Freitag, 17. September 2021

Hungerstreikende lehnen Angebot der Kanzlerkandidat*innen ab

“Es verhöhnt uns.” hier

Die drei Kanzlerkandidat*innen hatten gestern in einem gemeinsamen Schreiben an die Hungerstreikenden erklärt, dass sie “einzeln, persönlich und nicht öffentlich nach der Wahl” zu Gesprächen bereit seien. // Jacob Heinze, der gestern kollabiert war, ist aus dem Krankenhaus zurück und setzt den Hungerstreik fort // Gesundheitszustand der Hungernden verschlechtert sich rapide // Der Streik geht auch nach 17 Tagen weiter. 


Pressegespräch Mittwoch, den 15. September 2021. 

Zentraler Punkt der Pressekonferenz: die Reaktion auf das Schreiben der Kanzlerkandidat*innen. Die Hungerstreikenden erklären: “Das Angebot ist das Gegenteil dessen, was wir fordern. Ein Gespräch unter Ausschluss der Öffentlichkeit ist undenkbar. Wir brauchen einen kollektiven Moment des Aufwachens. Ein Gespräch nach der Wahl - die ja die Schicksalswahl ist, um die es uns geht - ist ausgeschlossen. 

Offenbar ist das einzige, was die Kandidat*innen Frau Baerbock, Herrn Laschet, Herrn Scholz, eint: dass die Zukunft der jungen Generation ihnen nicht so wichtig ist.” Zuvor hatte die Gruppe am Dienstag unter dem Eindruck, dass der Mithungernde Jacob Heinze auf dem Campgelände zusammengebrochen und ins Krankenhaus gebracht worden war, selbst einen Termin für das geforderte Gespräch festgelegt und kommuniziert, den 23. September, 19 Uhr. 

Eine Zusage zu diesem Termin, so die Botschaft an die Kanzlerkandidat*innen, werde den Hungerstreik sofort beenden. Stattdessen erreichte die Hungerstreikenden kurz darauf das “Angebot”, das keines ist. Über seinen Zusammenbruch berichtet Jacob Heinze auch selbst auf der Pressekonferenz. die erstmals direkt im Camp stattfindet, da die Hungernden mittlerweile sehr schwach sind und auf Polstern nur halb liegend teilnehmen können. Nur fünf der sechs Hungernden können selbst dabei sein, und auch diese sind erkennbar ausgemergelt - sie haben bis zu neun Kilogramm Körpergewicht verloren, das sind 11 bis 12 Prozent ihres Körpergewichts. Insbesondere nach dem Absetzen des Vitamsafts am Montag verschlechtert sich ihr Zustand noch schneller. 

Jacob Heinze war nach einem Zusammenbruch in die Charité gebracht worden. “Die Ärztin hat mir empfohlen, mit dem Hungerstreik aufzuhören. Ich habe mich entschieden, ihn fortzusetzen. Denn der Abgrund der Klimakrise ist zu bedrohlich. Schon jetzt sterben Menschen, wie in Madagskar durch Hunger, in Australien und Kanada durch Feuer, vielerorts durch apokalyptische Fluten. Das ist unsere Zukunft. Und deswegen bleibe ich im Hungerstreik, bis wir ein ehrliches Gespräch mit den Kanzlerkandidat*innen bekommen.” 

Auch Henning Jeschke, Hungernder, äußert sich zu seiner Motivation, weiterzumachen: “Wir hungern jetzt, damit unsere Gesellschaften nicht in Hungersnöte geraten. Wir wollen, dass endlich über Kipppunkte gesprochen wird, öffentlich. Drei Jahre haben wir laut IPCC noch, um die zwei-Grad-Grenze zu halten. Und wir sind ja nicht allein mit unserer Angst. Eine aktuelle Studie mit 10.000 Menschen der jungen Generation zeigt, dass selbst die junge Generation aus dem Globalen Norden schon jetzt darunter leidet, unter dem psychischen Druck, weil die Untätigkeit der politisch Verantwortlichen uns immer weiter in Richtung eines Klimazusammenbruchs führt. DIe Jugendlichen sehen die Erde dem Untergang geweiht.” 

Die Hungerstreikenden bedanken sich für die überwältigende Solidarität. Der Streik geht weiter. “Wir haben eine moralische Verantwortung, jetzt zu handeln.” 

Quelle: Studie “Young People's Voices on Climate Anxiety, Government Betrayal and Moral Injury: A Global Phenomenon” https://papers.ssrn.com/sol3/papers.c... 

Quelle: IPCC Leak zum Zwei-Grad-Zeitfenster gemäß des IPCC-Leak (insbesondere C1.2: https://scientistrebellion.com/we-lea... )

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