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Von „Stromgeschenken ans Ausland“ bis hin zu Warnungen vor Blackouts war die Rede. Das klingt spektakulär, verfehlt aber den Kern.
Was wir erlebt haben, war kein Solarüberschussproblem: Es war ein Netz- und Flexibilitätsproblem.
Unser Stromsystem ist weiterhin so organisiert, als wäre Erzeugung knapp und Nachfrage starr.
In der Realität speisen erneuerbare Energien heute oft zeitgleich und dezentral ein, während Verbrauch und Netznutzung kaum darauf reagieren. Die Folge sind lokale Netzengpässe, steigende Redispatch- und Abregelungskosten sowie ein massiver Netzausbaubedarf, der alle Stromkund:innen teuer zu stehen kommt.
Der Netzausbau bis 2045 wird bis zu 700 Milliarden Euro kosten.
Rund ein Drittel davon entfällt auf die Niederspannung, also auf den Netzbereich, an dem über 90 Prozent der Verbraucher:innen angeschlossen sind. Gleichzeitig liegt genau dort ein enormes bislang ungenutztes Potenzial: Über 200 Gigawatt flexible Leistung aus Batteriespeichern, E-Autos und Wärmepumpen könnten Strom gezielt dann aufnehmen, wenn viel erneuerbare Energie im System ist, Netze entlasten und Kosten senken.
Besonders kritisch ist deshalb, dass im Niederspannungsnetz fast vollständig die Möglichkeit fehlt, Lasten zeitlich zu steuern. Haushalte zahlen dort überwiegend starre Netzentgelte, unabhängig davon, ob sie Strom bei hoher Netzlast nutzen oder in Zeiten, in denen Leitungen frei sind und erneuerbarer Strom im Überfluss vorhanden ist.
Damit fehlt genau der Hebel,
der Netzengpässe entschärfen und Kosten begrenzen könnte
Deshalb wenden wir uns heute
gemeinsam mit zahlreichen Unternehmen aus der Branche
mit einem gemeinsamen Appell an die Bundesnetzagentur:
Wir fordern die Einführung dynamischer Netzentgelte
auch im Niederspannungsnetz!
Dynamische Netzentgelte setzen dort an, wo heute Kosten entstehen, bei Überlastungen und Gleichzeitigkeit. Wenn Netzentgelte günstiger sind, sobald viel erneuerbarer Strom verfügbar ist, und höher ausfallen, wenn es eng wird, entsteht ein klarer Anreiz, Stromverbrauch zeitlich zu verschieben.
Ganz konkret bedeutet das: E-Autos laden häufiger mittags statt abends, Wärmepumpen und Speicher reagieren automatisch auf Netzsignale, Netze werden entlastet, bevor sie teuer ausgebaut werden müssen. So lassen sich milliardenschwere Investitionen in neue Leitungen vermeiden oder zumindest deutlich reduzieren und die künftigen Netzkosten für alle dämpfen.
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