hier Futurezone von Philipp Rall 2.01.2026
Strommix-Analyse für 2025 zieht überraschende Bilanz – dafür zahlen Haushalte wirklichDeutschlands Strommix ist 2025 so grün wie nie – und dennoch bleibt die Stromrechnung für viele Haushalte hoch. Warum das so ist, zeigt der Blick auf Erzeugung, Wettereffekte und die Preislogik an der Börse.
Der deutsche Strommix für 2025 wirkt auf den ersten Blick eindeutig: Erneuerbare Energien liefern inzwischen deutlich mehr als die Hälfte des Stroms, Kohle verliert weiter an Bedeutung, Solarenergie erreicht neue Rekorde. Doch diese Erfolgsmeldung hat eine zweite Ebene. Denn trotz des grüneren Strommixes ist Strom für Haushalte nicht günstiger geworden.
Strommix: Mehr als die Hälfte erneuerbar
Nach Daten des Fraunhofer-Instituts für Solare Energiesysteme (ISE) lag der Anteil erneuerbarer Energien an der öffentlichen Nettostromerzeugung 2025 bei 55,9 Prozent und damit nahezu auf dem Niveau des Vorjahres. Windkraft blieb mit rund 132 Terawattstunden wichtigste Stromquelle, gefolgt von Solarenergie mit insgesamt etwa 87 Terawattstunden. Photovoltaik überholte damit erstmals die Braunkohle, die auf rund 67 Terawattstunden zurückfiel.
Überraschend ist weniger das Wachstum der Erneuerbaren als vielmehr die Stagnation ihres Anteils.
Die Windstromerzeugung ging witterungsbedingt leicht zurück, während Wasserkraft infolge eines außergewöhnlich trockenen Jahres deutlich schwächer ausfiel.
Der Deutsche Wetterdienst meldete für 2025 eine Niederschlagsmenge von lediglich 655 Litern pro Quadratmeter, also deutlich unter dem langjährigen Mittel.
Die Windstromerzeugung ging witterungsbedingt leicht zurück, während Wasserkraft infolge eines außergewöhnlich trockenen Jahres deutlich schwächer ausfiel.
Der Deutsche Wetterdienst meldete für 2025 eine Niederschlagsmenge von lediglich 655 Litern pro Quadratmeter, also deutlich unter dem langjährigen Mittel.
Fossile Energien bleiben preissetzend
Trotz sinkender Kohleverstromung blieb der fossile Anteil insgesamt stabil. Grund dafür ist vor allem Erdgas: Die öffentliche Nettostromerzeugung aus Gas stieg auf 52,4 Terawattstunden, zusätzlich erzeugte die Industrie weitere 26 Terawattstunden für den Eigenbedarf.
Das ist entscheidend für den Strompreis. Denn an der Strombörse gilt das sogenannte Merit-Order- beziehungsweise Marginalpreissystem: Der teuerste noch benötigte Kraftwerkstyp bestimmt den Börsenpreis für alle. Nach einer Analyse des EU Joint Research Centre (JRC) sind in europäischen Strommärkten häufig Gaskraftwerke die preissetzende Technologie – selbst bei hohem Anteil von Wind- und Solarstrom.
Börsenstrom wird teurer
Der volumengewichtete Day-Ahead-Preis an der Strombörse lag 2025 bei 86,55 Euro pro Megawattstunde, ein Plus von rund elf Prozent gegenüber 2024. Das wirkt kontraintuitiv angesichts der stark gestiegenen Solarproduktion, lässt sich aber durch das Zusammenspiel aus Wetter, Gaspreisen und Marktmechanik erklären.
Ein europäischer Blick unterstreicht den strukturellen Wandel: In der EU erzeugte Solarstrom 2025 erstmals mehr Strom als Kohle insgesamt. Für Deutschland bedeutet das jedoch nicht automatisch niedrigere Preise, da der Stromhandel grenzüberschreitend funktioniert und sich Preissignale gegenseitig beeinflussen.
Der entscheidende Punkt für Verbraucher*innen: Der Börsenpreis ist nur ein Teil der Stromrechnung. Nach der Strompreisanalyse des Bundesverbands der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) entfällt bei Haushalten nur etwa ein Drittel des Endpreises auf Beschaffung und Vertrieb. Der Rest besteht aus Netzentgelten, Steuern, Abgaben und Umlagen.
Bei einem durchschnittlichen Haushaltsstrompreis von rund 39 bis 40 Cent pro Kilowattstunde und einem Jahresverbrauch von 3.500 Kilowattstunden ergibt sich eine Rechnung von etwa 1.380 Euro pro Jahr. Selbst wenn der Börsenstrom deutlich günstiger wäre, käme das nur gedämpft bei Endkund*innen an.
Günstige Erzeugung heißt nicht günstiger Strom
Dass erneuerbare Energien eigentlich günstig sind, zeigt eine andere Fraunhofer-Studie: Die Stromgestehungskosten von Photovoltaik und Onshore-Wind liegen seit Jahren unter denen fossiler Kraftwerke. Doch Netzausbau, Systemstabilisierung, Speicherbedarf und staatliche Abgaben bleiben preisbestimmend.
„Mit dem Hochlauf von Großbatteriespeichern verändert sich die Funktionsweise des deutschen Stromsystems grundlegend“, betont Leonhard Gandhi, Projektleiter Energy-Charts am Fraunhofer ISE. „Während Effekte auf die kurzfristige Flexibilitätsbereitstellung bereits sichtbar sind, lassen sich systemische Auswirkungen z.B. auf Reservekraftwerke bislang nur abschätzen. Diese Entwicklungen erfordern, Batteriespeicher explizit in der Ausbauplanung, in der Systemplanung sowie im Strommarktdesign zu berücksichtigen.“
Die Strommix-Analyse für 2025 zeigt einen strukturellen Erfolg der Energiewende – aber auch ihre Grenzen. Der Strom aus der Steckdose wird grüner, nicht automatisch billiger. Für Haushalte entscheidet weniger der Mix als das System drumherum: Marktregeln, Netzkosten und staatliche Preisbestandteile. Wer Strompreise senken will, muss daher nicht nur Kraftwerke bauen, sondern das gesamte System reformieren.
Quellen: „Stromerzeugung in Deutschland im Jahr 2025“ (Fraunhofer ISE, 2026); Deutscher Wetterdienst; Europäische Kommission; Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft; Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme
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