Frankreich verbietet offiziell Kosmetik und Kleidung mit PFAS, den sogenannten Ewigkeitschemikalien.
Das wegweisende Gesetz wurde am 20. Februar 2025 verabschiedet. Mehr als 140.000 Bürgerinnen und Bürger forderten ihre Abgeordneten auf, das Verbot zu unterstützen. Zugleich wächst der Druck auf die EU, PFAS „so bald wie möglich“ aus dem Verkehr zu ziehen.
Das Vorhaben gilt als wichtiger Schutz für die Gesundheit der Menschen in Frankreich. Umweltverbände warnen jedoch, dass Streichungen aus dem ersten Entwurf seine Wirkung abgeschwächt haben.
Was sind „Ewigkeitschemikalien“?
Per- und Polyfluoralkylsubstanzen (PFAS) sind eine Gruppe von mehr als 10.000 synthetischen Chemikalien, die sich erst nach Tausenden von Jahren natürlich abbauen. Seit den vierziger Jahren im Einsatz, finden sich PFAS heute praktisch überall – vom Gipfel des Mount Everest bis ins Gewebe von Tiefsee-Delfinen und Walen vor der Küste Neuseelands.
Chronische Belastung durch diese menschengemachten Stoffe steht in Verbindung mit bestimmten Krebserkrankungen, verminderter Fruchtbarkeit und Störungen des Immunsystems.
Forschende warnen: PFAS gelangen über die Atemluft oder über Nahrung in den Körper. Neue Studien zeigen, dass sie sogar über die Haut ins Blut übertreten können. In Europa leben Schätzungen zufolge 12,5 Millionen Menschen in Gemeinden mit PFAS-belastetem Trinkwasser.
Was umfasst das PFAS-Verbot in Frankreich?
Das Verbot untersagt Verkauf, Herstellung und Einfuhr aller Produkte, für die es bereits PFAS-freie Alternativen gibt. Dazu zählen Kosmetik, Kleidung und auch Artikel wie Skiwachs.
Die Behörden müssen zudem das Trinkwasser regelmäßig auf alle PFAS-Arten prüfen und Schritte einleiten, um Verschmutzer mit Bußgeldern zu belegen, wenn sie diese Chemikalien in die Umwelt ausbringen.
Es gibt jedoch Ausnahmen: Hochleistungsmembranen für Filter- und Trennverfahren sowie Textilien, die als „für den wesentlichen Gebrauch notwendig“ oder für die nationale Souveränität erforderlich gelten.
Im ersten Entwurf war auch ein Verbot von Antihaft-Kochtöpfen vorgesehen, doch nach Berichten über „intensives Lobbying“ des französischen Herstellers Tefal verschwand dieser Punkt aus dem Gesetz.
Auf seiner Website erklärt Tefal, keine von den Gesundheitsbehörden als krebserregend eingestuften PFAS zu verwenden und seit 2012 auf Materialien mit PFOA – einer für Hitzeresistenz bekannten Ewigkeitschemikalie – zu verzichten. Stattdessen kommen PTFE-Beschichtungen bei Pfannen und Töpfen zum Einsatz. Laut Tefal bergen sie „kein Risiko für die menschliche Gesundheit“ und seien „für den Kontakt mit Lebensmitteln sicher“.
Mehrere Studien warnen jedoch, dass PTFE-beschichtetes Kochgeschirr bei der Zubereitung Mikro- und Nanoplastik in Lebensmittel freisetzen kann.
„Frankreich muss eine EU-weite Beschränkung von PFAS entschieden vorantreiben“
„Das Verbot von PFAS in Produkten wie Kleidung und Kosmetik ist eine gute Nachricht für alle, die sich in Frankreich um ihre Belastung mit diesen schädlichen Chemikalien sorgen“, sagt Sandra Bell von CHEM Trust, einer Organisation, die Menschen und Wildtiere vor gefährlichen Chemikalien schützen will.
„Weniger gut ist, dass zentrale Produkte wie Kochgeschirr ausgenommen wurden. Frankreich sollte nun eine EU-weite Beschränkung von PFAS nach Kräften unterstützen, damit mehr Produkte erfasst werden und die Bürgerinnen und Bürger in allen Mitgliedstaaten geschützt sind.“
Die EU erklärt, sie arbeite seit einigen Jahren an einem Ausstiegsplan für PFAS. Sie hat bislang keinen entsprechenden Rechtsakt vorgelegt oder umgesetzt.
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