Der Standard-Artikel kündigt eine These an, deren Erklärung im Artikel leider äußerst vage bleibt - Tristan Horx geht bei LinkedIn auf dieselbe These ein und dient mir daher als gute Ergänzung.
Das unaufhaltbare Bedürfnis republikanischer Präsidenten, den Nahen Osten zu bombardieren, ist wahrlich keine Überraschung. Auch die daraus explodierenden Ölpreise nicht.
Was wir in Europa daraus lernen müssen, ist klar: mehr erneuerbare, unabhängige Energie. Vor allem Speicherkapazitäten. Wir haben zunehmend gelernt, Energieabhängigkeit von Despoten und Autokraten, das ist eine fragile Angelegenheit.
Die Energiewende ist eine Bedrohung für viele Länder dieser Welt, weswegen sie sich auch gewaltsam dagegen wehren. Auch eine Menge der Desinformationen und digitale Hetze gegen all jene Parteien, die sich für ein Ende des fossilen Zeitalters einsetzen, ist nicht ganz zufällig.
Wenn die Weltwirtschaft und ihre Energie als Nullsummenspiel verstanden wird, führt das Konflikten. Wir haben eine fixe Menge an Dinosauriersaft in der Erde, der nach den Regeln von Angebot und Nachfrage vergütet wird. Da hilft ein wenig Verknappung dem Preis.
Eines Tages, im Rückspiegel der Zukunft betrachtet, werden die Konflikte rund um diesen Rohstoff unglaublich wirken. So wie wir jetzt auf die Imperien aus Salz, Gewürzen oder Tee zurückblicken. Wenn Energie ubiquitär verfügbar ist, wird das fossile Zeitalter und all seine Gräueltaten bloß eine pubertäre Phase der Menschheit sein. Ein wenig wird es noch dauern, aber meine Generation wird diese Wende (hoffentlich) noch erleben.
Natürlich sind die globalen Konflikte etwas komplexer als die Amis, die den Ölpreis hochdrücken wollen. Das ist wahrlich etwas übersimplifiziert, wenn nicht sogar etwas verschwörungstheoretisch. Wenn es aber eine Sache gibt, die wir in letzter Zeit gelernt haben, ist es wohl, dass manche Verschwörungen doch stimmen.
Standard hier András Szigetvari 2. März 2026,
Gaspreis in Europa steigt als Folge des Krieges um 40 Prozent: Sind die USA der große Gewinner?
In Katar, Irak und Saudi-Arabien stellen Anlagen die Produktion von Öl und Gas ein, in Europa ziehen die Preise spürbar an. Die Abhängigkeit von Importen rächt sich nun
Die nächste Stufe der Eskalation, vor der Energiehändler gewarnt haben, ist am Montag eingetreten: In Saudi-Arabien ist eine Anlage des staatlichen Ölkonzerns Aramco mit mutmaßlich iranischen Drohnen angegriffen worden.
Zwei Drohnen hätten die Ölraffinerie in Ras Tanura im Osten des Landes attackiert, teilte ein Sprecher des saudischen Verteidigungsministeriums mit. Die Drohnen seien zwar abgefangen worden, aber Trümmerteile hätten einen Brand in der Anlage ausgelöst. Ras Tanura ist die größte Raffinerie des Landes, in der vor allem Dieselprodukte für den europäischen Markt produziert werden.
Der Betrieb in Ras Tanura wurde vorerst unterbrochen. Auch in der irakischen Region Kurdistan haben mehrere Unternehmen wie DNO, Gulf Keystone Petroleum und Dana Gas die Produktion in ihren Öl- und Gasfeldern aus Sicherheitsgründen eingestellt. Am Nachmittag dann die nächste Hiobsbotschaft aus Sicht der EU: Qatar Energy gab bekannt, die Erdgasproduktion aufgrund anhaltender Angriffe einzustellen.
Diese Meldungen haben den Preisauftrieb bei Öl- und allen voran Gas in Europa beschleunigt. Die Meerenge von Hormus ist seit dem Wochenende de facto gesperrt. Nur noch einige wenige Schiffe wagen aktuell die Passage. Dazu kommt nun das Risiko von längeren Produktionsausfällen, wenn die Energieinfrastruktur in der Region tatsächlich Ziel von Angriffen wird und stillgelegt werden muss.
Öl der in Europa gebräuchlichen Sorte Brent notierte im Tagesverlauf bei etwa 80 Dollar je Fass am Londoner Markt, ein Preisanstieg von rund neun Prozent seit Freitag. Deutlich kräftiger nach oben ging es bei Gas, wo die Preise an der europäischen Gasbörse TTF zwischenzeitlich um mehr als 40 Prozent auf um die 45 Euro je Megawattstunde angezogen haben.
Sollte es nicht relativ rasch zu einer Deeskalation kommen, dürften weitere Preissprünge bevorstehen. Durch die Straße von Hormus wird etwa ein Fünftel des weltweiten Öls transportiert, etwa 20 Prozent des globalen LNG-Handels läuft über diesen Seeweg. Hier spielt insbesondere das Lieferland Katar eine zentrale Rolle. Katar ist der zweitgrößte Exporteur von LNG hinter den USA und vor Australien.
Nun ist das Risiko in Europa zunächst weniger, dass Gas physisch knapp werden könnte, wie Johannes Mayer von der Aufsichtsbehörde E-Control sagt. Österreich bezieht beispielsweise wenig Gas direkt aus Katar, wie die Außenhandelszahlen zeigen. Wenn, kommt der Rohstoff nur über Zwischenhändler zur OMV, die eine Anfrage zu ihren Importen am Montag unbeantwortet ließ. Europa wird vor allem aus den USA, Norwegen und weiterhin Russland beliefert. Weniger als fünf Prozent der LNG-Importe in die EU kamen im Dezember aus dem Mittleren Osten, zeigen Zahlen des Thinktanks Bruegel. Das Gas aus Katar ist vor allem für den asiatischen Markt bestimmt, ebenso wie der Großteil der Ölexporte aus der Region.
Aber wenn Liefermengen knapp werden, zieht das die Preise an den Märkten nach oben.
Die US-Bank Goldman Sachs geht in einer Analyse davon aus, dass die europäischen Gaspreise auf über 74 Euro je Megawattstunde steigen dürften, wenn die Lieferungen durch die Straße von Hormus länger als einen Monat unterbrochen bleiben. Das würde einem Preissprung von 130 Prozent als Folge des Krieges entsprechen. Hier zeigt sich auch das Risiko, dem Netto-Energieimporteure wie die EU ausgesetzt sind: Für die USA "sehen wir nur ein begrenztes Aufwärtsrisiko" bei den Erdgaspreisen, heißt es bei Goldman Sachs. Der Grund: Die USA sind ein Netto-Exporteur von Erdgas. Die Kapazitäten für die LNG-Ausfuhren aus den USA sind aber limitiert. So stehen nur begrenzt Anlagen zur Verfügung, um das Gas zu verflüssigen, und auch die Transportkapazitäten auf See sind begrenzt. Die steigenden Preise am Weltmarkt schlagen also nicht voll auf den US-Markt durch.
Wenn Preise steigen
Anders ist das übrigens in Asien: Die steigenden Preise für Gas werden dort dafür sorgen, dass Energieunternehmen wieder vermehrt auf Kohle als Energieträger setzen, sagt der Rohstoffexperte Johannes Benigni. So war das schon 2022 nach Beginn des Ukrainekrieges. Auch das hilft Europa dabei, die notwendigen Mengen des Rohstoffes zu bekommen. Wann die Preissteigerungen sich für heimische Haushalte und Unternehmen auswirken werden und wie stark, ist laut E-Control noch unklar, die Heizsaison ist zu Ende, aktuell beginnen Unternehmen aber damit, die Lager aufzufüllen. Das spricht dafür, dass die höheren Preise erst in der nächsten Heizsaison durchschlagen.
Wie teuer Österreich die Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen zu stehen kommt, zeigt eine neue Auswertung von Christoph Dolna-Gruber von der Energieagentur. Allein im vergangenen Jahr importierte Österreich Öl, Gas und Kohle im Wert von 7,8 Milliarden Euro. Der Löwenanteil entfällt auf Erdöl, welches vor allem im Verkehr eingesetzt wird. "Wir importieren zu viel Öl und Gas und sind damit von Preissprüngen abhängig", sagt Dolna-Gruber. "Eine ökonomisch vernünftige Reaktion wäre eher, bei der Erschließung europäischer Potenziale mehr Gas zu geben." (András Szigetvari, 2.3.2026)
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