedienen, bevor wir endlich aufhören, das Offensichtliche zu ignorieren.

 

Daniel Mautz   LinkedIn

Batteriespeicher wären günstiger als Gaskraftwerke. Aber wo kämen wir da hin, wenn Vernunft auf Ideologie trifft

Zehn-Stunden-Batterien könnten Milliarden sparen. Sie könnten Strom speichern, wenn er im Überfluss da ist, und ihn liefern, wenn er gebraucht wird. 

Sie könnten das Netz stabilisieren, Versorgung sichern, Emissionen senken. Sie könnten das Rückgrat einer modernen, klimafreundlichen Energieversorgung werden.

Aber genau das ist das Problem.

Denn wer heute noch neue Gaskraftwerke plant, will nicht die beste Lösung. Er will die fossile Lösung. 

Weil daran verdient wird. 

Weil das System so schön vertraut ist. 

Weil man lieber neue Pipelines denkt als neue Speicherstrategien.

Dabei zeigt die Studie, Speicher sind nicht nur technisch machbar. Sie sind günstiger. Besser fürs Klima. Und sie machen uns unabhängiger. 

Aber wer Milliarden in Beton, Gasverträge und Lobbyarbeit versenkt hat, will kein flexibles Netz. Er will Verlässlichkeit im Businessmodell. Auch wenn es die Zukunft ruiniert.

Die Frage ist nicht, ob Speicher Gaskraftwerke ersetzen können. Die Frage ist, wie viele fossile Interessen wir noch bedienen, bevor wir endlich aufhören, das Offensichtliche zu ignorieren.


hier pv Magazine 26.11.2025
Christian Schäfer von der unabhängigen Analyseplattform Regelleistung-Online

Speicher statt Gas? Wie 10-Stunden-Batterien Milliarden sparen könnten

Als ich das kurze Dokument des Koalitionsausschusses zur neuen Kraftwerksstrategie gelesen habe, ist mir ein Punkt sofort aufgefallen. 

Für das 8-Gigawatt-Segment der neuen Gaskraftwerke wird ein Mindesterbringungszeitraum von 10 Stunden gefordert. Die 10-Stunden-Anforderung soll sicherstellen, dass die neuen Anlagen längere Dunkelflauten in Spitzenzeiten überbrücken können. Hier stellt sich für mich die Frage: Können Speicher in der Ausschreibung mit einem Gaskraftwerk mithalten?

Investitionskostenförderung für Speicher

Ich gehe davon aus, dass ein 1 Megawatt/4 Megawattstunden Batteriespeicher (4-Stunden-System) im Jahr 2031 auch ohne Subventionen wirtschaftlich errichtet werden kann. Demnach müsste eine Investitionskostenförderung für Speicher lediglich die zusätzliche Kapazität abdecken. Für eine Bereitstellung von zehn Stunden wären das 6 Megawattstunden an zusätzlicher Kapazität bei einem 1 Megawatt-System.

Derzeit schätze ich die Kosten für Speichercontainer ohne Leistungselektronik und Trafo auf rund 100 Euro pro Kilowattstunde. Unterstellt man bis 2031 eine jährliche Lernrate von acht Prozent sowie eine Inflation von zwei Prozent, sinken die nominalen Kosten auf rund 75 Euro pro Kilowattstunde.

Die 6 Megawattstunden Zusatzkapazität entsprechen bei einem 1-Megawatt-System einer zusätzlichen Speicherdauer von sechs Stunden. Übertragen auf die Leistung ergibt das eine Investitionskostenförderung von rund 450 Euro pro Kilowatt. Dabei bleibt unberücksichtigt, dass eine längere Speicherdauer zusätzliche Markterlöse generieren kann, was den Förderbedarf senken würde (vgl. Top-Bottom Spreads). Gleichzeitig vernachlässige ich, dass größere Systeme mehr Platz und Bauvorbereitung benötigen, was den Förderbedarf erhöhen würde.

Vergleich mit Gaskraftwerken

Im Vergleich dazu liegen die Kosten für Gaskraftwerke wahrscheinlich etwas höher.
Für reine Gasturbinen habe ich eine Quelle zu der erwarteten Investitionskostenförderung in einem Konsultationspapier des Wirtschaftsministeriums von 660 Euro pro Kilowatt aus dem Jahr 2024 gefunden. Dieser Wert bezieht sich explizit auf die staatliche Förderung je Kilowatt Leistung, nicht auf die eigentlichen Baukosten der Kraftwerke. 

Beim aktuellen KI-Hype und der hohen Nachfrage nach Kraftwerkskapazitäten könnte dies eine konservative Schätzung sein. Zu den Mehrkosten für H2-Readyness habe ich keine gute Quelle gefunden, allerdings beziffert eine Studie des FÖS die Investitionskosten auf bis zu 1440 Euro pro Kilowatt. Diese Schätzung bezieht sich auf reine Investitionskosten und ist daher nicht direkt mit den im Papier des Bundeswirtschaftsministeriums (BMWE) genannten Förderwerten vergleichbar.

Da die verfügbaren Zahlen teils Förderkosten von Gaskraftwerken (BMWE) und teils Investitionskosten für H2-Ready-Anlagen darstellen (FÖS), nutze ich hier einen Mittelwert von 1.000 Euro pro Kilowatt als Annahme für die zu erwartende Förderhöhe. Bei einer technologienoffenen Ausschreibung könnten Speicher diese Kosten auf 3,6 Milliarden Euro senken. Das theoretische Einsparpotenzial liegt damit bei 4,4 Milliarden Euro.

Natürlich können Gasturbinen ihre Leistung deutlich länger als zehn Stunden abrufen – vermutlich auch über mehrere Tage, sofern genug Brennstoff verfügbar ist. Speicher können solch hohe Energiemengen, zumindest auf absehbare Zeit, noch nicht wirtschaftlich zwischenspeichern. Für den in der Ausschreibung genannten Mindesterbringungszeitraum von zehn Stunden wären Speicher allerdings technisch vollkommen geeignet und im hier gezeigten Vergleich klar günstiger.

Fazit zum Mix aus Gas und Technologieoffenheit

Die Kombination aus gasbasierter steuerbarer Leistung und technologienoffener Ausschreibung halte ich grundsätzlich für sinnvoll. Sie schafft Versorgungssicherheit und bietet Raum für technologische Entwicklungen. Ob die gewählte Aufteilung von acht Gigawatt an Gaskraftwerken vs. zwei Gigawatt an technologieoffener Ausschreibung die beste Lösung ist, müsste aus meiner Sicht noch belegt werden. Speicher werden aufgrund der sinkenden Kosten in Zukunft jedoch einen deutlich größeren Beitrag zur Systemsicherheit leisten.

— Der Autor Christian Schäfer berät Investoren, Projektentwickler und energieintensive Unternehmen bei Investitionen in Großspeicher. Außerdem betreibt er die unabhängige Analyseplattform Regelleistung-Online. Zuvor war er Senior Berater bei der Arup Deutschland GmbH, Mitbegründer der Adaptive Balancing Power GmbH und Portfoliomanager im Kurzfristhandel bei der MVV Energie AG. —

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