Sonntag, 1. Februar 2026

Die Zeit der Benzin-Autos läuft rasch ab

Watson hier  29.01.2026,Oliver Wietlisbach

Ende 2025 wurden in der EU erstmals in einem Monat mehr E-Autos als Benzin-Autos gekauft. Der grosse Siegeszug der E-Mobilität ist dies aber noch nicht.

«Verkäufe von Elektroautos liegen in der EU erstmals knapp über denen von Benzinern», berichtete die Nachrichtenagentur Reuters am Dienstag. Das mag erstaunen, vollelektrische E-Autos waren im vergangenen Monat aber tatsächlich zum ersten Mal minim populärer als Benzin-Autos.

Möglich wurde diese Premiere, da die E-Auto-Verkäufe im Dezember 51 Prozent über dem Absatz im Dezember 2024 lagen. Gleichzeitig brachen Benzin-Autos gegenüber dem Vorjahresmonat um 19 Prozent ein.

Grafisch sieht dies so aus:

Die Linien zeigen die Entwicklung von vollelektrischen E-Autos (ohne Plug-in-Hybride) und herkömmlichen Benzin-Autos (ohne Hybride) zwischen 2022 und Dezember 2025.

E-Autos erreichten im Dezember einen Anteil von 22,6 Prozent an den Neuwagenkäufen. Benziner lagen mit 22,5 Prozent haarscharf dahinter. Nur 7,2 Prozent der Kundinnen und Kunden wollten einen Diesel.

Wer hätte das vor zehn Jahren für möglich gehalten? Damals lag der Marktanteil reiner Elektroautos unter einem Prozent, Benziner und Diesel dominierten mit 96 Prozent.


Elektro vor Benzinern, aber Hybride geben den Ton an

Es gibt jedoch eine wichtige Einschränkung: Der starke Rückgang herkömmlicher Benzin- und Diesel-Fahrzeuge hilft den Stromern nur bedingt. Er führt primär zu einem Hybrid-Auto-Boom. Im Dezember war denn auch jeder dritte neu registrierte Personenwagen in der EU ein Hybrid-Auto. Diese haben wie Benziner einen Verbrennungsmotor, werden in der Statistik üblicherweise aber nicht als Verbrenner gezählt.

E-Autos haben sich somit Ende 2025 nur vor klassische Benzin-Autos geschoben, während mit Benzin betriebene Hybrid-Autos die eigentlichen Kassenschlager sind – zumindest im Moment noch.

Hybrid-Autos verkaufen sich am besten, E-Autos holen auf

Die Grafik zeigt die Autoverkäufe nach Antriebsart in der EU im Dezember 2024 und im Dezember 2025.

Marktanteile im Dezember 2025 in der EU

Hybrid-Auto (Verbrenner): 33,7 ↗️

E-Auto (vollelektrisch): 22,6 % ↗️

Benzin-Auto (Verbrenner): 22,5 % ↘️

Plug-in-Hybrid (teilelektrisch): 10,7 % ↗️

Diesel-Auto (Verbrenner): 7,2 % ↘️

Andere: 3,3 % ➡️

Wir halten fest: Hybridautos, E-Autos und Plug-in-Hybride legen in Europa zu, während herkömmliche Benzin- und Diesel-Fahrzeuge langsam aus dem Markt gedrängt werden.

Dass E-Autos erstmals in einem Monat vor Benzinern liegen, lässt aufhorchen, aber über das gesamte Jahr 2025 waren Benzin-Autos weiterhin in der Mehrheit.

Insgesamt erreichten Stromer 2025 einen Marktanteil von 17,4 Prozent, gegenüber 13,6 Prozent im Vorjahr. Benzin-Autos kamen noch auf 26,6 Prozent, während sie 2024 einen Anteil von 33,3 Prozent hatten.

Bis Elektroautos auch Hybrid-Autos verdrängen, wird es aber noch länger dauern. Automarkt-Analysten rechnen damit, dass es in der EU noch ein halbes Jahrzehnt dauern wird, bis vollelektrische E-Autos dem Hybridantrieb den Rang ablaufen.

Am Siegeszug des E-Autos haben Marktbeobachter aber keinen Zweifel mehr. Dafür gibt es mehrere Gründe: Beispielsweise ermöglichen sinkende Akkukosten auch im Kleinwagen-Segment preislich konkurrenzfähige E-Autos, was weiteren Bevölkerungsschichten den Einstieg in die E-Mobilität eröffnet. Parallel fördern Länder wie Deutschland den E-Auto-Kauf neuerdings wieder finanziell.

Dazu kommt ein psychologischer Effekt: Zahlreiche Konsumenten orientieren sich bei Kaufentscheidungen daran, was die Mehrheit tut. Sobald E-Autos in einem Land einen kritischen Schwellenwert erreichen und Konsumenten sicher sind, dass sich die Technologie durchsetzt, kann der Wandel sehr rasch vonstattengehen. Ein Beispiel dafür ist Dänemark, das 2025 einen E-Auto-Anteil bei den Neuzulassungen von 68,5 Prozent erreichte. In diesem Jahr könnten Stromer 80 Prozent der Neuwagen ausmachen, da Benziner als Auslaufmodelle gelten.

Stromer legen weltweit zu

Diese Antriebswende zeichnet sich immer stärker auch global ab: Vergangenes Jahr wurden weltweit rund 13,7 Millionen rein batterieelektrische Autos neu ausgeliefert, wie eine Analyse von PwC ergab. Das waren 3,1 Millionen E-Autos mehr als 2024, ein Plus von 30 Prozent.

Mit grossem Abstand wichtigster Markt ist China, wo fast 9 Millionen neue Stromer gezählt wurden. Allerdings ist das Wachstum dort mit 33 Prozent nur noch minimal überdurchschnittlich. Dahinter folgt Europa mit 2,6 Millionen E-Autos und einem Wachstum von 30 Prozent. Wichtigste Märkte dabei waren Deutschland mit 545'000 Autos (plus 43 Prozent), Grossbritannien mit 473'000 (plus 24 Prozent) und Frankreich mit 327'000 (plus 12 Prozent).

«Wir sehen in Europa und im Leitmarkt Deutschland sehr dynamische Zuwächse», sagte Harald Wimmer von PwC. «Diese Entwicklung ist getrieben von einem immer breiteren Sortiment an attraktiven und leistungsfähigen Modellen.» Fahrzeug- und Batteriehersteller hätten ihre Hausausgaben gemacht.

Die USA kamen 2025 nur auf 1,2 Millionen neue Stromer - das ist ein minimaler Rückgang. Seit dort Ende September unter der Trump-Regierung steuerliche Vorteile für Stromer ausgelaufen sind, ist der Absatz eingebrochen.

Wie unterschiedlich die drei grossen Märkte sind, zeigt sich auch beim Blick auf die Marktanteile: Während in China reine Elektroautos ein Drittel des Marktes ausmachen, sind es in Europa nur knapp 20 und in den USA nur knapp 10 Prozent. Zählt man allerdings Autos mit Elektroantrieb im weitesten Sinne – also auch Plug-in-Hybride und Hybride ohne Stecker – dreht sich das Verhältnis: Dann liegt Europa mit einem Anteil von 63 Prozent vor China mit 54 Prozent. Die USA bleiben mit 22 Prozent klar auf dem dritten Platz.

Für die kommenden Jahre erwarten die Experten weiter deutliches, wenn auch nicht mehr so starkes Wachstum bei den Elektroautos. Zudem könnten Plug-in-Hybride ihren globalen Zenit überschritten haben, hiess es von PwC. Im vierten Quartal verzeichneten sie weltweit rückläufige Zulassungszahlen – getrieben vom chinesischen Markt, der als ein Frühindikator für globale Trends gelte.

Vollelektrische E-Autos dürften demnach zunächst Plug-in-Hybride ersetzen, später auch klassische Hybride ohne Stecker. Benziner wiederum werden in Europa bereits jetzt abgelöst.



Peter Jelinek  • LinkedIn

So viel ist klar: "Hocheffiziente Verbrenner" sind Vergangenheit, bevor sie 2035 überhaupt noch auf den Markt kommen. 

Kanzler Friedrich Merz und sein Parteikollege Manfred Weber (CSU) haben aus ideologischen Gründen auf die Kutsche gesetzt, während eines völlig klar ist: China & Co. haben uns überholt und wir müssen damit umgehen – nur wie?


Die neuen Daten European Automobile Manufacturers'​ Association (ACEA) sind beeindruckend wie ermutigend zugleich: 

✅ Laut ACEA wurden im vergangenen Jahr über 1,88 Millionen neue batterieelektrische Autos zugelassen.

✅ Insgesamt erreichten die Elektrofahrzeuge im Jahr 2025 über 17% des Marktanteils des Blocks, gegenüber 13,6% im Vorjahr.

✅ Die 4 größten Märkte sind Deutschland, Niederlande, Belgien und Frankreich.

✅ Gleichzeitig gingen die Zulassungen von Benzinfahrzeugen im Jahr 2025 um über 18 % zurück.

Die Zahlen sind im Kontext von Merz und Webers Aussage besonders wichtig, denn erinnern wir uns zurück: Vor wenigen Wochen sprach Friedrich Merz noch von "hocheffizienten Verbrennern. In einem Brief an EU-Kommissionspräsidentin und Parteikollegin Ursula von der Leyen bat er um eine Regeländerung, damit "auch nach dem Jahr 2035 ergänzende Übergangstechnologien wie (...) hocheffiziente Verbrenner zugelassen werden können"

Sein Parteikollege von der CSU, Manfred Weber, konnte sein Glück kaum fassen. Als Chef der größten Fraktion im EU-Parlament läuft er seit Jahren damit durch Europas Talkshows und Pressekonferenzen, versprach gar das Aus des Verbrenner-Aus 2035 – jenem Gesetz, was er vor einigen Jahren bei einer Abstimmung im EU-Parlament verlor. Und genau das ist der Knackpunkt: EU-Parlament und selbst der Rat haben ein technologieoffenes Gesetz beschlossen, dass für 2035 besagt: Kein CO2 mehr aus dem Auspuff. Wie ihr das macht, überlassen wir euch.

Bis heute finden sich Konservative damit nicht ab, gehen nun Hand in Hand mit Rechtsextremen, aber die Entwicklung zeigt: Die deutsch-europäischen Autohersteller verlieren seit 2018 durchgehend Marktanteile auf dem größten Automarkt der Welt namens Chinas. Parallel bricht das Exportmodell zusammen, weil Trump die geopolitische Ordnung des freien Handels kurzerhand zu Kleinholz verarbeitet und China vor allem eines getan hat: Den Verbrenner übersprungen hat und massiv auf Elektrifizierung ging. Bei Batterie wie KI und autonomem Fahren führen sie oder sind im Grunde gleichauf. Und noch wichtiger: Sie exportieren auch Verbrenner. Erst kürzlich hieß es: "Europas meistverkaufte Plug-in-Hybrid ist jetzt ein BYD".

Und hier sind wir wieder am Anfang: Aus Angst vor der Zukunft setzen wir auf das, was uns einstmals "groß" gemacht hat. Den Verbrenner. Dafür sägen einige massive Standards und Klimaregeln ab, die im Mix zwischen Anreiz und Regeln (Kaufprämie für Autos bspw.) diejenigen nach vorne bringen sollen, die sich auf SUVs und den Verbrenner ausgeruht haben. Anders gesagt: Mehr denn je bräuchte es einen Green Deal, um wenigstens mithalten zu können.

Die Daten von Carbon Brief hier

Daten zu BYD hier











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