Sonntag, 2. Mai 2021

Ganz andere Proteste in Ravensburg

Pressemitteilung

Heute Samstag, 1.Mai, wurde  um 10 Uhr auf dem Marienplatz vor der Nordsee ein 3,60m x 2,60 m großes Transparent mit der Aufschrift „Kein Megastall in Ostrach und Anderswo“ befestigt.
Auch wenn der inzwischen vom Verwaltungsgerichtshof BaWü gestoppte Bau des 1000 Kühestalls im Landkreis Sigmaringen liegt, hätte er Auswirkungen auf Klima, Umwelt, Bewohner*Innen der Stadt bzw. des Landkreises Ravensburg. 

Es wäre dann der erste Megastall im BaWü, würde jedoch der Agrarindustrie  für ähnliche Vorhaben die Tore öffnen. In dem geplanten 1000 Kühe Stall in Ostrach fielen bei einer
angestrebten Produktion von 30 Litern pro Kuh am Tag 30.000 Liter Milch am Tag an, also 9 Mio Liter im Jahr. Wahrscheinlichster Abnehmer wäre der französische Konzern Lactalis, der 2017 die Ravensburger Omira gekauft hat. Exporte von Milchpulver gehen von hier aus nach Afrika, in den
Nahen Osten, nach China...

Das Fleisch der ausrangierten Rinder wird auch in Ravensburg auf dem Markt kommen. Preisdumping ist bei der hohen Menge an Fleischzulieferungen nicht auszuschließen. Von den 1000 Kälbern, die für
die Milchproduktion jährlich geboren werden müssten, blieben nur die zur Nachzucht auf dem Hof. Alle anderen würden dann schon nach wenigen Tagen unter katastrophalen Bedingungen über 100-1000nde von Kilometern z.B. nach Spanien, Türkei, Libyen, Naher Osten, etc. transportiert werden. Die  Sammelstelle für den wöchentlichen Transport ist Bad Waldsee.

Für die Fütterung in Megaställen wird als Eiweißquelle oft Soja verwendet, das v.a. aus den USA und Brasilien importiert wird. Amerikanisches Soja ist zu 95% genmanipuliert und für brasilianisches
Soja wird der Regenwald abgeholzt.
In einem 1000 Kühe Stall fallen jährlich 20.000 Kubikmeter Gülle an, mit der in Agrargasanlagen "grüne Energie" erzeugt werden soll. Voraussichtlicher Abnehmer wäre hier die in Ravensburg ansässige TWS. Um dieselbe Energiemenge zu produzieren, benötigt man für Agrargas 80 Mal
mehr Fläche wie beim Kohletagebau! D.h. Agrargas treibt die Bodenpreise hoch. Darunter leiden v.a. kleinere Betriebe. Agrargas wäre ohne Subventionen unrentabel! 

Die Gärreste mit dem in der Anlagen nicht abgebauten Nitrat werden auf die Böden ausgebracht und erhöhen das ohnehin schon sehr belastete Grundwasser. Zudem werden in Gülle und Gärresten Tierarzneimittel (u.a. Antibiotika) analytisch nachgewiesen, die wegen höherem Keimvorkommen in größeren Ställen eingesetzt werden müssen. Zunehmende Antibiotika-Resistenzen werden u.a. auch darauf zurückgeführt.
Damit die Gülle „vergast“ werden kann benötigt man gehäckselte Energiepflanzen (Mais, Silphie...), die in Monokulturen angebaut werden und als „Vermaisung der Landschaft“ auch in Ravensburg zu betrachten ist. Ausgelaugte Böden und eine reduzierte Artenvielfalt sind die Folge.
Hinzu kommen synthetisch hergestellte Stickstoffdünger, die in der Landwirtschaft die höchsten Emissionen verursachen. Die langen Transportwege für Futter, Energieplanzen, Kälber, etc. erhöhen das
Verkehrsaufkommen und belasten weiter das Klima, die Umwelt und die Bewohner*Innen.

Und all das wurde ohne Umweltgutachten vom Landratsamt Sigmaringen vorangetrieben ??????

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