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Es ist Ende Januar und noch immer keine Eckpunkte für das neue Heizungsgesetz.
Man hört, dass sich im Februar was tun soll. Angesichts der vielen Ankündigungen, die es da schon gab, nehme ich das mit einem müden Lächeln zur Kenntnis. Auf Englisch sagt man: "I won't hold my breath".
Umso erfreulicher ist es, wenn man über konstruktive Vorschläge berichten kann, wie sie jetzt von EPICO KlimaInnovation und Prognos AG zusammengestellt wurden. Zusammen haben sie die neusten Ideen für die GEG-Reform analysiert und bewertet - und kommen zu einem relativ klaren Ergebnis.
Spoiler: Die Beibehaltung der 65-%-Regel schneidet nicht am besten ab. Man könnte sie streichen (oder wegen mir 'abschaffen') und trotzdem ein ambitioniertes Gesetz beschließen, dass die Wärmewende voranbringt. Mal sehen, ob das auch der Koalition gelingt.
"Das ist die Lebensversicherung der Wärmewende"
Die Bundesregierung ringt weiter um einen Kompromiss für das neue GEG. Dabei liegen alle Vorschläge auf dem Tisch. Ein Thinktank hat nun untersucht, welches die beste Option wäre.
Eigentlich wollte die Bundesregierung bis Ende Januar ein Eckpunktepapier für die Reform des Gebäudeenergiegesetzes (GEG, genannt "Heizungsgesetz") vorlegen. Wenige Tage vor Ablauf des Monats ist allerdings klar: Das wird wahrscheinlich nichts mehr. Aus Expertenkreisen heißt es, man strebe im Februar eine Einigung an.
Dabei liegen die Möglichkeiten für das GEG schon lange auf dem Tisch. Und die Geduld der betroffenen Verbände und Unternehmen endet langsam. Vergangene Woche veröffentlichte ein Verbändebündnis unter der Leitung des Bundesverbands für Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) einen Appell an die Bundesregierung, jetzt endlich den Streit beizulegen.
Union und SPD streiten weiter um die 65 Prozent
Im Kern streiten sich Schwarz-Rot wohl noch immer um die sogenannte 65-Prozent-Regel. Diese besagt, dass neu eingebaute Heizungen zu 65 Prozent mit erneuerbaren Energien betrieben werden müssen. Die Regel gilt ab Mitte 2026 für alle Haushalte in Großstädten. Für kleinere Kommunen greift die Regel erst ab 2028.
Deshalb steigt auch der Druck in der Regierung, denn die 65-Prozent-Regel tritt bald in Kraft. Die SPD will daran festhalten, da sie Hausbesitzern klar signalisiere, dass die neue Heizung klimafreundlich sein müsse. Die Union kritisiert, dass für viele Haushalte nur die Wärmepumpe oder eine Pelletheizung infrage käme. Dies sei nicht technologieoffen.
Um der Koalition nun etwas Orientierung zu geben, hat die Denkfabrik Epico in Zusammenarbeit mit dem Beratungsunternehmen Prognos eine Studie veröffentlicht, die die unterschiedlichen Reformideen erneut unter die Lupe nimmt. Dabei kristallisiert sich eine Idee als klarer Favorit heraus.
Das sind die Reformideen für das Heizungsgesetz
Verglichen wurden folgende Vorschläge:
- Einführung einer Grüngasquote für Inverkehrbringer von Gas
- Absenkung des Prozentsatzes von 65 Prozent erneuerbarer Energien
- Einführung eines Grenzwerts für CO2 oder Primärenergie neuer Heizungsanlagen
- Einführung eines Punktesystems, bei dem Einsparungen durch Heizungsanlagen, effiziente Gebäudehüllen oder Baumaßnahmen gleichwertig berücksichtigt werden
Bewertet wurden die vier Möglichkeiten anhand von sechs Kriterien:
- Politische Umsetzbarkeit
- Beitrag zum Klimaschutz
- Kosten
- Bürokratischer Aufwand für Haushalte
- Konjunkturelle Effekte
- Grad der Importabhängigkeit
Die Reformvorschläge wurden dann anhand der oben ausgeführten Kriterien auf einer Skala von 1 bis 5 bewertet.
Eine Idee kann die GEG-Reform erfolgreich machen
Am Ende küren Epico und Prognos einen klaren Gewinner: die Einführung eines Grenzwerts für neue Heizungsanlagen. Damit müssten Eigentümer beim Einbau einer neuen Heizung dafür sorgen, dass ein bestimmter CO2-Grenzwert nicht überschritten wird. Neue Heizungen dürften dann nur eine bestimmte Menge an CO2 ausstoßen. Damit weiterhin die Klimaziele erreicht würden, müsste dieser nach Aussagen der Studie "entsprechend ambitioniert gesetzt werden".
Wird der CO2-Wert zu hoch gesetzt, bräuchte es den Autoren zufolge gleichzeitig einen höheren CO2-Preis und eine hohe Förderung für klimafreundliche Technologien, um weiterhin garantiert die Klimaziele erreichen zu können.
Der Vorteil dieser Idee wäre, dass er wahrlich technologieoffen wäre und alle möglichen Optionen zuließe, solange sie die Grenzwerte nicht überschreiten. Besonders positiv bewerten die Studienautoren, dass dieses Modell für alle verständlich wäre. Außerdem könnte die Bundesregierung damit auch die Einhaltung des Koalitionsvertrags verkaufen: Das "Heizungsgesetz" im Kern würde abgeschafft, stattdessen wird der CO2-Ausstoß höher priorisiert.
CO2-Emissionen im Vergleich: Diese Heizung ist die beste für das Klima
Ob reine Öl- und Gasheizungen dann noch zugelassen wären, käme auf den CO2-Grenzwert an. Heizöl und Erdgas stoßen pro Kilowattstunde über 200 Gramm an CO2-Äquivalenten aus. Biogas bzw. Biomethan stößt hingegen nur um die 150 g/kWh aus. Würde man einen Grenzwert bei 200 g/kWh ansetzen, wären also Gasheizungen, die Biogase nutzen, noch zugelassen, während reine Erdgasheizungen nicht mehr möglich wären.
In der Epico-Studie wird auch das Punktesystem relativ hoch bewertet. Damit würden neben Heizungstausch auch Maßnahmen wie Dämmung, Reduktion des Energieverbrauchs oder hybride Heizsysteme mehr in den Fokus rücken. Alle Gebäude müssten dann bis zu bestimmten Stichtagen ihren CO2-Ausstoß reduzieren, dabei werden all diese Maßnahmen berücksichtigt. Die Autoren sehen es dabei als Nachteil, dass im Zweifel höhere Kosten auf die Eigentümer zukämen, da Sanierungen häufig teurer seien als der reine Heizungstausch.
Am schlechtesten schneiden die Vorschläge zu einer Grüngasquote sowie zur Absenkung des 65-Prozent-Ziels auf unter 50 Prozent ab. In beiden Fällen würde man die Abhängigkeit von Importen erhöhen – sei es durch den längeren Bezug fossiler Energien oder durch den absehbaren Import von grünen Gasen wie Wasserstoff. Beide Optionen würden Öl- und Gasheizungen weiter zulassen und damit viele Haushalte in eine Kostenfalle führen. Zudem erwarten die Studienautoren, dass die Klimaziele dadurch nicht mehr erreicht würden.
Appell an Reiche und Merz: Heizungsgesetz-Reform muss dringend auf die Agenda
Ob diese Studie den Koalitionären in der Kompromissfindung helfen wird, ist nicht mit Gewissheit zu sagen. Klar ist jedoch: Es gibt mehrere Optionen, die zu einer erfolgreichen Wärmewende führen können. Bernd Weber, Gründer von Epico fasst es so zusammen: "Das Ampel-GEG hat den Stresstest nicht bestanden. Ein technologieoffenes, reformiertes GEG ist die Lebensversicherung der Wärmewende, schafft Investitionssicherheit und begrenzt Kosten." In den nächsten Wochen wird sich entscheiden, ob diese Lebensversicherung aufgekündigt wird.
Brigitte Knopf • Zukunft KlimaSozial ZKS gGmbH;
Derzeit wird über eine Reform des #Gebäudeenergiegesetzes #GEG debattiert.Doch die Debatte wird zu eng geführt, denn es geht es um eine zentrale Frage: Wie gelingt eine wirksame und #soziale Wärmewende?
Gerade beim GEG bzw. beim neuen Gebäudemodernisierungsgesetz #GMG sollte nicht der gleiche Fehler wieder gemacht werden und das Gesetz angepackt werden, ohne die soziale Dimension mitzudenken.
Damit der Gebäudesektor seinen Beitrag zum Erreichen der #Klimaziele leisten kann und eine soziale #Wärmewende gelingt, sind mindestens diese drei Dimensionen wichtig, die ich im Interview mit der Frankfurter Rundschau ausführen durfte:
👉 Erneuerbare Wärme konsequent ausbauen:
Die 65-Prozent-Regel für erneuerbare Energien bei neuen Heizungen und die bestehenden Fristen sollten bestehen bleiben. Das schafft Planungssicherheit und schützt Eigenheimbesitzende und Mietende vor teuren Fehlinvestitionen in fossile Heizungen, deren Kosten langfristig steigen werden.
👉 Fördermittel aufstocken und Mittel gezielt einsetzen:
Förderungen für den Heizungstausch funktionieren, besonders der Einkommensbonus für Haushalte mit geringem Einkommen. Das sollte nicht nur beibehalten, sondern die soziale Staffelung sollte auch auf energetische Sanierungen ausgeweitet werden: mit Zuschüssen, zinsgünstigen Krediten und professioneller Sanierungsbegleitung. Gerade die energetisch schlechtesten Gebäude müssen zuerst angegangen werden, davon profitieren auch mittlere und untere Einkommen.
Für Gebäudesanierungen und den Ausbau erneuerbarer Wärmenetze braucht es daher bei den jetzt startenden Haushaltsverhandlungen mehr, nicht weniger Mittel im Klima- und Transformationsfonds #KTF für 2027.
👉 Mieterschutz ernst nehmen:
Steigende Mieten sind kein Klimaschutzproblem, aber Sanierungen dürfen Wohnen nicht zusätzlich übermäßig verteuern. Dafür braucht es u.a. eine Reform der Modernisierungsumlage, denn #Wohnen muss bezahlbar bleiben.
➡️ Fazit: Klimaschutz im Gebäudesektor klappt nur, wenn er verlässlich, sozial gerecht und ausreichend finanziert ist.
Mehr dazu im Interview: hier
Brigitte Knopf ist, Gründerin und Direktorin von „Zukunft KlimaSozial“, einer wissenschaftlichen Denkfabrik mit Sitz in Berlin. Die promovierte Physikerin war 2015 bis 2023 Generalsekretärin des Mercator Research Instituts on Global Commons and Climate Change (MCC), von 2020 bis 2025 zudem Mitglied des von der Bundesregierung berufenem Expertenrats für Klimafragen.
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