NDR hier 16.03.2026 von Caroline Dünnebier
Neue Regeln für die Energiewende? Ellhöft macht sich unabhängigUrsprünglich sollten in Deutschland erneuerbare Energien verstärkt ausgebaut werden. Mittlerweile aber steuert die Bundesregierung um. Ein Dorf in Schleswig Holstein geht auch deshalb eigene Wege: Ellhöft macht sich unabhängig von politischen Entscheidungen.
In Ellhöft, einem kleinen Dorf im Kreis Nordfriesland an der dänischen Grenze, setzt man seit Jahren erfolgreich auf Wind- und Solarenergie. Das Motto: Energie von Sonne und Wind für ein schönes Dorf hoch im Norden. Reinhard Christiansen leitet in dem Ort einen Wind- und Solarpark, der seit 1995 Strom produziert und mit dem mehrere Tausend Haushalte versorgt werden können.
Bürgerwind- und Solarpark: "Uns allen macht das Spaß"
Der Bürgerwind- und Solarpark wird genossenschaftlich betrieben. Insgesamt wurden in den umliegenden Gemeinden eigenständig 45 Windmühlen errichtet, acht kommen noch dazu, wie Christiansen berichtet. Das Besondere dabei ist, dass sich viele Bürger finanziell beteiligen.
Windpark-Betreiber Reinhard Christiansen setzt auf Unabhängigkeit von fossilen Energien - und Entscheidungen der Bundesregierung.
Schnell wird klar, dass der Energiepark-Betreiber aus Leidenschaft handelt: "Weil ich hier wohne, habe ich keinen langen Weg zur Arbeit. Ich kann auch nach den Nachrichten ins Büro - oder am Samstagmorgen um 7 Uhr. Man hat die Freiheit - und Projekte bringen Spaß. Uns allen macht das Spaß."
Die Bürgergenossenschaft ist in den vergangenen Jahren immer weiter gewachsen. Im ganzen Dorf ist die Bereitschaft groß für neue Wind- und Solarprojekte. Teamwork spiele dabei eine große Rolle, berichtet Christiansen: "Wir sind ein duftes Team, ergänzen uns hervorragend. Mit unseren 15 Leuten schaffen wir was weg."
Wind-Erntedankfest als neue Tradition
Es wird klar, wie wichtig der Wind- und Solarpark für das Dorf und die umliegenden Gemeinden geworden ist. So wichtig, dass daraus sogar eine kleine Tradition entstanden ist: Einmal im Jahr wird statt des normalen Erntedankfestes das Wind-Erntedankfest gefeiert. "Bauern gibt es ja fast nicht mehr, die wurden damals ganz massiv weniger", erzählt Christiansen.
Zu viel erzeugter Strom muss abgeriegelt werden
Das Dorf hat in den 2000er-Jahren sehr viel an den erneuerbaren Energien verdient. Aber auch hier hatten sie - wie bei anderen Projekten - in der Vergangenheit das Problem: Wenn zu viel Strom produziert wird, der nicht ins Stromnetz eingespeist werden kann, werden die Windräder abgeriegelt. Das wird auch als "Redispatch" bezeichnet.
Bundeswirtschaftsministerin will an Ausgleichszahlungen sparen
Bisher haben Windrad-Betreiber eine Ausgleichszahlung bekommen, wenn sie auf ihrem Strom sitzen geblieben sind. Da das die Steuerzahlerinnen und -zahler jährlich Milliarden Euro kostet, will die Bundesregierung gegensteuern. Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) plant, die Entschädigungszahlungen an Windparks auszusetzen. Der Netzbetreiber E.ON befürwortet das. Der Solarverband hingegen spricht von einem massiven Angriff auf die Branche.
Krieg in Nahost zeigt, wie wichtig Energie-Unabhängigkeit ist
Windpark-Betreiber Christiansen hält ebenfalls nichts von diesen Plänen: "Wir sind von diesen irren Beschlüssen, die da gefasst werden, mit den jetzigen Projekten nicht betroffen. Wir haben ja fast keine Abschaltung." Vor drei Jahren sei das noch anders gewesen, da seien laufend Windkraftanlagen abgeschaltet worden. Das passiere jetzt aber kaum noch.
Insgesamt kann Christiansen nicht verstehen, warum die Wirtschaftsministerin künftig stärker auf Gas zur Stromerzeugung zurückgreifen will. Aus seiner Sicht sei das nicht nötig, sondern im Gegenteil: "Alles ein Wahnsinn. Wir haben die Erneuerbaren, können alle Energie durch sie erzeugen."
Gerade der aktuelle Krieg in Nahost zeige, wie wichtig es sei, dass man unabhängig ist. "Das kann doch nicht sein, dass da irgendwelche Typen Kriege anfangen und schon steigen die Preise überall." Dabei könnten wir uns selbst versorgen. Es sei traurig, dass die Ministerin das nicht erkenne. Gerade wenn die Bevölkerung beteiligt ist, habe man auch die Akzeptanz, meint Christiansen.
Unabhängig durch Batteriespeicher und Grünen Wasserstoff
Da schon länger klar war, dass die Bürgergenossenschaft auf ihrem Strom sitzen bleiben und keine Entschädigung bekommen könnte, haben sie in Ellhöft Maßnahmen ergriffen. Geplant ist beispielsweise, einen Batteriespeicher zu bauen. In dem wollen sie Strom zwischenspeichern, bis dieser ins Netz geht, um dann finanziell davon zu profitieren. Zusätzlich soll überschüssige Energie eigenständig in Grünen Wasserstoff umgewandelt werden. Im Frühjahr soll das eigene Umspannwerk fertig sein. Damit wollen sie sich unabhängig machen von möglichen Entscheidungen aus Berlin.
NDR hier 16.03.2026 von Jan Niestegge
Erneuerbare Energien: Weitsichtige Niedersachsen trotzen der Öl-Krise
Die gestiegenen Ölpreise sind für viele eine große finanzielle Belastung. Gut lachen hat derweil, wer frühzeitig auf erneuerbare Energien umgestellt hat. Ein Paar aus Niedersachsen gehört dazu.
Henner und Dorothea Lesemann aus Osnabrück entschieden sich vor einigen Jahren dazu, energetisch umzurüsten, um Umwelt und Klima zu schützen. Nun, in Zeiten steigender Öl- und Gaspreise, profitieren die Lesemanns von ihrem Umstieg auf erneuerbare Energien: Die Photovoltaikanlage auf dem Dach liefert Strom, genutzt wird dieser unter anderem für das eigene E-Auto. "Es ist toll, das in eigener Hand zu haben", betont Henner Lesemann. Rund 35.000 Euro zahlte das Paar vor einigen Jahren für Solaranlage und Batteriespeicher – damals noch ohne Förderung.
Gemeinde fördert Balkonkraftwerke und Batteriespeicher
Auch in der Gemeinde Bissendorf (Landkreis Osnabrück) setzen sie auf Sonnenenergie. Die Gemeinde unterstützt Bürger bei Klimaschutzmaßnahmen. So gibt es Fördergelder für Batteriespeicher und Balkonkraftwerke. Ein Projekt, das auf große Resonanz stieß: Binnen zwölf Minuten waren die Fördermittel für Batteriespeicher für das ganze Jahr vergeben, heißt es von der Gemeinde.
Dieter Schleibaum bekam eine solche Förderung. Für sein Balkonkraftwerk zahlte er inklusive Installation auf dem Dach rund 1.900 Euro, so der Bissendorfer. Von der Gemeinde bekam er einmalig 200 Euro. Künftig wird er, so schätzt Dieter Schleibaum, weitere 200 Euro Stromkosten pro Jahr einsparen. Die Folge: Seine Investition amortisiert sich bald.
Osnabrück hat mit 94 Prozent die höchste E-Bus-Quote Deutschlands
Viel Geld investieren auch die Stadtwerke Osnabrück in klimafreundlichen und zukunftsfähigen Nahverkehr. Um den ÖPNV nachhaltiger zu gestalten, bauen sie seit 2019 ihre E-Bus-Flotte aus. Heute, sechs Jahre später, sind 81 der 86 Stadtwerke-Busse auf den Osnabrücker Straßen rein elektrisch unterwegs. Das entspricht 94 Prozent der gesamten Flotte. Die Stadtwerke entschieden sich vor einigen Jahren bewusst für mehr Nachhaltigkeit. Bestätigt fühlen sie sich in den aktuellen Krisenzeiten umso mehr. Diese zeigten, wie wichtig es sei, gerade fossile Energieträger und fossile Lieferketten genau zu betrachten.
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