Mittwoch, 25. März 2026

Der Biber ist unser bester Verbündeter, um lebendige und widerstandsfähige Gewässer zurückzugewinnen

hier  Von Alisa Pankau  25.03.2026

Studie zeigt: Biber werden plötzlich zu unterschätzten Klimaschützern


Eine 13 Jahre lange Untersuchung an einem schweizerischen Flussgebiet liefert jetzt interessante Erkenntnisse. Die Bauaktivität von Bibern könnte zum Klimaschutz beitragen – und das ohne menschliches Zutun.


Im 19. und 20. Jahrhundert war der europäische Biber noch vom Aussterben bedroht. Doch allmählich kehren die Tiere wieder an die Flüsse Europas zurück – und erweisen sich dort als echte Klimaschützer. Darauf deuten zumindest die Ergebnisse einer kürzlich veröffentlichten Studie der Universitäten Birmingham, Wageningen und Bern sowie mehreren internationalen Kooperationspartnern hin.

Die Studie zeigt, dass von Bibern bewohnte Flussgebiete zehnmal mehr Kohlenstoff speichern können als ähnliche Gebiete ohne Bibervorkommen. Sie können dadurch Nettokohlenstoffsenken schaffen, in denen mehr Kohlenstoff gebunden als freigesetzt wird.

Der Biber erschafft mit Biberdämmen Kohlenstoffspeicher

Um herauszufinden, wie genau sie dies tun und wie effektiv sie sind, hat das internationale Forschungsteam einen Flusskorridor in der Nordschweiz 13 Jahre lang unter die Lupe genommen, der von Bibern bewohnt ist. Es hat sowohl das freigesetzte als auch das dort gebundene Kohlendioxid gemessen. Der Kohlenstoff steckt dabei sowohl in organischem Material wie Blättern oder Wurzeln, als auch in anorganischen Materialien, etwa als Karbonat in Knochen oder Gestein.

„Indem sie das Wasser verlangsamen, Sedimente zurückhalten und Feuchtgebiete ausweiten, verwandeln sie Bäche in leistungsfähige Kohlenstoffsenken“, sagt der leitende Studienautor der Universität Birmingham, Joshua Larsen. Feuchtgebiete gelten schon lange als wichtiges Ökosystem für Kohlenstoffkreisläufe, die eine Menge Kohlenstoff speichern können.

„Innerhalb von etwas mehr als einem Jahrzehnt hat sich das von uns untersuchte System bereits in eine langfristige Kohlenstoffsenke verwandelt. Das geht weit über das hinaus, was wir von einem unbewirtschafteten Flusskorridor erwarten würden“, so Larsen weiter.

Natürliche Kohlenstoffsenken mit langfristigem Effekt

In dem schweizerischen Flussgebiet lagerten sich in den 13 Jahren 1.194 Tonnen Kohlenstoff an – das entspricht etwa zehn Tonnen CO2 pro Hektar und Jahr. Bekannte Maßnahmen zur langfristigen Kohlenstoffeinlagerung im Boden würden meist zu weniger als einer Tonne pro Hektar und Jahr führen.

Im Schnitt wurden im Beobachtungsgebiet jährlich 98,3 Tonnen Kohlenstoff gespeichert. Eine Unsicherheit dieses Wertes von 33,4 Tonnen sei vor allem darauf zurückzuführen, dass gelöster anorganischer Kohlenstoff über unterirdische Wasserwege aus dem Gebiet entfernt und dort gespeichert wird, heißt es in der Pressemitteilung der Universität Bern.

Dass Biber bei der Klimaanpassung helfen können, ist schon lange bekannt. Der Naturschutzbund Deutschland (NABU) bezeichnet den Nager etwa als einen „Ökosystemingenieur“, der aktiv Landschaften herstellt, Lebensräume wiederherstellt und den Wasserhaushalt stabilisiert. Dass die Nagetiere auch beim Klimaschutz helfen, ist jedoch neu.

Auch Wale beeinflussen den Kohlenstoffkreislauf

Biber sind nicht die einzigen Tiere, die das Potenzial haben, Gebiete in langfristige Kohlenstoffsenken verwandeln zu können. So untersuchte etwa eine Studie aus dem Jahr 2024 die Rolle von Walen im Kohlenstoffkreislauf. Barten- und Pottwale können vor allem durch ihre enorme Größe die Ökosystem- und Kohlenstoffdynamik in ihrem Lebensraum beeinflussen.

Ein Mechanismus dabei: Sie nehmen Plankton an der Meeresoberfläche auf und speichern den Kohlenstoff in ihren Körpern. Sobald sie sterben, sinkt er mit ihren Kadavern zum Meeresgrund. Welchen Effekt das auf das Weltklima hat, kann allerdings erst bestimmt werden, wenn sich die Walpopulationen erholt haben.



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Biber sind laut Studie wertvoll für die Artenvielfalt

Wo Biber leben, ist das für Mensch und Natur von Vorteil. Das ist das Ergebnis einer neuen Studie, die am Montag von einem vom Bundesamt für Umwelt (Bafu) beauftragten Beratungsbüro veröffentlicht worden ist.

Der Biber erhöht die Anzahl der Pflanzenarten, ermöglicht durch seine Dämme die Speicherung von Kohlenstoff und reinigt das Wasser. Er ist «ein wichtiger Verbündeter für die Biodiversität», sagt Cécile Auberson, wissenschaftliche Koordinatorin der nationalen Biberberatungsstelle und Mitautorin des neuen Berichts, zur Nachrichtenagentur Keystone-SDA.

Durch ihre Tätigkeit schüfen die Nagetiere Lebensräume, die dynamisch, strukturreich und artenreich seien und vereine diese. In 16 untersuchten Gebieten habe sich die Anzahl der Tier- und Pflanzenarten um das 2,6-fache und die Anzahl der Lebewesen um das 5,9-fache erhöht.

Hinter diesen Zahlen verbirgt sich ein einfacher Mechanismus: Durch den Bau von Dämmen schafft der Biber Feuchtgebiete. Diese Gebiete mit stehendem Wasser ermöglichen es, dass Kohlenstoff in Wasserpflanzen und Sedimenten in grösseren Mengen gespeichert wird als in Wäldern. «Dieses Gebiet fungiert als Kohlenstoffsenke», sagt die Expertin.

Bessere Wasserqualität

Das Wasser steht also im Mittelpunkt der Fähigkeiten dieser Ökosystemingenieure. In den Teichen, die sich oberhalb der Dämme bilden, finden biologische und chemische Prozesse statt. Dies ermöglicht eine bessere Aufnahme von Schadstoffen wie Nitraten durch die Vegetation, erklärt Auberson. Das Ergebnis: Die Wasserqualität verbessert sich.

Das Tier staut viel Wasser an der Oberfläche, aber auch im Boden. Sein Revier befeuchtet die umliegenden Flächen. Dem Bericht zufolge könnten in der Schweiz, wenn alle vom Biber potenziell besiedelbaren Gewässer besetzt wären, zwischen 1 und 2 Millionen Kubikmeter Wasser an der Oberfläche gespeichert werden. Das entspricht etwa sechshundert olympischen Schwimmbecken. «Eine Zahl, die in Zeiten wiederkehrender Dürre zählt», betont die Wissenschaftlerin.

Fast 30'000 Hektar verfügbar

Im Jahr 2022 lebten in der Schweiz etwa 5000 Biber. 1956 war das Tier hierzulande wieder angesiedelt worden. Der Studie zufolge könnten rund 30'000 Hektar besiedelt werden ohne grosses Risiko von Konflikten mit Infrastrukturbauten der Menschen.

Für Cécile Auberson müsste dem Biber mehr Platz eingeräumt werden, doch «nicht unbedingt für ihn, sondern für uns. Wir könnten von seinen Leistungen profitieren, es ist eine kostenlose Revitalisierung. Der Biber ist unser bester Verbündeter, um lebendige und widerstandsfähige Gewässer zurückzugewinnen

Impulse für die Politik

Mit diesen Daten hoffen die Forscher, den kantonalen und eidgenössischen Behörden stichhaltige Argumente zu liefern, um die Akzeptanz dieser Nagetiere zu fördern, wie sie in einer Pressemitteilung festhalten.

Für sie geht es darum, das Säugetier in Projekte zur Gewässergestaltung und -revitalisierung einzubeziehen und es weiterhin als Instrument zur Förderung von Feuchtwäldern zu nutzen.

Die Programmvereinbarung «Umwelt 2025-2028» zwischen den Kantonen und dem Bund ermöglicht dies bereits. Darin heisst es, wo dies möglich und sinnvoll sei, könnten die Aktivitäten des Bibers durch die Schaffung eines Waldreservats geschützt und gefördert werden. Der Bericht vergisst auch die städtischen Gebiete nicht und weist darauf hin, dass der Biber die Biodiversität sogar in der Stadt fördern kann.

Doch «es gibt Konflikte, das darf man nicht leugnen», sagt Auberson. Der Dialog mit den Landwirtinnen und Landwirten, die mit Bibern konfrontiert sind, sei daher von entscheidender Bedeutung. «Wir möchten zusammenarbeiten. Das erfordert Anstrengungen seitens der beteiligten Akteure, aber wir sind überzeugt, dass Biber für die gesamte Bevölkerung von Vorteil sein können», sagt sie.

Die Studie wurde zwischen 2020 und 2023 vom Nationalen Biberberatungsdienst im Auftrag des Bundes durchgeführt. (sda)

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