Mittwoch, 18. März 2026

Streiflicht: Wie Donald Trump ein altes Projekt der Grünen erfolgreich umsetzt


2 Kommentare zur aktuellen Situation  mit Augenzwinkern, aber dann eine sachliche Darstellung von Rico Grimm mit einem Hoffnungsschimmer auf die Zukunft



TAZ hier  Kommentar von   Kai Schöneberg  17.3.2026

Teures Benzin: Sorry, liebe Wutbürger!

Vermutlich muss Sprit noch viel teurer werden, bis es auch der letzte Autofahrer merkt: dass er sich nur mit einem Stromer von der Ölmafia lösen kann.

Sorry, liebe Wutbürger: Auch wenn der Preishammer an den Tankstellen vielen und gerade den sozial Schwächeren wehtut – die Spritpreise sind in Deutschland einfach noch viel zu niedrig. Das ist keine grünversiffte Illusion, das ist Klimaschutz und die einzig mögliche Antwort auf eine bereits weit vorangeschrittene Verkehrswende.

Donald Trump führt die USA gerade in den zweiten Kriegsschlag ums Öl – seit Jahresbeginn. Die beste Versicherung gegen die Abhängigkeit von den Fossilen sind E-Autos. Sie helfen dem Klima, schaffen Jobs und schützen uns vor fossilen Oligarchen. Wer jetzt schon mit grünem Strom fährt, ist gegen die Flummibewegungen der neuen Geopolitik ganz gut gefeit. Der Preisschock an den Zapfsäulen durch den Iran-Krieg belastet die Fah­re­r*in­nen von Benzinautos fünfmal so stark wie jene von Stromern.

Alle E-Autos weltweit sparen heute schon zwei Drittel des Öls ein, das durch die Straße von Hormus transportiert wird. Außerdem werden sie preislich immer attraktiver gegenüber Benzinern. 

Doch EU und Bundesregierung setzen auf ein ökologisches Rollback. Am Dienstag berieten die EU-Umweltminister*innen über abgeschwächte Flottengrenzwerte und Aufweichung des Verbrenner-Verbots.

Das wird den Umstieg in Europa verlangsamen – und könnte die deutschen Hersteller, die weiter auf PS setzen, eines Tages als die Nokias der Autobranche enden lassen. Gleichzeitig schwächt Wirtschaftsministerin Katherina Reiche günstige heimische Energiequellen wie Wind und Sonne. Und sie präsentierte am Dienstag ein Tankstellenpaket, über das selbst der ADAC sagte, dass es vorerst die Spritpreise sogar anziehen lassen werde.

Man müsste sie dafür fast beglückwünschen. Noch besser sollte Reiche fossile Subventionen abbauen und Diesel und Benzin verteuern. Als die Grünen Ende der 90er fünf Mark für einen Liter Benzin forderten, wurden sie bei den Wahlen abgestraft. Wahrscheinlich muss der Sprit heute aber noch viel kostspieliger werden, bis der letzte Autofahrer merkt, dass er sich nur mit einem Stromer von der Ölmafia lösen kann.


Süddeutsche Zeitung hier  Glosse: Das Streiflicht   17. März 2026  Florian Peljak

Fünf Mark pro Liter Benzin? Wie Donald Trump ein altes Projekt der Grünen erfolgreich umsetzt

Steigende Preise an der Tankstelle: Die Pädagoginnen und Pädagogen unter den Zwei-Euro-Fünfzig-Befürwortern glauben, die Revolutionsgarde würde sehr indirekt mehr Menschen in Deutschland zum Kauf von Elektroautos erziehen.

Der Benzinpreis ist ein Ergebnis von Geschichte und Verrücktheit. Putin, Amerikas Präsident und überzeugte Elektromobilisten mögen das.

Benzin ist ein ganz besonderer Saft. Wäre Goethe nicht mit der Eisenbahn gefahren – ein Gruß an den verewigten Fritz J. Raddatz –, sondern mit dem Auto, hätte Faust seinen Pakt mit Mephisto bestimmt mit E 5 unterzeichnet und nicht mit Blut. 

Das Benzin jedenfalls ist zurzeit teuer. Dies gefällt einerseits Wladimir Putin, weil sein Freund, der US-Präsident, deswegen die Ölverkaufs-Sanktionen gegen Russland gelockert hat. Trump, der größte Stratege aller Zeiten, hat leider nicht einkalkuliert, dass sich die Iraner wehren würden, wenn man sie angreift. Andererseits gefallen die hohen Benzinpreise hierzulande etlichen Freundinnen und Freunden der Elektromobilität, weil sie, simpel gesagt, es nur gerecht finden, wenn das Verbrennermilieu bezahlen muss. 

Die Pädagoginnen und Pädagogen unter den Zwei-Euro-Fünfzig-Befürwortern glauben außerdem, die Revolutionsgarde würde sehr indirekt mehr Menschen in Deutschland zum Kauf von Elektroautos erziehen. Ein drittes Lager wiederum, in dem sich die wirklichen Durchblicker aufhalten, lässt das Publikum wissen, dass es sich wieder mal über etwas Falsches, den Benzinpreis, aufregt, statt sich mit den echten Problemen dieser Welt zu beschäftigen. Aber das sei ja „sehr deutsch“. Gut, dass es Menschen gibt, die uns das erklären.

Die Zustände an der Straße von Hormus erinnern an die Deutsche Bahn

Die Lage also, würde Friedrich Merz sagen, ist komplex. Fast sehnt man sich ins Jahr 1998 zurück, als die Grünen für eine propagierte ökologische Steuerreform ein Drei-Liter-Auto (drei Liter Sprit auf 100 Kilometer, Elektroautos gab es damals nur im Spielwarenladen) favorisierten und den Benzinpreis bis 2008 aus pädagogisch-ökologischen Gründen auf fünf Mark pro Liter erhöhen wollten. Fünf Mark! Große Aufregung! Fünf Mark wären nach heutigem Geld 2,50 Euro. Also ein fast normaler Krisen-Benzinpreis. Das bedeutet auch, dass Donald Trump, ohne sich mit Felix Banaszak abgesprochen zu haben, ein altes Projekt des linken Flügels der Grünen erfolgreich global umsetzt. Es ist ihm binnen kurzer Zeit gelungen, den Benzinpreis auf eine Höhe zu treiben, deretwegen der später nahezu heilig gesprochene Joschka Fischer damals seine Parteifreunde und Freundinnen anherrschte: Ihr seid ja verrückt!


Cleantech von Rico Grimm

17. März 2026   |   Online lesen

Was dieser 3. Golfkrieg für grüne Technologien bedeutet 
Ja, er ist ein Wendepunkt.
Aber es wird dauern, bis das jeder sieht. 
Vor mehr als einem Jahr hatte ich euch hier im Newsletter Chinas Malakka-Dilemma vorgestellt: Das Land importiert große Mengen Öl durch eine Meerenge, die an der engsten Stelle kaum drei Kilometer breit ist. Im Kriegsfall wäre das ein einfaches Blockadeziel. Auch deswegen fördert China die Elektrifizierung und heimische erneuerbare Energie. Um sich unabhängig zu machen. 

China bezieht zwar große Mengen Öl aus dem Iran und damit auch über die Straße von Hormuz, dürfte aber mittelfristig als Gewinner aus diesem Krieg hervorgehen, argumentieren zwei Experten in diesem Beitrag für Foreign Policy (€). 
Denn es liefert die Komponenten für die globale Energiewende und baut selbst Erneuerbare um. Ein Sieg für den Elektrostaat China, und eine Niederlage für den Petrostaat USA. 

Was bedeutet der Krieg für die EU? 

Der Thinktank Bruegel fasst es hier kompakt zusammen: „Europa ist weit weniger abhängig von Öl und LNG aus dem Golf als China, Indien, Japan oder Südkorea, aber es ist nicht isoliert.“ Und im Vergleich Öl vs. LNG ist es wiederum das Erdgas, das Europa Probleme macht. 

Michael Liebreich macht in seiner Analyse mehrere interessante Beobachtungen: 
  • „Im Falle von Öl bedeutet die Schließung der Straße von Hormus einen Ausfall von 20 % des weltweiten Angebots.
    Im Falle von Gas hingegen führt die Schließung der Straße nur zu einem Ausfall von 20 % des weltweiten Seeangebots. Das sind lediglich 3 % des weltweiten Angebots.“ 

  • Würde man auf das knapper werdende Öl mit der Einführung von E-Autos reagieren, würde das mehrere Jahrzehnte dauern, weil Autos so langlebig sind. 

  • Aber der Gasbedarf lässt sich vergleichsweise einfach ersetzen: durch Wind und Solar. 

Als Deutschland und die anderen europäischen Länder nach dem Beginn des Ukraine-Krieges weltweit Gas zu Mondpreisen einkauften, um die Versorgung zu sichern, hatte das vor allem zwei Leidtragende: Pakistan und Bangladesch. Beide Länder deckten damals einen großen Teil ihres Energiebedarfs mit Importgas. Die folgende Mangellage fingen sie mit Sparsamkeit ab, aber speziell Pakistan setzte auch zum privat finanzierten Solarwunder an. Heatmap schaut in diesem Artikel auf die Entwicklungsländer und kann zeigen: Auch dieses Mal werden Erneuerbare profitieren – und Kohle. Indien, die Philippinen, aber auch Japan haben bereits angedeutet, dass sie mehr Kohle verfeuern werden. 

Azeem Azhar sieht den Iran-Krieg als Katalysator für einen Solar-Supercycle, angetrieben von den fallenden Kosten, die nun neue Märkte erschließen, so wiederum die Kosten weiter fallen lassen, neue Märkte erschließen… Moneyquote: „Die Straße von Hormus wird wieder geöffnet. Das tut sie immer. Aber irgendwann in nicht allzu ferner Zukunft könnte sie wieder geschlossen werden, denn das ist es, was Engpässe tun. Und jedes Mal wird es ein wenig weniger wichtig sein.“ 

Was ich denke

Der dritte Golfkrieg beschleunigt nicht nur die Einführung grüner Energietechnologien. Er beschleunigt die Einführung aller Energietechnologien, die mit möglichst wenig Importen betrieben werden können

Das sind in den meisten Fällen Solar und Wind und Wasserkraft und Geothermie, aber eben nicht nur. Es können auch Atomkraft, Kohle und Gas sein. China etwa sitzt noch auf riesigen Frackingreserven. 
In den meisten Ländern der Welt gewinnt Solar+Batterie immer das Wettrennen, aber Regierungen und Unternehmen werden sich in Fragen der nationalen Sicherheit auf alles gleichzeitig verlassen wollen, was sie kontrollieren können. 

Trotzdem glaube ich, dass wir in ein paar Jahrzehnten auf den Winter, Frühling 2026 zurückschauen werden, weil er ein Wendepunkt war. 
Haben die Klimaproteste und das Pariser Abkommen in den Zehnerjahren die linke Mitte von Elektrifizierung und Energiewende überzeugt, wird diese Krise hier die rechte Mitte weltweit endgültig überzeugen. Das energiehungrige KI-Wettrennen läuft ja auch noch, und überzeugt selbst MAGA von Solar. 

Wir treten damit in eine neue Phase ein. Diese Ölkrise wird die letzte relevante der Geschichte sein, und Resilienz wird neben niedrigen Kosten zu einem Argument mehr, mit dem sich grüne Technologien durchsetzen können, ohne dass sich jemand ans Wirtschaftsministerium ketten muss. 

Nur einen Fehler können wir Cleantechies gerade machen: ungeduldig sein. Denn die Veränderung, die in diesen Monaten beginnt, wird Jahre dauern. Erst die aktuelle Krise meistern, dann Pläne schmieden, dann Geld besorgen, dann bauen. 
Aber die Veränderung wird kommen. 

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