Darf es noch etwas mehr Gift sein ? Die Politik sorgt für ausreichend Nachschub.
Kontaminierte Landschaften – Wie Pestizide Europas Felder, unsere Nahrung und unsere Gesundheit verändern
Über den Apfelplantagen im Südtiroler Vinschgau hängt an schönen Frühlingstagen ein feiner Nebel. Für Touristinnen und Touristen sieht er aus wie Tau. In Wahrheit ist es oft Sprühnebel aus Pestiziden – ein chemischer Mix, der nicht nur auf den Bäumen landet, sondern auf Wiesen, Spielplätzen, in Bergbächen, im Schnee. Ähnlich sieht es im Oberrheintal aus, einer der intensiv bewirtschafteten Regionen Europas. Was dort passiert, ist kein lokales Problem, sondern ein Spiegel für die Landwirtschaft eines ganzen Kontinents.
Dieser Text versucht, nüchtern und faktenbasiert zu zeigen, wie tief Pestizide heute in unsere Ökosysteme, Lebensmittel und Körper eingedrungen sind, was die Forschung über gesundheitliche Folgen weiß – und warum die Politik trotz dieser Erkenntnisse kaum die Notbremse zieht.
https://umweltinstitut.org/landwirtschaft/projekt-spritzdaten-aus-dem-vinschgauer-apfelanbau/
https://www.der-malser-weg.com/
Europas Landwirtschaft: Ohne Chemie geht (fast) nichts mehr
In der Europäischen Union werden Jahr für Jahr rund 300.000 bis 350.000 Tonnen Pestizide verkauft – und das seit mehr als einem Jahrzehnt nahezu konstant. Auch wenn es zuletzt leichte Rückgänge gab, ist die Grundlinie klar: Die europäische Landwirtschaft ist strukturell von chemischen Pflanzenschutzmitteln abhängig.
Offiziell wird betont, dass die Anwendung streng reguliert sei. Gleichzeitig zeigen europaweite Messprogramme:
- Der große Teil der landwirtschaftlichen Böden enthält Rückstände aktueller Pestizidwirkstoffe.
- In Flüssen, Bächen und Seen werden regelmäßig Substanzen gemessen, deren Konzentrationen über ökologisch unbedenklichen Werten liegen.
- In vielen Regionen findet man in Luft, Böden und Vegetation nicht nur einzelne Stoffe, sondern ganze Cocktails von fünf, zehn oder mehr Wirkstoffen gleichzeitig.
Die Europäische Umweltagentur spricht inzwischen offen davon, dass unsere Ernährungssysteme „stark von chemischen Pestiziden abhängig“ sind – und dass diese Mittel eine wesentliche Quelle für Wasser-, Boden- und Luftverschmutzung darstellen, zum Verlust der Artenvielfalt beitragen und mit chronischen Erkrankungen in Verbindung stehen.
Vinschgau und Oberrheintal: zwei Beispiele, ein Muster
Südtirol – der Apfelgarten Europas -
Der Vinschgau in Südtirol ist eines der größten Apfelanbaugebiete Europas. Die Plantagen ziehen sich wie ein grünes Band durch das Tal, dicht an dicht, oft bis an Dörfer und Schulen heran. Studien, die dort Böden und Pflanzen vom Talboden bis in hochalpine Lagen beprobt haben, kommen zu einem eindeutigen Ergebnis
In fast allen untersuchten Vegetationsproben wurden Rückstände aktueller Pestizide gefunden.
Selbst oberhalb der Baumgrenze, in Wiesen und Flächen, in denen nie gespritzt wird, tauchen mehrere Wirkstoffe gleichzeitig auf.
Die Zahl der nachgewiesenen Substanzen reicht von verbreiteten Fungiziden über Insektizide bis zu Herbiziden – insgesamt wurden in einer großen Untersuchung 27 Wirkstoffe identifiziert, in anderen Analysen noch mehr.
Wichtig ist nicht nur, dass gespritzt wird, sondern wie. Auf vielen Apfelanlagen werden pro Saison mehrere Dutzend Spritzgänge durchgeführt, oftmals mit Mischungen aus mehreren Wirkstoffen in einem Durchgang. Auf einem einzelnen Apfel lassen sich so am Ende der Saison im Durchschnitt mehrere Rückstände gleichzeitig nachweisen.
Noch brisanter: Grasproben auf Spielplätzen, an Schulwegen und in Parks in Südtirol zeigen ebenfalls eine hohe Belastung mit Pestiziden, darunter Stoffe, die als hormonaktiv oder neurotoxisch gelten. Das bedeutet: Kinder, die dort spielen, kommen direkt mit diesen Rückständen in Kontakt – über die Haut und über Hände, die anschließend in den Mund wandern.
Oberrheintal – Chemiecocktails bis in den Wald
Das Oberrheintal – auf deutscher, französischer und schweizer Seite – ist geprägt von Weinbau, intensiven Ackerkulturen und Spezialkulturen. Auch hier wurde systematisch dort gemessen, wo eigentlich „Ruhe“ sein sollte: in Hecken, Wiesen, Waldrändern und kleinen Gewässern, auf Flächen, auf denen keine Pestizide ausgebracht werden.
Das Bild ist verblüffend ähnlich wie in Südtirol
Der überwiegende Teil der Vegetations- und Bodenproben enthält Rückstände verschiedener Pestizide.
Viele Proben zeigen Mischungen aus mehreren Wirkstoffen, in der Summe wurden Dutzende Substanzen gefunden.
Die Kontamination reicht weit in Waldgebiete und Schutzflächen hinein.
Auch hier geht es nicht um Einzelfälle, sondern um ein flächendeckendes Muster: Pestizide verlassen fast immer die Flächen, auf denen sie aufgebracht werden – durch Abdrift, Verflüchtigung, Regenwasser, Staub.
Was auf unseren Tellern landet
Jedes Jahr werden in der EU hunderttausende Lebensmittelproben auf Pestizidrückstände untersucht. Die Behörden betonen dabei regelmäßig: Die große Mehrheit der Proben liege unterhalb der gesetzlichen Höchstgehalte, nur ein kleiner Teil überschreite diese Grenzwerte.
Was häufig untergeht: Ein erheblicher Anteil der Proben enthält Mehrfachrückstände. Auf einem Apfel, einer Traube oder einer Erdbeere finden sich dann nicht ein oder zwei, sondern drei, vier oder noch mehr Wirkstoffe.
Unabhängige Auswertungen der offiziellen Daten zeigen, dass der Anteil von Proben mit besonders problematischen Wirkstoffen – etwa solchen, die als krebsverdächtig, erbgutschädigend oder besonders giftig für das Hormonsystem eingestuft sind – in den letzten Jahren in mehreren Kategorien zugenommen hat. Bei manchen Früchten hat sich der Anteil der belasteten Proben in weniger als einem Jahrzehnt vervielfacht.
Biologisch erzeugte Lebensmittel schneiden im Durchschnitt deutlich besser ab: Sie enthalten seltener und weniger Rückstände. Doch auch Bioprodukte sind nicht völlig frei – Abdrift und Altlasten machen auch vor Biofeldern nicht halt.
Wie Pestizide in unseren Körper gelangen
Die wichtigsten Wege, über die Pestizide in unseren Körper gelangen, sind gut beschrieben:
Nahrung Obst, Gemüse, Wein, aber auch Getreideprodukte und verarbeitete Lebensmittel können Rückstände enthalten. Selbst wenn einzelne Werte unterhalb der gesetzlichen Grenzwerte liegen, entsteht über Jahre und Jahrzehnte eine chronische Hintergrundbelastung, oft mit mehreren Wirkstoffen parallel.
Trinkwasser Pestizide gelangen über Regen, Erosion und Abschwemmung in Oberflächengewässer und ins Grundwasser. Wasserwerke können vieles filtern oder durch Mischung verdünnen, aber nicht alle Substanzen vollständig entfernen. In einigen Regionen Europas wurden in Rohwasser und zum Teil auch in Trinkwasser Pestizide oder deren Abbauprodukte nachgewiesen.
Luft Messungen zeigen, dass in landwirtschaftlichen Regionen Pestizide als feine Tröpfchen oder Gas in der Luft vorhanden sind – zum Teil noch in größerer Entfernung zu den gespritzten Flächen. Menschen atmen diese Stoffe ein, besonders während der Spritzsaison.
Direkter Hautkontakt Kinder auf belasteten Spielplätzen, Menschen, die auf angrenzenden Wiesen liegen oder arbeiten, kommen über die Haut in Kontakt mit Rückständen im Gras oder im Staub.
Die Frage ist also nicht, ob wir in Europa Pestiziden ausgesetzt sind, sondern wie stark, wie lange und in welcher Kombination.
Was die Forschung über gesundheitliche Folgen weiß
Kein seriöser Mensch wird behaupten, jede Parkinson-Erkrankung, jeder Hirntumor oder jede Demenz sei „wegen Pestiziden“ entstanden. Krankheiten sind komplex. Aber die wissenschaftliche Literatur der letzten Jahre ist deutlich: Pestizide sind ein relevanter Umwelt- und Gesundheitsfaktor – vor allem dort, wo Menschen über lange Zeit höheren Dosen ausgesetzt sind.
Parkinson
Parkinson gilt heute als eine der am besten untersuchten Krankheiten im Zusammenhang mit Pestiziden.
Zahlreiche Studien an Landwirtinnen und Landarbeitern zeigen, dass Menschen mit langjähriger intensiver Exposition ein deutlich erhöhtes Parkinson-Risiko haben.
In einigen Ländern wurde Parkinson bereits als berufliche Erkrankung für bestimmte Gruppen von Landarbeiter:innen anerkannt.
Es geht hier vor allem um chronische, niedrig dosierte Exposition über Jahre, nicht um akute Vergiftungen.
Alzheimer und andere Demenzen
Auch für Alzheimer und andere Demenzformen verdichten sich die Hinweise:
In Regionen mit besonders hoher Pestizidnutzung wurden bei älteren Menschen höhere Alzheimer-Raten gemessen als in Regionen mit geringerer Nutzung.
Laborexperimente zeigen, dass einige Insektizide und andere Wirkstoffe Prozesse anstoßen können, die typisch für neurodegenerative Erkrankungen sind – etwa die Schädigung von Nervenzellen oder die Förderung entzündlicher Prozesse im Gehirn.
Noch sind nicht alle Mechanismen verstanden, doch die Verbindungslinien sind klar genug, um von einem ernst zu nehmenden Risikosignal zu sprechen.
Lungenkrankheiten
Einige Pestizide sind gezielt oder unbeabsichtigt giftig für die Lunge:
Bestimmte Herbizide sind schon in relativ geringen Dosen in der Lage, das Lungengewebe dauerhaft zu schädigen und zu vernarben.
Studien zeigen bei Menschen, die berufsbedingt Pestiziden ausgesetzt sind, erhöhte Raten chronischer Atemwegserkrankungen.
Besonders problematisch sind Situationen, in denen gefährliche Wirkstoffe trotz Verbot illegal eingesetzt oder über Graumärkte gehandelt werden.
Krebs und Hirntumoren
Die Krebsforschung betrachtet Pestizide inzwischen als eine wichtige Gruppe von Umweltfaktoren
Bei Landwirt:innen wurden in mehreren Studien erhöhte Risiken für Hirntumoren festgestellt.
Für Kinder zeigen Untersuchungen ein erhöhtes Risiko für Hirntumoren und bestimmte Leukämien, wenn die Eltern während Schwangerschaft und früher Kindheit stärker mit Pestiziden zu tun hatten.
Auch für andere Krebsarten – etwa bestimmte Lymphome oder Prostatakrebs – gibt es Hinweise auf Zusammenhänge mit langjähriger Exposition.
Hormon- und Stoffwechselstörungen
Eine große Zahl von Pestiziden wirkt als sogenannte endokrine Disruptoren: Sie greifen in das Hormonsystem ein. Das kann Folgen haben für
Fruchtbarkeit und Fortpflanzung,
die Entwicklung von Föten und Kindern,
das Risiko für Stoffwechselerkrankungen wie Fettleibigkeit oder Diabetes,
hormonabhängige Krebsarten.
Ökonomische Analysen, die die Gesundheitsfolgen hormonaktiver Chemikalien abschätzen, kommen auf zweistellige Milliardensummen pro Jahr allein für die EU – durch Krankenhausaufenthalte, Pflegebedürftigkeit, verlorene Arbeitsjahre und vorzeitige Todesfälle.
Die versteckte Rechnung: Was Pestizide das Gesundheitssystem kosten
Die direkten Kosten von Pestiziden stehen nicht auf der Rechnung im Supermarkt. Sie erscheinen an anderen Stellen:
in Budgets der Krankenkassen,
in Pflegekosten für Menschen mit chronischen Erkrankungen,
in Produktivitätsverlusten, wenn Menschen früher krank werden oder sterben.
Schätzungen, die nur einen Teil der eingesetzten Wirkstoffe und nur einige Krankheitsbilder einbeziehen, kommen bereits auf viele Millionen bis Milliarden Euro pro Jahr an Folgekosten. Und dabei sind die ökologischen Schäden – verlorene Bestäuber, degradierte Böden, Fischsterben – noch gar nicht eingerechnet.
Mit anderen Worten: Wir sparen an der Kasse, zahlen aber hintenrum mit Steuergeld und Lebensqualität drauf.
Warum die Politik trotz allem nicht entschlossen handelt
Angesichts dieser Fakten drängt sich die Frage auf: Warum gibt es kein klares politisches „Stopp“? Warum kein konsequenter Ausstieg aus besonders gefährlichen Wirkstoffen, warum kein hartes Reduktionsprogramm?
Die Gründe sind vielschichtig:
Strukturelle Abhängigkeit der Landwirtschaft
Viele Betriebe sind in ein System eingebunden, das auf hohe Erträge, niedrige Preise und internationale Wettbewerbsfähigkeit ausgerichtet ist. Große Monokulturen, intensive Spezialisierung, hoher Exportdruck – in diesem Setting erscheinen Pestizide als unverzichtbares Werkzeug. Ein schneller Ausstieg würde für viele Höfe existenzielle Risiken bedeuten, wenn er nicht von tiefgreifenden Strukturreformen begleitet wird.
Angst vor Ernteausfällen und steigenden Preisen
Interessensverbände warnen regelmäßig vor dramatischen Ernteverlusten, wenn der Einsatz von Pestiziden stark reduziert würde. Solche Szenarien finden leicht Gehör, besonders in Zeiten, in denen Versorgungssicherheit und Inflation sensible Themen sind.
Starker Lobbyeinfluss
Die Hersteller von Pestiziden und bestimmte Agrarlobbys investieren erheblich in politische Einflussnahme. Wenn strengere Gesetze diskutiert werden, wird mit Arbeitsplatzverlusten, sinkender Wettbewerbsfähigkeit und angeblich „unrealistischen“ Umweltzielen argumentiert. Das konnte man zuletzt eindrucksvoll beobachten, als der Gesetzesvorschlag für eine verbindliche Pestizidreduktion in der EU nach massivem Druck zunächst verwässert und schließlich ganz zurückgezogen wurde.
Träge Regulierung und Datenlücken
Die Zulassung von Pestiziden in der EU ist formal streng, aber inhaltlich lückenhaft. Bewertet werden meist einzelne Wirkstoffe, nicht reale Mischungen. Viele alte Wirkstoffe erhalten Übergangsverlängerungen, weil die zuständigen Behörden überlastet sind. Verlässliche, detaillierte Daten darüber, wie viel, wann und wo gespritzt wird, werden erst in den kommenden Jahren systematisch erhoben. Ohne gute Daten bleibt Politik im Blindflug.
Doppelstandards und illegale Märkte
Einige Pestizide, die in der EU wegen ihrer Gefährlichkeit nicht mehr zugelassen sind, werden weiterhin in andere Länder exportiert. Von dort können sie über importierte Lebensmittel wieder auf europäischen Tellern landen. Gleichzeitig wächst der Markt für illegale und gefälschte Pestizide, die Kontrollen sind oft unzureichend.
Am Ende steht eine unangenehme Wahrheit: Kurzfristige wirtschaftliche Interessen und politischer Opportunismus haben bislang meist mehr Gewicht als langfristige Gesundheits- und Umweltziele.
Was sich ändern müsste – und was wir selbst tun können
Ein wirklich faktenbasierter, am Schutz von Gesundheit und Umwelt orientierter Kurs in Europa würde mehrere Schritte erfordern:
- verbindliche Reduktionsziele für den gesamten Pestizideinsatz, mit klaren Zwischenzielen und wirksamen Sanktionen,
- massive Förderung von Ökolandbau, diversifizierten Anbausystemen, Agroforstwirtschaft und anderen Methoden, die mit deutlich weniger oder ganz ohne Pestizide auskommen,
- eine Regulierung, die nicht nur einzelne Wirkstoffe, sondern reale Mischungen und Langzeiteffekte berücksichtigt,
- transparente, dichte Monitoringprogramme für Böden, Luft, Wasser, Gletscher und Lebensmittel,
- ein konsequentes Ende des Exports in der EU verbotener Wirkstoffe sowie eine harte Bekämpfung illegaler Pestizidströme.
Für die einzelne Bürgerin, den einzelnen Bürger bleiben kurzfristig vor allem begrenzte Hebel:
Sich zu aller erst einmal darüber klarwerden, wieviel ungesunden Mist man in sich reinfrisst und den Willen dazu haben , dies zu ändern. Denkt daran, Ihr alle habt nur das eine Leben ? Je früher Ihr Euch gesünder ernährt und in Eure Gesundheit investiert, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass Ihr gesünder, beschwerdefreier und länger lebt.
häufiger zu biologisch erzeugten Lebensmitteln greifen,
regionale Betriebe unterstützen, die pestizidarm oder pestizidfrei arbeiten,
politisch Druck machen – über Wahlen, Bürgerinitiativen, Verbände –, damit diese Themen nicht leise in Ausschüssen versanden,
den eigenen Konsum und die eigene Ernährung so gestalten, dass sie nicht nur dem eigenen Körper, sondern auch den Ökosystemen zugutekommt.
Eines ist klar: Pestizide sind kein Randthema für Spezialisten. Sie entscheiden mit darüber, welche Insekten noch in unseren Landschaften fliegen, welche Rückstände wir im Blut haben werden – und welche Krankheiten unsere Gesundheitssysteme in den nächsten Jahrzehnten prägen.
Ob wir diese Entwicklung hinnehmen oder umsteuern, ist keine technische Frage mehr. Es ist eine politische Entscheidung – und eine gesellschaftliche.
Fabian Holzheid / Umweltinstitut München e.V. LinkedIn
Glyphosat-Skandal: Monsanto schreibt die wichtigste Studie einfach selbst
Eine zentrale Glyphosat-Studie aus dem Jahr 2000, die über Jahrzehnte großen Einfluss auf die Bewertung der Sicherheit von Glyphosat hatte, ist nun formell zurückgezogen worden. Die Fachzeitschrift "Regulatory Toxicology and Pharmacology" begründet den Schritt mit gravierenden Zweifeln an der wissenschaftlichen Integrität des Papiers. Es stellt sich heraus: die zentrale Schlussfolgerung – Glyphosat sei nicht krebserregend – ist überhaupt nicht belastbar! (Was in der Zwischenzeit ja sowohl die Internationale Krebsforschungsagentur IARC als auch das Ramazzini-Institut bestätigt haben)
Der Chefredakteur nennt mehrere Gründe für das Zurückziehen der Studie:
1️⃣ Die Bewertung stützte sich ausschließlich auf Studien des damaligen Herstellers Monsanto, andere bereits vorliegende Langzeitstudien wurden ignoriert.
2️⃣ Zudem gibt es Hinweise aus US-Gerichtsverfahren, dass Monsanto-Mitarbeitende an der Studie mitgewirkt haben könnten, ohne als Mitautoren genannt zu werden.
3️⃣ Auch mögliche finanzielle Vergütungen an die offiziell genannten Autoren wurden offenbar nicht offengelegt.
Trotz dieser bereits seit der Veröffentlichung der "Monsanto Papers" bekannten Enthüllungen gehört die Studie bis heute zu den meistzitierten Arbeiten in der Glyphosat-Forschung (top 0,1%!) und beeinflusst weiterhin regulatorische Entscheidungen.
Gemeinsam mit GLOBAL2000 (federführend Helmut Burtscher-Schaden) und fünf anderen europäischen Organisationen haben wir vom Umweltinstitut München bereits 2016 Anzeige gegen Monsanto, das deutsche Bundesinstitut für Risikobewertung und die europäische Lebensmittelsicherheitsbehörde EFSA erstattet, weil wissenschaftlich valide, belastende Studien im Bewertungsprozess einfach aussortiert wurden. Nun stellt sich heraus, dass die wichtigste, scheinbar entlastende Studie vermutlich auch noch vom Hersteller selbst geschrieben wurde.
Es bleibt dabei: Glyphosat muss schnellstmöglich vom Markt genommen werden, bevor noch größerer Schaden entsteht! Falls ihr das auch so seht, könnt ihr hier an die Bundesregierung schreiben: https://lnkd.in/dQfnHXXt
Zeit hier Von Annika Joeres 30. Dezember 2025
Glyphosat : Manipulierte Monsanto die Forschung zu Glyphosat?
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