WiWo hier Stefan Hajek 04.03.2026
Nachfrage nach Solaranlagen boomt laut Händler wegen des Iran-Kriegs
Privatleute und Mittelständler kaufen seit dem Angriff auf den Iran Solarzellen für den Balkon oder das Dach des Eigenheims. Das hat vor allem einen Grund.
Der Iran-Krieg führt offenbar kurzfristig zu einem regelrechten Run auf Fotovoltaikanlagen. Das beobachtet Janik Nolden, Geschäftsführer von Solarhandel24, dem nach eigenen Angaben größten unabhängigen deutschen Händler für Solarmodule und Wechselrichter. Eigentlich habe das Jahr 2026 „vergleichsweise ruhig“ begonnen, sagt Nolden. Viele Kunden zögerten, unter anderem wegen der Debatte um eine komplette Streichung der Einspeisevergütungen, wie sie Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche plant.
Doch „seit der Iran die Straße von Hormus am Samstag schloss und die Öl- und LNG-Tanker nicht mehr durch die Meerenge fahren können, sehen wir einen plötzlichen und massiven Nachfrageanstieg nach kleinen Balkonkraftwerken, aber auch nach kompletten Dach-Fotovoltaikanlagen“, berichtet Nolden.
Während der Händler in einer normalen Woche durchschnittlich etwas weniger als fünf Millionen Euro umsetze, seien es allein von Samstag bis Dienstag mehr als sieben Millionen Euro gewesen. Für die ganze Woche dürfte sich der Umsatz mehr als verdoppeln. Sieben Millionen Euro Umsatz entsprechen rund 30.000 Modulen oder durchschnittlich 2000 Dachanlagen. Die Zahl der telefonischen Anfragen habe sich von üblicherweise etwa 500 am Tag auf mehr als 1500 pro Tag verdreifacht, berichtet der Händler.
Anders als Installationsbetriebe und große Ketten wie 1,5 Grad, Thermondo oder Enpal verbaut Solarhandel24 selbst keine Anlagen, sondern verkauft sie nur. Deswegen schlage der sehr kurzfristige Nachfrageschub bei ihm wahrscheinlich „ungefilterter zu Buche“, vermutet Nolden. Und: „Unsere Kunden sind zu über 70 Prozent Privatleute, der Rest sind meist kleinere Gewerbetreibende und Mittelständler“, erklärt Nolden. Anders als große Freiflächen-PV-Entwickler reagiert diese Kundengruppe schneller, aber auch emotionaler als Profis, die in der Regel langfristige Investitionspläne verfolgen und mitunter monatelang auf einen Netzanschluss warten müssen.
Hintergrund sei eindeutig die Angst vor drastisch steigenden Energiepreisen, berichtet Nolden. In der Tat haben sich seit Beginn der Woche die Großhandelspreise für Flüssigerdgas (LNG) bereits verdoppelt; weil Gaskraftwerke an der Strombörse oft den Preis setzen, zogen auch die Strompreise im Börsenhandel deutlich an.
„Aus Gesprächen mit Kundinnen und Kunden wird sehr deutlich: Hier geht es nicht mehr nur um ein paar Euro mehr auf der Stromrechnung – viele empfinden die Situation als reale Bedrohung für ihre Finanzen“, glaubt Nolden. Auch der „Wunsch nach mehr Unabhängigkeit und Versorgungssicherheit“ sei bei vielen ein starker Kaufgrund, so Nolden.
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