SWR hier 2.2.2026, Ruben Moratz
BW soll Spitzenreiter der Elektromobilität werden
Viel Wirtschaft, Klima oft mitgedacht: Das Programm der Grünen zur BW-Landtagswahl
Nach 15 Jahren Regierungsarbeit blicken die Grünen im Wahlprogramm auf das zurück, was sie erreicht haben. Unter dem Leitsatz "Stabil in bewegten Zeiten" wollen sie weiter regieren - unter neuer Führung von Cem Özdemir.
Das Wahlprogramm der Grünen zur BW-Landtagswahl 2026 im März beginnt mit einem Novum:
Zum ersten Mal steht am Anfang ein Vorwort des Spitzenkandidaten, Cem Özdemir.
Das größte und - so sagt es der Kandidat selbst immer wieder - wichtigste Kapitel des Programms behandelt die Wirtschaftspolitik.
Zum ersten Mal steht am Anfang ein Vorwort des Spitzenkandidaten, Cem Özdemir.
Das größte und - so sagt es der Kandidat selbst immer wieder - wichtigste Kapitel des Programms behandelt die Wirtschaftspolitik.
Das Thema Klimaschutz wird deutlich weiter hinten und weniger ausführlich behandelt, spielt allerdings immer wieder eine Rolle.
Eigene Kapitel widmen die Grünen außerdem der Bildung und dem gesellschaftlichen Zusammenhalt. Die grüne Vision, wohin sich Baden-Württemberg entwickeln soll, ist 85 Seiten lang und damit um ein Vielfaches kürzer als bei den vergangenen Landtagswahlen.
Eigene Kapitel widmen die Grünen außerdem der Bildung und dem gesellschaftlichen Zusammenhalt. Die grüne Vision, wohin sich Baden-Württemberg entwickeln soll, ist 85 Seiten lang und damit um ein Vielfaches kürzer als bei den vergangenen Landtagswahlen.
Das sind die Positionen und Forderungen der Grünen zu:
- Wirtschaft
- Migration
- Bildung
- Verkehr
- Klimaschutz
- Innere Sicherheit
Grünen-Parteiprogramm zur Landtagswahl 2026:
Wirtschaft
Baden-Württemberg sei das "Land der Möglichkeiten", so die Überschrift des Wirtschaftskapitels. Auch bei der schwächelnden Automobilwirtschaft sehen die Grünen Möglichkeiten, wieder aus der Krise herauszukommen - und setzen dabei voll auf den Elektroantrieb.
Die Zukunft des Autos sei elektrisch, die Grünen wollen Baden-Württemberg "zum Spitzenreiter der Elektromobilität" machen. Erreichen will man das durch den Ausbau der Ladeinfrastruktur, Förderung von Batterietechnologien, eine Asienstrategie und mehr EU-Kooperationen.
Große Hoffnungen setzt die grüne Partei wirtschaftlich außerdem in Innovationsfelder:
Forschung und Entwicklung sollen Baden-Württemberg zu einem Land machen, in dem Künstliche Intelligenz und Robotik für Wachstum sorgen.
Baden-Württemberg soll Europas führender Standort für industrielle KI und Software-Engineering werden.
Forschung und Entwicklung sollen Baden-Württemberg zu einem Land machen, in dem Künstliche Intelligenz und Robotik für Wachstum sorgen.
Baden-Württemberg soll Europas führender Standort für industrielle KI und Software-Engineering werden.
Wahlprogramme zur Landtagswahl in BWIm Zuge der Landtagswahl in Baden-Württemberg 2026 berichtet SWR Aktuell nach und nach über die Wahlprogramme der Parteien.
Dann können Sie hier die Wahlprogramme der Grünen, CDU, SPD, AfD, FDP und Linken nachlesen. Bei allen werden die Positionen und Forderungen zu den gleichen Themen dargestellt. Auch einen Überblick über die Programme der anderen Parteien wird es geben.
Migration
Die Grünen sehen in Baden-Württemberg ein Land, das "aus seiner Vielfalt Kraft zieht". Die Arbeitsmigration soll ausgebaut werden - die 2025 eingerichtete Landesagentur für Fachkräftegewinnung wird als Positivbeispiel genannt.
Fortgesetzt werden soll der besondere Einsatz Baden-Württembergs für verfolgte Jesidinnen und Jesiden im Nordirak. In einem neuen Sonderprogramm sollen Angehörige dieser Minderheit aufgenommen werden, auch der Familiennachzug soll erleichtert werden.
Generell verteidigt das Wahlprogramm das Grundrecht auf Asyl.
Zudem wollen die Grünen mehr Bleiberechtsperspektiven für gut integrierte Geflüchtete: "Abschiebungen von Auszubildenden und sozialversicherungspflichtig Beschäftigten, die keine schweren Straftaten begangen haben, lehnen wir ab." Allerdings sollen Menschen ohne Aufenthaltsrecht und Bleibeperspektive auch ausreisen müssen - wenn nötig, auch durch Zwangsrückführungen.
Zudem wollen die Grünen mehr Bleiberechtsperspektiven für gut integrierte Geflüchtete: "Abschiebungen von Auszubildenden und sozialversicherungspflichtig Beschäftigten, die keine schweren Straftaten begangen haben, lehnen wir ab." Allerdings sollen Menschen ohne Aufenthaltsrecht und Bleibeperspektive auch ausreisen müssen - wenn nötig, auch durch Zwangsrückführungen.
Bildung
Eines der wichtigsten Bildungsziele ist für die Grünen, allen Kindern unabhängig von ihrer Herkunft gleiche Startchancen zu geben. Die frühkindliche Bildung soll dafür verbessert werden, etwa mit einem verpflichtenden und kostenlosen letzten Kindergartenjahr. Die bereits bestehenden Programme wie "SprachFit" sollen flächendeckend verankert und weiterentwickelt werden, um sicherzustellen, dass alle Kinder zum Schulstart ein gutes Deutschniveau haben.
An den Schulen sollen nach dem Willen der Grünen alle Kinder ein kostenfreies Mittagessen erhalten - beginnen soll diese Maßnahme an den sogenannten Startchancen-Schulen, also zugunsten von Kindern aus sozial benachteiligten Familien.
Referendarinnen und Referendare, die aktuell in den Sommerferien arbeitslos werden, sollen künftig auch über die Ferien weiterbezahlt werden.
Kommunikationswissenschaftler Brettschneider analysiert Grünen-Programm
Kommunikationswissenschaftler Frank Brettschneider findet es auffällig, dass im Wahlprogramm der Grünen die Themen Wirtschaft und Wohlstand an erster Stelle stehen. Es folge ein Kapitel zu Bildung, erst weiter hinten gehe es um klassische Themen der Grünen wie Klimaschutz und Verkehr, beobachtet Brettschneider, der an der Uni Hohenheim lehrt.
Seiner Ansicht nach hebt das Wahlprogramm sehr stark die Erfolge der Regierungen unter Winfried Kretschmann hervor. Es gehe weniger darum, was in Zukunft anders gemacht werden solle, so Brettschneider. Unter anderem in den Bereichen Wirtschaft und Infrastruktur versuchten die Grünen an das Image des Ministerpräsident anzuknüpfen und Wähler, die zwischen CDU und Grünen stünden, nicht zu verschrecken.
Die Umsetzung des Grünen-Programmes ist laut Brettschneider gar nicht so unrealistisch - zumindest in Teilen. Käme es nach der Wahl erneut zu einer Koalition zwischen Grünen und CDU, gebe es inhaltliche Überschneidungen - gerade bei Innovationsförderung, Start-ups und Bildung. Die Frage sei, woher das Geld dafür komme.
Das Interview führte Katharina Fuß, Text von Moritz Kluthe.
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