Sonntag, 1. Februar 2026

Wie gelingt eine wirksame und soziale Wärmewende?

Amy Walker  LinkedIn

Es ist Ende Januar und noch immer keine Eckpunkte für das neue Heizungsgesetz. 

Man hört, dass sich im Februar was tun soll. Angesichts der vielen Ankündigungen, die es da schon gab, nehme ich das mit einem müden Lächeln zur Kenntnis. Auf Englisch sagt man: "I won't hold my breath". 

Umso erfreulicher ist es, wenn man über konstruktive Vorschläge berichten kann, wie sie jetzt von EPICO KlimaInnovation und Prognos AG zusammengestellt wurden. Zusammen haben sie die neusten Ideen für die GEG-Reform analysiert und bewertet - und kommen zu einem relativ klaren Ergebnis. 

Spoiler: Die Beibehaltung der 65-%-Regel schneidet nicht am besten ab. Man könnte sie streichen (oder wegen mir 'abschaffen') und trotzdem ein ambitioniertes Gesetz beschließen, dass die Wärmewende voranbringt. Mal sehen, ob das auch der Koalition gelingt. 


T-online hier  Amy Walker  29.01.2026

"Das ist die Lebensversicherung der Wärmewende"

Die Bundesregierung ringt weiter um einen Kompromiss für das neue GEG. Dabei liegen alle Vorschläge auf dem Tisch. Ein Thinktank hat nun untersucht, welches die beste Option wäre.

Eigentlich wollte die Bundesregierung bis Ende Januar ein Eckpunktepapier für die Reform des Gebäudeenergiegesetzes (GEG, genannt "Heizungsgesetz") vorlegen. Wenige Tage vor Ablauf des Monats ist allerdings klar: Das wird wahrscheinlich nichts mehr. Aus Expertenkreisen heißt es, man strebe im Februar eine Einigung an.

Dabei liegen die Möglichkeiten für das GEG schon lange auf dem Tisch. Und die Geduld der betroffenen Verbände und Unternehmen endet langsam. Vergangene Woche veröffentlichte ein Verbändebündnis unter der Leitung des Bundesverbands für Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) einen Appell an die Bundesregierung, jetzt endlich den Streit beizulegen.

Union und SPD streiten weiter um die 65 Prozent

Im Kern streiten sich Schwarz-Rot wohl noch immer um die sogenannte 65-Prozent-Regel. Diese besagt, dass neu eingebaute Heizungen zu 65 Prozent mit erneuerbaren Energien betrieben werden müssen. Die Regel gilt ab Mitte 2026 für alle Haushalte in Großstädten. Für kleinere Kommunen greift die Regel erst ab 2028.

Deshalb steigt auch der Druck in der Regierung, denn die 65-Prozent-Regel tritt bald in Kraft. Die SPD will daran festhalten, da sie Hausbesitzern klar signalisiere, dass die neue Heizung klimafreundlich sein müsse. Die Union kritisiert, dass für viele Haushalte nur die Wärmepumpe oder eine Pelletheizung infrage käme. Dies sei nicht technologieoffen.

Um der Koalition nun etwas Orientierung zu geben, hat die Denkfabrik Epico in Zusammenarbeit mit dem Beratungsunternehmen Prognos eine Studie veröffentlicht, die die unterschiedlichen Reformideen erneut unter die Lupe nimmt. Dabei kristallisiert sich eine Idee als klarer Favorit heraus.

Das sind die Reformideen für das Heizungsgesetz

Verglichen wurden folgende Vorschläge:

  • Einführung einer Grüngasquote für Inverkehrbringer von Gas
  • Absenkung des Prozentsatzes von 65 Prozent erneuerbarer Energien
  • Einführung eines Grenzwerts für CO2 oder Primärenergie neuer Heizungsanlagen
  • Einführung eines Punktesystems, bei dem Einsparungen durch Heizungsanlagen, effiziente Gebäudehüllen oder Baumaßnahmen gleichwertig berücksichtigt werden

Bewertet wurden die vier Möglichkeiten anhand von sechs Kriterien:

  • Politische Umsetzbarkeit
  • Beitrag zum Klimaschutz
  • Kosten
  • Bürokratischer Aufwand für Haushalte
  • Konjunkturelle Effekte
  • Grad der Importabhängigkeit

Die Reformvorschläge wurden dann anhand der oben ausgeführten Kriterien auf einer Skala von 1 bis 5 bewertet.

Eine Idee kann die GEG-Reform erfolgreich machen

Am Ende küren Epico und Prognos einen klaren Gewinner: die Einführung eines Grenzwerts für neue Heizungsanlagen. Damit müssten Eigentümer beim Einbau einer neuen Heizung dafür sorgen, dass ein bestimmter CO2-Grenzwert nicht überschritten wird. Neue Heizungen dürften dann nur eine bestimmte Menge an CO2 ausstoßen. Damit weiterhin die Klimaziele erreicht würden, müsste dieser nach Aussagen der Studie "entsprechend ambitioniert gesetzt werden". 

Wird der CO2-Wert zu hoch gesetzt, bräuchte es den Autoren zufolge gleichzeitig einen höheren CO2-Preis und eine hohe Förderung für klimafreundliche Technologien, um weiterhin garantiert die Klimaziele erreichen zu können.

Der Vorteil dieser Idee wäre, dass er wahrlich technologieoffen wäre und alle möglichen Optionen zuließe, solange sie die Grenzwerte nicht überschreiten. Besonders positiv bewerten die Studienautoren, dass dieses Modell für alle verständlich wäre. Außerdem könnte die Bundesregierung damit auch die Einhaltung des Koalitionsvertrags verkaufen: Das "Heizungsgesetz" im Kern würde abgeschafft, stattdessen wird der CO2-Ausstoß höher priorisiert.

CO2-Emissionen im Vergleich: Diese Heizung ist die beste für das Klima

Ob reine Öl- und Gasheizungen dann noch zugelassen wären, käme auf den CO2-Grenzwert an. Heizöl und Erdgas stoßen pro Kilowattstunde über 200 Gramm an CO2-Äquivalenten aus. Biogas bzw. Biomethan stößt hingegen nur um die 150 g/kWh aus. Würde man einen Grenzwert bei 200 g/kWh ansetzen, wären also Gasheizungen, die Biogase nutzen, noch zugelassen, während reine Erdgasheizungen nicht mehr möglich wären.

In der Epico-Studie wird auch das Punktesystem relativ hoch bewertet. Damit würden neben Heizungstausch auch Maßnahmen wie Dämmung, Reduktion des Energieverbrauchs oder hybride Heizsysteme mehr in den Fokus rücken. Alle Gebäude müssten dann bis zu bestimmten Stichtagen ihren CO2-Ausstoß reduzieren, dabei werden all diese Maßnahmen berücksichtigt. Die Autoren sehen es dabei als Nachteil, dass im Zweifel höhere Kosten auf die Eigentümer zukämen, da Sanierungen häufig teurer seien als der reine Heizungstausch.

Am schlechtesten schneiden die Vorschläge zu einer Grüngasquote sowie zur Absenkung des 65-Prozent-Ziels auf unter 50 Prozent ab. In beiden Fällen würde man die Abhängigkeit von Importen erhöhen – sei es durch den längeren Bezug fossiler Energien oder durch den absehbaren Import von grünen Gasen wie Wasserstoff. Beide Optionen würden Öl- und Gasheizungen weiter zulassen und damit viele Haushalte in eine Kostenfalle führen. Zudem erwarten die Studienautoren, dass die Klimaziele dadurch nicht mehr erreicht würden.

Appell an Reiche und Merz: Heizungsgesetz-Reform muss dringend auf die Agenda

Ob diese Studie den Koalitionären in der Kompromissfindung helfen wird, ist nicht mit Gewissheit zu sagen. Klar ist jedoch: Es gibt mehrere Optionen, die zu einer erfolgreichen Wärmewende führen können. Bernd Weber, Gründer von Epico fasst es so zusammen: "Das Ampel-GEG hat den Stresstest nicht bestanden. Ein technologieoffenes, reformiertes GEG ist die Lebensversicherung der Wärmewende, schafft Investitionssicherheit und begrenzt Kosten." In den nächsten Wochen wird sich entscheiden, ob diese Lebensversicherung aufgekündigt wird.


Brigitte Knopf  • Zukunft KlimaSozial ZKS gGmbH; 

Derzeit wird über eine Reform des #Gebäudeenergiegesetzes #GEG debattiert. 

Doch die Debatte wird zu eng geführt, denn es geht es um eine zentrale Frage: Wie gelingt eine wirksame und #soziale Wärmewende? 

Gerade beim GEG bzw. beim neuen Gebäudemodernisierungsgesetz #GMG sollte nicht der gleiche Fehler wieder gemacht werden und das Gesetz angepackt werden, ohne die soziale Dimension mitzudenken.

Damit der Gebäudesektor seinen Beitrag zum Erreichen der #Klimaziele leisten kann und eine soziale #Wärmewende gelingt, sind mindestens diese drei Dimensionen wichtig, die ich im Interview mit der Frankfurter Rundschau ausführen durfte:

👉 Erneuerbare Wärme konsequent ausbauen:

Die 65-Prozent-Regel für erneuerbare Energien bei neuen Heizungen und die bestehenden Fristen sollten bestehen bleiben. Das schafft Planungssicherheit und schützt Eigenheimbesitzende und Mietende vor teuren Fehlinvestitionen in fossile Heizungen, deren Kosten langfristig steigen werden.

👉 Fördermittel aufstocken und Mittel gezielt einsetzen:

 Förderungen für den Heizungstausch funktionieren, besonders der Einkommensbonus für Haushalte mit geringem Einkommen. Das sollte nicht nur beibehalten, sondern die soziale Staffelung sollte auch auf energetische Sanierungen ausgeweitet werden: mit Zuschüssen, zinsgünstigen Krediten und professioneller Sanierungsbegleitung. Gerade die energetisch schlechtesten Gebäude müssen zuerst angegangen werden, davon profitieren auch mittlere und untere Einkommen.

Für Gebäudesanierungen und den Ausbau erneuerbarer Wärmenetze braucht es daher bei den jetzt startenden Haushaltsverhandlungen mehr, nicht weniger Mittel im Klima- und Transformationsfonds #KTF für 2027.

👉 Mieterschutz ernst nehmen: 

 Steigende Mieten sind kein Klimaschutzproblem, aber Sanierungen dürfen Wohnen nicht zusätzlich übermäßig verteuern. Dafür braucht es u.a. eine Reform der Modernisierungsumlage, denn #Wohnen muss bezahlbar bleiben.


➡️ Fazit: Klimaschutz im Gebäudesektor klappt nur, wenn er verlässlich, sozial gerecht und ausreichend finanziert ist.

Mehr dazu im Interview: hier


Frankfurter Rundschau  hier 27.01.2026,  Joachim Wille

„Für eine soziale Wärmewende braucht es mehr“

Die Klima- und Sozialexpertin Brigitte Knopf kritisiert geplante Kürzungen beim Heizungsgesetz. Vor allem untere Einkommen würden benachteiligt.

Die Klimaexpertin Brigitte Knopf erklärt, warum Förderpolitik neu ausgerichtet werden muss – und wieso steigende Preise allein keine Transformation tragen.

Frau Knopf, die Merz-Koalition will das „Heizungsgesetz“ abschaffen. Wie muss das geplante neue Gesetz aussehen, damit der Wärmesektor endlich seinen Beitrag zum Klimaschutz leisten kann?

Es kann nur dann seinen Beitrag zum Klimaschutz leisten, wenn auch das neue Gesetz den Ausbau erneuerbarer Wärme konsequent vorantreibt. Wichtig ist dabei, dass die bisherigen Vorgaben für den Anteil dieser Energie bei den Heizungen, also die Mindestens-65-Prozent-Regel, und die Umsetzungsfristen beibehalten werden. Das stärkt die Planungssicherheit und schützt Menschen vor langfristigen und ansteigenden Kosten, die entstünden, wenn sie jetzt in eine fossile Gasheizung investieren würden. Für eine soziale Wärmewende braucht es aber mehr. Nämlich eine verlässliche und mit mehr finanziellen Mitteln ausgestattete Förderung für den Heizungstausch und für energetische Sanierungen, und zwar vor allem für Haushalte mit kleinem und mittlerem Einkommen. Und, nicht zu vergessen, einen fairen Mieterschutz. Wohnen muss bezahlbar bleiben.

Bisher werden neue, klimafreundliche Heizungen – etwa Wärmepumpe, Pelletsheizungen, Solarthermie – durch Zuschüsse gefördert, meist mit etwa der Hälfte der Kosten, bei ärmeren Haushalten sogar mit bis zu 70 Prozent. Sollte das geändert werden?

Dieser Einkommensbonus bei der Heizungsförderung ist eine gute Sache, er sollte beibehalten werden. Die soziale Staffelung sollte aber auch auf die Häusersanierungen ausgeweitet werden, dazu haben wir von Zukunft KlimaSozial kürzlich ein Konzept vorgelegt. Das beinhaltet neben der Förderung auch zinsgünstige Kredite und eine unterstützende Sanierungsbegleitung. Ohne solche Hilfen wird man es nicht schaffen, die bisher geringe Nutzung der Förderung gerade bei Haushalten mit geringem und mittlerem Einkommen ausreichend zu erhöhen. Bei der Sanierung sollte ein Fokus auf die Gebäude mit dem schlechtesten Zustand gelegt werden.

Reicht das, damit der Gebäudebereich, wie die anderen Sektoren auch, bis 2045 klimaneutral werden kann? Bisher geschieht viel zu wenig, um das zu erreichen.

Der Expertenrat für Klimafragen, der die Bundesregierung berät und dessen Mitglied ich war, hat immer hervorgehoben: Die Kombination aus der 65 Prozent-Regel, der Förderung des Heizungstauschs und der Haussanierung und der kommunalen Wärmeplanung ist ein wichtiger Baustein, um die Ziele im Gebäudesektor zu erreichen. Auch darf die Effizienz nicht vernachlässigt werden. Zudem muss die europäische Gebäuderichtlinie, die die CO2-Reduktionspflichten für die Altbauten konkretisiert, zügig bis Sommer umgesetzt werden. Politisch wird allerdings gerade von einigen Bundesländern hier auf eine Verzögerung gedrängt. Das ist problematisch.

Wie kann erreicht werden, dass auch die Mieten wegen der Klimaanforderungen nicht explodieren?

Die Mieten explodieren derzeit unabhängig vom Klimaschutz. Aber wenn Mietkosten nach einer Sanierung steigen, muss sichergestellt werden, dass die Menschen das noch bezahlen können. Dafür braucht es eine Reform der Modernisierungsumlage. Ein anderes Modell könnte Belgien sein. Dort wurde eine mögliche Mieterhöhung eine Zeitlang an den Energiestandard des Hauses gekoppelt.

Die Bundesregierung muss die Gebäudeförderung mit mehr Finanzmitteln ausstatten. Die bisherige aktuelle Planung für den Klima- und Transformationsfonds (KTF) dazu sieht das Gegenteil vor, nämlich sogar eine Absenkung des Fördervolumens für dieses Jahr und keinen Aufwuchs in den nächsten Jahren. Das geht in die falsche Richtung. Eine Erhöhung der Fördermittel dafür ist wichtig, sowie eine stärker zielgerichtete Förderung von unteren und mittleren Einkommen. Zudem braucht es mehr Geld für den Ausbau der erneuerbaren Wärmenetze.

Setzt die Bundesregierung Ihres Erachtens das Geld aus dem Klimaschutz-Sondervermögen richtig ein? Es sind immerhin 100 Milliarden Euro.

Von den 100 Milliarden Euro fließen jährlich zehn Milliarden in den KTF. Unsere Analyse zeigt, dass von diesem Geld vor allem die Unternehmen und nicht die privaten Haushalte profitieren. Zudem haben nur etwa 15 Prozent der Mittel im KTF in den Programmen einen sozialen Fokus. Das ist zu wenig, wenn wir gerade Menschen mit geringem Einkommen die Transformation ermöglichen wollen.

Brigitte Knopf ist, Gründerin und Direktorin von „Zukunft KlimaSozial“, einer wissenschaftlichen Denkfabrik mit Sitz in Berlin. Die promovierte Physikerin war 2015 bis 2023 Generalsekretärin des Mercator Research Instituts on Global Commons and Climate Change (MCC), von 2020 bis 2025 zudem Mitglied des von der Bundesregierung berufenem Expertenrats für Klimafragen. 

Dass vor allem reiche Haushalte von den Förderungen profitieren, schadet dem Image des Klimaschutzes. Wie kann die Regierung das ändern?

Neben der konsequenten sozialen Staffelung von Förderprogrammen ist es auch wichtig, die klimaschonende Infrastruktur, wie den ÖPNV, auszubauen und preisgünstig zu gestalten. Dazu gehören ein soziales Deutschlandticket für untere Einkommen und bezahlbare Bahntickets für Familien. Damit würden auch die Chancen von gut gemachtem Klimaschutz für die Verbesserung der Lebenswirklichkeit der Menschen erkennbar: für eine bessere Gesundheit, für mehr Teilhabe und gesellschaftliches Wohlergehen.

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