Dienstag, 28. Mai 2024

Erdgas wird zum Risiko-Brennstoff für den Geldbeutel

hier  RND  Frank-Thomas Wenzel  29.05.2024

Der Anstieg der Gaspreise belastet vor allem den Geldbeutel der Verbraucher

Im Frühjahr steigen die Gaspreise. Das zeigt, dass wir beim Heizen in einer neuen Normalität angekommen sind. Die aktuellen Preisschwankungen werden sich künftig noch verstärken. Verbraucher sollten ernsthaft über Alternativen nachdenken – zum Beispiel über Wärmepumpen, meint Frank-Thomas Wenzel.

Was ist da los? Der Winter war mild. Die Temperaturen steigen. Die Heizungen sind abgestellt. Und trotzdem steigen die Gaspreise? Wir Verbraucherinnen und Verbraucher müssen uns daran gewöhnen. Das ist die neue Normalität beim wichtigsten Brennstoff zur Erzeugung von Wärme.

Früher war der Gasmarkt so ziemlich das Langweiligste in der Welt der Rohstoffe. Die Notierungen bewegten sich gefühlt im Mikrobereich. Die einst extrem verlässlichen und äußerst preiswerten Lieferungen von Methan aus Sibirien über Pipelines sorgten für große Konstanz. Mit dem russischen Angriff auf die Ukraine ist alles anders geworden. Heute ist der europäische Großhandel stark vom Weltmarkt für verflüssigtes Erdgas (LNG) abhängig. Das hat erheblich höhere Preisschwankungen zur Folge.

Das Auf und Ab an den Energiebörsen wird bleiben

Wobei die aktuellen Aufschläge natürlich auch durch den außergewöhnlichen Vorgang bestimmt sind, dass der Mehrwertsteuersatz für Erdgas von der Bundesregierung nach dem Ende der Energiekrise wieder auf sein ursprüngliches Niveau hochgesetzt wurde. Doch das Auf und Ab an den Energiebörsen wird bleiben.

Mehr noch: Es wird sich sogar mit großer Wahrscheinlichkeit noch verstärken. Weil die Notierungen sehr empfindlich auf geopolitische Verwerfungen reagieren. Und weil es wegen neuer Technologien wie Wärmepumpen Verschiebungen im Heizmarkt geben wird: Die Nachfrage nach Erdgas wird sinken, was weniger Investitionen in die Gewinnung des Brennstoffs nach sich zieht und ihn im Zweifelsfall teurer machen wird.

Wie wir Verbraucherinnen und Verbraucher uns diesen Unkalkulierbarkeiten entziehen können? Indem wir auf die neuen Technologien umschwenken. Der Moment ist günstig: Der Staat übernimmt bis zu 70 Prozent der Kosten für eine neue Wärmepumpe. 


hier  RND  Frank-Thomas Wenzel  29.05.2024

Um ein Viertel gestiegen: Warum es mit den Gaspreisen wieder heftig nach oben geht

Trotz eines milden Winters und steigender Temperaturen wird der Brennstoff wieder teurer. Das hat mit höheren Steuern und Abgaben zu tun. Aber auch die starken Preisschwankungen auf dem Weltmarkt für verflüssigtes Gas machen sich deutlich bemerkbar.

Die Gaspreise für Neukunden sind innerhalb von zwei Monaten um ein Viertel gestiegen. Das geht aus Erhebungen des Vergleichsportals Verivox hervor, die dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND) exklusiv vorliegen. Der Staat ist maßgeblich verantwortlich für die Aufschläge von rund 1,6 Cent pro Kilowattstunde (kWh). Zu einer höheren Mehrwertsteuer auf den leichtflüchtigen Brennstoff kommt eine steigende Gasspeicherumlage. Aber auch höhere Einkaufskosten im Großhandel spielen eine Rolle......

Auch die Speicherumlage erhöht pro Kilowattstunde

Zweiter Punkt: Die Organisation Trading Hub Europe (THE), die dafür verantwortlich ist, die Versorgung mit Gas zu sichern, hat beschlossen, die sogenannte Speicherumlage zum 1. Juli von 0,186 Cent pro kWh auf 0,25 Cent anzuheben. Diese Abgabe wurde im Oktober 2022 eingeführt, um zusätzliche Aufwendungen zur Verhinderung von Lieferengpässen zu finanzieren – das Akkumulieren für die Winterzeit in unterirdischen Reservoiren spielt dabei eine maßgebliche Rolle.....

Mit dem Angriff auf die Ukraine wurde der Gaspreis instabil

Storck schätzt, dass das Ende der Fahnenstange noch nicht erreicht ist: „Trotz des sommerlichen Wetters gehen wir davon aus, dass die Großhandelspreise für Erdgas und damit auch die Angebote für Haushalte eher steigen als sinken werden.“

Früher, als Europa noch mit russischem Pipelinegas weitgehend versorgt wurde, waren die Notierungen extrem stabil. Mit dem Angriff auf die Ukraine hat sich die Lage radikal geändert. Der Großhandel hängt nun stark von verflüssigtem Erdgas (LNG) ab, das auf dem Weltmarkt eingekauft werden muss. Und hier schwanken die Notierungen heftig. So haben die jüngsten Aufschläge nach Einschätzung von Rohstoffhändlern mit diversen Ereignissen in Asien zu tun: Japan und Südkorea kaufen verstärkt Gas, um ihre Speicher zu füllen. Zugleich gibt es Unterbrechungen bei der Gewinnung von LNG in Australien und Malaysia. Ein weiterer Faktor ist eine Hitzewelle in Südostasien: Das bedeutet nämlich, dass die dort weit verbreiteten Klimaanlagen auf Hochtouren laufen und dafür wird elektrische Energie benötigt, die auch mit Erdgas hergestellt wird.....

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