Freitag, 31. Mai 2024

Nachbarland Österreich: es gibt noch Probleme zu lösen. Ebenso bei uns

Wenn Österreich mir oft ganz ähnlich vorkommt wie Deutschland, dann scheint das auch für die Quote der Erneuerbaren zu stehen. Dank dem oft gescholtenen Robert Habeck wurden große Kapazitäten in kurzer Zeit aufgebaut, der Anteil Erneuerbarer Energie liegt inzwischen bei der Stromproduktion bei über 50%. Die Atomkraftwerke wurden ganz abgeschaltet, Kohle wurde reduziert und hat ein  Enddatum.

Doch Wärmeenergie und der Verkehrssektor vermasseln den tollen Erfolg gehörig.

Beitrag der erneuerbaren Energien zum Brutto-Endenergieverbrauch in Deutschland 
(hier vom Bundesumweltamt)

Erste vorläufige Berechnungen zeigen, dass im Jahr 2023 nach den Berechnungsvorschriften der EU Richtlinie zur Förderung erneuerbarer Energien (RED II, 2018/2001) 22,0 Prozent des deutschen Brutto-Endenergieverbrauchs aus erneuerbaren Energien gedeckt wurde. Gegenüber dem Vorjahr stieg der Anteil damit um 1,2 Prozentpunkte. Im Jahr 2020 hatte Deutschland mit einem Anteil von 19,1 Prozent bereits sein unter der früheren EU-Richtlinie festgelegtes Ziel von 18 Prozent übertroffen.

Um die neuen ambitionierteren EU-Klimaziele zu erreichen, wird in den kommenden Jahren allerdings ein deutlich höheres Tempo beim Ausbau der erneuerbaren Energien notwendig sein. Deutschland wird sich in diesem Zusammenhang in Kürze dazu verpflichten, im Jahr 2030 einen Anteil von 40 Prozent zu erreichen. 

Insgesamt wurde im Jahr 2023 eine Energiemenge von 513 Milliarden Kilowattstunden (Mrd. kWh) aus erneuerbaren Energieträgern genutzt. Von dieser Energiemenge entfielen etwa 53 Prozent auf die Stromproduktion aus erneuerbaren Energiequellen, 40 Prozent auf den erneuerbaren Wärmesektor und 7 Prozent auf biogene Kraftstoffe im Verkehrsbereich.



hier  DER STANDARD aus Österreich / Klimaklartext vom 29.5.24

Wenn es darum geht, die Klimakrise zu bewältigen, ist der Umstieg auf erneuerbare Energien unerlässlich. Damit er gelingt, hat die EU bereits vor einigen Jahren bestimmte Ziele festgesetzt. Die entsprechende Regelung, die sogenannte Renewable Energy Directive, wurde kürzlich in einer dritten Fassung erheblich verschärft. 

Statt 32 Prozent soll der Anteil erneuerbarer Energien am Gesamtenergieverbrauch der EU bis 2030 verbindlich auf mindestens 42,5 Prozent steigen, besser noch auf 45 Prozent. Mit etwa 22 Prozent (in Österreich) ist man derzeit noch weit davon entfernt.

Aber was sind die zentralen Punkte der Richtlinie und was genau bedeutet sie für Österreich? Dazu hat mein Kollege Günther Strobl mit Expertinnen und Experten gesprochen. Ihre Einschätzungen können Sie in diesem Artikel nachlesen. Vorweg: Es könnte hierzulande schwierig werden, die Vorgaben in diesem Zeitraum zu erüllen. Umso unverständlicher ist es für Martina Prechtl-Grundnig, Geschäftsführerin des Dachverbands Erneuerbare Energien, "dass Österreich die Möglichkeiten, die es gibt, nicht umgehend nutzt". 

Mein Kollege Jakob Pallinger wiederum hat sich dieser Tage dem Thema Wasserstoff gewidmet. In den kommenden Jahren soll in der Gemeinde Zurndorf im Nordburgenland nämlich eines der größten Wasserstoffprojekte des Landes entstehen. Es handelt sich um eine Anlage, die ab 2031 bis zu 40.000 Tonnen grünen Wasserstoff im Jahr erzeugen soll, das ist etwa ein Drittel des österreichischen Bedarfs. Mit der Anlage soll sich Wind- und Sonnenenergie saisonal speichern lassen, über eine neue Pipeline soll sie auch Industriebetriebe bis nach Wien mit sauberem Gas versorgen können.

Doch einige Landwirte der Region haben Befürchtungen, was das Projekt angeht. Denn die Voraussetzung für sein Gelingen: genügend Strom und Wasser, um Wasserstoff aus Wasser mittels Elektrolyse herzustellen. Windräder und damit grünen Strom gibt es im Burgenland zwar viel, Wasser an bestimmten Orten und zu bestimmten Zeiten hingegen weniger. Könnte neben sauberem Strom auch der Wasserbedarf zu einem Hemmschuh für die Produktion von grünem Wasserstoff werden? Dieser Frage geht mein Kollege hier nach. 

Weil der Sommer bevorsteht, haben wir uns außerdem gefragt, wie die heißen Tage in den Städten künftig noch aushaltbar sind. Thomas Thaler, Experte für Stadtplanung an der Wiener Boku, erklärt, welche Rolle Bäume dabei spielen. hier

Davon brauche es in den kommenden Jahren dringend mehr. Wie viel Grün genug Grün ist, darüber spricht Thaler im Podcast. Außerdem erklärt er das Phänomen der sogenannten "Green Gentrification". Wenn in einem Viertel Bäume und anderes Grün gesetzt werden, führt das nämlich häufig dazu, dass auch die Miet- und Kaufpreise in die Höhe gehen. Das Ergebnis: Einkommensschwache Familien müssen wegziehen – und das, obwohl sie es sind, die eigentlich am meisten von einer viel bepflanzten Umgebung profitieren. In Österreichs Städten konnten Thaler und seine Kolleginnen und Kollegen zwar noch keine grüne Gentrifizierung feststellen, das könnte sich in Zukunft aber ändern, so der Experte. Wohnungen in grünen Gegenden würden wohl immer begehrter. 

Städte brauchen neben Begrünungen künftig jedoch auch alternative Baumaterialien und kluge Architekturen, um vor allzu großer Hitze gefeit zu sein. Dass die Menschen bei der Umgestaltung nach ihren Bedürfnissen gefragt werden sollen, dafür plädiert Kerstin Krellenberg, Professorin für Urban Studies an der Uni Wien. Die Bewohnerinnen und Bewohner wüssten oft am besten Bescheid, was gebraucht wird, betont sie. Auch Experimente wie gesperrte Straßen seien gefragt. 


Viel Freude beim Lesen und Anhören wünscht,

Lisa Breit

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