Montag, 8. April 2024

Umfrage zur Energiewende in Europa: Mehrheit will eigenen Beitrag leisten – und klare Vorgaben

Tagesspiegel hier  Von Eva Murašov  04.04.2024,

Im Herbst 2023 befragte ein internationales Team rund 10.000 Menschen in 19 europäischen Ländern zu ihrem Energieverbrauch und ihren Erwartungen an die Politik.

Der Klimawandel ist in aller Munde, aber sind wir als Individuen auch bereit, unseren Beitrag zu leisten? Dieser Frage versuchte ein internationales Forschungsteam, an dem auch das Zentrum für Technik und Gesellschaft der TU Berlin beteiligt war, nachzugehen. Im Oktober und November 2023 befragten sie dafür rund 10.000 Menschen aus 19 europäischen Ländern. In den Fragebögen wurde neben dem eigenen energiebewussten Handeln auch nach der Bewertung politischer Maßnahmen für die Energiewende gefragt.

Jeweils rund 1000 Leute wurden in Irland, Belgien, Bulgarien, Ungarn, Lettland, Frankreich, Deutschland, den Niederlanden und Spanien befragt, rund 100 je in Italien, Polen, der Türkei, Österreich, Portugal, Schweden, Dänemark, Finnland, Griechenland und Großbritannien.

Die Bereitschaft, beim eigenen Strom- und Gasverbrauch zu sparen oder umzurüsten, scheint der Erhebung nach allgemein hoch. 83 Prozent der Befragten gaben an, Energie zu sparen. Als stärkste Gründe wurden dafür wurden finanzielle Anreize genannt, also selbst Geld zu sparen (76 Prozent) oder Subventionen zu bekommen (60 Prozent). Mit jeweils 55 Prozent wurden als Anreiz die Reduktion des eigenen CO₂-Fußabdrucks genannt sowie der Wunsch, zum Gemeinwohl beizutragen.

Ein Viertel der Befragten antwortete, aktuell wie in der nahen Zukunft selbst nicht aktiv zur Energiewende beitragen zu wollen. Was die Klimapolitik betrifft, sind fast zwei Drittel (64 Prozent) der Überzeugung, dass die meisten Menschen ihren Energieverbrauch nur einschränken, wenn es entsprechende politische Vorgaben dafür gibt.

Mehrheit war mit EU-Politik unzufrieden

Alle Länder zusammengenommen, sagte die Hälfte der Befragten, sie könnten sich vorstellen, in der Zukunft für eine Partei oder einen Kandidaten zu wählen, bei dem die Energiewende im Zentrum steht. In Deutschland fiel die Zustimmung zu der Aussage mit 32 Prozent geringer aus (gegenüber 42 Prozent Ablehnung, 26 Prozent unentschlossen). In Ungarn und Spanien lag die Zustimmung hingegen über dem Durchschnitt.

Mit dem damaligen Stand der Politik in dem Bereich zeigte sich die Mehrheit unzufrieden: Der Aussage, EU-Parlament und EU-Kommission sollten mehr tun, stimmten 63 Prozent zu. Ariane Debourdeau, die an der TU Berlin zum Projekt forscht, merkte in einer Mitteilung zur Veröffentlichung zudem an: „Der Politik sollte es zu denken geben, dass über zwei Drittel der Meinung sind, dass die Ansichten und Ideen von Bürger:innen nicht ernst genommen werden.“

Das Paper, das neben den nach Ländern aufgeschlüsselten Ergebnissen auch Handlungsempfehlungen der Autor:innen an die Politik enthält, ist online frei verfügbar unter dem Titel „EnergieProspects“. In der Einleitung merkt das Team allerdings auch an, wo ein Haken solcher Umfragen liegen kann: Zwar bemühe man sich bei der Konzeption der Fragebögen um Verlässlichkeit. Man könne jedoch nicht ausschließen, dass manche Personen Antworten gäben, von denen sie glauben, sie seien „korrekt“ oder „erwünscht“.



Das Projekt  hier

EnergyPROSPECTS (PROactive Strategies and Policies for Energy Citizenship Transformation) basiert auf einem kritischen Verständnis von bürgerschaftlichem Engagement für die Energiewende (“Energiebürgerschaft”), das auf den neuesten Erkenntnissen der Sozial- und Geisteswissenschaften (SSH) basiert. 

Es wird im Rahmen des EU-Horizont-2020-Programms für 3-Jahre gefördert. Hauptsächlich zielt EnergyPROSPECTS darauf ab, ein breites Verständnis von Energiebürgerschaft als politischem Konzept, soziotechnischer Vision und praktiziertem Governance Modus zu entwickeln, d.h. von der sozialen Konstruktion eines wünschenswerten/normalen bürgerschaftlichen Engagements für zukunftige Energiesysteme.

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