Sonntag, 4. Januar 2026

Die Reihenfolge der Stromerzeugung verschiebt sich. Sichtbar. Messbar. Dauerhaft.

 

Daniel Mautz  LinkedIn

Solar schlägt Braunkohle. Und plötzlich soll das niemand so gemeint haben

Photovoltaik liefert inzwischen mehr Strom als Braunkohle. Nicht an einem Feiertag. Nicht als statistischer Ausreißer. Sondern strukturell. Die Reihenfolge der Stromerzeugung verschiebt sich. Sichtbar. Messbar. Dauerhaft.

Das ist kein Zufall und kein Wetterglück. Solaranlagen stehen, produzieren und werden jedes Jahr mehr. Die Kosten sind gefallen. Die Technik ist etabliert. Netze und Speicher wachsen mit. Genau deshalb verdrängt Solar zuerst die teuersten und dreckigsten Kraftwerke.

Braunkohle galt lange als Grundlastanker. Als unverzichtbar. Als Sicherheitsgarantie. In der Realität ist sie träge, emissionsintensiv und wirtschaftlich immer schwerer zu rechtfertigen. Wenn Sonne verfügbar ist, läuft sie nicht. Wenn sie läuft, dann immer öfter aus Gewohnheit und politischem Zögern.

Klimapolitisch ist der Befund eindeutig. Jede Kilowattstunde Solar spart CO2. Direkt. Ohne Kompensationstricks. Ohne Folgeprobleme. Braunkohle bleibt der größte einzelne Emittent im Stromsektor. Wer sie länger am Netz hält als nötig, entscheidet sich bewusst gegen Emissionsminderung.

Interessant ist die Reaktion. Jahrelang hieß es, Solar sei Ergänzung, nicht Ersatz. Jetzt ersetzt sie. Und plötzlich wird relativiert. Übergang. Ausnahmesituation. Noch nicht belastbar. Die Ausreden wechseln, die Zahlen nicht.

Das Entscheidende ist nicht der Vergleich an sich. Es ist die Richtung. Erneuerbare setzen sich durch, weil sie günstiger, schneller und sauberer sind. Nicht aus Ideologie, sondern aus Systemlogik.

Braunkohle verliert nicht, weil man sie verbieten will. Sie verliert, weil sie ökonomisch und klimapolitisch keine Zukunft mehr hat. Solar übernimmt ihren Platz. Leise. Flächig. Unaufhaltsam.

Die Energiewende passiert nicht irgendwann. Sie passiert gerade. Und sie macht sichtbar, wer an Vergangenheit festhält und wer Realität akzeptiert.


Die Zeit hier  2. Januar 2026  Quelle: DIE ZEIT, AFP, lk

Stromerzeugung: Solarkraftwerke in Deutschland erzeugen erstmals mehr Strom als Kohle

Photovoltaikanlagen haben im vergangenen Jahr rund 87 Terawattstunden Strom geliefert. Der Anteil der Kohle am deutschen Strommix fiel dagegen auf 22,4 Prozent.

Die Solarkraftwerke in Deutschland haben im vergangenen Jahr erstmals mehr Strom als Braunkohlekraftwerke geliefert. Das geht aus einer Auswertung des Fraunhofer-Instituts für Solare Energiesysteme (Fraunhofer ISE) hervor. Photovoltaikanlagen erzeugten demnach insgesamt rund 87 Terawattstunden Strom, 21 Prozent mehr als im Vorjahr. Der Anteil der Braun- und Steinkohle am gesamten deutschen Strommix sei auf 22,4 Prozent gefallen. Die mit Abstand wichtigste Stromquelle blieb den Angaben zufolge mit 132 Terawattstunden die Windkraft. Der Anteil erneuerbarer Energien am Strommix habe wie im Vorjahr bei 55,9 Prozent gelegen.

Die Bruttostromerzeugung aus Braun- und Steinkohle betrug laut ISE im vergangenen Jahr 106 Terawattstunden. Das war rund eine Terawattstunde weniger als 2024 und der niedrigste Wert seit 1956. EU-weit habe die Stromerzeugung aus Photovoltaik 2025 mit 275 Terawattstunden erstmals über der Summe aus Braun- und Steinkohle gelegen, die 243 Terawattstunden erreichte.

"Die Kohleverstromung lohnt sich ökonomisch oft nicht mehr", sagte Bruno Burger vom Fraunhofer ISE dem Spiegel. Durch die hohen Preise für Emissionsrechte sei Kohlestrom sehr teuer geworden. Der Abbau von Braunkohle dürfte nach Einschätzung Burgers 2025 sogar auf den niedrigsten Stand seit mehr als einem Jahrhundert gefallen sein. Schon im Jahr zuvor war landesweit so wenig Braunkohle wie seit 1916 nicht mehr gefördert worden.

Ziele deutlich verfehlt

Bundestag und Bundesrat haben den Ausstieg aus der Kohleverstromung bis spätestens 2038 beschlossen. Trotz des Ausbaus der erneuerbaren Energien verfehlte Deutschland die selbst gesteckten Ziele deutlich. Die erneuerbare Nettostromerzeugung lag 2025 bei 256 Terawattstunden, angestrebt waren 346 Terawattstunden. Hauptursache war laut Fraunhofer ISE der zu geringe Windausbau: Onshore wurden 4,5 Gigawatt neue Leistung zugebaut, offshore nur 0,29 Gigawatt. Ende 2025 sollte eine installierte Windleistung von 76,5 Gigawatt vorhanden sein, tatsächlich waren es nur 68,1 Gigawatt.

Deutschland importierte im vergangenen Jahr mehr Strom, als es exportierte. Der Importüberschuss lag bei 21,9 Terawattstunden, 6,4 Terawattstunden weniger als 2024. Der Großteil der Importe kam aus Dänemark, Frankreich, den Niederlanden und Norwegen. Deutschland exportierte im Saldo Strom nach Österreich, Tschechien, Luxemburg und Polen. Der durchschnittliche Börsenstrompreis stieg um knapp 11 Prozent auf 8,65 Cent pro Kilowattstunde.

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