Dienstag, 16. April 2024

„German Engineering manufactured in China“: Wir exportieren unsere Arbeitsplätze in der Autoindustrie nach China

WiWo  hier  Gastbeitrag von Ferdinand Dudenhöffer  14. April 2024

Mit dieser Politik verlieren wir die Arbeitsplätze in der Autoindustrie an China

Erst waren die E-Autos in, jetzt sind sie wieder out. Während die Politiker hier für den Fall des Verbrennerverbots kämpfen, überlassen sie die E-Autobranche China. Ein Gastbeitrag.

Vor einigen Jahren hatte die EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen mit dem ambitionierten EU-Klimaprogramm „Green Deal“ darauf gedrängt, im Kampf gegen den Klimawandel den Verbrennungsmotor ab dem Jahr 2035 auf eine Verbotsliste zu setzen. Mittlerweile läuft der Europa-Wahlkampf – und der EVP-Parteivorsitzende Manfred Weber fordert das Verbot vom Verbot. Weber bezeichnet das Verbrennerverbot als schweren industriepolitischen Fehler, von dem China profitiere. Ursula von der Leyen will als Kommissionspräsidentin wiedergewählt werden und für ihre Wiederwahl braucht sie die Unterstützung der Europäischen Volkspartei.

Neben ihr sprechen sich die AfD, Sahra Wagenknecht mit ihrem Bündnis BSW und die FDP für die Reanimation des Verbrenners aus. Alle verbindet die Mission, die deutsche Autoindustrie zu retten und die deutsche Ingenieurskunst, das Wunderwerk der Verbrennung von Benzin oder Diesel in einem Kolbenmotor, in die Zukunft zu führen. Gleichzeitig verunsichert die Kampagne die Autokäufer, was sich am Einbruch der Elektroauto-Verkäufe ablesen lässt.

Das Ganze fing als harmlose Episode im Jahr 2022 an. Der Porsche-Chef Oliver Blume hatte den begeisterten Porsche 911-Fan und FDP-Vorsitzenden Christian Lindner davon überzeugt, dass der 911er mit künstlichen Kraftstoffen, den Syn-Fuels, CO2-frei fährt. Der 911-Sound bleibt erhalten und das Klima wird gerettet. Das Zauberwort Technologieoffenheit war geboren. In Chile wurde von Porsche im Eiltempo eine Syn-Fuel Pilotanlage in die Wüste gestellt, die jährlich 130.000 Liter des künstlichen Kraftstoffs produziert. Bei 15.000 km Jahresfahrleistung und einem Porsche 911 Durchschnittsverbrauch von elf Liter könnten immerhin rund 80 Porsche damit klimafreundlich laufen. Auf Deutschland Straßen fahren heute 49,1 Millionen Pkw. Es wäre also schon noch etwas zu tun, um im Syn-Fuels-Zeitalter zu landen.

Über den Autor

Ferdinand Dudenhöffer

Ferdinand Dudenhöffer ist Geschäftsführer der ferdi research GmbH in Bochum. Von 2008 bis 2020 war er Professor für Allgemeine Betriebswirtschaftslehre und Automobilwirtschaft an der Universität Duisburg-Essen


Lindner war überzeugt und kämpfte mit seiner FDP so sehr für die Technologieoffenheit, dass das für 2035 geplante Aus für Verbrenner zu wackeln begann. Jetzt kommt Ursula von der Leyen ins Spiel, die mit ihrer Ankündigung Anfang des Jahres, das Verbrennerverbot 2035 zu überprüfen, für große Aufmerksamkeit gesorgt hat. Die Ankündigung war eigentlich überflüssig, denn sie war bereits fest im Gesetzestext fixiert, aber im Kampf gegen chinesische Elektroautos zeigt die EU Flagge. Nicht nur Strafzölle für importierte Autos sollen eine Abwehrfront bilden. Gleich das ganze Elektroauto zu kippen, könnte im Wahlkampf Stimmen bringen. Und so hat die EU eine Statistik nachgeschoben, die zeigen soll, dass wegen der kohlehaltigen Stromproduktion das Elektroauto ein größerer Klimasünder als der Benziner oder Diesel ist.

So etwas nennt man im Fußball Steilvorlage und Manfred Weber wusste die zu nutzen. Die deutsche Ingenieurskunst um den Verbrenner ist einzigartig. Also wurden Manfred Weber und die EVP zu Kämpfern für Technologieoffenheit und den Fall des Verbrennerverbots. So eine Chance lässt sich Sahra Wagenknecht genauso wenig wie die AfD entgehen.

Der Kampf ums Auto hat wieder den Nerv der Menschen getroffen. Die Early Adopters fahren ihre Teslas, jetzt werden sich die Normalbürger mit einem Systemwechsel beim heiligs Blechle schwertun. Das Narrativ steht. Für Momentum hat Wirtschaftsminister Robert Habeck um die Weihnachtszeit gesorgt. Habeck hat gleich die komplette Umweltprämie für Elektroautos gestrichen. Jetzt kostet der elektrische Kleinwagen gut 10.000 Euro mehr als der Benziner. Es zeichnet sich das ab, was im Jahr 2023 mit dem Plug-in-Hybrid passierte. Habeck hatte bereits zu Beginn des Jahres 2023 die Plug-in-Hybride auf die Verbotsliste bei Umweltprämien gesetzt. Der Erfolg wurde schnell sichtbar: Die Plug-in-Verkäufe brachen in Deutschland um 52 Prozent ein.

In Deutschland ist Schluss mit Wachstum auf dem E-Auto-Markt.
Das liegt auch an den Herstellern: Sie haben Reparaturen kompliziert und teuer gemacht –
 und tun wenig dafür, das zu ändern.

von Hendrik Varnholt

Es scheint dem Elektroauto in Deutschland an den Kragen zu gehen. Das Momentum ist raus, die Verkäufe gehen in die Knie. Habeck hat einen Impuls ausgelöst und die Europa-Politiker leisten ganze Arbeit bei der Verunsicherung von Joe Sixpack.

In ein paar Wochen beginnt die Auslieferung des neuen Porsche Macan. Der Macan ist das meistverkaufte Porsche-Modell und den neuen gibt es ausschließlich rein-elektrisch.
Man fühlt sich an Goethes Zauberlehrling erinnert, der die Geister, die er rief, nicht mehr loswurde. Dabei bietet die Trickkiste der Syn-Fuels viel Spielraum. Wie wäre es, wenn wir nicht 100 Prozent Syn-Fuels, sondern nur zehn Prozent dem normalen Sprit beimengen. Über Nacht hätten wir dann zehn Prozent CO2 eingespart. Jetzt noch ein kleiner Plug-in-Hybrid und die strengen CO2-Ziele der EU sollten selbst bei dicken SUV nicht unmöglich sein. Wer braucht schon das Elektroauto?

Die Chinesen kaufen es und werden es weiter ausbauen

Um das Jahr 2025 sollte man in China mit zehn Millionen Elektroauto-Verkäufen pro Jahr rechnen. China ist der wichtigste Automarkt der Welt und wird um das Jahr 2030 so groß sein wie die USA und Europa zusammen. Wer nicht in China ist, der ist nicht in der Autobranche. VW, Audi, BMW, Mercedes brauchen China und damit das Elektroauto.

Ab dem Jahr 2026 produziert BMW seine „Neue Klasse“ in seinem Werk Shenyang in China. Der neue Mini kommt in der Elektroversion aus China, der Smart auch. Der VW-Konzern baut einen neuen Standort in Anhui in hohem Tempo aus. Bis zum Jahre 2030 plant VW in Asien 30 vollelektrische Modelle. Um schneller und wettbewerbsfähiger im Markt zu sein, vergrößert der Konzern dortige Forschungs- und Entwicklungs-Zentren erheblich. Der Volkswagen China Technology Company (VCTC) wird eine Schlüsselrolle zukommen. „In China für China“ lautet die Strategie des dortigen VW-Vorstands Ralf Brandstätter. Es deutet alles darauf hin, dass es mit dem Elektroauto bei VW in der Zukunft heißt „In China für die Welt“.

Die Skalierungs-Vorteile liegen dann in China, genauso wie die besten Batterie-Preise. Die Autos der deutschen Autobauer aus China werden der deutschen Produktion überlegen sein. So wie heute bei BMW und Mercedes im Hub USA der Schwerpunkt für die weltweite SUV-Produktion liegt, wird morgen China das Hub für das Elektroauto.

Die Chancen sind groß, dass es dann vor dem Jahr 2035 in der Werbung der deutschen Autobauer heißt „German Engineering manufactured in China“. Manfred Weber, Ursula von der Leyen, Christian Lindner, Sahra Wagenknecht, die AfD – sie alle kämpfen um Kreuze auf den Stimmzetteln bei der Europawahl – und exportieren unsere Arbeitsplätze in der Autoindustrie nach China. Was erlauben Manfred Weber!

Ferdinand Dudenhöffer

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