TAZ hier Kommentar von Kai Schöneberg 17.3.2026
Teures Benzin: Sorry, liebe Wutbürger!
Vermutlich muss Sprit noch viel teurer werden, bis es auch der letzte Autofahrer merkt: dass er sich nur mit einem Stromer von der Ölmafia lösen kann.
Sorry, liebe Wutbürger: Auch wenn der Preishammer an den Tankstellen vielen und gerade den sozial Schwächeren wehtut – die Spritpreise sind in Deutschland einfach noch viel zu niedrig. Das ist keine grünversiffte Illusion, das ist Klimaschutz und die einzig mögliche Antwort auf eine bereits weit vorangeschrittene Verkehrswende.
Donald Trump führt die USA gerade in den zweiten Kriegsschlag ums Öl – seit Jahresbeginn. Die beste Versicherung gegen die Abhängigkeit von den Fossilen sind E-Autos. Sie helfen dem Klima, schaffen Jobs und schützen uns vor fossilen Oligarchen. Wer jetzt schon mit grünem Strom fährt, ist gegen die Flummibewegungen der neuen Geopolitik ganz gut gefeit. Der Preisschock an den Zapfsäulen durch den Iran-Krieg belastet die Fahrer*innen von Benzinautos fünfmal so stark wie jene von Stromern.
Alle E-Autos weltweit sparen heute schon zwei Drittel des Öls ein, das durch die Straße von Hormus transportiert wird. Außerdem werden sie preislich immer attraktiver gegenüber Benzinern.
Doch EU und Bundesregierung setzen auf ein ökologisches Rollback. Am Dienstag berieten die EU-Umweltminister*innen über abgeschwächte Flottengrenzwerte und Aufweichung des Verbrenner-Verbots.
Das wird den Umstieg in Europa verlangsamen – und könnte die deutschen Hersteller, die weiter auf PS setzen, eines Tages als die Nokias der Autobranche enden lassen. Gleichzeitig schwächt Wirtschaftsministerin Katherina Reiche günstige heimische Energiequellen wie Wind und Sonne. Und sie präsentierte am Dienstag ein Tankstellenpaket, über das selbst der ADAC sagte, dass es vorerst die Spritpreise sogar anziehen lassen werde.
Man müsste sie dafür fast beglückwünschen. Noch besser sollte Reiche fossile Subventionen abbauen und Diesel und Benzin verteuern. Als die Grünen Ende der 90er fünf Mark für einen Liter Benzin forderten, wurden sie bei den Wahlen abgestraft. Wahrscheinlich muss der Sprit heute aber noch viel kostspieliger werden, bis der letzte Autofahrer merkt, dass er sich nur mit einem Stromer von der Ölmafia lösen kann.
Süddeutsche Zeitung hier Glosse: Das Streiflicht 17. März 2026 Florian Peljak
Fünf Mark pro Liter Benzin? Wie Donald Trump ein altes Projekt der Grünen erfolgreich umsetzt
Steigende Preise an der Tankstelle: Die Pädagoginnen und Pädagogen unter den Zwei-Euro-Fünfzig-Befürwortern glauben, die Revolutionsgarde würde sehr indirekt mehr Menschen in Deutschland zum Kauf von Elektroautos erziehen.
Der Benzinpreis ist ein Ergebnis von Geschichte und Verrücktheit. Putin, Amerikas Präsident und überzeugte Elektromobilisten mögen das.
Benzin ist ein ganz besonderer Saft. Wäre Goethe nicht mit der Eisenbahn gefahren – ein Gruß an den verewigten Fritz J. Raddatz –, sondern mit dem Auto, hätte Faust seinen Pakt mit Mephisto bestimmt mit E 5 unterzeichnet und nicht mit Blut.
Das Benzin jedenfalls ist zurzeit teuer. Dies gefällt einerseits Wladimir Putin, weil sein Freund, der US-Präsident, deswegen die Ölverkaufs-Sanktionen gegen Russland gelockert hat. Trump, der größte Stratege aller Zeiten, hat leider nicht einkalkuliert, dass sich die Iraner wehren würden, wenn man sie angreift. Andererseits gefallen die hohen Benzinpreise hierzulande etlichen Freundinnen und Freunden der Elektromobilität, weil sie, simpel gesagt, es nur gerecht finden, wenn das Verbrennermilieu bezahlen muss.
Die Pädagoginnen und Pädagogen unter den Zwei-Euro-Fünfzig-Befürwortern glauben außerdem, die Revolutionsgarde würde sehr indirekt mehr Menschen in Deutschland zum Kauf von Elektroautos erziehen. Ein drittes Lager wiederum, in dem sich die wirklichen Durchblicker aufhalten, lässt das Publikum wissen, dass es sich wieder mal über etwas Falsches, den Benzinpreis, aufregt, statt sich mit den echten Problemen dieser Welt zu beschäftigen. Aber das sei ja „sehr deutsch“. Gut, dass es Menschen gibt, die uns das erklären.
Die Zustände an der Straße von Hormus erinnern an die Deutsche Bahn
Die Lage also, würde Friedrich Merz sagen, ist komplex. Fast sehnt man sich ins Jahr 1998 zurück, als die Grünen für eine propagierte ökologische Steuerreform ein Drei-Liter-Auto (drei Liter Sprit auf 100 Kilometer, Elektroautos gab es damals nur im Spielwarenladen) favorisierten und den Benzinpreis bis 2008 aus pädagogisch-ökologischen Gründen auf fünf Mark pro Liter erhöhen wollten. Fünf Mark! Große Aufregung! Fünf Mark wären nach heutigem Geld 2,50 Euro. Also ein fast normaler Krisen-Benzinpreis. Das bedeutet auch, dass Donald Trump, ohne sich mit Felix Banaszak abgesprochen zu haben, ein altes Projekt des linken Flügels der Grünen erfolgreich global umsetzt. Es ist ihm binnen kurzer Zeit gelungen, den Benzinpreis auf eine Höhe zu treiben, deretwegen der später nahezu heilig gesprochene Joschka Fischer damals seine Parteifreunde und Freundinnen anherrschte: Ihr seid ja verrückt!
Cleantech von Rico Grimm
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- „Im Falle von Öl bedeutet die Schließung der Straße von Hormus einen Ausfall von 20 % des weltweiten Angebots.
Im Falle von Gas hingegen führt die Schließung der Straße nur zu einem Ausfall von 20 % des weltweiten Seeangebots. Das sind lediglich 3 % des weltweiten Angebots.“ - Würde man auf das knapper werdende Öl mit der Einführung von E-Autos reagieren, würde das mehrere Jahrzehnte dauern, weil Autos so langlebig sind.
- Aber der Gasbedarf lässt sich vergleichsweise einfach ersetzen: durch Wind und Solar.


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