Die 3 Kreise Ravensburg, Sigmaringen und Bodenseekreis haben trotz lauter Proteste keinen zukunftsfähigen Regionalplan bekommen. Wo steht Deutschland, Baden-Württemberg und seine Kommunen aktuell beim Klimaschutz? Welche Möglichkeiten gibt es und wo gibt es Anregungen, die übernommen werden könnten?
Sonntag, 27. Juni 2021
Samstag, 26. Juni 2021
Klimastatement im Regionalverband am 25.6.21
„Der
Regionalplan ist kein Klimaplan“ diese Aussage wird, gerade auch von Ihnen Hr.
Franke, immer wieder betont. „Der Regionalplan ist kein Klimaplan“ bei Gott ja,
ist er wahrhaftig nicht!
Aber was
muss ein Raumplan im Jahr 2021 sein, wenn nicht ein Klimaplan? Unter welche
Prämisse, nach Pariser Klimaabkommen, nach Green Deal, nach dem
Bundesverfassungsgerichtsurteil, müssen wir Raumplanung ausgestalten, wenn
nicht unter der obersten Prämisse „die Klimaziele zu erreiche“?
Hr. Dr. Rapp, sie sagen dazu, was gibt es
besseres als ein ha Mais in 1ha klimaneutrales Wohnquartier um zu wandeln.
Davon
abgesehen, dass sich über die Ökobilanz dieser Aussage trefflich diskutieren
liese, ist mir schon klar, was sie damit ausdrücken wollen. Ihre Bereitschaft in
Klima zu investieren, beim Bauen, bei Photovoltaik, bei Windkraft. Aber können
wir hier, die wir Raumplanung machen, in der alles einen Flächenbezug hat, auf
einen Klimafahrplan setzten, der sich auf erneuerbare Energien und neue Technik
reduziert? Was von den Einsparungen, die
wir dadurch erzielen, wird durch das enorme Wachstum welches der Plan induziert
wieder aufgefressen? Werden durch diesen Plan die absoluten Zahlen bei der
CO2 Emissionen sinken? Nein, die S4F haben es vorgerechnet. Es sind aber diese
absoluten Zahlen, die ganz am Ende im Kampf gegen den Klimawandel zählen.
Wenn
Gesellschaft und Politik nicht bereit sind, den Konsum, das Wirtschaftswachstum
zu reduzieren, dann bleibt nur noch die Entkopplung von Wirtschaftswachstum und
Umweltschädigung, um zu überleben. Heißt
in aller Deutlichkeit für uns in der Raumplanung, wir brauchen die Entkopplung
von Wirtschaftswachstum und Flächenverbrauch, denn bei der Fläche, die wir
in Anspruch nehmen, handelt es sich um Co2 Senken, um Wälder, Moore, Wiesen,
aber auch um Mais, der CO2 binden. Die Politik weiß darum. Im neuen
Koalitionsvertrag, unterschrieben auch von der CDU, ist der Flächenverbrauch nochmals von 3 auf 2,5
ha pro Tag gesenkt worden, mit dem Ziel der Flächenkreislaufwirtschaft im Jahr 2035.
Fakt ist
aber, niemand hier kann sich das vorstellen. Hier und heute können wir uns ja nicht
einmal eine deutliche Reduktion der Flächeninanspruchnahme vorstellen. Hr.
Bäuerle hat die Karte der schrumpfenden und wachsenden Regionen der
Bundesrepublik gezeigt, mit dem Fazit, wir sind eine prosperierende Region wir
brauchen mehr Fläche.
Aber ich frage
Sie, wo, wenn nicht da, wo die höchsten Verbräuche sind muss gespart werden?
Soll da, wo wenig Fläche in Anspruch genommen wird auch noch gespart werden?
Wollen wir den Osten komplett ausbluten und weiter die Zuwanderung in unsere
Breiten lenken?
Sie halten
dagegen, wir sparen ja Fläche! Wir haben eben in erster Linie die
Verpflichtung, Bedarfe zu decken. Der Plan ist eben ein Kompromiss. Aber für
uns ist der Plan kein Kompromiss. Bei allen Prognosen, sei es Bevölkerung oder
Acocella haben wir die oberen Varianten als Grundlage gewählt und darauf, bei
der Ableitung der Flächenbedarfe nochmals großzügige Zuschläge erteilt. Zu viele
zentrale Orte mit zu vielen Siedlungsbereichen, Flächenzuschläge auch bei
Kommunen ohne Wanderungsgewinne nur um ein paar kritische Schlaglichter aus der
Stellungnahme des RP Tübingen zu nennen.
Unsere, nach der Kommunalwahl neugebildete Fraktion hat sich bemüht, in den letzten zwei Jahren noch Einfluss auf den Regionalplan zu nehmen. Unser Ansatz lautete: Reduktion der Flächeninanspruchnahme, Hände weg von naturschutzfachlich bedenklichen VRG, Hände weg von kritischen Kiesaufschluss. Stattdessen konzeptionell neu denken, wie beispielsweise die Raumbedeutsamkeit von Bauschuttrecyclinganlagen an zu erkennen und zu realisieren.
Die oft gehörte pauschale Antwort hierauf „Wir
können nicht mehr zurück auf null.“ Immer wieder wurden wird aufgefordert,
Mehrheitsbeschlüsse mit zu tragen. Hr. Dr. Rapp, in ihrer Weihnachtsansprache
im Regionalverband haben sie dazu angemerkt „ Gott sei Dank sind die Zeiten in
den USA Vergangenheit, wo ein Hr. Trump Mehrheitsbeschlüsse nicht anerkannte
und Gott sei Dank hatten und haben wir diese Verhältnisse nicht im
Regionalverband.“ Die Botschaft an uns war klar.
Zur ganzen
Wahrheit beim Blick in die USA gehört aber auch, dass Hr. Biden in den ersten
100 Tagen seiner Amtszeit 19, von seinem Vorgänger gefasste Beschlüsse wieder
rückgängig gemacht hat, hervor zu heben, der wieder Beitritt zum Pariser
Klimaabkommen.
Ich glaube,
eine mutige, zukunftsweisende Entscheidung des Präsidenten und deswegen appelliere
ich an ihren Mut. Seien sie im weiteren Verlauf der Sitzung mutig, dem Plan die
Chance zur Nachbesserung ein zu räumen, seien Sie mutig einen
zukunftsfähiger Regionalplan zu gestalten.
Ulrike Lenski
Fraktionsantrag im Regionalverband am 25.6.21
Fraktion Bündnis 90 / Die Grünen/ödp
Regionalverband Bodensee-Oberschwaben
Antrag:
Die Verbandsversammlung möge die adäquate Umsetzung der, in der Stellungnahme der höheren Planungsbehörde gemachten Anregungen und somit eine dritte Offenlage des Regionalplans Bodensee- Oberschwabens im Rahmen eines Mediationsverfahrens mit der Landesregierung Baden- Württemberg als Mediator beschließen.
Die Regionalverband Bodensee-Oberschwaben steht vor der enormen Herausforderung, im Spannungsfeld von Umweltschutz und Wachstum, Zukunft für einen Zeitraum von 15 bis 20 Jahren zu planen und zu gestalten. Verschärft wird dieses Spannungsfeld durch die ungeheuerliche Dynamik des Klimawandels. Diese Dynamik zwingt unsere Gesellschaft und Politik in einem nie dagewesenen Tempo zum Umdenken. Seit sechs Jahren ist der Regionalverband nun mit dem Entwurf des Regionalplans befasst. In dessen Entstehungszeitraum fallen Beschlüsse wie das Pariser Klimaabkommen, der europäische green Deal, das Biodiversitätsstärkungsgesetzt, das BVG Urteil zur Klimagerechtigkeit und immer neue Klimaabkommen auf unterschiedlichsten politischen Ebenen, mit immer schärferen Zielmarken. Vor diesem Hintergrund können Beschlüsse, die gestern mit bestem Wissen und Gewissen gefasst wurden, heute schon hinfällig sein und müssen revidiert werden. Dies stellt politische Gremien vor nie gekannte Herausforderungen und Überforderungen. Der heftige Widerstand, der sich gegen den Regionalplan in seiner jetzigen Form in breiten Teilen der Bevölkerung gebildet hat, zeigt aber deutlich, dass unsere BürgerInnen von uns MandatträgerInnnen fordern, diese Herausforderungen an zu erkennen und ihnen zu begegnen.
Die Regionalplanung liegt im Verantwortungsbereich der Verbandsversammlung. Die Inhalte des Planentwurfs sind auf den Abwägungsprozess dieses Gremiums zurück zu führen. Gleichwohl sehen wir die Schwierigkeit, die, in den oben genannten Abkommen ratifizierten Klimaziele auf regionale und kommunale Ebene herunter zu brechen. Aus diesem Grund begrüßen wir den Ansatz im Antrag der Fraktionen von CDU, FWV und SPD in dieser Frage die Landesregierung mit ein zu binden.
Gerne greifen wir Ihren Vorschlag der Beteiligung und
Information auf. Danke für diesen Vorschlag! Beteiligung bedeutet für uns aber,
auch etwas bewegen oder verändern zu können. Um Ihre Forderung der Beteiligung
zum Erfolg zu führen ist die logische Konsequenz aus Ihrem Antrag eine dritte
Offenlage. Ohne diese wäre Ihr Antrag nur Makulatur.
Wir beantragen deshalb die Beteiligung und Information
der Öffentlichkeit im Rahmen einer dritten Offenlage. Auch um die schwierige
Situation zu entzerren nehmen wir gerne das Land mit ins Boot, um so den
Informations- und Beteiligungsprozess durch ein Mediationsverfahren zu
unterstützen.
Allein mit besserer Überzeugungsarbeit für den
Regionalplan werden wir die Region nicht befrieden, den Menschen dieser Region
keine angemessene Beteiligung ermöglichen und den Herausforderungen unserer
Zeit nicht begegnen können. Politik wird auf Landes- und Länderebene
beschlossen, aber auf kommunaler Ebene in die Praxis umgesetzt. Für einen
zukunftsfähigen Regionalplan sieht unsere Fraktion die Notwendigkeit substantieller
Änderungen, die da beispielsweise wären, Reduzierung der zentralen Orte, VRG
der Landwirtschaft, Wegfall naturschutzfachlich kritischer VRG. Mit
Unterstützung durch die Landesregierung halten wir diesen Weg in einem
angemessenen Zeitrahmen von maximal einem Jahr für realistisch, zumal auf die
Ergebnisse der ersten und zweiten Offenlage zurückgegriffen werden kann.
Hinweis: dieser Antrag wurde von der Mehrheit des Regionalgremiums abgelehnt
Die Stimmen von 2 jungen Menschen, die verdammt dicke Bretter bohren....
Danke für alle die gerade bei den Camps, Demos und Besetzungen mitwirken!
Danke an alle, die gerade auf sich acht geben!
Danke an alle, die den Beitrag der anderen sehen und ihm Wertschätzung entgegenbringen!
Es ist nen verdammtes Brett, was wir da alle vor der Nase haben und nicht immer leicht entgegen allen Widerständen eine andere Kultur zu leben.
Der folgende Text ist mir vor 2 Tagen aufgrund meiner Erlebnisse der letzten Tage und Wochen "aus der Feder geflossen" und ich wollte ihn gern loswerden.
Er geht an alle, die sich angesprochen fühlen (wollen):
Ich hab es Satt.
Die immergleichen Diskussionen. Der dumme, spalterische Streit.
Wenn ich im folgenden "wir" schreibe, dann meine ich die Menschen, die sich mit mir seit Ende Februar im Wald den Arsch aufreißen, um die Besetzung im Alti aufrecht zu erhalten.
Wir sind verdammt nochmal keine unmündigen Wesen. Wir wollen nicht bevormundet werden.
Klar, sachliche Kritik ist wichtig und darf diskutiert werden, aber ich habe das Gefühl, dass uns hier systematisch und dauerhaft unterstellt wird, wir wären unreflektiert, hätten keine Ahnung, keine Lebenserfahrung etc.
Was wir tun, beruht auf Überlegungen.
Unsere Überlegungen stellen wir aufgrund von Erfahrungen an, die wir in unseren zwar meist kürzeren Leben gemacht haben, die die meisten von euch aber in ihren Leben nie gemacht haben.
Ich finde das Konzept, Lebensjahre auf Erfahrung umzurechnen und diese eure Erfahrung mit unseren Erfahrungen vergleichen zu wollen, ganz unverblümt gesagt total bescheuert.
Sowas lässt sich nicht vergleichen.
Ich freue mich, wenn ihr trotz gewissen Meinungsverschiedenheiten die Besetzung oder Aktionen von uns unterstützt.
Aber ich möchte euch bitten, nicht zu vergessen: Wer beispielsweise auf 50 Jahre Lebenserfahrung als Argument für irgendeine Deutungshoheit pocht, gibt damit auch zu, in diesen 50 Jahren daran gescheitert zu sein, uns und den folgenden Generationen eine gerechte, lebenswerte Welt zu hinterlassen.
Wer es mit aller Kraft versucht hat (so wie wir das jetzt machen) - vielen vielen Dank für deinen Kampf!
Alle Anderen: Schön, dass ihr es endlich gemerkt habt, dass die Welt, so wie sie läuft, ungerecht ist und mit Karracho gegen die Wand rennt.
Aber bitte stellt euch dann nicht aufgrund von irgendwelcher "Lebenserfahrung" hin und versucht, uns Dinge zu unterstellen oder zu verbieten. Wir wissen, was wir tun und tun das ganz bewusst.
Wer ein Problem mit gewissen Aktionsformen o.ä. hat, kann gern wertschätzend und auf Augenhöhe mit uns reden - oder es sein lassen und uns nicht mehr unterstützen.
Aber mich von oben herab wie ein naives Dummchen ohne Erfahrung behandeln zu lassen - darauf habe ich absolut keinen Bock mehr.
Und wer keine Ahnung hat, was Menschen im Wald erlebt haben und was hier abläuft, sollte uns nicht einfach vorschnell für unsere Ansichten verurteilen. Die Spaltung betreiben nicht die, die außergewöhnliche / militante Aktionsformen wählen, sondern die, die sich dann deshalb abwenden und entsolidarisieren.
Danke an alle, die uns nach wie vor unterstützen und sich dem Kampf für eine gerechtere, lebenswerte Zukunft widmen!
Mit linksradikalen Grüßen
Ein Mensch aus der Alti-Besetzung
[Wie immer: Das ist meine Meinung und repräsentiert nicht "die Besetzung" oder irgendeine Gruppe]
und hier noch ein passender kluger Kommentar dazu:
Mancher erklärt das Resultat von 40 Jahren stetiger Pflege von Egoismen zu Lebenserfahrung
„BUND sieht verpasste Chance in Regionalplanung “
Pressemitteilung des BUND
„Wir sind an einer wichtigen Abzweigung vorbei gerauscht“. So sieht Ulfried Miller, Regionalgeschäftsführer des BUND, den Beschluss des Planungsausschusses für ein „Weiter so wie bisher“ beim Flächen-, Energie und Rohstoff-Verbrauch.
„Damit verspielen wir die Zukunft unserer Kinder und Enkel und nehmen ihnen eigene Gestaltungsmöglichkeiten in der Regionalentwicklung“, so der Naturschützer aus Ravensburg.
Der BUND ist überrascht und enttäuscht, dass von den fast
3.000 Einwendungen nur redaktionelle Änderungen ins neue Planwerk übernommen
wurden. An den Flächenausweisungen für Wohnen, Gewerbe, Straßen und
Rohstoff-Abbau wurde wie bislang geplant festgehalten, so der BUND. Dabei
werden sogar Flächen überplant, die Schutzstatus genießen – zum Beispiel Fauna-Flora-Habitat-Schutzgebiete
im Donautal und im Altdorfer Wald und geschützte Streuobstwiesen. Die
Auswirkungen des Regionalplanes auf den Klimaschutz werden nicht einmal aufgezeigt,
obwohl sie erheblich sind und die Ziele der EU und unserer Landes- und
Bundesgesetze zum Klimaschutz deutlich verfehlen.
Nicht berücksichtigt wird bei diesem Plan, dass wir im
Bestand große Potentiale für neuen Wohnraum und mehr Klimaschutz haben.
Entwicklung geht auch mit weniger Neubau!
Für den BUND ist dieser Regionalplan damit nicht nachhaltig.
„Er ignoriert ökologische Leitplanken und er ist asozial und wirtschaftsfeindlich
gegenüber Landwirtschaftsbetrieben, deren Flächen und Wirtschaftsgrundlage
übermäßig beansprucht werden“, kritisiert BUND-Regionalvorstand Annamaria
Waibel.
„Wir brauchen eine regionale Planung, die uns bis 2030 schrittweise hinführt zur Netto-Null beim Flächenverbrauch und zur Klimaneutralität. Das geht nur mit einer Halbierung der Verbräuche“, ergänzt BUND-Regionalgeschäftsführer Ulfried Miller.
Zum Glück ist dieser Regionalplan nur ein Papier. Es liegt
nun an den Kommunen, Verantwortung zu übernehmen und die kritischen Flächen
nicht zu bebauen bzw. nicht für den Rohstoffabbau freizugeben.
Der BUND
erwartet auch einen verantwortungsvollen Umgang mit den Weißflächen in den
regionalen Grünzügen. Falls eine weitere Bebauung von geschützten Streuobstwiesen
geplant wird, wird dies der BUND prüfen lassen. Wir erwarten von staatlichen
Organen, dass sie wenigstens die Gesetze von BUND und Land einhalten, so Bruno
Sing, Mitglied im BUND-Regionalvorstand.
„Wir haben ein Netzwerk aus 40 Vereinen, Verbänden und Initiativen geknüpft, das sich künftig gestärkt um Nachhaltigkeit und Klimaschutz in ihren Landkreisen und Kommunen kümmern“, sagt Barbara Herzig, Sprecherin dieses rührigen Aktionsbündnisse
Kontakt und Infos:
BUND Bodensee-Oberschwaben, Ulfried
Miller, Leonhardstraße 1, 88212 Ravensburg, Telefon 0751/21451, ulfried.miller@bund.net
Freitag, 25. Juni 2021
Regionalplan trotz Kritik beschlossen
Ein wirklich schwarzer Tag für Bodensee-Oberschwaben !
Bericht in der Schwäbischen Zeitung von Sebastian Korinth (Auszüge in blau) hier
Versammlung stimmt mit großer Mehrheit dafür Großaufgebot der Polizei vor Ort
Trotz des enormen Protests in den vergangenen Monaten hat der Regionalverband Bodensee-Oberschwaben am Freitag in Pfullendorf die Fortschreibung des Regionalplans beschlossen. 37 Versammlungsteilnehmer stimmten dafür, nur 10 dagegen. Grüne und ÖDP scheiterten mit einem Antrag, den Plan erneut offenzulegen und die Landesregierung als Vermittlerin unterschiedlicher Interessen einzuschalten. Jetzt entscheidet das Land darüber, ob der neue Regionalplan in Kraft tritt - und den bisherigen aus dem Jahr 1996 ersetzt.
Mehr als 30 Initiativen werfen dem Verband etwa vor, zu viel Fläche für Kiesabbau, Wohngebiete oder Gewerbe auszuweisen.
Diese Vorwürfe wiesen die Verantwortlichen am Freitag erneut zurück. „Die Einhaltung der Klimaschutzziele ist auch mit dem Regionalplan grundsätzlich möglich“, sagte etwa Nadine Kießling, Referentin für Planung und stellvertretende Direktorin des Regionalverbands.
Grüne und ÖDP schlugen vor, den Beschluss über die Fortschreibung noch einmal zu verschieben und das Land als Mediator einzuschalten. „Es ist nicht die Bevölkerung, die uns von Offenlegung zu Offenlegung treibt“, betonte Lenski. „Für uns sind einige Fragen nach wie vor nicht beantwortet.“ Eine Mehrheit fand der Antrag allerdings nicht......
Ein Großaufgebot der Polizei und ein privater Sicherheitsdienst sorgten in der Halle und davor für Ordnung. „Dass ein solches Aufgebot für eine demokratische Versammlung nötig ist, ist betrüblich - und macht mir zu schaffen“, sagte Thomas Kugler zum Abschluss der Verbandsversammlung.
Kein Interesse in Stuttgart
Zum Interview „Das ist ein rechtswidriger Zustand“, (21. Juni)Baumbesetzung im Altdorfer Wald ist nach der Aussage von Minister Hauk ein rechtswidriger Zustand: „Wir hätten sofort reagiert“. In dieser Sache Baumbesetzung regt sich Herr Hauk auf. Aber die Angelegenheit Landschaftsschutzgebiet Altdorfer Wald interessiert niemanden in Stuttgart. Zu diesem Thema sind dort alle sprachlos! Bezöge Herr Hauk genauso vehement Stellung zum Schutz des Klimas und des Altdorfer Waldes (als Landschaftsschutzgebiet), wäre das auch eine Möglichkeit, Konflikte zu lösen und lebenswerte Zukunft zu gestalten. Die Baumbesetzer im Altdorfer Wald wären dann vielleicht schon abgezogen.
Helmut Fimpel, Wolfegg
"Billiges Fleisch? Eher verzichtbar"
Der Bürgerrat Klimaschutz stellt seine Empfehlungen zur Begrenzung der Erderwärmung vor. Schirmherr Horst Köhler spricht von "erstaunlich klaren Ergebnissen".
Von Thomas Hummel in der Süddeutschen Zeitung
Ein Mini-Deutschland wollten die Organisatoren im Bürgerrat Klimaschutz abbilden. 160 Frauen und Männer kamen zusammen, Jung und Alt, Stadt und Land, mit und ohne Migrationshintergrund, mit Abitur oder Hauptschulabschluss, aus unterschiedlichen sozialen Milieus. Und dieses Mini-Deutschland hat sich mehrheitlich dazu entschlossen, sich von der Wurst zu verabschieden. 76 Prozent waren dafür, im Sinne des Klimaschutzes weitgehend auf Milch- und Fleischprodukte zu verzichten.
Bürgerräte sind ein zunehmend populäres Mittel, die Bevölkerung einzubeziehen in politische Prozesse. Sie sollen dem Eindruck entgegenwirken, in der Demokratie entschieden oben Beamte, die keine Ahnung hätten von den Problemen der kleinen Leute. Aus zufällig ausgewählten Bürgern wird eine Gruppe zusammengestellt, die sich im Kleinen ungefähr so zusammensetzt wie die Gesamtbevölkerung. Der Bürgerrat Klimaschutz sollte die Frage klären, wie die nationalen Ziele des Pariser Abkommens zu erreichen sind, gemäß denen die Erderwärmung auf deutlich unter zwei Grad Celsius begrenzt werden soll. Vorbilder dafür gab es in Frankreich und Großbritannien.
Nach zwölf Sitzungen und mehr als 50 Stunden Arbeitszeit einigten sich die 160 Räte auf zehn Leitsätze. Der wichtigste lautet: "Das 1,5-Grad-Ziel hat oberste Priorität." Dem sei alles unterzuordnen. Dabei soll es gerecht zugehen, sowohl sozial wie auch für künftige Generationen. Zudem gaben die Bürgerräte 76 konkrete Empfehlungen an die Politik - und räumten mit dem ein oder anderen deutschen Mythos auf.
Billiges Fleisch ist demnach eher verzichtbar. Stattdessen soll sich die Landwirtschaft umstellen, weg von der Massentierhaltung, hin zu einer natur- und klimaschonenden Lebensmittelproduktion. Im Bereich Mobilität stimmten 79 Prozent dafür, Neuzulassungen von Vebrennermotoren bis spätestens 2030 zu verbieten. Für teurere Flugtickets sprachen sich noch mehr aus. Selbst das Tempolimit erhielt eine Mehrheit, wenngleich eine dünne. Für 120 Kilometer pro Stunde auf Autobahnen, 80 km/h auf Landstraßen und 30 km/h innerorts plädierten 58 Prozent. Nur die Einführung einer City-Maut wurde knapp abgelehnt.
Südkurier hier von Katy Cuko (1 Artikel ist frei)
Der Regionalplan Bodensee-Oberschwaben steht – trotz aller Kritik
Klar weiß man das mit dem Klima schon lange, aber da sind doch die Anderen zuständig!
Und ganz ohne Gesetz ( eigentlich liegt da schon so einiges auf dem Tisch) - sozusagen ganz in eigener Verantwortung mal über den Tellerrand rausblicken, na das wäre wohl zu viel verlangt von den Herren, die nur beim "Kies" in großen Zusammenhängen denken wollen.
Kurznotiz aus der Schwäbischen Zeitung
Verwaltungsgericht erlaubt nächtliches Klimacamp in Ravensburg
Während in Pfullendorf die Verbandsversammlung über den neuen Regionalplan entscheidet, protestieren in Ravensburg vor dem Gebäude des Regionalverbands im Hirschgraben Klimaaktivisten. Sie dürfen dort auch übernachten und auf Bäume klettern, hat das Verwaltungsgericht Sigmaringen in einem Eilverfahren entschieden.
Die Stadt hatte versucht, die Übernachtung zu verhindern. Mit der Begründung, dass die Demonstranten nachts unter Umständen auf betrunkene Passanten oder Gegendemonstranten stoßen und mit diesen aneinandergeraten könnten. Beziehungsweise von diesen verletzt werden könnten, wenn sie gerade schlafen.
Das sah das Gericht anders. „Es liegen nach derzeitiger Sicht keine hinreichend belastbaren Anhaltspunkte vor, dass zu erwarten ist, dass es zu entsprechenden Konfrontationen und damit zu einer unmittelbaren Gefährdung der öffentlichen Sicherheit kommt“, heißt es in dem Gerichtsbeschluss. Zudem sei die Polizei in einem solchen Fall in der Lage, die Klimaaktivisten zu schützen.
Die Agrarmilliarden, die dem Klima nicht helfen
Tagesspiegel hier
EU-Rechnungshof kritisiert Subventionen
Vieles, was als klimawirksam gilt, reduziert die Emissionen nicht, so ein Bericht. Es brauche Transparenz - und eine Verringerung der Tierbestände. Susanne Ehlerding
Für den Klimaschutz sind die Agrarsubventionen der EU praktisch wirkungslos. Das hat der Europäische Rechnungshof am Montag in einem Bericht kritisiert. Zwar galten laut EU rund ein Viertel aller Zahlungen in der Förderperiode von 2014 bis 2020 als klimawirksam. Diese 100 Milliarden Euro haben aber nicht zu einer Senkung der Emissionen geführt, bemängelt der Rechnungshof.
Viele Maßnahmen, die die EU als Beitrag zum Klimaschutz wertet, dienen in erster Linie dem Schutz der Artenvielfalt sowie der Wasser- und Luftqualität, schreiben die Prüfer. Der größte Verursacher von landwirtschaftlichen Emissionen aber blieb davon unberührt, nämlich die hohen Tierbestände. Für eine Verringerung habe es keine Fördermittel gegeben.
Laut Rechnungshof sind die Methanemissionen aus der Verdauung der Tiere sowie der Futteranbau für gut die Hälfte der Klimagase der Landwirtschaft in Europa verantwortlich. Und hier sind die importierten Futtermittel noch nicht einmal mitgerechnet, merkt der Rechnungshof an.
Donnerstag, 24. Juni 2021
Neubauer nennt Unionsprogramm "erschütternd"
aus NTV hier
Maßnahmen zum Klimaschutz
Ja zu Innovationen und neuen Technologien, nein zu Verboten und "sozialistischer Umverteilung" - beim Thema Klimaschutz lässt die Union in ihrem neuen Wahlprogramm vieles im Ungefähren. Umweltaktivisten fällen ein vernichtendes Urteil.
Klimaschützer und Umweltverbände rügen das Wahlprogramm von CDU und CSU als völlig unzureichend im Kampf gegen die Erderhitzung. Luisa Neubauer von der Klimaschutzbewegung Fridays for Future sagte der "Rheinischen Post": "Dieses Parteiprogramm ist eine 139 Seiten lange Weigerung, uns vor der Klimakrise zu schützen und das 1,5-Grad-Ziel einzuhalten. Die noch größte Volkspartei weigert sich, die größte Krise anzuerkennen, geschweige denn sie anzugehen. Erschütternd."
Ähnlich äußerte sich Carla Reemtsma, Sprecherin von Fridays for Future. "Mit ihrem Wahlprogramm hat sich die Union gegen jede einzelne Maßnahme entschieden, die die Emissionen senken würde", sagte sie dem Portal "Watson".
Auch im Tagesspiegel wird das thematisiert hier
Der Klimapodcast Gradmesser„Am Verhandlungstisch fällt das in sich zusammen“
hier Campact
Pfullendorf
Zum Bild:"Team pfulli hat die Nacht gut überstanden...
Wir freuen uns auf Euch nachher an der Stadthalle😊"
....Die Demonstranten, die sich hier versammelt haben, könnten unterschiedlicher kaum sein, doch sie alle eint ein Ziel: Sie alle wollen den Kiesabbau im Altdorfer Wald unbedingt verhindern.
Die 21-jährige Joule ist Mutter eines zweijährigen Sohnes, der aber zu Hause bei seinem Vater in Ravensburg geblieben ist. „So kann es doch nicht weiter gehen“, sagt sie. „Wir alle wissen doch, wie schlimm es um das Klima steht – wir müssen jetzt damit aufhören, den Planeten kaputt zu machen, damit auch unsere Kinder noch Kinder haben können.“
Der 47-jährige Timo Schneeweiß kommt aus Horgenzell ganz in der Nähe des vom Kiesabbau bedrohten Altdorfer Waldes. „Ich bin hier, um unsere Politiker an ihre Verantwortung zu erinnern“, sagt der vierfache Familienvater.
„Ich kann ein klimapositives Haus bauen, Fahrrad und E-Auto fahren so viel ich will“, sagt er, „wenn die Wirtschaft so weiter machen darf wie bisher, nützt das alles nichts.“
Der 66-jährige Manfred Scheurenbrand läuft als Vertreter des Vereins Natur- und Kulturlandschaft Altdorfer Wald bei der Demo mit. „Der Klimawandel ist für mich persönlich aufgrund meines Alters kein größeres Problem mehr“, sagt er. Trotzdem liege ihm die Umwelt sehr am Herzen. Er fürchtet um die Reinheit des Trinkwassers in seiner Heimatregion. Deshalb hege er große Sympathien für die Baumbesetzer im Altdorfer Wald, „auch wenn sie meine bürgerliche, harmoniebedürftige Linie nicht teilen“, sagt er.
...Irritiert starren die Leute, die vor den Eiscafes in den Pfullendorfer Innenstadt sitzen, die Menschen im Demozug an. Auf die humorvolle Ansprache durch die Aktivisten, sich dem Demozug anzuschließen, reagiert kaum jemand, zwei Motorradfahrer und ein Sportwagenfahrer winken lächelnd ab.
Aber eine 42-Jährige und ihre beiden Kinder kommen mit. „Die zwei waren schon öfter bei Fridays for Future dabei“, sagt die Frau, die ihren Namen nicht in der Zeitung lesen will. „Als sie den Spruch gehört haben, wollten sie sofort dabei sein.“
Pressemitteilung vom Ravensburger Klimacamp am 25.6.2021
Klimacamper*innen kritisieren mit Banner am Aldi-Baukran in Baienfurt verantwortungslose Flächenversiegelung
In der Nacht vom gestrigen Donnerstag auf heutigen Freitag (25.6.) brachten Klimagerechtigkeitsaktivist*innen in 25 Meter Höhe zwei Banner an einem Baukran in Baienfurt an, wo gerade eine Aldi-Filiale entsteht:
"Flächenversiegelung stoppen", "Klimahöllenplan kippen".
"Wälder, Moore und Felder sind als CO₂-Senken unsere wichtigsten Verbündeten im Kampf gegen die Klimakrise", erklärt Schüler Samuel Bosch (18). "Über die nächsten Jahre müssen wir daher bereits versiegelte Flächen dringend wieder entsiegeln. In Zeiten der Klimakrise neue Flächen für ein riesiges einstöckiges Gebäude, das niemand benötigt, zu versiegeln, geht gar nicht."
Nach Aussage der Klimacamper*innen ist die Mehrheit der Anwohner*innen gegen den Aldi-Neubau. "Aldi handelt mit dem Bauprojekt nicht im Sinne des Gemeinwohls, sonndern folgt einzig und allein privaten Profitinteressen. Den Raubbau an der Natur und unserer Zukunft kann die Greenwashing-Kampagne von Aldi, auf dem Dach Solarzellen zu installieren, nicht verschleiern."
Die Klimacamper*innen stellen sich aber auch allgemein
gegen neue Flächenversiegelung und den damit einhergehenden Entzug von Flächen
für die Landwirtschaft. "Verantwortungslose Flächenversiegelung", so
Bosch, findet sich auch im Regionalplanentwurf, der heute in Pfullendorf
verabschiedet werden soll. "Wenn die fast nur mit älteren Männern besetzte
Verbandsversammlung in ihrer zukunftsfeindlichen Ignoranz schon den
unbezifferbaren Wert von unversiegelten Flächen geringschätzt, tut sie gut
daran, zumindest den Widerstand aus der Zivilgesellschaft einzupreisen. Wenn
der Regionalverband wirklich an seinen
Flächenversiegelungs- und Straßenneubauplänen festhalten
wird, wird es auf den Baustellen zu vielfältigen Aktionen des zivilen
Ungehorsams kommen. In der Überzeugung, dass es uns als Gesellschaft
letztendlich nützt, werden wir diese Bauprojekte richtig teuer machen."
ORT
Ravensburger Str. 13
88255 Baienfurt
47°49'29.0"N 9°38'56.9"E
47.824708, 9.649137
FOTOS ZUR FREIEN VERWENDUNG
https://www.speicherleck.de/iblech/stuff/.aldi1
KONTAKT
Samuel Bosch (+49 1590 8156028)
Ingo Blechschmidt (+49 176 95110311)
"INTELLEKTUELLER UND FAIRER AUSTAUSCH "
Wirtschaftlichkeit kontra Klimaschutz in der Region Bodensee-Oberschwaben - die Katholische Arbeitnehmerbewegung lud zum digitalen Dialog.
Obwohl sich die Katholische
Arbeitnehmerbewegung (KAB) in der Diözese Rottenburg-Stuttgart eher
auf der Seite der Klimaaktivisten im Altdorfer Wald sieht, will sie zwischen
unterschiedlichen Positionen vermitteln. So rief der Verband zusammen mit
der Erwachsenenbildung und
der Betriebsseelsorge ökumenisch ein zunächst dreiteiliges
digitales Dialogformat ins Leben. Die Möglichkeit eines moderierten Gesprächs
zwischen den Parteien unter Beteiligung der Bevölkerung sei ein Novum, erfuhr
KAB-Diözesansekretärin Svenja Gruß von verschiedenen Seiten.
"Es geht um die
Grundsatzfrage: Wie wollen wir leben?", brachte Moderator Ulrich Mendelin
von der Schwäbischen
Zeitung am Dienstagabend das Dilemma auf den Punkt. In der
Diskussion zwischen Wilfried Franke, Direktor des Regionalverbands
Bodensee-Oberschwaben, und Verwaltungswissenschaftler Manfred Walser
von Scientists for Future (Wissenschaftler für die Zukunft)
vor bis zu 70 Teilnehmerinnen und Teilnehmern der Videokonferenz wurde
deutlich, dass es zwischen Wirtschaftswachstum, freier Wohnortwahl und
Klimaschutz abzuwägen gilt.
Erhalt des Waldes oder Kiesabbau
Hintergrund der
Kontroverse, wo bei diesen Themen der Schwerpunkt zu setzen sei, ist die
Fortschreibung des Entwicklungsplans der Region Bodensee-Oberschwaben für die
nächsten 20 Jahre. Am Freitag soll der Plan in die Regionalversammlung zur
Beratung und eventuell zur Abstimmung kommen. In der aktuellen Vorlage des
Regionalplans wird beispielsweise auf einer elf Hektar großen Fläche im
Altdorfer Wald Kiesabbau grundsätzlich erlaubt. Dagegen und gegen andere aus ihrer
Sicht nicht klimagerechte Vorgaben gehen Aktivistinnen und Aktivisten seit
Monaten auf die Bäume.
Im Wald selbst bauten
die meist jungen Menschen aus der ganzen Bundesrepublik bei Vogt ein Dorf aus
15 Baumhäusern und befestigten Transparente. Sie kletterten zwischenzeitlich
auch in Ravensburg, Weingarten und am Bodensee ohne Genehmigung auf Bäume, um
auf notwendige Maßnahmen zum Klimaschutz aufmerksam zu machen, was
Polizeieinsätze auslöste. In der ersten Videokonferenz am 2. Juni schaltete
sich Samuel Bosch direkt aus einer Buche zu, argumentierte sehr sachlich und
zeigte auch in Detailfragen hohe Kompetenz, wie die KAB berichtet.
Moderator Ulrich Mendelin (Schwäbische Zeitung - o.l.), Wilfried Franke (Regionalverband Bodensee-Oberschwaben - o.r.) und Manfred Walser (Scientists for Future - u.) - Screenshot: Dr. Anja Hirscher
Kirchlicher Verband als Moderator
"Wir verstehen
uns hier als Moderierende, die zwischen den Fronten den Austausch
befördern", erklärt Anja Hirscher, bei der KAB Bildungsreferentin für
Nachhaltigkeit. So zeigte sich, dass sich die beiden Referenten am Dienstag in
der Sache einig waren. Der Klimaschutz müsste eine stärkere Rolle spielen.
Wilfried Franke verwies dabei aber auf die lange Vorlaufzeit und hält zuerst
politische und gesetzliche Vorgaben für notwendig, um das Ziel zu erreichen. Er
hätte sich ein früheres Aufbegehren der Kritiker gewünscht, um ihre Einwände zu
bverücksichtigen.
Manfred Walser setzt
eher auf kreative und innovative Beteiligungsprozesse, wie er sie
beispielsweise aus Vorarlberg kennt. Den Wunsch nach stärkerer
Bürgerbeteiligung kann auch die KAB erkennen. Er tauchte in den Fragen und
Anmerkungen der Teilnehmerinnen und Teilnehmer im Chat auf und zeigt sich in
der aktiven Unterstütung der Baumaktivisten durch die Anwohner. In der
Regionalversammlung sind etwa die Hälfte Bürgermeister und Landräte. Frauen und
junge Menschen sind unterrepräsentiert. Bei diesem kontrovers diskutierten
Thema wollte die KAB Akteure und Interessierte direkt ins Gespräch bringen.
"Dies ist uns gelungen", freut sich Svenja Gruß.
"Nach Vereinbarungsbruch: Stadt blitzt vor Gericht ab"
Pressemitteilung vom Ravensburger Klimacamp am 24.6.2021
Das Verwaltungsgericht Sigmaringen bestätigte am heutigen Donnerstag in einem Eilurteil, dass mündliche Vereinbarungen in einem der Errichtung des Klimacamps vor dem Sitz des Regionalverbands zuvorgegangenen Kooperationsgespräch zwischen der Stadt Ravensburg und Versammlungsanmelder Samuel Bosch (18) wieder von der Stadt beachtet werden müssen. Anders als im Kooperationsgespräch vereinbart hatte die Stadt die Auflage erlassen, dass im Klimacamp nicht auf Bäume geklettert und nicht geschlafen werden dürfe. Diese Auflagen wurden vom Verwaltungsgericht nun als rechtswidrig kassiert.
Seit dem heutigen Donnerstag besteht in Ravensburg vor
dem Sitz des Regionalverbands (Hirschgraben 2, 88214 Ravensburg) unter den
Mottos "Protest direkt an den Ort der verfehlten Planung tragen" und
"Raum für Debatten und Austausch zur Erarbeitung neuer Lösungen und Ideen
öffnen"
ein Klimacamp mit offenem Ende. Das Klimacamp adressiert den Regionalverband, der nach Auffassung der Klimaaktivist*innen einen "Klimahöllenplan" als Regionalplan ausarbeitete, sowie die Stadt Ravensburg mit ihrem Oberbürgermeister Rapp, der seinen Einfluss als stellvertretender Verbandsvorsitzender hätte nutzen können, um den Regionalplanentwurf in Einklang mit dem Grundrecht der jungen Generation auf intakte Lebensgrundlagen zu bringen.
Im zuvorgehenden Kooperationsgespräch vereinbarten Stadt und Versammlungsanmelder Samuel Bosch (18), dass wie in anderen Klimacamps in Deutschland und ähnlich gelagerten Dauermahnwachen zu anderen Themen auch Teilnehmer*innen schlafen sowie zur Visualisierung ihres Protests auch Bäume auf der Versammlungsfläche beklettern dürfen.
Im schriftlich eingegangenen Auflagenbescheid wurden dann aber trotz dieser Vereinbarungen Schlafen und Baumbekletterung untersagt. Gegen diese Auflagen legten die Klimacamper*innen Beschwerde vor dem Verwaltungsgericht Sigmaringen ein und erhielten noch am selben Tag Recht.
"Die Stadt Ravensburg sollte ihre Energie lieber in
Klimagerechtigkeit als in rechtliche Auseinandersetzungen mit uns stecken, die
sie vor Gericht dann eh verliert", kommentiert Versammlungsanmelder Samuel
Bosch
(18) die Entwicklung. "Von drei Eilklagen am
Verwaltungsgericht haben wir nun zwei gewonnen." (Die andere gewonnene
Eilklage bezog sich auf die Fahrraddemonstration über die A96, die verlorene
Eilklage auf eine Versammlung auf der Schussenstraße.)
Hirschgraben 2, 88214 Ravensburg
ANGEHÄNGT
Urteil des Verwaltungsgerichts hier
KONTAKT
Samuel Bosch (+49 1590 8156028)
Ingo Blechschmidt (+49 176 95110311)
Umweltaktivisten:"Ich bin niemand, der Bäume umarmt und barfuß durch die Gegend läuft"
23. Juni 2021, in der Süddeutschen Zeitung hier
Ingo Blechschmidt (vorne) besetzt Wälder, weil sie fürs Klima wichtig sind. Als Mathematiker rechnet er vor, wie lange es dauert, bis das durch Rodungen freigesetzte CO2 wieder eingespart ist. Die Baumhäuser sind für ihn gewaltfreier, ziviler Ungehorsam.
Von David Wünsche
Als Ingo Blechschmidt am vergangenen Samstagmorgen in den Forst Kasten marschiert, weiß er schon, dass er ihn womöglich in Gefangenschaft wieder verlassen wird. Seinen Personalausweis hat er griffbereit. Eine Telefonnummer für den Notfall wird er sich in den kommenden Stunden noch einprägen. Und falls es ganz schlimm kommt, hat er einen Kollegen gebeten, seine Vorlesung zu übernehmen. Blechschmidt sagt: "Wenn es darum geht, Wälder zu schützen, darf es keine Kompromisse geben."...
Der 32-Jährige ist Teil einer Gruppe von Aktivisten, die seit einiger Zeit dagegen protestieren, dass im Forst Kasten südwestlich von München bis zu 10 000 Bäume einer riesigen Kiesgrube weichen sollen. Der Sozialausschuss der Stadt München hat die Rodung bereits genehmigt. Weil es sich bei dem Waldstück um besonders schützenswerten Bannwald handelt, könnte das Landratsamt die Entscheidung noch kippen. ..
Natürlich heißen alle anders. Aber sie reden sich mit ihren "Waldnamen" an. Viele kennen die echten Namen der anderen gar nicht. Was sich nach einer kindsköpfigen Eigenart anhört, hat einen ernsten Hintergrund: Manche Aktivisten wollen nicht von der Polizei identifiziert werden. Sie sind alle junge Menschen zwischen 18 und 32. Ein Eintrag im Führungszeugnis oder auch der eigene Klarname in der Presse könnte Konsequenzen haben.
Nur Blechschmidt schert sich nicht darum; er heißt hier ganz normal: Ingo. Wegen seines Abschlusses hat er keine Existenzängste. Blechschmidt ist Doktor der Mathematik. Seine Vorlesungen hat er schon per Zoom aus dem Baumhaus gehalten. Trotzdem setzt der 32-Jährige für den Aktivismus seine akademische Karriere aufs Spiel. Denn während seine Kolleginnen und Kollegen an der Universität neben der Lehre forschen, nutzt der Augsburger seit etwa zwei Jahren fast seine gesamte Freizeit, um für mehr Klimagerechtigkeit zu kämpfen.
Der Wandel kommt, ob ihr wollt oder nicht
Es war eine Rede von Greta Thunberg, die ihn zum Umdenken brachte. "Change is coming, whether you like it or not", sagte die junge Schwedin auf einem UN-Klimagipfel. Der Wandel kommt, ob ihr wollt oder nicht. Dieser Satz rüttelte Blechschmidt auf. Da habe er gemerkt, dass seine mathematischen Beweise im unbekannten Teilgebiet der Topostheorie die Gesellschaft wenig kümmern. Danach demonstrierte er zunächst bei "Fridays for Future", dann organisierte er ein Klimacamp und zeltete monatelang vor dem Augsburger Rathaus. Jetzt besetzt er Wälder. Zunächst den Dannenröder Forst in Hessen, wo eine Autobahn gebaut werden sollte. Und nun also den Forst Kasten. "Ich bin niemand, der Bäume umarmt und barfuß durch die Gegend läuft", sagt Blechschmidt. Aber mit der Physik der Klimakrise könne man nicht verhandeln. "Meine mathematische Identität zwingt mich, diese Sachen zu machen."
Sein Protest folgt einem einfachen Kalkül: Wälder sind gigantische CO2-Speicher; und wenn sie abgeholzt werden, dauert es viele Jahrzehnte, bis das CO2 durch Aufforstungen wieder eingespart werden kann. Weil Demonstrationen gegen Rodungen bisher wenig wirksam waren, plädiert Blechschmidt dafür, die Wälder zu besetzen: gewaltfreier, ziviler Ungehorsam also. Denn er glaubt: Wenn solche Besetzungen Alltag werden, überlegen die Behörden künftig länger, ob es sich wirklich lohnt, den Wald für eine Autobahn oder eine Kiesgrube abzuholzen. Im Dannenröder Forst hat die Räumung der Baumhäuser durch die Polizei über die Monate mehr als 30 Millionen Euro gekostet. Geht es nach Blechschmidt, soll es auch im Forst Kasten teuer werden. Es sind immense Kosten, die er und seine Mitstreiter der Allgemeinheit aufbürden - in der Überzeugung, dass die Gesellschaft letztlich profitiert.
Während Blechschmidt über Emissionen und Kippelemente des Klimasystems spricht, hängen zehn Meter über ihm Legolas und Legolas wie zwei Spinnen in einem Netz aus Kletterseilen. Ein Legolas ist eine Frau und heißt so, weil sie den Elfen aus Herr der Ringe toll findet. Der andere Legolas ist ein Mann und heißt so wegen seiner langen blonden Haare. Zwischen den beiden schwingt die Baumhaus-Plattform hin und her, einige Fichtennadeln rieseln herunter, dann fliegen ein toter Ast und zwei Plastikplanen durch die Luft. Die beiden Legolasse arbeiten unbeirrt weiter. Die weibliche Legolas bedient einen Flaschenzug, an dessen einem Ende die Plattform hängt. Ans andere Ende klammert sich der männliche Legolas als Gegengewicht. Mehr als zwei Stunden sind die beiden damit beschäftigt, das Baumhaus auf 15 Meter Höhe zu ziehen: Dorthin, wo die Polizisten mit ihren Leitern nicht hinkommen.
Die beiden Legolasse sind mit 18 Jahren die jüngsten Mitglieder der Truppe. Einer von ihnen ist noch Schüler. Außerdem sind hier ein Kunstschlosser, ein Software-Entwickler, eine Sozialarbeiterin, eine Studentin und ein Physik-Promovend. Die meisten von ihnen kommen aus München oder der Umgebung. Sie alle haben unterschiedliche Beweggründe, warum sie hier sind. Mücke sagt: "Wir schaffen Sichtbarkeit für den Wald." Merlin sagt: "Ich habe irgendwann den Grundsatz gefasst, dass das Gemeinwohl wichtiger ist als mein eigenes." Und die weibliche Legolas sagt: "Ich habe eine persönliche Beziehung zu diesem Wald. Wenn man dann mitbekommt, dass er gerodet werden soll, ist das besonders schlimm."
Legolas ist in einem Dorf wenige Kilometer entfernt aufgewachsen. Im Forst Kasten geht sie joggen und spazieren, manchmal sitzt sie hier auch mit Freundinnen und Freunden am Lagerfeuer. Sie arbeitet als Zimmerin und hat an der Baumhaus-Plattform mitgebaut. Wie Blechschmidt kam die 18-Jährige vor etwa zwei Jahren durch "Fridays for Future" zum Aktivismus. "Ich hatte das Gefühl: Die Klimakrise ist eine krass wichtige Sache und wir müssen etwas tun." Von einem Tag auf den anderen wurde Legolas Veganerin und schwänzte freitags die Schule, um auf die Straße zu gehen. Irgendwann reichte ihr das nicht mehr aus. In der Nähe von Ravensburg nahm sie an einer Waldbesetzung teil und lebte mehrere Wochen lang zwischen den Baumwipfeln. Dort lernte sie, welche Kletterknoten wie viel Gewicht aushalten und wie man ein Baumhaus baut, ohne den Baum zu beschädigen. Als dann bekannt wurde, dass im Forst Kasten fast zehn Hektar Wald abgeholzt werden sollen, war für sie klar: Damit die Leute das mitbekommen, müssen auch hier Baumhäuser hin. Als vor zwei Wochen das Spezialeinsatzkommando den Wald räumte, berichteten viele Zeitungen darüber. "Dieses krasse Medienecho hätten wir mit einer Kundgebung in Stockdorf nicht erreicht."



























