Sonntag, 4. Juli 2021

Agnieszka Brugger auf facebook

Viele Menschen lassen sich nicht entmutigen, auch wenn die Enttäuschung bei vielen über den kürzlich von der Mehrheit des Regionalverbandes beschlossenen Regionalplan sehr groß ist. Sie machen weiter, weil es um Klimaschutz & Klimagerechtigkeit geht. Viele & auch Grüne Ravensburg waren heute bei der Demo & der Kundgebung in Ravensburg dazu unterwegs. Gut so, denn die Debatte darf hier nicht enden!

Ich verstehe die Ungeduld und auch die Unzufriedenheit vieler, gerade auch junger Menschen, die mehr Einsatz für den Erhalt unserer Lebensgrundlagen fordern, nur zu gut. Der Regionalplan wurde gegen die Stimmen der grünen Fraktion beschlossen, er legt gerade eben kein mutiges, modernes Fundament für weniger Flächenverbrauch, sondern setzt auf ein stures Weiter so. Wo wir auf der Welt hinschauen, sehen wir, welche Probleme eine solche Politik mit sich bringt und dass die Klimakrise mit ihren verheerenden Folgen real ist. 

Klar. Der Bundestag hat damit auf den ersten Blick erst einmal nicht viel mit dem Regionalplan zu tun. Und trotzdem es reicht nicht, dass Politiker*innen in Sonntagsreden das Klimaabkommen von Paris feiern. Es reicht nicht, dass endlich strengere Reduktionsziele für CO2 beschlossen werden. Es reicht nicht, wenn die Zivilgesellschaft und das Bundesverfassungsgericht mahnen. Was es braucht ist entschlossenes Handeln um auf den 1,5 Grad Pfad zu kommen. Und zwar nicht irgendwann, sondern jetzt - auf der Welt, in Europa, in Deutschland und auch hier in der Region. Wir haben keine Zeit mehr zu verlieren.



Heute-show spezial vom 25. Juni 2021 zum Thema Klimaschutz

hier geht`s zur Sendung , Immer wieder sehenswert !

Lutz van der Horst und Fabian Köster reisen durch die Republik und prüfen, wo es derzeit in Deutschland hakt und was schnell getan werden muss.
Dabei nehmen sie die Bereiche Windkraft, energetische Bausanierung und Verkehrswende genauer unter die Lupe.


hier ein Interview : Hast du einen Opa? Schick ihn nach Europa!
Frans Timmermans ist EU-Kommissar für Klimaschutz – und Fabian Köster will ihm einfach mal "danke" sagen
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"Die Hitze trifft nicht alle gleich"

 Klimafreitag / Newsletter  der Süddeutschen Zeitung vom 2.7.21

Würde man in diesen Tagen die Erde mit einem Teleskop aus dem All beobachten, man bekäme verstörende Bilder zu sehen, die bei allen unterschiedlichen Farben eines gemeinsam haben. Ein kluger Algorithmus würde sie wahrscheinlich im selben Fotoalbum ablegen, versehen mit einem nüchternen Titel wie Extremwetter.

Da wären die aufgeheizten Straßen von Portland, in den USA, wo die Trambahnen stillstanden und die Menschen sich in große Hallen flüchteten, um der Hitze zu entkommen. Da wäre Lytton, ein Dorf im Westen Kanadas, wo die Thermometer die kaum vorstellbare Temperatur von 49,6 Grad Celsius anzeigten, und kurz darauf Flammen schlugen, die ein Haus nach dem anderen niederbrannten. Da wären auch die sandigen Äcker in Madagaskar, wo die Menschen seit Wochen auf Regen warten, gefangen zwischen Staub und Hunger, in der schlimmsten Dürre seit 40 Jahren.

Drehte man das Fernglas immer weiter, zoomte ran, tauchten immer mehr solcher Bilder auf, aber schon diese drei zeigen mindestens zwei Dinge: Erstens braucht es keine dystopischen Zukunftsszenarien mehr, um der Klimakrise gewahr zu werden. Man muss nicht bis ins Jahr 2050 oder 2060 blicken – die Gegenwart reicht.

Zweitens trifft die Klimakrise schon jetzt die einen viel härter als die anderen, und wenn man genau hinsieht, erkennt man erste, leise Hinweise auf das, was noch alles auf uns zukommen wird.

In der New York Times Times zum Beispiel war von einem Mann zu lesen, der sich in diesen glühenden Tagen in Toronto in ein Fünf-Sterne-Hotel flüchtete, nach dem sein Ventilator ihm keinen ausreichenden Dienst mehr erwies. Auch von einem Anwalt, der sich in einem klimatisierten Hotelzimmer einquartierte, war die Rede, der es bei mehr als dreißig Grad Zuhause nicht mehr ausgehalten hatte.

Im Kleinen offenbart sich hier ein großer Unterschied, der überall auf der Welt die Zukunft bestimmen wird: Wer Geld hat, kann die Folgen der Klimakrise wegkonsumieren, zumindest in einem gewissen Rahmen, der kann sich nicht nur ein Hotelzimmer leisten, sondern im Zweifel auch einen Umzug, eine andere Wohnung an einem anderen Ort, eine High-Tech-Klimaanlage oder ganz basal: genügend Wasser.

Das ist besonders perfide, weil genau jene Menschen, die durch ihren Lebensstil (viele Flüge, viele Quadratmeter, viel Klimbim) bedeutend mehr Emissionen in die Atmosphäre ballern als weniger Privilegierte, sich aus einer Krise, die sie entscheidend mit verursacht haben, am besten werden herauswinden können.

Die Ökonomin Maja Göpel beschreibt in ihrem Buch „Unsere Welt neu denken“, dass Bill Gates, einer der reichsten Menschen der Erde, innerhalb eines Jahres Schätzungen zufolge das Kohlendioxidbudget von 38 Menschen aufbraucht. Jeweils nicht das eines Jahres – sondern das eines ganzen Lebens.

Auf die Ebene der Länder übertragen sieht die Sache nicht sehr anders aus: Viele Staaten, auch Deutschland, wälzen die Kosten für ihren Lebensstil geschickt auf andere ab, schicken ihren Müll auf andere Kontinente, lassen ihr Gemüse dort anbauen oder ihr Tierfutter, aber ignorieren die Folgen wie gerodete Wälder. Dennoch – oder gerade deshalb – haben sie in der Klimakrise bessere Voraussetzungen als die, denen sie die Kosten ihres Handelns ungefragt auferlegen.

Eine globale Klimakrise trifft alle gleich? Sicher nicht, spätestens die Pandemie hat uns bewiesen: In einer Welt der Ungleichheiten wird eine Krise nie alle gleich treffen.

Es braucht also politische Entscheidungen, um die Unterschiede abzumildern. Um zu verhindern, dass die einen sich in kühle Hotels zurückzuziehen, während die anderen in glühend heißen Zimmern darben. Im Kleinen wie im Großen. Passiert das nicht, wird sich die gewaltige Ungleichheit immer noch weiter verstärken, was besorgniserregend ist, und noch ein wenig mehr, wenn man diesen Text liest: Meine Kollegin Marlene Weiß und Kollege Werner Bartens erklären darin, warum Teile der Erde wohl schon früher als gedacht unbewohnbar werden könnten und auch, warum Kanada in diesen Tagen unter solch einer schweren Hitze leidet.

Die einzigen Profiteure des unaushaltbaren Temperaturrekords sind wohl übrigens die Hersteller von Klimaanlagen: In einem Video der BBC erzählt ein Unternehmer, dass er gerade viermal so viele Geräte ausliefere wie in normalen Sommern – wobei der letzte normale Sommer ja auch wirklich schon sehr, sehr lange her ist.

Ich wünsche Ihnen ein schönes Wochenende, trotz allem
Pia Ratzesberger

Die nächste Pandemie wird heiß und trocken

In einem am 17. Juni vorgestellten Report warnen die Vereinten Nationen, Dürre sei schon jetzt eine versteckte Krise, mindestens 1,5 Milliarden Menschen seien in den letzten 20 Jahren direkt davon betroffen gewesen, Tendenz steigend.

Mami Mizutori, Uno-Sonderbeauftragte für Katastrophenvorsorge, sagte im »Guardian«: »Die Dürre steht kurz davor, die nächste Pandemie zu werden, und es gibt keinen Impfstoff, um sie zu heilen. Der Großteil der Welt wird in den nächsten Jahren mit Wasserstress leben.« Die Menschheit habe seit 5000 Jahren Erfahrung mit Dürren, so Mizutori, »aber was wir jetzt sehen, ist etwas ganz anderes«.

Und in Deutschland? Auch hierzulande werden sich Starkregen, Dürren, Hitzewellen und Stürme häufen, teilte das Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK) kürzlich mit. Während es früher im Schnitt eine Hitzewelle von vier Tagen pro Sommer in Deutschland gegeben habe, seien es heute im Schnitt bereits zwei jeweils viertägige Hitzewellen und in extremen Sommern wie in den Jahren 2018 und 2019 sogar drei und mehr.


Aus dem Spiegel Klimabericht entnommen

"Bauernverband fordert mehr Klimaschutz"

aus der TAZ  hier

Wir müssen weniger Fleisch essen

Selbst der Bauernverband stimmt nun Klimaschützern zu. Das zeigt der Abschlussbericht der Zukunftskommission Landwirtschaft.

Die Zukunftskommission Landwirtschaft, an der auch der Bauernverband beteiligt war, hat wichtige Forderungen von Umwelt- und TierschützerInnen übernommen.
Das von der Bundesregierung eingesetzte ExpertInnengremium empfiehlt aus Klimaschutzgründen zum Beispiel, dass „der Konsum und damit einhergehend die Produktion tierischer Produkte zurückgehen“. Das geht aus dem Abschlussbericht hervor, den 30 große Verbände der Landwirte, Händler, Hersteller, Verbraucher, Natur- und Tierschützer sowie führende Wissenschaftler nun unterzeichnet haben.....

Die ExpertInnen einigten sich auf die Forderung, die bisher vom Bauernverband vehement verteidigten wichtigsten EU-Agrarsubventionen – die Direktzahlungen – in ihrer aktuellen Form abzuschaffen. Derzeit wird das Geld pro Hektar Agrarland gezahlt, weitgehend unabhängig davon, wie umweltfreundlich dieses bewirtschaftet wird.

Der Bauernverband unterschrieb auch die Empfehlung, Moore wieder zu vernässen, die für die Landwirtschaft trockengelegt worden sind. Denn dort werden besonders viel Treibhausgase frei. Zudem sollten Tiere besser gehalten werden. Auch eine Forderung der Gewerkschaften hat die Kommission übernommen: ErntehelferInnen und andere Saisonarbeitskräfte sollten anders als bisher „in der Regel sozialversicherungspflichtig beschäftigt“ sein.

Die umwelt- und tierfreundlichere Produktion soll der Kommission zufolge vor allem durch wirtschaftliche Anreize wie Zahlungen für Naturschutzleistungen erreicht werden. Das werde aber pro Jahr 1,5 bis 4,5 Milliarden Euro mehr kosten, als der Staat bisher für die Landwirtschaft ausgebe, so die ExpertInnen. Die Lücke wollen sie zum Beispiel durch eine Tierwohlabgabe auf Fleisch schließen: „Mittel- und langfristig dürften damit auf die Bür­ge­r:in­nen höhere Kosten für ihre Ernährung zukommen.“

Deshalb müssten einkommensschwache VerbraucherInnen entlastet werden, etwa durch eine Mehrwertsteuersenkung auf Obst und Gemüse sowie höhere Zahlungen für Lebensmittel an Hartz-IV-EmpfängerInnen. 

Laut Kommission wäre es dennoch teurer, die Landwirtschaft nicht zu ökologisieren.

.....  Greenpeace kritisierte den Abschlussbericht. Die Umweltorganisation hatte die Kommission im Frühjahr verlassen, weil die Bundesregierung die Empfehlungen der ExpertInnen nicht bei der gerade vereinbarten Reform der EU-Agrarsubventionen berücksichtigen wollte. Die Landwirtschaft müsse sich schneller ändern, als der Abschlussbericht vorgebe.

„Dieser wird bereits von der Realität überholt. So wird die aktuelle Ankündigung von Aldi, auf Billigfleisch zu verzichten, den Umbau der Ställe für eine bessere Tierhaltung beschleunigen.“ Das Klimaurteil des Bundesverfassungsgerichts lasse keine weitere Verzögerung beim Klimaschutz in der Landwirtschaft zu. „Die Klimaziele für Deutschland lassen sich nur mit einer Halbierung der Tierzahlen erreichen.“

24. September 2021: Globaler Klimastreik!

"Zusammen gehen wir auf die Straße und machen die Mehrheiten für konsequenten Klimaschutz sichtbar…

Extreme Hitze in Kanada, Überflutungen in Stuttgart und Hungersnöte in Madagaskar. Das sind die Nachrichten, die einen diese Tage erreichen - und all das im Vorfeld einer alles entscheidenden Bundestagswahl.

Die kommende Legislaturperiode ist die letzte, in der Klimamaßnahmen getroffen werden können, die uns eine lebenswerte Zukunft ermöglichen können.

Zusammen wollen wir die Relevanz dieser Wahl hervorstellen und unsere Erwartungen an die nächste Bundesregierung klarmachen.“ 


Tagelang machte die kanadische Ortschaft Lytton mit immer neuen Hitzerekorden Schlagzeilen - nun hat ein Flammeninferno die Gemeinde zerstört: In kürzester Zeit wurde der kleine Ort von einer Feuerwalze überrollt. 90 Prozent von Lytton seien abgebrannt, auch der ganze Ortskern, teilte der kanadische Parlamentsabgeordnete Brad Vis am Donnerstag mit. Mehr als 1000 Menschen mussten in aller Eile flüchten. 
aus der Süddeutschen Zeitung hier


Als es Abend wird an diesem stickig-heißen Tag, fräst der Tornado durch den tschechischen Ort Lužice. Dreckig grau rotiert die Windhose heran, brachial drückt sie Fenster von Wohnhäusern ein, deckt Dächer ab. Tonnenschwere Fahrzeuge schleudert der Sturm durch die Luft, ein Auto landet auf den klumpigen Resten eines Wirtschaftsgebäudes, von dem nur noch ein stählernes Gerüst stehen bleibt. Als es vorbei ist, brennt irgendwo ein Auto, man hört eine Alarmanlage, ein Mann tappst durch die verheerte Szenerie, die ein Handyvideo zeigt. Der Clip ist nur 45 Sekunden lang, ein Rundumblick, der sich schnell über soziale Netzwerke verbreitet. "Es ist schwer zu glauben, dass das keine Kriegsfolgen sind", schreibt eine tschechische Journalistin bei Twitter.
Das Ausmaß der Schäden in Lužice und sechs anderen Orten im südmährischen Bezirk Hodonín ist immens. In der Gemeinde Hrušky zermalmte der Sturm einen Teil des Kirchturms. Der stellvertretende Bürgermeister des Ortes, Marek Babisz, berichtete, dass der halbe Ort dem Erdboden gleichgemacht worden sei. "Geblieben sind nur die Mauern, ohne Dach, ohne Fenster", sagte er der Agentur CTK.
Der Deutsche Wetterdienst geht von Windgeschwindigkeiten zwischen 300 und 400 Kilometern pro Stunde aus. Die Intensität des Sturms könnte eine Auswirkung der menschengemachten Erderwärmung sein. 
aus der Süddeutschen Zeitung hier

Der Irak wird von einer extremen Hitzewelle erfasst, während der wiederholte Stromausfälle das heiße Wetter für viele Menschen noch unerträglicher machen. In mehreren Teilen des Landes stiegen die Temperaturen in den vergangenen Tagen auf mehr als 50 Grad Celsius. Am Freitag kamen Stromausfälle in Bagdad und weiteren Teilen des Landes hinzu, weshalb häufig auch Klimaanlagen und Wasserpumpen ausfielen. Am Samstag kam es deshalb laut Augenzeugen zu mehreren Protesten etwa nordöstlich von Bagdad sowie in Nasirija im Süden. Die Demonstranten fordern von der Regierung, die Krise rasch zu lösen.
Kölner Stadtanzeiger hier


Samstag, 3. Juli 2021

Regionalplan versaut- Zukunft geklaut - Demo am 3.7.21

 






 





Beginn der Verkehrswende?

Schwäbische Zeitung von Ulrich Mendelin, Auszüge in blau

Hermann gegen vierspurigen B-31-Ausbau am Bodensee
Verkehrsminister stellt auch neues Teilstück der A 98 infrage 

In einem Gespräch mit der „Stuttgarter Zeitung“ stellte der Grünen-Politiker gleich zwei Fernstraßenprojekte in Frage: Den Weiterbau der A 98 in Südbaden und den vierspurigen Ausbau der B 31 neu am Bodensee.

In letzterem Fall geht es um den Abschnitt zwischen Immenstaad und Meersburg. „Es ist eine vierspurige Bundesstraße auf einer neuen Trasse geplant mit zwei Standstreifen. Gleichzeitig bleibt die alte B 31 erhalten mit ihren zwei Spuren. Wir werden also sechs Fahrspuren erhalten, eine Verdreifachung der Kapazität bei gleicher Verkehrsmenge“, sagte Hermann der Zeitung. Das brauche man nicht. ......

Das zweite Projekt, das Hermann infrage stellt, ist der Bau der A98, von der bislang nur Teilstücke realisiert wurden. „Man sollte sich Gedanken machen, ob die A 98 im hochsensiblen Rheintal angesichts von Klimaschutz und Verkehrswende so weiter geplant werden muss wie vor 50 Jahren“, kommentierte Hermann in der „Stuttgarter Zeitung“. Zuständig ist er nicht - seit Anfang des Jahres ist die Autobahn GmbH des Bundes für Planung, Bau und Erhalt der Autobahnen verantwortlich. Während im westlichen Teil nahe Basel die Planungen vergleichsweise weit fortgeschritten sind, stecken sie weiter östlich, zwischen Schwörstadt und Tiengen, noch in der Frühphase - hier wäre Hermann der komplette Verzicht auf eine Autobahn am liebsten.


"Mit Tröten und Traktoren gegen den Regionalplan"

Aus der Schwäbischen Zeitung online hier

Nicht zu überhören ist der Demonstrationszug der Initiative “Zukunftsfähiger Regionalplan Bodensee-Oberschwaben”, der am Samstagvormittag in der Ravensburger Innenstadt für eine stärkere Berücksichtigung von Klima- und Nachhaltigkeitszielen im kürzlich verabschiedeten Regionalplan protestiert hat.

Voraus fahren vier Traktoren. Die Sonne scheint, die Stimmung ist gut und bummelnde Passanten hören Tröten, Fahrradklingeln, Kuhglocken und Sprechchöre wie etwa “der Plan ist Schrott” und “Alti bleibt”. So nennen die Demonstranten den Altdorfer Wald, von dem ein Teil für Kiesabbau abgeholzt werden soll. “Zukunft = Mitgefühl” steht auf einem der zahlreichen Banner.

Viele junge Menschen sind gekommen, aber auch ältere Generationen sind vertreten. Sogar ein paar Kinder halten eifrig ihre grünen Fähnchen in die Luft. Die Veranstalter sprechen von insgesamt etwa 300 Teilnehmern, die Polizei von circa 130. ....

An einer besonderen Stelle macht der Demonstrationszug einen kurzen Stopp: an der Ecke Obere Breite Straße/Schussenstraße. Hier, wo vor kurzem schon mal ein Baum besetzt wurde, kam es erneut zu einer Besetzung. Nun findet an diesem Ort die erste angemeldete Baumbesetzung statt. Mit der symbolischen Aktion möchte der 18-jährige Klimaaktivist Samuel Bosch zeigen, dass “die Aktion damals auch legal” war.

Wolfgang Ertel, Aktivist und Professor für Künstliche Intelligenz an der Hochschule Ravensburg-Weingarten steht unter dem Baum und sagt über den Plan: “Er basiert auf falschen und veralteten Statistiken, die davon ausgehen, dass die Regionen in den nächsten 15 Jahren stark wachsen müssen.” 







Freitag, 2. Juli 2021

Tempolimit - Einsparung auf Länderniveau

Aus dem Tagesspiegel   mit einer Folge Gradmesser  hier

das ist nur ein Bild - hier geht`s zur Seite


In der Studie des UBA heißt es, die Begrenzung der Geschwindigkeit in Form eines generellen Tempolimits auf Bundesautobahnen würde die Klimawirkung des Verkehrs verringern. „Im Jahr 2018 verursachten Pkw und leichte Nutzfahrzeuge auf Bundesautobahnen in Deutschland Treibhausgasemissionen in Höhe von rund 39,1 Millionen Tonnen Kohlendioxid-Äquivalente (CO2-Äquivalente). Durch die Einführung eines generellen Tempolimits von 130 km/h auf Bundesautobahnen würden die Emissionen um jährlich 1,9 Millionen Tonnen CO2-Äquivalente reduziert.“

Ein Tempolimit von 120 km/h würde die Treibhausgasemissionen demnach bereits um 2,6 Millionen Tonnen, ein Tempolimit von 100 km/h sogar um 5,4 Millionen Tonnen CO2-Äquivalente pro Jahr mindern. „Damit könnte die Einführung eines generellen Tempolimits auf Bundesautobahnen zur Erreichung des Klimaschutzzieles für den Verkehr im Jahr 2030, wie es im Bundes-Klimaschutzgesetz festgelegt ist, beitragen – und zwar bereits kurzfristig und ohne nennenswerte Mehrkosten. Gleichzeitig würden auch Lärm- und Schadstoffemissionen zurückgehen und die Verkehrssicherheit erhöht, so das UBA.


R. Steurer ist Professor vom Institut für Wald-, Umwelt- und Ressourcenpolitik der Universität für Bodenkultur in Wien


USA und Kanada : Hitze, wie sie kein Mensch länger aushält

Süddeutsche Zeitung  hier

Experten sagen: Es ist kein Zufall, dass ein Hitzerekord nach dem anderen fällt. Und die Hitzewellen, die in den vergangenen Wochen Teile der Welt erfasst haben, legen die Frage nahe: Werden Teile der Welt noch früher als angenommen unbewohnbar sein?

Laut einer 2020 in Science Advances erschienenen Studie wird schon heute immer häufiger in einzelnen Regionen die Toleranzgrenze des menschlichen Körpers überschritten, was den kombinierten Wert von Hitze und Luftfeuchtigkeit angeht. Demnach könnten Teile der Welt noch früher als angenommen tatsächlich zeitweise unbewohnbar werden, wenn nicht entsprechende Anpassungsmaßnahmen ergriffen werden.

Im August 2003 kamen bei einer Hitzewelle in Europa bis zu 50 000 Menschen um, besonders in Frankreich. Eine ungeheure Zahl, die jedoch verblasst angesichts aktueller Warnungen der WHO. Sie prognostiziert 250 000 zusätzliche Hitzetote - und zwar jedes Jahr.



Auszug aus der Schwäbischen Zeitung kürzlich

CDU-Logik pur  als Maßnahme: Aufruf zum Umbau von Krankenhäusern und Pflegeheimen.

Kein Verleugnen der Krise, aber Maßnahmen zur Einschränkung der Klimakrise werden von prominenter und Entscheidungsbefugter Seite weder angedacht noch gefordert.
Wer soll es denn angehen, wenn selbst unsere Führungsriege den Kopf in den Sand steckt ?

Aussitzen ist keine Option in einer Krise!
Macht endlich was!

Protest gegen den Regionalplan geht weiter


In der Schwäbischen Zeitung kam heute unsere Pressemitteilung dazu:

Die „Initiative für einen zukunftsfähigen Regionalplan“ will ihren Widerstand gegen das Konzept auch nach dem Beschluss der Verbandsversammlung nicht aufgeben. Am Samstag ab 10 Uhr ist eine Demo in Ravensburg mit Start am Bahnhof geplant.

Laut den Klimaschützern werden sich an der Demonstration auch Landwirte beteiligen, die mit Traktoren vom Bahnhof bis zum Regionalverband fahren wollen. Das „Fußvolk“ läuft vom Bahnhof über die Karlstraße, über Frauentor und Marienplatz zum Regionalverband, wo es eine Kundgebung geben soll. Bei der Querung des Wochenmarktes und am Hirschgraben gilt Maskenpflicht. Der Veranstalter erwartet laut Stadt Ravensburg rund 300 Teilnehmer.

Der Beschluss zum Regionalplanentwurf hinterlasse bei „Menschen, die um die Einhaltung von Klima- und Nachhaltigkeitszielen kämpfen, große Enttäuschung und Unverständnis“, heißt es in einer Presseerklärung der Initiative.

Der Plan sei „eine historische Hiobsbotschaft für die Region Bodensee-Oberschwaben“. Die Klimakrise und ihre Folgen seien jetzt schon in Form von Wetterextremen auch in Oberschwaben deutlich spürbar. Und weiter: „Mit jedem Monat, in dem unzureichende oder gar keine Maßnahmen ergriffen werden, steigen die wirtschaftlichen und sozialen Kosten der Umweltkrise immer weiter an, wird die Zukunft unserer Kinder und Enkelkinder sehenden Auges weiter verspielt.“

Alternativen für eine zukunftsfähige Raumplanung hätten „die Umweltverbände und viele weitere Verbände sowie Einzelpersonen im Verlauf der aktuellen Regionalplanung zur Genüge aufgezeigt“, so die „Initiative für einen zukunftsfähigen Regionalplan“.



Erste angemeldete Baumbesetzung in Ravensburg

Diese Pressemitteilung wurde vom Ravensburger Spectrum verbreitet hier

Die Ortsgruppe Ravensburg der KlimalisteBW und das Klimacamp Ravensburg laden zur ersten angemeldeten Baumbesetzung am Ursprungsort des ersten Baumhauses in der Schussenstraße am Samstag, den 03.07.2021 um 10 Uhr ein. 

Ravensburg, 30. Juni 2021. 

Die Klimaliste Baden-Württemberg (KlimalisteBW) setzt sich in Kooperation mit dem Klimacamp Ravensburg weiter für einen zukunftsfähigen Regionalplan und ein klimagerechtes Ravensburg ein. Die KlimalisteBW sieht sich in ihrem Wunsch nach Sofortmaßnahmen zur Eindämmung der Klimakrise durch das jüngste Urteil des Bundesverfassungsgerichts bestätigt. Das Gericht hatte beschlossen, dass die bisherigen Klimaschutzmaßnahmen unzureichend sind, da sie die Freiheit zukünftiger Generationen unverhältnismäßig einschränken. 

Nach Ansicht der KlimalisteBW hat die Bundesregierung mit ihrem neuen Klimaschutzgesetz darauf nur unzureichend reagiert – obwohl auch die wissenschaftlichen Fakten sofortiges Handeln erforderlich erscheinen lassen. Jüngst wurde in Pfullendorf der Regionalplan für die Region Bodensee-Oberschwaben-Sigmaringen mit einer Mehrheit des RVBO angenommen und damit eine Zukunftsplanung beschlossen, die die wissenschaftlichen Erkenntnisse und politischen Forderungen zur Einhaltung der Pariser Klimaziele weit verfehlt. Die ablehnende Haltung der Stadt gegenüber Maßnahmen zur Klimarettung lässt sich auch am Verhalten gegenüber den Aktivisti des Klimacamps Ravensburg ablesen, die sich mit Aktionen für mehr Klimagerechtigkeit und gegen einen „Klima-Höllen-Plan“ einsetzen. 

Da insbesondere die Besetzung der städtischen Bäume und die damit verbundene Kriminalisierung der Aktivisti zuletzt für Unmut gesorgt hatte, lädt die Ortsgruppe der KlimalisteBW in Kooperation mit dem Klimacamp Ravensburg zur ersten angemeldeten Baumbesetzung am Samstag, den 03.07.2021 um 10 Uhr in die Schussenstraße/Obere Breite an den Ort der ersten Baumhausbesetzung zur Kundgebung ein. Um 10:30 Uhr erfolgt der Zusammenschluss mit dem Demonstrationszug der Initiative „Zukunftsfähiger Regionalplan Bodensee-Oberschwaben“ um eine weitere Kundgebung vor dem Gebäude des Regionalverbandes BO abzuhalten. 

Die KlimalisteBW erklärt sich solidarisch mit den Forderungen des Klimacamps Ravensburg. Bezüglich des Regionalplans schließt sich die Ortsgruppe uneingeschränkt den Forderungen des Aktionsbündnisses für einen zukunftsfähigen, wissenschaftlich basierten Regionalplan und einen Erhalt des Altdorfer Waldes an. Ravensburg sei eine lebenswerte Stadt. Damit dies so bleibe, müssten sich die Verantwortlichen jetzt den wissenschaftlichen und gesellschaftlichen Herausforderungen unserer Zeit stellen. Dafür setzt sich die KlimalisteBW auf allen politischen Ebenen ein.

„Das Verfahren litt unter Ämterhäufung“

Zum Bericht „Regionalplan trotz Kritik beschlossen“ (SZ vom 26. Juni):

Der neue Regionalplan könnte gegen das neue Klimaschutzgesetz verstoßen, das eine höhere CO-Einsparung vorschreibt. Am 16. Juni war eine Sitzung des Planungsausschusses der Regionalversammlung angesetzt. Tagesordnung unbekannt. Dazu die „Schwäbische Zeitung“: „Daniel Rapp, Fraktionsvorsitzender der CDU in der Regionalversammlung, hatte den Antrag gestellt, noch nicht abzustimmen, weil zahlreiche Unterlagen erst sehr kurzfristig, teilweise als Tischvorlagen, kamen und die Kommunalpolitiker noch keine Chance hatten, diese richtig durchzulesen.“

Obschon diese Mitteilung Fragen offen lässt, ist davon auszugehen, dass die Schlussabstimmung am 25. Juni ohne Aussprache über die Vorlagen vom 16. Juni erfolgte. Dazu dürfte auch die Stellungnahme des neuen Ministeriums für Landesentwicklung gehören, die laut “Schwäbischer Zeitung“ „tatsächlich einiges kritisiert“. Rechtlich bedenklich erscheint auch der „Schwäbische Zeitung“-Bericht über eine Stellungnahme der IHK, die zu den Vertretern öffentlicher Interessen gehören dürfte, zum Regionalplan einen Tag vor der entscheidenden Abstimmung.

Zweifellos hat das ganze Verfahren erhebliche, nicht einklagbare, aber folgenreiche politische Mängel. Der Streit um den Klimawandel wird weitergehen. Die Verweigerung von Kompromissen war ein Fehler der CDU/FW/Bürgermeister-Fraktion. Das Verfahren litt unter der Ämterhäufung. Die Möglichkeit für die Bürgermeister, sich in den Kreistag wählen zu lassen, schwächt die Demokratie und macht aus ihr auch in den Landkreisen ein Bürgermeisterregiment.

Es würde die Demokratie stärken, wenn der Gesetzgeber diese Möglichkeit abschaffen würde. Zu kritisieren ist auch das schwache Auftreten der Opposition in der Verbandsversammlung. Die „Schwäbische Zeitung“ schreibt dazu: „Grüne und ÖDP schlugen vor, den Beschluss über die Fortschreibung noch einmal zu verschieben und das Land als Mediator einzuschalten.“ Letzteres ist zu vergessen, es bleibt die Frage, warum Grüne/ÖDP keinen Antrag stellten und auf Abstimmung verzichteten.

Albert Hagn, Ravensburg


Anmerkung
Da hat Herr Hagn sich leider auf die Berichterstattung der Schwäbischen Zeitung berufen.
Tatsächlich haben Grüne/ÖdP eine 3. Offenlage gefordert unter Berücksichtigung von Klimaschutzzielen sowie Einbindung der Wissenschaftlichen Gutachten und Einwendungen.

Der Antrag 
hier wurde mehrheitlich abgelehnt, die 3 Fraktionen CDU,FW und SPD wollten keinesfalls eine 3. Offenlage zulassen.

Bilder vom KlimaCamp gibt es jetzt auch bei Flickr  hier 
Cecile Lecomte hat das Album #AltiBleibt eingerichtet

Donnerstag, 1. Juli 2021

 Südkurier  hier

Zu wenig Flächen für Gewerbeentwicklung: Standort Hirschlatt bleibt im Regionalplan

Die Stadt Friedrichshafen ist dagegen. Trotzdem stehen im nun beschlossenen Regionalplan die umstrittenen 30 Hektar in Hirschlatt als potenzielles Gewerbegebiet drin. Warum das letzte Wort hier trotzdem noch nicht gesprochen ist.















Nachdem Hr. Wölfle sich daraufhin  in üblicher Weise  über die Verknappung der Potentialflächen ausgelassen hat kommt er endlich zu einem wesentlichen Punkt, der etwas Hoffnung macht:



"Regionalplan-Beschluss hinterlässt „Enttäuschung und Unverständnis“

 Südkurier hier  von Katy Cuko katy.cuko@suedkurier.de, Auszüge in blau

Die Entscheidung des Regionalverbands sorgt bei den Bundestagskandidaten der Grünen und bei der Initiative Zukunftsfähiger Regionalplan einen schalen Nachgeschmack. Die Industrie- und Handelskammer hingegen sieht darin ein positives Signal

Regionalplan-Beschluss polarisiert

Als „historische Hiobsbotschaft für die Region“ bezeichnet Barbara Herzig für die Initiative Zukunftsfähiger Regionalplan die Entscheidung des Regionalverbands Bodensee-Oberschwaben (RVBO). Der hatte am vergangenen Freitag mit großer Mehrheit den Regionalplan für die nächsten 15 Jahre verabschiedet -und damit die Grundlage für den künftigen Flächenverbrauch geschaffen. Der Verband verfehle die Klima- und Nachhaltigkeitsziele in der Raumplanung. Das Votum hinterlasse bei den Menschen, die um deren Einhaltung kämpfen, „große Enttäuschung und Unverständnis“, so Herzig.

Demonstrationszug geplant

siehe dazu die Pressemitteilung des Bündnisses  hier

Genauso enttäuscht über den Beschluss äußern sich die vier grünen Landtagsabgeordneten Andrea Bogner-Unden (Wahlkreis Sigmaringen), Martin Hahn (Bodenseekreis), Petra Krebs (Wahlkreis Wangen-Illertal) und Manne Lucha (Wahlkreis Ravensburg). „Anreize zum Flächensparen? Fehlanzeige! Diese Entscheidung im Weiter-So-Modus wird den Flächenverbrauch bei uns nur weiter vergrößern“, heißt es in einer gemeinsamen Stellungnahme.

siehe dazu die Pressemitteilung der Landtagsgrünen  hier

IHK lobt „weitsichtige Entscheidung“

In der Entscheidung zum Regionalplan sieht die Industrie- und Handelskammer Bodensee-Oberschwaben (IHK) hingegen ein positives Signal. „Es ist eine verantwortungsvolle und weitsichtige Entscheidung ganz im Sinne der Region und nicht gegen sie“, so IHK-Präsident Martin Buck.

das glauben wir auch ganz ohne Pressemitteilung

Pressemitteilung Landtags-Grüne

 Überlingen, 25.6.2021

Gemeinsame Mitteilung für die Medien der grünen Landtagsabgeordneten im Gebiet des Regionalverbands Bodensee-Oberschwaben Andrea Bogner-Unden (Wahlkreis Sigmaringen), Martin Hahn (Bodenseekreis), Petra Krebs (Wahlkreis Wangen-Illertal) und Manne Lucha (Wahlkreis Ravensburg)

 Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Redaktion,

Zur heutigen Entscheidung der Verbandsversammlung des Regionalverbands Bodensee-Oberschwaben, den Regionalplan zu verabschieden, nehmen die vier grünen Landtagsabgeordneten Andrea Bogner-Unden (Wahlkreis Sigmaringen), Martin Hahn (Bodenseekreis), Petra Krebs (Wahlkreis Wangen-Illertal) und Manne Lucha (Wahlkreis Ravensburg) wie folgt Stellung:

„Wir Grüne sind enttäuscht von der Entscheidung des Regionalverbands. Anreize zum Flächensparen? Fehlanzeige! Diese Entscheidung im Weiter-So-Modus wird den Flächenverbrauch bei uns nur weiter vergrößern. Dabei wäre es so wichtig gewesen, dass die Region Bodensee-Oberschwaben mit diesem Beschluss ihren Teil zum Klimaschutz beiträgt.

Klar ist: Mit dieser Entscheidung distanziert sich die Region vom Einhalten des 1,5-Grad-Ziels des Pariser Klimaabkommens – die Auswirkungen bekommen die vom Aussterben bedrohten Pflanzen und Tierarten direkt in unserer Heimat zu spüren. 

Wir setzen nun auf die Kommunen und appellieren an sie, alle Möglichkeiten auszuschöpfen, die der Regionalplan bietet, um in Zukunft sorgsam mit Flächen umzugehen. Möglichkeiten gibt es viele - zum Beispiel Gewerbegebiete besser zu nutzen, Brachflächen zu aktivieren oder platzsparende Bauweisen bei ausgewiesenen Wohngebieten mitzudenken.

Die Landesregierung wird den Landesentwicklungsplan neu aufstellen. Dieser gibt die Rahmenbedingungen für die Regionalpläne vor. Schwerpunkte des Landesentwicklungsplans werden sein: günstiger Wohnraum, die ökologische Verkehrswende, der Ausbau der Erneuerbaren Energie, Klimaschutz und die Eindämmung des Flächenverbrauchs.

Dies sind auch die Forderungen zahlreicher Bürgerinnen und Bürger in der Region, die dafür auf die Straße gehen. Ihren Einsatz für eine nachhaltige und ökologische Zukunft der Region können wir nur befürworten – natürlich müssen bei den Protesten die geltenden Gesetze eingehalten werden. Wir Abgeordneten setzen uns ein für eine ökologisch verantwortliche Weiterentwicklung unserer Region, für Mensch, Wirtschaft und Natur gleichermaßen“.

Mit freundlichen Grüßen

Martin Hahn

Besuch vom "Eichhörnchen"

Am 23.6. gab  es Vorträge in der Altdorfer Waldbesetzung von Cécile Lecomte, einer in Deutschland lebenden französische Umweltaktivistin, die sich insbesondere in der Antiatomkraftbewegung engagierte. Und obwohl sie auf einen Rollstuhl angewiesen ist, hat sie sich  mit diversen Kletteraktionen engagiert und wurde in der Kreativaktivistiszene international als "Das Eichhörnchen" bekannt.

Aus ihrem Buch: "Kommen Sie da runter!", hatte sie vorgelesen.







"Neuer Supermarkt für Baindt"

Schwäbische Zeitung von Philipp Richter, Auszüge in blau

In Baindt gibt es jetzt auch einen Vollsortimenter. .....

Seit 2018 ist klar, dass sich die Supermarktkette Feneberg aus Kempten in Baindt ansiedeln wird. ....Eine wichtige Rolle spielte dabei die Entwicklung des Fischerareals, das die Gemeinde kaufte und jetzt zu einem neuen Wohnquartier mit Geschosswohnungsbau entwickeln wird. Dort soll Wohnraum für 150 bis 200 Personen entstehen. Des Weiteren wird die Gemeinde durch die neuen Baugebiete weiter stark wachsen.

Oberschwaben hat offenbar Bedarf an vielen Supermärkten. In nächster Nachbarschaft, in Baienfurt, gibt es einen Rewe-Markt und den Discounter Penny. Zudem wird beim neuen Baugebiet im Altdorfer Ösch in Richtung Weingarten ein Aldi entstehen, gegen den es in den vergangenen Tagen schon Proteste von Klimaaktivisten gab. Sie brachten auf einem Baukran ein Banner an. Auf dem stand: „Flächenversiegelung stoppen, Klimahöllenplan kippen“.



Aber auch in der Gemeinde Wolpertswende .....Höchst wahrscheinlich könnte sich dort ein Edeka-Markt ansiedeln.

In Rotheidlen in der Gemeinde Bodnegg wird Feneberg auch noch einen Supermarkt bauen. 

Kurz berichtet in der Schwäbischen Zeitung:
Naturschutzorganisation „Robin Wood“ unterstützt Protest im Altdorfer Wald

Die deutsche Umwelt- und Naturschutzorganisation „Robin Wood“, die sich für Klimaschutz und den Erhalt von Wäldern einsetzt und als „gewaltfreie Aktionsgemeinschaft“ versteht, stellt sich hinter den Protest gegen den geplanten Kiesabbau im Altdorfer Wald. Das geht aus einem Blogbeitrag auf der Internetseite der Organisation vom 25. Juni hervor. Diese sieht den Altdorfer Wald durch den Kiesabbau bedroht.

In dem entsprechenden Beitrag heißt es: „Robin Wood verurteilt die Pläne zum Kiesabbau im Altdorfer Wald. Diese Umweltkatastrophe sollte unbedingt vermieden werden. Wälder und wichtige Wasserquellen müssen geschützt werden.“ Die Organisation geht auf die Bedeutung des Waldes in Zeiten des Klimawandels für Mensch und Natur ein und weist auf den Trinkwasserspeicher hin. Außerdem rief „Robin Wood“ die Verbandsversammlung des Regionalverbandes Bodensee-Oberschwaben dazu auf, das Abbaugebiet aus dem Regionalplan zu nehmen.

Die Verbandsversammlung hatte den Regionalplan trotz eines Antrags der Bürgermeister aus Vogt und Wolfegg am vergangenen Freitag mehrheitlich als Satzung verabschiedet. Jetzt wird der Regionalplan in Stuttgart geprüft. Sollte er rechtskräftig werden, kann der Kiesunternehmer beim Landratsamt Ravensburg einen Genehmigungsantrag stellen. Bis zu einem möglichen Neuaufschluss der Kiesgrube können jedoch noch etwa drei Jahre ins Land ziehen.

Klimakrise: CO2-Entnahmen haben weniger Wirkung als CO2-Emissionen

Golem hier

Nur die Einsparung von Kohlendioxid-Emissionen wird den Klimawandel stoppen. Die Wirkung von Kohlendioxid-Entnahme ist nämlich begrenzt. 

Weg mit dem Kohlendioxid: Um den Klimawandel und die Erderwärmung aufzuhalten, muss der Anteil des Kohlendioxids in der Atmosphäre verringert werden. Doch das ist schwieriger als gedacht.

Bisher galt die Annahme, dass die Entnahme von einer Tonne des Gases die Emissionen von einer Tonne ausgleichen. Laut einer aktuellen Studie, die in der Fachzeitschrift Nature Climate Change erschien, ist das wahrscheinlich ein Fehlschluss.

Ein Team von Simon Fraser University in Burnaby in der kanadischen Provinz British Columbia hat die Auswirkungen von sogenannten negativen Emissionen, etwa durch das Anpflanzen von Bäumen in großer Zahl oder das Carbon Capture and Storage (CCS), also das Abscheiden von Kohlendioxid und das anschließende Speichern im Untergrund, untersucht. Es nutzte Klimamodell-Simulationen, um die Auswirkungen von Kohlendioxid-Emissionen und -Entnahmen festzustellen.

Es gibt eine Asymmetrie von Emissionen und Entnahmen

Dabei habe sich eine Asymmetrie gezeigt: Emissionen seien effektiver darin, die Konzentration von Kohlendioxid in der Atmosphäre zu erhöhen, als Entnahmen darin, sie zu senken, sagte die deutsche Klimaforscherin Kirsten Zickfeld, die das Projekt leitete. "Aufgrund der Komplexität des Erdsystems sind die Dinge nicht so einfach wie 'eine Tonne CO2 hinein entspricht einer Tonne CO2 heraus'."

Grund dafür sind laut Zickfeld die komplexen Wechselwirkungen, die die Kohlendioxid-Konzentration in der Atmosphäre auf den globalen Kohlenstoff-Kreislauf haben. So nehmen Pflanzen bei Wachstum zwar Kohlendioxid auf, aber nicht unbegrenzt. Es scheint eine Obergrenze der Aufnahme zu geben: Trotz einer höheren Kohlendioxid-Konzentration in der Atmosphäre steigt die Aufnahme der Pflanzen nicht weiter. Auch die Fähigkeit des Ozeans, Kohlendioxid aufzunehmen, verringert sich bei höheren Konzentrationen in der Atmosphäre.


"Neue Straßen müssen in den Klima-Check"

Stuttgarter Zeitung  hier

Verkehrsminister Hermann kritisiert Autobahnbau 

Verkehrsminister Hermann hat im Gespräch mit unserer Zeitung zwei Straßenbauprojekte des Bundes in Baden-Württemberg kritisiert: den vierspurigen Bau der B 31 am Bodensee und den Neubau der A 98.


leider nur als Schlagzeile verfügbar, aber Ravensburger Spectrum hat noch eine andere Wissens-Quelle entdeckt, bei der man mehr erfährt:  hier

Tagesspiegel  hier

Hitzerekord von 49,5 Grad und 486 Tote in Kanada „Der Klimawandel macht das Unmögliche wahrscheinlich“

mit Gradmesser Podcast

"Technik wird die Klimakrise nicht lösen"

 Krautreporter hier  von James Dyke mit Robert Watson und Wolfgang Knorr

Manchmal kommt die Erkenntnis blitzschnell. Verschwommene Umrisse nehmen Gestalt an, plötzlich ergibt alles einen Sinn. Aber dem voraus geht oft ein viel langsamerer Abwägungsprozess: Im Unterbewusstsein wachsen die Zweifel, ob die Dinge zusammenpassen. Bis etwas klick macht und stimmt – oder vielleicht zerbricht.

Zusammengenommen haben wir drei Autoren dieses Artikels wohl mehr als 80 Jahre damit verbracht, über den Klimawandel nachzudenken. Warum also hat es so lange gedauert, bis wir uns zu den offensichtlichen Gefahren des Konzepts der Klimaneutralität – Netto-Null genannt – zu Wort melden? Zu unserer Verteidigung: Die Grundannahme von Netto-Null ist einfach, täuschend einfach – und wir geben zu, dass sie selbst uns in die Irre geführt hat.

Der Klimawandel ist eine direkte Folge davon, dass sich zu viel Treibhausgase, in erster Linie Kohlendioxid (CO2), in der Atmosphäre befinden. Daraus folgt: Wir müssen aufhören, mehr davon auszustoßen, und sogar CO2 entfernen.

Diese CO2-Entfernung ist zentraler Bestandteil des aktuellen Plans, eine Katastrophe auf der Erde zu verhindern. Für die Umsetzung gibt es viele Vorschläge, von der massenhaften Anpflanzung von Bäumen bis hin zu Hightech-Geräten, die Kohlendioxid aus der Luft absaugen.

Derzeit herrscht Einigkeit darüber, dass wir die globale Erwärmung schneller stoppen können, wenn wir Kohlendioxid mit bestimmten Techniken entfernen und gleichzeitig die Nutzung von Brennstoffen wie Kohle, Erdöl und Gas reduzieren. So werden wir hoffentlich um die Mitte dieses Jahrhunderts die „Netto-Null“, also die Klimaneutralität erreichen. Das ist der Punkt, an dem alle verbleibenden Emissionen von Treibhausgasen durch Technologien ausgeglichen werden, die diese aus der Atmosphäre entfernen.

Theoretisch ist das eine tolle Idee. Leider trägt sie in der Praxis dazu bei, den Glauben an eine technologische Lösung aufrechtzuerhalten. Die Dringlichkeit nimmt ab, die Emissionen jetzt einzudämmen.

Wir glauben, dass die Idee der Netto-Null-Emissionen einen rücksichtslosen, leichtfertigen Ansatz zugelassen hat nach dem Motto: „Jetzt verbrennen, später bezahlen.“ Mit der Folge, dass der CO2-Ausstoß weiter angestiegen ist. Diese Idee hat auch die Zerstörung der Natur durch ständig steigende Abholzung beschleunigt und das Risiko erhöht, dass diese Zerstörung in der Zukunft weitergeht.

Um zu verstehen, wie es dazu kommen konnte, dass die Menschheit ihre Zivilisation auf der Basis von Versprechen künftiger Lösungen aufs Spiel gesetzt hat, müssen wir in die späten 1980er Jahre zurückkehren. Damals war auf internationaler Bühne erstmals vom Klimawandel die Rede.

1988 hätten die Menschen die Klimakrise noch verhindern können

......Leider haben sie (Anmerkung: die Modelle) auch die Notwendigkeit für tiefgreifendes kritisches Denken beseitigt. Solche Modelle stellen die Gesellschaft als ein Netz von idealtypischen, emotionslosen Käufern und Verkäufern dar und ignorieren damit komplexe soziale und politische Realitäten oder sogar die Auswirkungen des Klimawandels selbst. Sie gehen davon aus, dass marktbasierte Ansätze immer funktionieren werden. Folglich beschränkten sich die Diskussionen über politische Maßnahmen auf das, was für die Politiker am bequemsten war: Sie änderten schrittweise Gesetze und Steuern.

Ungefähr zu der Zeit, als die Modelle entwickelt wurden, gab es Bestrebungen, die USA zu Klimaschutzmaßnahmen zu bewegen, indem man ihnen erlaubte, die Kohlenstoffsenken der Wälder ihres Landes anzurechnen. Das Argument der USA war: Bei guter Bewirtschaftung der Wälder sind sie in der Lage, eine große Menge an Kohlenstoff in Bäumen und Böden zu speichern. Diese Menge sollte von ihren CO2-Einsparzielen abgezogen werden....

Wer eine Zukunft mit mehr Bäumen postuliert, könnte die Verbrennung von Kohle, Öl und Gas in der Gegenwart ausgleichen. Da Modelle leicht Zahlen ausspucken konnten, die den Kohlendioxidgehalt so weit sinken ließen, wie man wollte, konnten immer ausgefeiltere Szenarien erforscht werden. Gleichzeitig nahm die wahrgenommene Dringlichkeit ab, den Verbrauch fossiler Brennstoffe zu reduzieren. Durch die Einbeziehung von Kohlenstoffsenken in klimaökonomische Modelle wurde die Büchse der Pandora geöffnet.

An dieser Stelle entstand die heutige Netto-Null-Politik.

„Es war für mich ein echter Schock zu erkennen, dass ich persönlich zur Netto-Null-Falle beigetragen haben muss. ......Aber da keiner der Co-Autoren unserer Studie ein Experte war, haben wir nicht berücksichtigt, wie viele dieser künstlichen Senken nötig wären, um unser Wirtschaftssystem aufrechtzuerhalten oder ob es überhaupt technisch möglich wäre, sie zu schaffen.“
Wolfgang Knorr,
leitender Wissenschaftler für Physische Geografie und Ökosystem-Wissenschaften an der Universität Lund, Schweden

Mitte der 1990er Jahre lag das Hauptaugenmerk jedoch auf der Steigerung der Energieeffizienz und der Umstellung auf andere Energieträger (zum Beispiel der Umstieg von Kohle auf Gas) sowie auf dem Potenzial der Atomenergie, große Mengen an kohlenstofffreiem Strom zu liefern. Solche Innovationen würden hoffentlich den Anstieg der Emissionen fossiler Brennstoffe schnell umkehren.

Doch um die Jahrtausendwende zeigte sich: Diese Hoffnungen waren vergeblich. Angesichts der Kernannahme eines stufenweisen Wandels wurde es für ökonomische Klimamodelle immer schwieriger, gangbare Wege zu finden, um einen gefährlichen Klimawandel zu vermeiden. Als Reaktion darauf begannen die Modellierer, immer mehr Beispiele für die Abscheidung und Speicherung von Kohlendioxid einzubeziehen. CO2 sollte aus Kohlekraftwerken aufgefangen und dann tief unter der Erde für unbestimmte Zeit gespeichert werden.

Dass dies grundsätzlich möglich ist, zeigte eine Reihe von Projekten seit den 1970er Jahren. Dabei wurde komprimiertes Kohlendioxid von fossilem Gas getrennt und dann in den Untergrund gepresst. Ziel dieser „Enhanced Oil Recovery“-Programme war eigentlich, Gase über Bohrlöcher einzuspeisen, damit das Öl zu den Bohrtürmen gedrückt wird und so mehr gefördert werden kann – Öl, das später verbrannt wird, wodurch noch mehr Kohlendioxid in die Atmosphäre gelangt.

Die Weiterentwicklung „Carbon Capture and Storage“ (CCS) bot den Dreh, das Kohlendioxid nicht mehr zur Förderung von Öl zu verwenden, sondern im Untergrund zu belassen und es aus der Atmosphäre zu entfernen. Diese angeblich bahnbrechende Technologie sollte klimafreundliche Kohle und damit die weitere Nutzung dieses fossilen Brennstoffs ermöglichen. Doch lange bevor die Welt Zeuge eines solchen Vorhabens wurde, war der hypothetische Prozess bereits in klimaökonomische Modelle eingeflossen. Am Ende bot die bloße Aussicht auf Kohlenstoffabscheidung und -speicherung den politischen Entscheidungsträgern einen Ausweg, die dringend benötigte Verminderung des Treibhausgasausstoßes zu verschieben.

Der Aufstieg der Netto-Null (oder: 2009 sollte Biomasse als „Senke“ das Klima retten)

Als sich die internationale Klimagemeinschaft 2009 in Kopenhagen traf, war klar: Kohlenstoffabscheidung und -speicherung würde aus mehreren Gründen nicht ausreichen. Niemand hatte Anlagen zur Abscheidung und Speicherung von Kohlendioxid in einem Kohlekraftwerk in Betrieb. Es war auch nicht abzusehen, dass diese Technologie in naher Zukunft irgendeinen Einfluss auf die steigenden Emissionen aus der zunehmenden Nutzung von Kohle haben würde.

Das größte Hindernis für die Umsetzung waren im Wesentlichen die Kosten. ..

Da die Hoffnungen auf eine Lösung der Klimakrise wieder schwanden, war ein weiteres Wundermittel gefragt. Es musste eine Technologie her, die den Anstieg der Kohlendioxidkonzentration in der Atmosphäre nicht nur verlangsamt, sondern sogar umkehrt. Folglich griffen die klimaökonomischen Modellierer – die bereits in der Lage waren, pflanzliche Kohlenstoffsenken und geologische Kohlenstoffspeicher in ihre Modelle einzubeziehen – zunehmend auf die „Lösung“ zurück, diese beiden Auswege aus der CO2-Misere zu kombinieren.

So wurde die Bioenergie-Kohlenstoffabscheidung und -speicherung (Bioenergy Carbon Capture and Storage, BECCS) schnell zur neuen Rettungstechnologie. Indem man „austauschbare“ Biomasse wie Holz, Feldfrüchte und landwirtschaftliche Abfälle anstelle von Kohle in Kraftwerken verbrennt und dann das Kohlendioxid aus dem Schornstein des Kraftwerks abfängt und unterirdisch speichert, könnte BECCS Strom erzeugen und gleichzeitig Kohlendioxid aus der Atmosphäre entfernen.....

Mit dieser neuen Lösung in der Hand gruppierte sich die internationale Gemeinschaft nach wiederholten Misserfolgen neu, um einen weiteren Versuch zu starten, unsere gefährlichen Eingriffe in das Klima einzudämmen. Die Bühne war bereitet für die entscheidende Klimakonferenz 2015 in Paris.

Im Jahr 2015 kommen Zweifel an den Fantasiewelten auf

....Nach wochenlangen, zermürbenden Verhandlungen auf höchster Ebene war in Paris endlich ein Durchbruch erzielt worden. Wider Erwarten hatte sich die internationale Gemeinschaft nach Jahrzehnten der Fehlstarts und Misserfolge endlich darauf geeinigt, das Nötige zu tun, um die globale Erwärmung auf deutlich unter 2 Grad Celsius, am besten auf höchstens 1,5 Grad Celsius gegenüber dem vorindustriellen Niveau zu begrenzen.

...Doch wer ein wenig tiefer gräbt, könnte eine weitere Emotion finden, die am 13. Dezember die Delegierten umtrieb. Zweifel. Es fällt uns schwer, einen einzigen Klimawissenschaftler zu nennen, der das Pariser Abkommen zu diesem Zeitpunkt für umsetzbar hielt. Inzwischen haben uns einige Wissenschaftler gesagt, das Pariser Abkommen sei „natürlich wichtig für die Klimagerechtigkeit, aber nicht umsetzbar“ und „ein kompletter Schock, niemand hielt eine Begrenzung auf 1,5 Grad Celsius für möglich.“ Anstatt die Erwärmung auf 1,5 Grad Celsius zu begrenzen, kam ein hochrangiger Wissenschaftler, der am IPCC beteiligt war, zu dem Schluss, dass wir bis zum Ende dieses Jahrhunderts auf über 3 Grad Celsius zusteuern.....

„Sich auf ungetestete Mechanismen zur Beseitigung von Kohlendioxid zu verlassen, um die Ziele von Paris zu erreichen, obwohl wir die Technologien haben, um heute von fossilen Brennstoffen wegzukommen, ist schlichtweg falsch und leichtsinnig.“
Robert Watson, emeritierter Professor für Umweltwissenschaften, Universität von East Anglia, Großbritannien

...In den vom Weltklimarat erstellten Szenarien mit einer 66-prozentigen oder besseren Chance, den Temperaturanstieg auf 1,5 Grad Celsius zu begrenzen, müsste BECCS jedes Jahr 12 Milliarden Tonnen Kohlendioxid entfernen. BECCS in diesem Umfang würde massive Anpflanzungsprogramme für Bäume und Bioenergiepflanzen erfordern.

Man schätzt, dass BECCS zwischen 0,4 und 1,2 Milliarden Hektar Land benötigen würde. Das sind 25 bis 80 Prozent aller derzeit bewirtschafteten Flächen. Wie wollen wir das erreichen, wenn wir gleichzeitig 8 bis 10 Milliarden Menschen in der Mitte des Jahrhunderts ernähren wollen? Wie, ohne die einheimische Vegetation und Artenvielfalt zu zerstören?

Der Anbau von Milliarden von Bäumen würde riesige Mengen an Wasser verbrauchen – teilweise an Orten, an denen die Menschen bereits durstig sind. Eine zunehmende Walddecke in höheren Breitengraden kann mehr Erwärmung bedeuten, weil die Landoberfläche dunkler wird, wenn Grasland oder Felder durch Wälder ersetzt werden. Dieses dunklere Land absorbiert mehr Sonnenenergie, die Temperaturen steigen. Und wer den Schwerpunkt auf die Entwicklung riesiger Plantagen in ärmeren tropischen Ländern legt, riskiert, dass Menschen von ihrem Land vertrieben werden.

„Der Vorläufer von Netto-Null wurde und wird immer noch Kompensation genannt. Einst war ich voller Hoffnung, dass Kohlenstoff-Kompensationsprogramme das Kunststück vollbringen könnten, intakte Waldökosysteme vor der fast sicheren Zerstörung durch wirtschaftliche Entwicklung zu retten. Doch heute erschrecken mich die Folgen von Netto-Null fast mehr als die der Klimaerwärmung.“
Wolfgang Knorr

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Neue Trugbilder ersetzen fehlgeschlagene technische Lösungen

Als die Erkenntnis dämmerte, wie schwierig die Umsetzung von Paris angesichts der ständig steigenden Emissionen und des begrenzten Potenzials von BECCS sein würde, entstand in Politikerkreisen ein neues Schlagwort: das „Überschreitungsszenario“. Danach dürfen die Temperaturen kurzfristig über 1,5 Grad Celsius steigen, müssen dann aber bis zum Ende des Jahrhunderts durch eine Reihe von Maßnahmen zur Kohlendioxid-Entfernung gesenkt werden. Dies heißt, dass Netto-Null eigentlich Kohlenstoff-negativ bedeutet. Innerhalb weniger Jahrzehnte müssen wir unsere Zivilisation von einer Wirtschaftsweise, die derzeit jährlich 40 Milliarden Tonnen Kohlendioxid in die Atmosphäre pumpt, auf eine umstellen, die netto 10 Milliarden Tonnen entfernt.

.....Es sollte nun klar werden, wohin die Reise geht. Wenn die Trugbilder einer magischen technischen Lösung verschwinden, taucht eine andere, ebenso untaugliche Alternative auf, um ihren Platz einzunehmen. Die nächste ist bereits am Horizont zu sehen – und sie ist sogar noch grauenhafter. Sobald wir erkennen, dass Netto-Null nicht rechtzeitig oder überhaupt nicht erreicht werden kann, wird wahrscheinlich Geo-Engineering – der absichtliche und großflächige Eingriff in das Klimasystem der Erde – beschworen werden als Lösung, um den Temperaturanstieg zu begrenzen.

„Es ist erstaunlich, wie die andauernde Abwesenheit einer glaubwürdigen Technologie zur Kohlenstoffentfernung die Netto-Null-Politik nicht zu beeinflussen scheint. Mittlerweile habe ich erkannt, dass wir alle einer Form von Verarschung aufgesessen sind.
James Dyke, Senior Lecturer für Globale Systeme, Universität von Exeter, Großbritannien

Schwierige Wahrheiten (oder: Netto-Null-Politik taugt nicht zur Begrenzung der Erderwärmung)

Im Prinzip gibt es nichts Falsches oder Gefährliches an Vorschlägen zur Kohlenstoffentfernung. .....

Problematisch wird es erst, wenn davon ausgegangen wird, dass diese Vorschläge in großem Maßstab eingesetzt werden können. Damit wird praktisch ein Blankoscheck für die weitere Verbrennung fossiler Brennstoffe und die zunehmende Zerstörung von Lebensräumen ausgestellt.....

Der einzige Weg, die Menschheit zu schützen, ist die sofortige und nachhaltige radikale Senkung der Treibhausgasemissionen auf sozial gerechte Weise.....

Es ist an der Zeit, unsere Ängste auszusprechen und gegenüber der Allgemeinheit ehrlich zu sein. Die aktuelle Netto-Null-Politik wird die Erwärmung nicht auf 1,5 Grad Celsius begrenzen, weil sie nie dazu gedacht war. Sie wurde und wird immer noch von der Notwendigkeit angetrieben, Business as usual zu schützen, nicht das Klima. Wenn wir die Menschen schützen wollen, dann müssen wir die Kohlenstoffemissionen jetzt stark und nachhaltig reduzieren. Das ist der ganz einfache Härtetest, der auf alle klimapolitischen Maßnahmen angewendet werden muss. Für Wunschdenken ist es zu spät.


James Dyke ist Senior Lecturer für Globale Systeme an der Universität Exeter in Großbritannien.

Robert Watson ist emeritierter Professor für Umweltwissenschaften an der Universität von East Anglia in Großbritannien.

Wolfgang Knorr ist leitender Wissenschaftler für Physische Geografie und Ökosystem-Wissenschaften an der Universität Lund in Schweden.

Ihren Artikel veröffentlichten sie auf Englisch bei The Conversation. Hier könnt ihr den Originalartikel lesen.