Sonntag, 1. November 2026

„Gen Z regelt“

 

Martin Jendrischik   Cleantech

Bei der Bundestagswahl 2025 stimmte jeder vierte Wähler zwischen 18 und 24 Jahren für die Linke, jeder fünfte für die AfD. 

Die Parteien der Mitte kamen in dieser Altersgruppe zusammen nicht auf die Hälfte.

Morgen sucht dieser Unmut einen zweiten Weg. Das überparteiliche Bündnis „Gen Z regelt“ ruft in mehr als 30 Städten zu ersten Demonstrationen auf. Der rote Faden der Forderungen ist Gerechtigkeit: bezahlbares Leben, bessere Bildung, konsequenter Klimaschutz. Und das Recht, mitzureden, wenn über die eigene Zukunft entschieden wird.

Die Demo-Premiere an Halloween wird zeigen, ob daraus ein friedlicher Protest wird, der der jungen Generation künftig mehr Stimme verleiht. Bedingung dafür: keine Gewalt.: hier


Deutschlandfunk hier 01.11.26

Bundesweite Jugendproteste

Zehntausende demonstrieren friedlich – Danach kommt es teils zu Ausschreitungen

Zehntausende Menschen sind bundesweit dem Aufruf der Gruppierung „GenZ regelt“ zu Jugendprotesten gefolgt. Die Demonstrationen verliefen friedlich. Im Anschluss gab es aber in mehreren Städten Krawalle und Zusammenstöße mit der Polizei. Mehrere Menschen wurden verletzt.







Marion Andrea Müllerschön • LinkedIn

Die Union dankt den Randalierern von Frankfurt. Ohne sie hätte man/frau/* am Montag vielleicht über Schimmel in Klassenzimmern reden müssen.

So oder so ähnlich klingt derzeit ein Teil der Berichterstattung Und genau das ist der eigentliche Skandal.

In Frankfurt haben einige Mensch:innen nach einer zunächst weitgehend friedlichen Demonstration Gewalt ausgeübt. Sie haben Steine, Flaschen und Pyrotechnik geworfen, Scheiben eingeschlagen und Geschäfte geplündert. Das ist falsch, strafbar und schadet jeder legitimen Forderung. 
Wer Polizist:innen angreift oder fremdes Eigentum zerstört, vertritt keine Jugend, keine Bildung und keine soziale Gerechtigkeit – sondern nur sich selbst.

Eine gewaltbereite Minderheit darf nicht dazu dienen, tausende friedliche junge MenschInnen und ihre Anliegen zum Verschwinden zu bringen.

Die Demonstrationen drehten sich um Bildung, soziale Gerechtigkeit, bezahlbares Wohnen und Zukunft. Themen, die nicht erst seit gestern drängen: marode Schulen, fehlende Investitionen, steigende Mieten, prekäre Ausbildungen und eine Generation, die spürt, dass Versprechen oft schneller verfallen als Chancen entstehen.

Stattdessen dominieren Überschriften über Randalierer, Luxusläden hinter Brettern und Festnahmen. Die Inhalte? Nebensache. Der Kern? Verdrängt. Das ist kein Journalismus, der aufklärt. Das ist Aufmerksamkeitsökonomie, die Konflikt verkauft und Kontext unterschlägt.

Komisch nur: Nach jedem Fußballspiel gibt es auch Ausschreitungen, Zerstörung und Festnahmen. Dennoch lautet die Schlagzeile selten „Der Sport dankt den Randalierern“. 
Warum gilt diese Logik ausgerechnet dann, wenn Junge für ihre Zukunft auf die Straße gehen?
Mein Fazit der gestrigen Demos ist deshalb ambivalent:
Die Luxusläder können wieder aufmachen.
Die Zukunft der Jugend bleibt weiterhin verbarrikadiert.

Wenn ich durch die Timeline scrolle, wird mir teils richtig schlecht. Kommentare, in denen Jugendliche herabgewürdigt, entmenschlicht und mit Gewaltphantasien überzogen werden, sind keine Meinungsfreiheit. Sie sind ein Warnsignal. Ich hoffe sehr, dass ein großer Teil davon Bots und anonyme Provokateure sind, denn die empathielose Widerwärtigkeit mancher Beiträge ist kaum zu ertragen.
Ich kann die Gewalt scharf verurteilen und gleichzeitig fragen: Warum hören wir erst, wenn Scheiben zu Bruch gehen und nicht, wenn Klassenzimmer schimmeln?

Noch eine pragmatische Idee: Wenn Städte für den Schutz von Schaufenstern Holzplatten, Security und Polizeipräsenz mobilisieren können, dann sollten sie auch in der Lage sein, im Winter menschenwürdige Unterkünfte für Obdachlose, Studierende und alle* in Not zu schaffen. Eine Wiese, auf der aus diesen Spanplatten einfache, sichere Unterkünfte entstehen, wäre deutlich sinnvoller eingesetzt als der Schutz von „bisschen hässlichem Schmuck“.

Gewalt verurteilen. Ursachen nicht wegdrücken. Und den Jungen zuhören, die friedlich demonstriert haben.



Marion Andrea Müllerschön

Stuttgart, 31. Oktober: Eine Demo, zwei Erzählungen. 

Heute war in Stuttgart eine große, überwiegend friedliche Gen - Z - Demonstration. Und trotzdem dominierten im Vorfeld Panik, Spanplatten, ein massives Polizeiaufgebot und die Erwartung von „Chaoten“. Dabei hatte die Stadt vorab keine konkreten Hinweise auf einen unfriedlichen Verlauf; die Veranstalter riefen ausdrücklich zu Gewaltfreiheit auf.

Klar: Wer gewalttätig wird, beschädigt oder andere bedroht, hat in einer Demo nichts verloren. Das gilt für jede Gruppe – und die Polizei muss friedliche Versammlungen schützen.

Wenn junge Menschen für bezahlbares Leben, Klimaschutz und gegen Wehrpflicht auf die Straße gehen, ist die Antwort keine Stadt aus Bauzäunen und Panikwänden. Die Demo war angemeldet, die Stadt sah kein Verbot als gerechtfertigt an und trotzdem wurde die Innenstadt auf einen Ausnahmezustand vorbereitet.

Und nein: Mit „Chaoten“ meine ich nicht die IG Metall. Gemeint sind die wenigen, die Protest zum Vorwand für Zerstörung machen – sie schaden den Anliegen und den MenschInnen, die friedlich demonstrieren.

Mein Vorschlag für die Zukunft: Nehmt Sprühfarbe mit – aber nicht, um zu zerstören. Bemalt die hässlichen Panikwände. Keine Beleidigungen, keine Parolen voller Hass. Stattdessen Herzen, Bäume, Sonnen, bunte Mensch:innen, Solidarität. Lasst Farbe, Freude und Liebe da – gegen Angst, Panikmache und Ausgrenzung.

Eine Gesellschaft, die sich unterstützt, sieht nicht wie eine Festung aus. Sie sieht bunt aus.



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