Sonntag, 22. März 2026

AFD Streiflicht

 hier  Glosse  Das Streiflicht   13. März 2026,

Offenbar hat die AfD die eigene Forderung nach finanzieller Förderung von Familien etwas zu wörtlich genommen. 

Aber es gäbe da vielleicht eine Lösung.

Der Verband der Familienunternehmer lässt, freundlich gesprochen, und man sollte freundlich sprechen, denn Familienunternehmen sind ja etwas Schönes, nicht wahr, ihr Verband also lässt gern allerlei Dinge verlauten, die ein solcher Verband eben so verlauten lässt: schlimm, alles schlimm im Land, Niedergang überall, wegen Steuern, Sozialstaat, Sozen. 

Umso erstaunlicher erschien es vergangenes Jahr, dass seine Präsidentin Marie-Christine Ostermann mit einer komplexen, ja beinahe theologischen Erörterung von Gut und Böse in der Welt an die Öffentlichkeit trat, was aus ihrer Sicht zu „schlichte Kategorisierungen“ seien.
Ja, fast schien es, als spräche sie im biblischen Sinne wie Hiob, 2,10: „Haben wir Gutes empfangen von Gott und sollten das Böse nicht auch annehmen?“ Anders als bei Hiob, dem Gerechten, ging es Frau Ostermann allerdings um etwas sehr Irdisches, dem Himmel Fernes, womit wir bei der AfD wären.

 Diese sei der Präsidentin zufolge Objekt „moralischer Ausgrenzung“ in unserem Land. Als daraufhin erste Unternehmen den Verband lieber verließen und das Weite suchten, weil sie um Kunden und Ruf fürchteten, da ließ dieser verlauten, so sei das doch alles nicht gemeint gewesen.

Seither hat sich die Lage weiterentwickelt. Man wirft der AfD inzwischen Vetternwirtschaft im wörtlichen Sinne vor, Missbrauch von Staatsgeld, Scheinbeschäftigung und schamlose Selbstbereicherung durch die Beschäftigung von Angehörigen auf Kosten der deutschen Steuerzahler, als deren Anwalt sich die Populisten doch so gern geben.

So war das also gemeint in den AfD-Programmreden, wenn ihre Leute die Familie als Keimzelle der Gesellschaft priesen und forderten, Familien mit deutscher Staatsangehörigkeit mit Krediten „und anderen familienpolitischen Maßnahmen“ zu unterstützen. Offenbar entschloss man sich in Parteikreisen angesichts des für diese betrüblichen Umstands, dass die Übernahme der Macht im Land und somit der Zugriff auf den Bundesetat wohl doch nicht so bald zu erwarten ist, mit familienpolitischen Maßnahmen in eigener Sache den Dingen etwas vorzugreifen.

Die AfD hat, wie es aussieht, das eigene Programm zur finanziellen Förderung von Familien etwas arg wörtlich genommen. Die Streiflicht-Redaktion schlägt daher vor, die AfD als Ganzes in den Bund der Familienunternehmen aufzunehmen, da die Partei ausweislich ihrer Einstellungspraxis als solches betrachtet werden kann. Wirtschaftlich gilt eine Firma schließlich als Familienunternehmen, wenn ebendiese Familie Einfluss auf die Geschäftspolitik nimmt und mindestens ein Viertel der Anteile hält. Nach Einschätzung von Experten dürfte Familienbeschäftigung bei der AfD diese Quote weit übertreffen. Nur an die Kasse mit den Mitgliedsbeiträgen sollte man die Parteifreunde vorerst lieber nicht lassen.

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