Sonntag, 2. Mai 2021

"Die große Wucht der kleinen Steinchen"

Ein Bericht in der Schwäbischen,  dieses Mal Seite 3!!!
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Auszüge daraus:
(da ich mich mit den Auszügen sehr beschränken muss, versuche ich möglichst alles  weg zu lassen, was schon einmal in diesem Blog zu lesen war. Bitte bei Interesse unter Kies oder KlimaCamp nachlesen. Unsere Auswertungen zum Kiesexport, die deutlich von den offiziellen (laut Hr. Franke eher "nicht-existenten") Zahlen abweichen,  finden Sie hier)

Kies ist das Öl Oberschwabens.......(dazu äußerst Geld-lastige Hintergründe hier)

Rund um den Altdorfer Wald stemmen sich Bürgermeister und Gemeinderäte gegen das Projekt. „Wir haben alternative Flächen in der Umgebung vorgeschlagen, aber bitte nicht an diesem Ort“, sagt Vogts Bürgermeister Peter Smigoc (CDU), der hofft, dass das Gebiet doch noch aus dem Entwurf verschwindet. Der Ravensburger Kreistag beschäftigt sich regelmäßig mit dem Thema. Zwei Petitionen mit mehr als 13 000 Unterschriften erreichten den Landtag, der Kiesabbau war Wahlkampfthema, Bürger legten Widerspruch gegen den Regionalplanentwurf ein, erst vor einer Woche verabschiedete der Landesverband Baden-Württemberg des BUND eine Resolution für den Schutz des Altdorfer Waldes sowie gegen den Kiesabbau, und die Internationale Bodensee-Konferenz berät über den Kiesexport, der im Rahmen der Diskussion thematisiert wurde.

......Jetzt soll eine vom Landesumweltministerium in Stuttgart beauftragte Studie im Herbst erstmals valide Zahlen über die Rohstoffströme in der Bodenseeregion liefern. Auch das österreichische Bundesland Vorarlberg befasst sich mit dem Konflikt in Oberschwaben. „Ich kenne die Debatte bei euch sehr gut und ich kann sie verstehen“, sagt der Vorarlberger Landesrat Johannes Rauch (Grüne) ....

Wasser ist ein elementarer Bestandteil des Konflikts. „Es ist Trinkwasser in bester Qualität. Wir beobachten, dass die Wassermenge sogar zugenommen hat und deutlich mehr Menschen im Schussental versorgen kann“, berichtet Baienfurts Bürgermeister Günter A. Binder (CDU). Bis zu 100 000 Menschen könnten profitieren, momentan sind 12 500 Personen ans Wassernetz angeschlossen. Binder verweist auf die immer trockeneren Sommer. Die Gemeinderäte aus Baienfurt und Baindt hatten Anfang 2018 aus Angst vor negativen Auswirkungen des Kiesabbaus auf ihre Quellen gar ein Wassergutachten in Auftrag gegeben. Dies kann als Zeichen des Misstrauens in den Regionalverband und in die Kreisverwaltung gewertet werden. Denn diese führt das Genehmigungsverfahren, wenn das Kiesabbaugebiet in den Regionalplan kommt.

Das Gutachten sollte klären, ob das Kiesabbaugebiet im Einzugsbereich der Quelle liegt. Tut es nicht. Aber der Gutachter, der Hydrogeologe Hermann Schad, verweist auf die Besonderheit des sogenannten Waldburger Rückens......Er empfiehlt, das Gebiet als Trinkwasserspeicher für die Region zu nutzen. Zurzeit läuft ein Verfahren zur Erweiterung des Wasserschutzgebietes. Doch selbst in bestimmten Zonen von Wasserschutzgebieten darf und wird unter Auflagen bereits Kies abgebaut.

„Trinkwasser ist durch Rohstoffgewinnung nicht gefährdet. Diese Punkte werden beim Genehmigungsverfahren genauestens untersucht“, sagt Thomas Beißwenger. Dem Geschäftsführer des Industrieverbands Steine und Erden Baden-Württemberg (ISTE) ist ein so heftiger Gegenwind wie aus Vogt bislang nicht entgegengeblasen,......Er sieht den Konflikt um den Rohstoffabbau in Vogt nicht nur als Protest gegen den Kiesabbau, sondern viel mehr als Protest gegen den Regionalplan. „Die Rohstoffgewinnung ist ein Symbol im Protest gegen die Form, wie wir leben und wirtschaften“, so Beißwenger. Schließlich geht es in der Protestbewegung um Nachhaltigkeit. Aber: „In der Regel braucht der Kieser kein Kies, sondern die Gesellschaft braucht Kies.“ ......

Was gerade im Altdorfer Wald passiert, bezeichnet Andreas Lange als „Brennglas für unsere Gesellschaft“. Er ist Professor für Soziologie an der Hochschule Ravensburg-Weingarten. Das Misstrauen gegenüber Entscheidern und Prozessen, ein wachsender und von der Landespolitik forcierter Partizipationsgedanke gepaart mit einer durch die Sozialisation entstandenen hohen Umweltsensibilität der Menschen in der Region seien weitere Gründe für den Protest. ...."

Weitere Texte und Hintergründe zu den Themen Kiesabbau und Altdorfer Wald hat die „Schwäbische Zeitung“ in Online-Dossiers zusammengefasst:

www.schwäbische.de/kiesabbau

www.schwäbische.de/altdorferwald

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