Samstag, 15. November 2025

„Marsch fürs Klima“: Tausende Umweltschützer demonstrieren in Belém

 Spiegel hier 15.11.2025  cgu/dpa/Reuters


Halbzeit bei der Welt-Klimakonferenz:

Tausende Aktivisten und Indigene zogen bei einem »Marsch der Völker« durch den Tagungsort Belém. 

Sie forderten »echte Lösungen« und warnten vor einem »Massaker« im Regenwald.

Bild: Bunt und laut: Tausende Demonstranten zogen anlässlich der Halbzeit der Uno-Klimakonferenz COP30 in der brasilianischen Amazonas-Metropole Belém durch das Zentrum der Stadt.
Foto: Adriano Machado / REUTERS

Mit einer riesigen aufblasbaren Weltkugel und viel lauter Musik sind zur Halbzeit der Uno-Klimakonferenz COP30 in Brasilien Tausende Klimaschützer und Indigene auf die Straße gegangen.

In der Amazonas-Metropole Belém , wo die Konferenz stattfindet, zogen die Menschen am Samstag durch das Stadtzentrum. Die Organisatoren hatten zu einem »Großen Marsch der Völker« aufgerufen. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer demonstrierten dabei für »echte Lösungen« zum Stopp der vom Menschen verursachten Erderwärmung und für Entschädigungen für erlittene Klimaschäden.

Stimmen aus dem Amazonasgebiet Gehör verschaffen
Die Zerstörung des Amazonas-Regenwalds komme einem »Massaker« gleich, sagte der 50-jährige Benedito Huni Kuin vom indigenen Volk der Huni Kuin bei der Demonstration. Er sei aus seiner Heimat im Westen Brasiliens nach Belém im Nordosten gekommen, um bei der Klimakonferenz »unseren Stimmen aus dem Amazonasgebiet Gehör zu verschaffen und Ergebnisse zu fordern«, sagte er.

Der 4,5 Kilometer lange Protestzug sollte auch in der Nähe des Konferenzgeländes haltmachen, das am Samstag mit Stacheldrahtabsperrungen abgeriegelt war und von Soldaten bewacht wurde.

Am Freitag hatten Indigene friedlich den Haupteingang des Konferenzgeländes blockiert, um für den Schutz des Amazonas-Regenwalds zu demonstrieren. COP30-Präsident André Corrêa do Lago hörte sich die Forderungen der Frauen und Männer an, die traditionelle Kleidung, Tätowierungen sowie Blumen- und Federschmuck trugen. Er sagte ihnen zu, ihre Forderungen berücksichtigen zu wollen.

Am Dienstagabend hatten sich andere protestierende Indigene gewaltsam Zutritt zum Eingangsbereich der sogenannten blauen Zone verschafft. Dabei kam es zu Zusammenstößen mit Sicherheitskräften.

USA bleiben fern, China inszeniert sich als führende Kraft
Zum ersten Mal seit der COP26 im schottischen Glasgow 2021 sind bei der COP30 in Belém wieder größere Proteste möglich. Bei den drei vorherigen Klimakonferenzen in Ägypten, den Vereinigten Arabischen Emiraten und Aserbaidschan konnten Aktivisten wegen drohender Repressionen nur innerhalb des Konferenzgeländes demonstrieren, das von der Uno verwaltet und bewacht wird.

Für die zweite Verhandlungswoche der COP30 sollten am Wochenende die Minister zahlreicher Länder in Belém eintreffen, darunter SPD-Bundesumweltminister Carsten Schneider.

Die Präsidentin der Uno-Generalversammlung, Annalena Baerbock, stufte bei einem Kurzbesuch in Belém die Klimakrise als »größte Bedrohung unserer Zeit« ein – trotz der vielen Kriege und Konflikte in aller Welt. »Rund 3,6 Milliarden Menschen – fast die Hälfte der Weltbevölkerung – sind heute durch die Folgen des Klimawandels stark gefährdet.« Konkret seien dies Dürren, Überschwemmungen, extreme Hitze und wachsende Ernährungsunsicherheit. Dies alles verstärke den »Teufelskreis aus Hunger, Armut, Vertreibung, Instabilität und Konflikten«.


Die USA sind der Konferenz offiziell ferngeblieben – zum ersten Mal seit Jahrzehnten. US-Präsident Trump möchte unter dem Motto »drill baby, drill« verstärkt nach Öl bohren und zweifelt an, dass der Klimawandel vom Menschen verursacht ist.

Dadurch konnte sich bislang China als führende Kraft im Kampf gegen die globale Erwärmung inszenieren. Der Pavillon des Landes dominiert die Eingangshalle des weitläufigen Konferenzgeländes. 




RND  hier  
15.11.2025, 
RND/dpa

Großdemonstration zur Halbzeit des Klimagipfels in Brasilien

Klimaaktivisten protestieren mit Särgen, auf denen Kohle, Öl und Gas zu lesen sind, während des UN-Klimagipfels COP30 in Belem.

Tausende protestieren in Belém für Klimaschutz und gegen die Zerstörung indigener Lebensräume. Die Demonstration findet mitten im Stadtgebiet statt; das wäre bei früheren Klimagipfeln undenkbar gewesen.

Zur Halbzeit der UN-Klimakonferenz in Brasilien hat sich ein großer Protestzug formiert. Tausende Indigene und internationale Klimaschützer zogen durchs Zentrum der Millionenstadt Belém. Mit dem „Marsch fürs Klima“ kämpfe man um Klimagerechtigkeit und für die Verteidigung angestammter Gebiete indigener Gemeinschaften, die von Holzfällern und illegalen Goldschürfern bedroht seien, hieß es in einem Aufruf.

Anders als bei den vorangegangenen Klimakonferenzen in autoritären Staaten wie Aserbaidschan gibt auch im Stadtgebiet sichtbare Proteste der Zivilgesellschaft. So tagt parallel zur UN-Klimakonferenz auf dem Gelände der Universität der „Gipfel des Volkes“ („People’s Summit“) mit Hunderten Organisationen, Bewegungen und Netzwerke aus Brasilien und dem Ausland.

Nicht die erste Demonstration von Indigenen
Erst am Freitag hatten Dutzende Indigene und andere Klimaaktivisten morgens stundenlang den Haupteingang der Konferenz blockiert. Und am Dienstagabend stürmten indigene Aktivisten sogar die Eingangshalle der eigentlich stark gesicherten Zeltstadt. Sie brachen gewaltsam Türen auf und lieferten sich ein Gerangel mit Sicherheitskräften.

Auf der COP30 beraten noch bis Ende nächster Woche rund 200 Staaten darüber, wie die Erderwärmung schneller eingedämmt werden kann. Im Fokus steht unter anderem ein Fahrplan zur Abkehr von Öl, Gas und Kohle. Daneben geht es um Forderungen der Entwicklungsstaaten nach Hilfsgeldern, um sich besser an die fatalen Folgen wie häufigere und heftigere Niederschläge und Dürren, Hitzewellen, Waldbrände und Stürme anzupassen.


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