Sonntag, 1. November 2026

Bauern ja, Klimaschützer und Jugend eher nicht

 

Werner Koller, LinkedIn

Wem welche Art von Protestform gesellschaftlich zugebilligt wird, sagt mehr über diese Gesellschaft aus als über die Protestierenden

Bauern ja, Klimaschützer und Jugend eher nicht.

Die gegenwärtigen Protestbewegungen sind mit einem strukturellen Problem konfrontiert, welches sie perspektivisch wirkungsloser macht als ihre historischen Vorgänger. Wenn die Demonstrationen in Frankreich, Spanien, Italien oder Deutschland klar identifizierbares Thema haben und sich die Demonstrationen gleichermaßen gegen marode Schulen, hohe Benzinpreise und inkompetente Eliten richten, droht der Protest zur Form ohne Inhalt zu geraten. 

Damit würde er, wie der Politikwissenschaftler Anton Jäger jüngst in einem Essay in der New York Times bemerkte, zum Ausdruck der gegenwärtigen Hyperpolitik. Einer Politik also, die zwar immer mehr diskursive Hitze erzeugt, aber dabei auch kurzatmiger und folgenloser wird. Man kann die Gewalt, wie sie in Frankreich ganz massiv und in Deutschland punktuell auftrat, nun nachdrücklich kritisieren, ohne so zu tun, als wäre die Perspektivlosigkeit der Jugendlichen nicht real. 

In ihr spiegelt sich ja nur die Perspektivlosigkeit einer Politik, der schon länger und länderübergreifend keine plausible Fortschritts- und Zukunftserzählung mehr gelingt.
So reich Europa auch sein mag: Dass es ihnen mal besser gehen wird als ihrer Elterngeneration, davon gehen vernünftigerweise kaum noch junge Menschen aus.






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