- erstens kostenlose Zuteilungen schrittweise abgeschafft werden,
- zweitens gleichzeitig ein CO₂-Grenzausgleichsmechanismus eingeführt sowie
- drittens der Emissionshandel auf neue Sektoren wie den internationalen Luftverkehr und die Schifffahrt ausgeweitet wird.
- Zudem ist vorgesehen, 2028 einen zweiten Emissionshandel, das sogenannte ETS2, einzuführen.Das ETS2 soll die Emissionen von Haushalten (Verkehr und Wohnen) sowie von kleinen, bislang nicht vom ETS erfassten Unternehmen abdecken. Würde nun der ETS abgeschwächt, verringert sich die Wahrscheinlichkeit, dass das ETS2 tatsächlich eingeführt wird.
T-online Amy Walker /Wirtschaftsredakteurin mit Schwerpunkt Energie
Ich finde, Anna Borg bringt es gut auf den Punkt: Den ETS jetzt abzuschaffen ist ungefähr so, wie wenn man die Dämmung eines Hauses auf halber Strecke beendet, weil es teuer ist.
Ja, der Emissionshandel kostet Geld, das ist der Punkt. Aber dieses Geld verschwindet nicht einfach, sondern kann - zumindest theoretisch - dafür eingesetzt werden, die Transformation zu unterstützen. Und langfristig sparen Europäer Geld, wenn sie nicht mehr zu 100% auf fossile Importe angewiesen sind.
Gerade ist es für viele Unternehmen und Industrien auch schwer, das muss man anerkennen. Eine Reform des ETS sollte deshalb auch in Angriff genommen werden - um gezielt bestimmte Branchen zu helfen.
Aber alles über Bord zu werfen würde die Unternehmen ignorieren, die sich seit 20 Jahren auf den Weg machen und Geld in klimafreundliche Technologien investiert haben. Diese Unternehmen machen Europa langfristig unabhängig, und sollten dafür nicht bestraft werden. Die EU sollte auch nicht unterschätzen, was eine Abschaffung des #CO2Preises für ein Signal sendet: Verlässlichkeit gibt es hier nicht.
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hier 19.03.2026 Amy Walker
Gipfel am Donnerstag: EU streitet über Abschaffung des CO2-Preises
Am Donnerstag kommen die europäischen Staats- und Regierungschefs zum Gipfel zusammen. Dieser steht im Zeichen der steigenden Energiepreise. Rechtspopulistische Kräfte wittern ihre Chance.
Die europäischen Rechtspopulisten erleben gerade eine Erfolgsserie. Im EU-Parlament ist Recherchen zufolge die Brandmauer gefallen, Rechtsaußen und Mitte-Rechts sprechen sich bei wichtigen Entscheidungen wohl miteinander ab;
der Migrationskurs verschärft sich, die Energie- und Klimapolitik steht zunehmend unter Druck und einige EU-Staaten fordern schon einen Deal mit Russlands Kremlchef Wladimir Putin.
Mit diesem Selbstbewusstsein gehen die Rechtsaußen-Parteien am Donnerstag in den EU-Gipfel, bei dem die Staats- und Regierungschefs unter anderem über den Iran-Krieg und dessen Folgen sprechen wollen. Auf der Agenda: die Abwicklung der zentralen Säule europäischer Klimapolitik, der Europäische Emissionshandel (EU-ETS).
Europäischer CO2-Preis soll fallen
So haben sich Italien, Belgien und osteuropäische Staaten wie Tschechien, Polen und Griechenland zusammengetan und fordern, den Emissionshandel gänzlich aufzugeben. In einem Brief an die EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen heißt es, der ETS habe ihre Länder beschädigt und zur Deindustrialisierung beigetragen. Zugleich habe das System die Energie auch für Privathaushalte teurer gemacht. Die italienische Regierung hat bereits angekündigt, Gaskraftwerksbetreiber für die Kosten des ETS zu entschädigen, was in Europa bereits Unruhe schürt.
Der ETS
Der europäische Emissionshandel versieht seit 2005 den Ausstoß von CO2 mit einem Preis. Dieser CO2-Preis galt erst nur für die Energiewirtschaft, weitete sich nach und nach aber auf immer mehr Bereiche aus, unter anderem Schiffs- und Luftverkehr. Bis 2035 sollen grundsätzlich alle Wirtschaftsbereiche einbezogen werden, ab 2028 werden auch private Haushalte in das System geholt (ETS-2). Die Einnahmen aus dem Emissionshandel gehen an die EU-Mitgliedstaaten, das Geld sollen sie zur Förderung von klimafreundlichen Technologien einsetzen.
Auf der anderen Seite stehen die Skandinavier, die Niederlande und Spanien, die den ETS als zentrales energie- und klimapolitisches Instrument behalten wollen. Sie verweisen darauf, dass durch den ETS in den vergangenen 20 Jahren die Treibhausgasemissionen um mehr als 50 Prozent zurückgegangen sind, vor allem im Energiesektor, der zunehmend auf Wind, Solar, Biomasse und Atomkraft setzt und Öl, Gas und Kohle langsam verdrängt.
Außerdem warnen sie vor den Folgen einer Aushebelung des Emissionshandels: Unternehmen, die sich seit Jahren auf die CO2-Bepreisung eingestellt und Investitionen in die Zukunft getätigt haben, könnten langfristig das Vertrauen in Europa verlieren.
Und wo steht Deutschland? Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) hat sich in den vergangenen Wochen zwischen den Stühlen platziert. Er fordert eine Reform des ETS, wodurch vor allem energieintensive Industrieunternehmen wie Stahl oder Chemie entlastet werden sollen, die ohnehin unter hohem Wettbewerbsdruck stehen. Grundsätzlich wolle man aber am System festhalten, heißt es vonseiten der Bundesregierung in dieser Woche.
Druck steigt durch den Iran-Krieg
Der Streit soll am Donnerstag beigelegt werden. Ob das gelingt, ist offen. Durch den Iran-Krieg wächst der Druck auf die Regierungen, kurzfristige Maßnahmen zu ergreifen, um die Energiepreise zu senken. Die EU hatte vergangene Woche einen Gaspreisdeckel ins Spiel gebracht und forderte die Mitgliedstaaten auf, Steuern nach Möglichkeit zu senken. Auch in Deutschland werden solche Forderungen laut: Die Aussetzung des CO2-Preises ist im Gespräch.
Die Angst vor einer neuen Energiekrise kommt den Rechtspopulisten gerade recht. Für sie ist ein Ende der derzeitigen Klimapolitik jetzt endlich denkbar.
Im Vorfeld des Gipfels haben sich auch deshalb Unternehmen, Thinktanks und Forschungsinstitute an Entscheidungsträger gewandt, oft mit der Bitte verbunden, den ETS jetzt nicht auszuhebeln. Die Chefin des Energiekonzerns Vattenfall, Anna Borg, wird in einer Mitteilung deutlich: "Hände weg vom ETS". Das Vertrauen zu untergraben, würde die Wettbewerbsfähigkeit Europas langfristig schwächen, sagt sie weiter. "Es ist, als würde man die Dämmung eines Hauses auf halbem Wege aufgeben, weil sie im Moment zu kostspielig erscheint." Nur durch Dekarbonisierung könne die EU in Zukunft wettbewerbsfähig sein, so Borg.
Dem stimmt auch Domien Vangenechten von der Denkfabrik E3G zu: "Investitionssicherheit kommt durch Verlässlichkeit und nicht durch eine Verwässerung des CO2-Preises". Bernd Weber von der Denkfabrik Epico fordert die Europäer auf, die Einnahmen aus dem ETS so zu nutzen, dass die Industrie bei der Transformation unterstützt wird. "Der EU-Emissionshandel bleibt das zentrale Instrument der marktbasierten europäischen Klimapolitik."
ETS-Abschaffung schadet Deutschland
Lukas Hermwille, Co-Leiter des Forschungsbereichs Transformative Industriepolitik am Wuppertal Institut, erklärte bereits im November, als erste Diskussionen um den ETS aufkamen, dass sich die EU selbst schwächen würde, wenn sie den Emissionshandel auflösen würde. Allein die Diskussion um die Abschaffung schade dem Wirtschaftsstandort Deutschland massiv, sagte er.
"Die deutsche Industrie, insbesondere die Grundstoffindustrie, muss in den kommenden zwei Jahren zukunftsweisende Investitionsentscheidungen treffen. Doch wo politische Verlässlichkeit und klare Rahmenbedingungen notwendig wären, herrscht Vakuum." In dieser Zeit würden Konkurrenten wie China massiv in die Zukunft investieren, sagte er weiter.
China will Technologie-Weltmarktführer werden
Apropos China: Erst vergangene Woche hat China seinen Fünfjahresplan für die Jahre 2026 bis 2030 beschlossen. Darin skizziert Peking sein Vorhaben, sich als Marktführer bei neuen Technologien zu etablieren, von KI über Batterien, Halbleiter bis zu grünem Wasserstoff. Ziel ist es auch, von Energieimporten unabhängig zu werden und mehr heimische Energie zu produzieren.
Natürlich entsteht dabei eine zentrale politische Frage: Wer trägt die Kosten des Übergangs? Ohne sozialen Ausgleich kann Klimapolitik schnell als ungerecht wahrgenommen werden. Mit einem fairen Rückverteilungsmechanismus (z. B. Klimageld) kann der CO₂-Preis jedoch genau das Gegenteil erreichen: Effizienz und Fairness. Die eigentliche Frage lautet daher nicht:„Ist der CO₂-Preis zu teuer?“ Sondern: Wer soll die Rechnung bezahlen – heute die Verursacher oder morgen alle anderen?
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