Dienstag, 10. März 2026

Wahlen werden in Deutschland in der Mitte gewonnen, weil der Großteil der Wähler alle Tassen im Schrank hat

Bei allen Meinungsverschiedenheiten - die Wahl in Baden-Württemberg wurde innerhalb der demokratischen Mitte gewonnen und das sollte für uns alle ein Grund zu Jubel sein.

Sehr bemerkenswert ist in diesem Rahmen die Nach-Wahl-Analyse bei Caren Miosga  von Robin Alexander, der bis 2025 eine bedeutende Rolle bei der doch sehr konservativen (und wenig Grünen-zugeneigten) Zeitschrift  "die Welt" bekleidete.

hier:
"Wahlen werden in Deutschland in der Mitte gewonnen, weil der Großteil der Wähler  alle Tassen im Schrank hat" 

und 
"Die Grünen sind immer erfolgreich wenn es Realos sind - die CDU ist erfolgreich wenn sie in die Mitte zieht...."

und hier:
 „Die CDU hat auf zwei Ebenen spektakuläre Fehler gemacht.“ 
  • Zum einen habe sie unterschätzt, wie stark Özdemirs Bekanntheit wirken könnte.

  • Zum anderen habe man geglaubt, die Grünen über Themen wie das Heizungsgesetz aus dem bürgerlichen Lager verdrängen zu können.
„Die Annahme, das Bürgertum interessiert sich nicht für Klimaschutz, ist falsch.“


Dr. Jan-Niclas Gesenhues  hier  Grüne Bundestagsfraktion

Klimaschutz isch mitnichten over.
Im Gegenteil: Bis weit in die Mitte wünschen sich die Menschen eine fortschrittliche Energie- und Umweltpolitik.
 Auch das hat Baden-Württemberg gezeigt.


Martin Tillich  / Utopia

Auch die Landtagswahl in Baden-Württemberg bestätigt, was sich schon länger abzeichnet:

Das Interesse der politischen Mitte am Klimaschutz ist keineswegs verschwunden – auch wenn politisch immer wieder versucht wird, das Thema für erledigt zu erklären.

Der Journalist Robin Alexander brachte das in seiner Wahlanalyse bei Caren Miosga als mögliche strategische Fehleinschätzung der CDU auf den Punkt.

Vielleicht ist das „klimamüde Bürgertum“ eher ein politisches Narrativ als eine Realität.

Zeit hier Von Selina Rudolph und Julius Tröger  7. März 2026

Baden-Württemberg:
Von Schwarz zu Grün

Die CDU hat Wahlen in Baden-Württemberg immer gewonnen.
Bis sie fast überall verloren hat.
Unsere Karten zeigen, wie die Grünen das Bundesland übernommen haben.

Bei der Landtagswahl am Sonntag in Baden-Württemberg gibt es keinen klaren Favoriten. CDU und Grüne trennen in den aktuellen Umfragen nur wenige Prozentpunkte; eine Erhebung der Forschungsgruppe Wahlen von Donnerstag sieht die beiden sogar gleichauf bei 28 Prozent.

Ein Blick in die Historie zeigt, dass ein solcher Wettbewerb zwischen Grün und Schwarz früher undenkbar gewesen wäre. Das Bundesland im Südwesten war lange politisch konservativ geprägt, auch nachdem die Grünen im Jahr 1980 erstmals in den Landtag eingezogen waren.

Fünf Jahre später ist die CDU noch immer klar die stärkste Kraft in Baden-Württemberg. Aber die SPD holt auf und erzielt ihr höchstes Ergebnis seit Beginn der 1980er-Jahre. Sie wird bis heute nicht wieder so erfolgreich werden. 

Damals halten die Sozialdemokraten die großen Universitätsstädte Tübingen, Freiburg, Mannheim und Karlsruhe. Die CDU ist in der Landeshauptstadt Stuttgart, kleineren Städten und auf dem Land der Wahlsieger.

1996: Fest in CDU-Hand

Auch bei der Wahl 1996 gewinnt die CDU in den meisten Gemeinden mehr Stimmen als die anderen Parteien. In Dörfern und Städten sogar weit mehr als die Hälfte aller abgegebenen Stimmen zu bekommen, ist für die Partei damals noch üblich. 

Landesweit wählen bei dieser Wahl knapp 40 Prozent aller Baden-Württemberger die CDU. Es ist im Jahr 1996 bis dahin eines der niedrigsten Ergebnisse in der Geschichte der Partei, die heute in den Umfragen bei unter 30 Prozent steht. 

Auf der Karte fällt Tübingen als einzige grüne Gemeinde auf; hier konnte die Partei im Jahr 1996 das erste Mal mehr Stimmen als SPD oder CDU erzielen.


2001: Die SPD holt auf

Fünf Jahre später ist die CDU noch immer klar die stärkste Kraft in Baden-Württemberg. Aber die SPD holt auf und erzielt ihr höchstes Ergebnis seit Beginn der 1980er-Jahre. Sie wird bis heute nicht wieder so erfolgreich werden. Damals halten die Sozialdemokraten die großen Universitätsstädte Tübingen, Freiburg, Mannheim und Karlsruhe. Die CDU ist in der Landeshauptstadt Stuttgart, kleineren Städten und auf dem Land der Wahlsieger.

2006: Die Konservativen übernehmen SPD-Gemeinden

Die CDU scheint wieder unangefochten in Baden-Württemberg. Sie holt in allen Universitätsstädten mehr Stimmenanteile als die SPD; die Grünen können nur in Tübingen mehr Stimmen als die CDU erreichen. Insgesamt wird die Karte noch flächendeckender schwarz.

Es ist auch die Wahl, in der die FDP nach vielen Jahrzehnten wieder ein zweistelliges Ergebnis erzielen kann. Wie bei der vorherigen Wahl stimmen in vier Gemeinden mehr Menschen für die Liberalen als für jede andere Partei, diesmal aber nicht im Norden des Landes, sondern im Westen. Wie in den Jahren zuvor bilden CDU und FDP die Regierungskoalition.

2011: CDU gewinnt die meisten Gemeinden, Grün-Rot übernimmt die Regierung

Zwei Themen prägen den Wahlkampf im Jahr 2011:
das Bahnprojekt Stuttgart 21 und die Atomkatastrophe in Fukushima. 

Davon profitieren die Grünen. Sie wollen Stuttgart 21 stoppen und aus der Atomenergie aussteigen. Bei der Wahl gewinnt die CDU zwar weiterhin in einer Mehrheit der Gemeinden, doch die Grünen können in den bevölkerungsreichen Städten zulegen. Diese sind so groß, dass sie aus mehreren Wahlkreisen bestehen und entsprechend auch mehr als einen Abgeordneten ins Landesparlament schicken. Das erste Mal seit dem Jahr 1953 ist die CDU nicht an der Landesregierung beteiligt. Winfried Kretschmann wird der erste grüne Ministerpräsident und führt eine Koalition aus Grünen und SPD.

2016: Das Land färbt sich grün

Ministerpräsident Kretschmann ist beliebt, und in Umfragen geben bis zu 70 Prozent der Befragten an, dass sie mit der Regierung zufrieden sind. Bei der Landtagswahl 2016 können sich die Grünen auch außerhalb der großen Städte oft durchsetzen. Sie übernehmen im ganzen Land Gemeinden von der CDU, auch in ländlichen Regionen, und haben nun selbst im Landesergebnis mehr Stimmen als die Konservativen. Zum ersten Mal seit Gründung des Bundeslandes ist die CDU nicht die Partei mit dem höchsten Stimmenanteil bei einer Landtagswahl: Sie erreicht 27 Prozent, die Grünen dagegen 30,3 Prozent. Letztere gewinnen nicht nur in den ehemaligen CDU-Orten, sie erhalten auch die meisten Stimmen in den früheren SPD-Zentren im Südwesten des Landes. Die Sozialdemokraten gewinnen 2016 nur in zwei Gemeinden: Bietigheim bei Karlsruhe und Obersulm. Sie verlieren die Regierungsbeteiligung, die Grünen koalieren jetzt mit der CDU.

Die AfD gewinnt bei ihrer ersten baden-württembergischen Landtagswahl 15,1 Prozent der Stimmen, in keinem anderen westdeutschen Bundesland konnte sie bei ihrem Debüt ein so hohes Ergebnis erzielen. In vier Gemeinden bekommt sie die meisten Stimmen, darunter die Großstadt Pforzheim.

2021: CDU-Gemeinden sind in der Minderheit

Bei der vergangenen Landtagswahl können die Grünen ihren Stimmanteil noch einmal steigern – in den Landesergebnissen, aber auch in vielen Gemeinden. Über drei Jahrzehnte hat sich das Bild gedreht: Baden-Württemberg ist von einem schwarzen zu einem grünen Land geworden. Winfried Kretschmann geht in seine dritte und letzte Amtszeit als Ministerpräsident.

In Gemeinden, in denen die CDU in den Neunzigerjahren noch mehr als die Hälfte aller Stimmen gewonnen hat, stimmen jetzt die meisten Wähler für die Grünen.

Auch die AfD büßt bei dieser Wahl Stimmen ein, sie kann nur noch in einer Gemeinde die meisten Stimmen gewinnen, in Spiegelberg.



Am Sonntag könnte die CDU sich in Baden-Württemberg wieder verbessern. Ihre Umfragewerte liegen aktuell zwar unter den Stimmenanteilen in den 1990er- und Anfang der 2000er-Jahre, als sie im ganzen Land gewonnen hat, aber über denen der vergangenen Wahl. 
Für die Grünen liegen die Ergebnisse der letzten Wahlen dagegen in weiter Ferne. Trotzdem bleibt nach einer Aufholjagd die Chance, wieder stärkste Kraft zu werden. 















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