Montag, 22. April 2024

Positive Beispiele: So nachhaltig können Lieferketten sein

 hier  von V. Löffler, A. Pflüger, L. Heinemann  20.04.2024 

Risikofaktor Lieferkette: Oftmals verschleiern lange Transportwege schlechte Arbeits- und Umweltbedingungen oder gefährden die Versorgungssicherheit. Doch es gibt Lösungsansätze.

Im März hat die Europäische Union ein Lieferkettengesetz auf den Weg gebracht, um Unternehmen stärker in die Verantwortung zu nehmen. Demnach müssen Firmen nachweisen, dass ihre importierten Produkte ohne Kinderarbeit und Umweltschäden hergestellt wurden.

Und auch in Deutschland ist man aktiv geworden: Ein Gesetz verpflichtet Unternehmen seit 2023 dazu, ihre Lieferketten transparent zu gestalten und bei der Produktion Menschenrechte und Umweltstandards einzuhalten - sonst drohen Sanktionen.

Nachhaltiges und faires Holz aus dem peruanischen Regenwald

Doch es gibt auch Unternehmen, die höhere Standards als die gesetzlich geforderten setzen, wie die Kölner Holzfirma "Betterwood", die nachhaltiges und faires Holz aus Peru nach Deutschland transportiert.

Seit Jahrzehnten wird der Regenwald in Peru durch illegales Roden für landwirtschaftliche Nutz- und Weideflächen von Menschen zerstört. Catherine Körting wollte das ändern und fand einen Weg, wie sie mit dem Verkauf von Tropenholz gleichzeitig zum Erhalt des Regenwaldes beiträgt. Mit ihrer verkauft sie fair gehandeltes und kontrolliert geschlagenes Tropenholz in Deutschland.

Holz kann bis zum Baum zurückverfolgt werden

Gemeinsam mit ihren Partnerfirmen in Peru sorgt sie dafür, dass immer nur so viele Bäume gefällt werden, wie es das Ökosystem verträgt. Sie weiß genau, wo das Holz gefällt wird und von wem. Sie verfolgt exakt, wer das Holz lagert, verschifft und von Peru bis ins Lager nahe Köln bringt:


Unsere Rückverfolgbarkeit reicht vom stehenden Baum bis zum endgültigen Bestimmungsort.

Catherine Körting, Gründerin "Betterwood"


Die nachhaltige Holzfällung führt auch aus anderen Gründen zum Schutz des Regenwaldes, hat Körting festgestellt: "Wenn es die Möglichkeit gibt, den Menschen ein Einkommen dafür zu geben, dass sie den Regenwald auf nachhaltige Art und Weise schützen beziehungsweise bewirtschaften, dann werden die Menschen das auch tun."

Lange Lieferketten können zu Medikamentenengpässen führen

Lange, intransparente Lieferketten bergen nicht nur das Risiko für Menschenrechtsverletzungen und Umweltverschmutzung während der Produktion, sondern machen auch abhängig und können die Versorgungssicherheit gefährden.

Engpässe bei der Medikamentenversorgung, das gab es in den vergangenen Jahren immer häufiger. Wenn lebenswichtige Medikamente nicht mehr verfügbar sind, zeigen sich die Konsequenzen von langen Lieferketten. Die meisten in Deutschland verkauften Antibiotika kommen inzwischen aus Asien. Viele Pharmafirmen hatten ihre Produktion aus Kostengründen dorthin verlegt.

Penicillin aus einem kleinen Ort in Österreich

Anders das Pharmaunternehmen Sandoz. Das produziert im österreichischen Kundl Penicillin - als einziger und letzter Hersteller in Europa. Die Unterstützung der Regierung Österreichs mit 50 Millionen Euro Subventionen im Bereich der Wirkstoffproduktion war dabei ein wichtiger Schritt zur Versorgungssicherheit für ganz Europa.

In den riesigen Hallen werden Millionen von Einheiten der wertvollen Antibiotika hergestellt. Und das Unternehmen wächst weiter: Zukünftig soll es möglich sein, den ganzen europäischen Markt von dort aus mit Penicillin zu beliefern.

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