Mittwoch, 7. Dezember 2022

 


Offener Brief an die Bundesregierung aus der Antarktis

Hier

Sehr geehrter Herr Bundeskanzler Scholz,

sehr geehrte Mitglieder der Bundesregierung,

wir, das Überwinterungsteam der Forschungsstation Neumayer III in der Antarktis möchten uns mit einem offenen Brief an Sie wenden. Wir leben ein Jahr lang im „ewigen Eis“, tausende Kilometer von jeglicher Zivilisation entfernt, um die deutsche Forschungsstation des Alfred-Wegener-Instituts in der Antarktis zu betreiben. Aus der Ferne verfolgen wir die Entwicklungen der deutschen Politik und Gesellschaft. Wir sind beunruhigt von der mangelnden Orientierung der deutschen Klimapolitik an wissenschaftlichen Erkenntnissen und möchten Sie mit diesem Brief auffordern, die Klimaziele von Paris einzuhalten, sowie das lückenhaft überarbeitete Klimaschutzgesetz (KSG)1 ein weiteres Mal grundlegend zu verbessern, sodass damit auch die vorherig genannten Ziele, global fair und gesellschaftlich gerecht2, erreicht werden können.

Im vorherigen Jahr gab es durch das „Klima-Urteil“ des Bundesverfassungsgerichts und der darauffolgenden, zügigen Nachbesserung des KSG, sowie der Regierungsbildung unter Teilnahme der Bündnis90/Die Grünen Hoffnung auf eine maßgebliche Verbesserung der klimaschädlichen Politik der vorhergehenden Legislaturperioden. Doch seit Ihrer Wahl zur neuen Regierung vor über einem Jahr ist die Bilanz ihrer Klimapolitik durchwachsen. Erfreulich haben wir wahrgenommen, dass die Ausbauziele für Windenergie und Photovoltaik erhöht und die Hürden für Bürgerenergieinitiativen verringert wurden, erneuerbare Energien nun im überragenden öffentlichen Interesse stehen und der Ausstieg Deutschlands aus dem Energiecharta-Vertrag in die Wege geleitet wurde3. 

Nun brauchen wir denselben Mut, um ähnlich weitreichende Maßnahmen im Verkehrs-, Industrie- und Gebäudesektor einzuleiten. Denn der Energiesektor ist lediglich für etwa ein Drittel der deutschen CO2 Emissionen verantwortlich4. Und die Nachbesserungen durch die Sofortprogramme für die Sektoren Gebäude und Verkehr lassen weiterhin große Lücken offen5.

Auch die Wiederinbetriebnahme schon abgeschalteter Stein- und sogar Braunkohlekraftwerke6 oder der Bau von Flüssiggas-Terminals7, stehen in krassem Kontrast zu den deutschen und internationalen Klimazielen und zementiert Deutschlands Abhängigkeit von fossilen Energieträgern. Unseres Erachtens nach ist es sehr wichtig, energietechnisch unabhängig vom EU Ausland zu sein, was sich derzeit leider in tragischer Weise bestätigt. Doch diese Krise kann als Chance genutzt werden, um erneuerbare Energien, CO2-neutralen Verkehr und eine emissionsarme Industrie massiv zu fördern und auszubauen und nicht auf extrem umweltschädliche Technologien des vorherigen Jahrhunderts zurückzugreifen. Oder auf weitere politisch prekäre Abhängigkeiten zu setzten8 und dadurch die fossilen Energiekonzerne abermals und ungerechtfertigterweise mit Milliarden an Steuergeldern zu belohnen9. 

Im Falle einer Wiederinbetriebnahme von Kohlekraftwerken oder Reservekapazitätserhöhung durch diese, müssen die dadurch entstandene CO2 Emissionen an anderer Stelle eingespart werden. Denn was für das Klima zählt, ist die Netto-Emission in CO2 Äquivalenten, egal auf welchen Gründen diese Mehremissionen basieren. Schon das Erreichen der Klimaziele allein birgt eine große Herausforderung für Deutschland, sodass zusätzliche Emissionen, seien sie auch nur übergangsweise, zu vermeiden sind. Erschwerend kommt die mangelnde Ausrichtung Ihres Koalitionsvertrags an den Emissionszielen des KSG oder gar den Pariser Klimazielen hinzu10. Durch die im Koalitionsvertrag erwähnten Maßnahmen werden voraussichtlich der Verkehrssektor, der Industriesektor sowie der Gebäudesektor die Emissionsziele des KSG verfehlen und lediglich der Energiesektor die Emissionsziele erreichen11. Wobei hierfür der Kohleausstieg schnellstmöglich durchgeführt und die Erneuerbaren jetzt massiv ausgebaut werden müssen.

Nach der in den Medien viel zitierten McKinsey Studie „Net-Zero Deutschland“12 müsste Deutschland 40 Milliarden Euro jährlich (etwa 1 % des Bruttoinlandsprodukts) aufbringen, um das Ziel des KSG, die Klimaneutralität im Jahr 2045, zu erreichen. Selbstverständlich ist eine Voraussetzung hierfür, dass klimaschädliche Subventionen wie z.B. die Energiesteuerentlastungen für Dieselkraftstoff, Kerosin und Kohle abgeschafft werden. Laut einer Studie des Umweltbundesamt hat der Staat bspw. im Jahr 2018 65,4 Mrd. Euro für umweltschädliche Subventionen ausgegeben13. Würde diese Summe stattdessen jährlich sinnvoll in den Ausbau der Erneuerbaren, Förderung von Elektromobilität, öffentlichen Verkehrsmitteln, Stromnetz, Wärmepumpen, sowie Energiespeicher investiert werden, könnte Deutschland die eigenen Klimaziele sogar übertreffen! Eine weitere Finanzierungsmöglichkeit ist die Internalisierung externer Effekte, sodass den Verursachern von Umweltschäden diese auch angelastet und sie nicht wie bisher der Allgemeinheit aufgebürdet werden. So erhielten Unternehmen starke Anreize, Investitionen klimaschonend zu tätigen. Und die dadurch eingenommenen Steuern in Höhe vieler Milliarden Euro könnten zusätzlich für die Transformation Deutschlands zur Klimaneutralität eingesetzt werden14.

Doch im Gegensatz zur häufig in Politik und Medien verbreiteten Meinung, die Klimaschutzmaßnahmen seien teuer, kommt die McKinsey Studie zur Schlussfolgerung, dass eine erfolgreiche Transformation Deutschlands zur Klimaneutralität über den kompletten Zeitraum gesamtgesellschaftlich kostenneutral sein kann. Des Weiteren kann die deutsche Wirtschaft von einer solchen Transformation profitieren. So kommen mehrere Studien im Auftrag der Kreditanstalt für Wiederaufbau zu dem Ergebnis, dass diese Transformation sich positiv auf das Bruttoinlandsprodukt sowie die Beschäftigungszahl auswirkt, unsere Wirtschaft von politisch prekären Energieabhängigkeiten befreit und Deutschland einen starken technologischen Vorteil aufbauen kann, der im internationalen Wettbewerb genutzt werden kann15. 

Ohne eine Transformation der deutschen Wirtschaft wird Deutschlands erneuerbare Energien Branche weiterhin weit abgeschlagen im internationalen Vergleich liegen16, das Wirtschaftswachstum wird sinken17, durch den Klimawandel bedingte Migration zunehmen18 und zusätzlich wird einer der wichtigsten Exportmärkte Deutschlands, Kraftfahrzeuge mit Verbrennermotoren, aufgrund von fehlender Nachfrage zukunftsgerichteter Länder, einbrechen19.

Die globale Vorbildrolle Deutschlands als eine der führenden Wirtschaftsnationen ist nicht zu unterschätzen. Wenn wir versäumen, zielführende und global faire Klimapolitik zu betreiben, laufen wir Gefahr, dass es uns einige andere Nationen gleichtun. Hierdurch riskieren wir eine zunehmend gefährliche Erderwärmung mit destruktiven Konsequenzen, nicht nur für natürlich Ökosysteme, sondern auch für unsere Gesellschaft20.

Das gesellschaftliche Interesse an einer Transformation Deutschlands hin zur Klimaneutralität ist so hoch wie nie zuvor. Eine klare Mehrheit der deutschen Bevölkerung wünscht sich ambitioniertere Schritte der Politik21, zahlreiche Unternehmen stecken sich selbstgewählte Klimaschutzziele22 und das Erreichen der Klimaneutralität Deutschlands ist technisch sowie ökonomisch möglich23! Daher fordern wir Sie aus der Ferne auf, nutzen Sie jetzt dieses positive Momentum, um Deutschland umzugestalten und „ohne Wenn und Aber“24 in Richtung Klimaneutralität zu lenken, damit unser Land die Pariser Klimaziele erreichen kann. Es ist eine einmalige Chance und Sie sind womöglich die letzte Regierung der es ökonomisch möglich sein wird, diese Aufgabe zu meistern. Die Zukunft unserer Gesellschaft liegt in Ihren Händen. Handeln Sie jetzt!

Hochachtungsvoll,

Hannes Keck, Alicia Rohnacher, Dr. Markus Schulze, Benita Wagner, Dr. Aurelia Hölzer, Michael Trautmann, Katrin Wiggins und Werner Hofmann.



"Montreal könnte unsere letzte Chance sein"

 NTV  07.12.2022,  hier

Ein Gastbeitrag von EU-Umweltkommissar Virginijus Sinkevicius und Bundesumweltministerin Steffi Lemke

Weltnaturgipfel COP 15 beginnt

Die Natur ist weltweit auf dem Rückzug. Nicht nur wegen des Klimawandels, sondern weil der Mensch die Lebensräume von Tieren und Pflanzen zerstört - und damit seine eigene Lebensgrundlage. Wie das Ruder in den kommenden zwei Wochen noch herumgerissen werden könnte.

Etwa alle zehn Minuten geht irgendwo auf diesem Planeten eine Tier- oder Pflanzenart unwiederbringlich verloren. Sie reißt damit ein Loch in das Netz des Lebens, das gerade in beispielloser Geschwindigkeit immer brüchiger wird. Wir Menschen sind es, die dieses Netz vor eine Zerreißprobe stellen. Wir dringen immer weiter in die Lebensräume von Tieren und Pflanzen vor. Wir machen Wälder zu Holzfabriken, Wiesen zu Agrarwüsten, Ackerflächen zu Siedlungen. Auch die Folgen der Klimakrise verändern Lebensbedingungen schneller, als sich Ökosysteme anpassen können. Eine Million der etwa acht Millionen Arten weltweit ist mittlerweile vom Aussterben bedroht.

Dienstag, 6. Dezember 2022

Montreal: Gegen das Verschwinden der Welt – und für den Erhalt der Biodiversität

Frankfurter Rundschau   hier  Von: Joachim Wille  05.12.2022

Nach dramatischen Warnungen der UN versuchen die Staaten der Welt nun doch noch, die Vielfalt der Natur zu bewahren.

Leben gibt es auf der Erde seit rund 3,5 Milliarden Jahren – mit äußerst wechselhafter Geschichte. Fünfmal starb ein Großteil aller Lebensformen aus. Eine bereits hoch entwickelte Biodiversität schrumpfte dabei auf ein Minimum. Jedes mal wurde der Verlauf der Evolution in neue Bahnen gelenkt. Das größte Massenaussterben ereignete sich vor 250 Millionen Jahren. Damals verschwanden etwa drei Viertel aller Landlebewesen und sogar 95 Prozent des Lebens im Ozean binnen weniger Tausend Jahre. Das letzte dieser Ereignisse führte vor etwa 66 Millionen Jahren zum Verschwinden unter anderem der Dinosaurier.

Die Fachwelt geht davon aus, dass das sechste Massenaussterben bereits begonnen hat.
Allerdings ist diesmal nicht Vulkanismus, eine natürliche Klimaveränderung oder ein Asteroideneinschlag die Ursache. Es ist der Mensch, der die Ökosysteme und damit die Lebensbedingungen der Pflanzen und Tiere radikal verändert. Es wird geschätzt, dass heute pro Tag 150 Arten aussterben. Bisherige Anläufe, den Artenschwund auf internationaler Ebene zu stoppen, schlugen fehl. Doch nun startet ein neuer Versuch, auf dem 15. UN-Naturgipfel, der von Mittwoch an zwei Wochen lang im kanadischen Montreal tagt.

Montreal: ein Bericht zeigt die Dramatik

Die Mitgliedsländer der Konvention zur Biologischen Diversität (englisches Kürzel: CBD) sollen dort neue Ziele für den Arten- und Naturschutz beschließen. Unter anderem geht es um den Vorschlag, bis 2030 ein Drittel der Land- und Meeresflächen der Erde unter Schutz zu stellen.

Der aktuellste Überblicksbericht des Weltbiodiversitätsrates (IPBES), des Pendants zum UN-Klimarat (IPCC), zeigt die Dramatik. Danach sind bis zu eine Million Tier- und Pflanzenarten vom Aussterben bedroht, viele bereits in den nächsten Jahrzehnten.

Neue Ziele auf dem Weg zum Stopp des Artensterbens

Der Standard  hier  5. Dezember 2022

Biodiversität

UN-Artenschutzkonferenz

Montreal soll "Paris" der Biodiversität werden und Abkommen liefern: 30 Prozent der Landes- und Meeresflächen sollen bis 2030 geschützt sein

Am Mittwoch beginnt in Kanada die 15. UN-Artenschutzkonferenz CBD15. Veranstaltungsort Montreal soll das Pendant zu Paris werden, und wie dort 2015 der Klimavertrag aus den Verhandlungen hervor ging, soll nun ein Rahmenabkommen der weltweiten Artenvernichtung einen Riegel vorschieben. Bleibt zu hoffen, dass eine solche Vereinbarung mehr Wirkung zeigt.

ÜBERLINGEN: Kritik an Baugebiet wächst zunehmend

Kurznotiz im Südkurier am 5.12.22  hier

Nur eine recht überschaubare Mehrheit von 12 zu 8 Stimmen votierte nach der Beratung im Gemeinderat für die Neuaufstellung des auf 1,8 Hektar vergrößerten Baugebiets Rauenstein Ost. Die Vorbehalte gegen das Vorhaben auf dem 2001 als Landschaftspark ausgewiesenen Areal unterhalb des Parkhotels St. Leonhard wachsen weiter. Selbst für Befürworter der Wohnbebauung aus der CDU bleiben aber die oberen Hangbereiche tabu. (mba)

Müssen Pendler künftig für die Straßennutzung zahlen?

 01.12.2022  |  VON ULRIKE BÄUERLEIN ULRIKE.BAEUERLEIN@SUEDKURIER.DE  hier

Wer zum Arbeiten in eine Großstadt mit dem Auto einpendelt, könnte bald dafür an die jeweilige Stadt eine Straßennutzungsabgabe zahlen müssen. Das ist eine von vier Varianten des „Mobilitätspasses“, der für ein verbessertes öffentliches Nahverkehrsangebot sorgen soll und den das baden-württembergische Verkehrsministerium derzeit vorbereitet.

Was ist der Mobilitätspass? Ein neues Finanzierungsinstrument für Städte und Landkreise, das im Rahmen des neuen Landesmobilitätsgesetzes im Lauf des kommenden Jahres ermöglicht werden soll. Kommunen könnten dann von 2024 an entweder eine Straßennutzungsgebühr für Kfz-Nutzer, ein Bürgerticket für alle Einwohner, eine Nahverkehrsabgabe für Kfz-Halter oder eine Arbeitgeberabgabe einführen, um mit den Einnahmen Zusatzangebote im öffentlichen Nahverkehr anzubieten. Die Einnahmen wären zweckgebunden, soziale Staffelungen und Sonderregelungen sollen möglich sein. Nutzer dürfen zudem nur einmal zu einer Abgabe verpflichtet werden. Im Gegenzug sollen die Bürger ein Mobilitätsguthaben für die Nutzung von Bussen und Bahnen und ein verbessertes Angebot erhalten. Auch das kommende 49-Euro-Ticket soll damit verrechnet werden können.

Die Generation Babyboomer verlässt allmählich den Arbeitsmarkt

Im Artikel geht es um din Vergleich der Generationen, was mich jedoch nur am Rande interessiert. Wesentlich fand ich die kurze zitierte Aussage unten, die uns zeigt was wir bezüglich des Arbeitskräftemangels noch zu erwarten haben.


Wirtschaftswoche hier  von Svenja Gelowicz  29. November 2022

Generation Babyboomer „Viele Babyboomer sind an ihre Belastungsgrenzen gekommen“

.....Nach Angaben des Statistischen Bundesamts werden 12,9 Millionen Erwerbspersonen bis 2036 das Renteneintrittsalter überschritten haben. Dies entspricht knapp 30 Prozent der dem Arbeitsmarkt zur Verfügung stehenden Erwerbspersonen, bezogen auf das Berichtsjahr 2021.

Montag, 5. Dezember 2022

EU-Agrarsubventionen: Diese Großkonzerne profitieren

Correctiv  hier    von Gesa Steeger , Katarina Huth , Simon Wörpel , Max Donheiser  01. Dezember 2022

Farmsubsidies


Erstmals ist in der neuen Datenbank „Farmsubsidies” einsehbar, wer in den vergangenen acht Jahren EU-weit am meisten Agrarsubventionen kassiert hat. 

CORRECTIV schlüsselt auf, wer zu den größten deutschen Empfängern gehört.

Die Zeiten, in denen Deutschland als wasserreich galt, sind vorbei

Natürlich ist Berlin weit weg von uns. Wir wissen alle, dass es "dort oben" im letzten Sommer furchterregend trocken war. Wir Glücklichen "hier unten" haben das so noch nicht erlebt. Klar, es gab Wasserentnahmeverbote an verschiedenen Stellen, aber kein Vergleich zur Lage in Berlin.

Trotzdem: Ohne Wasser geht nichts. Und auch bei uns wird es spürbar knapper. Es muss nicht erst zum großen Mangel kommen, bis wir sorgsam mit unserem größten Schatz umzugehen lernen. Auch wir sollten jetzt beginnen Vorsorge zu treffen. Im Text sind einige gute Anhaltspunkte zu finden.

Berliner Zeitung   hier    03.12.2022

Klimawandel: Wie die große Berliner Regenwasseroffensive die Stadt retten soll

Berlin geht das Wasser aus. Wie sich die Stadt auf die Klimaerwärmung einstellt und dabei die alte Zisterne wiederentdeckt: Wir erklären Pläne, Projekte, Perspektiven.


Die Zeiten, in denen Deutschland als wasserreich galt, sind vorbei.

RND  hier  Günstiger Wohnraum  

Wohngemeinnützigkeit: Renaissance eines alten Konzepts

Blick auf die Fassade eines Wohnhauses.

In der alten Bundesrepublik wurden damit Wohnungsunternehmen gefördert, die ihre Wohnungen dauerhaft preiswert hielten. Dafür konnten sie sich im Gegenzug Steuerbefreiungen sichern. Die Wohnungen blieben also dauerhaft günstig und fielen nicht nach beispielsweise 20 Jahren aus der Sozialbindung heraus. Das Prinzip wurde 1990 unter Bundeskanzler Helmut Kohl (CDU) allerdings abgeschafft.

Die Letzte Generation ist unentbehrlich – kriminell ist der Staat

Der Freitag  hier   Ausgabe 48/2022  

Meinung Valeria Vegh Weis

Valeria Vegh Weis ist argentinisch-deutsche Kriminologin an der Freien Universität Berlin. Ihr Buch Criminalization of Activism erschien im Jahr 2021

Nach der Blockade des Berliner Flughafens durch die „Letzte Generation“ verschärft sich der Ton. Wieder einmal wird Protest kriminalisiert, die eigentlich Kriminellen aber bleiben verschont: klimazerstörende Unternehmen und Regierungen

So groß die öffentliche Wirkung der Letzten Generation ist, so gering sind die sozialen Schäden, die ihre Aktionen verursachen: wenige Verkehrsstaus, einige verspätete Flüge, verschmutzte Schutzgläser vor Gemälden. Nichts im Vergleich zu dem, was ihre Aktionen motiviert – nämlich der schwerste denkbare soziale Schaden, die Zerstörung des Planeten. Während die Kriminalisierung der Letzten Generation aber Politik und Medien vollauf beschäftigt hält, bleiben die klimaschädlichen Handlungen von Unternehmen und Regierungen weiter unterkriminalisiert.

Sonntag, 4. Dezember 2022

"Das Ausland baut seine Wälder für Deutschland in Plantagen um"

NTV  hier  02.12.2022,

Schlimmer Boom der Holzheizungen

Rund 1,1 Millionen Haushalte in Deutschland nutzen Holz als primäre Energiequelle. Aus Angst vor steigenden Preisen für Gas und Heizöl haben vor allem in diesem Jahr nochmals viele Menschen bei Pelletheizung oder der Hackschnitzel-Variante zugegriffen. Denn Heizen mit Holz gilt nicht nur als gemütlich, sondern auch günstig, grün und klimaneutral, weil das Kohlendioxid, das beim Verbrennen in die Atmosphäre gelangt, von nachwachsenden Bäumen in nachhaltigen Wäldern wieder gebunden wird.

Angaben, denen Pierre Ibisch jedoch entschieden widerspricht: Holz stößt beim Verbrennen mehr CO2 aus als Gas, um die gleiche Menge an Wärmeenergie zu erzeugen, sagt der Biologe von der Hochschule für Nachhaltige Entwicklung Eberswalde im "Klima-Labor" von ntv. Mehrere deutsche Forste, die speziell für die Holzwirtschaft angelegt wurden, sterben bereits überbelastet ab und werden von einer Kohlenstoffsenke zu einer neuen CO2-Quelle. Nachhaltigkeitssiegel führen Verbraucher auch bei Wäldern in die Irre. Vor allem in Nordamerika zerstören Forstunternehmen für den neuen deutschen Lifestyletrend gesunde Natur. Und am Ende blockieren vermeintlich saubere Brennstoffe wie Holz auch noch den Einsatz von tatsächlich klimaneutraler Energie.

Wie ein nordfriesisches Dorf die Verkehrswende angeht

NDR   hier   03.12.2022   von Nadja Mitzkat, Arne Schulz und Marc-Oliver Rehrmann

Podcast zum Anhören auf der Originalseite  hier

Wie kann auf dem Land der Umstieg auf einen klimaschonenden Verkehr gelingen? In Gegenden, in denen keine U-Bahn fährt und nur selten ein Bus. In der neuen Folge des NDR Info Podcasts "Mission Klima - Lösungen für die Krise" geht es darum, wie ein kleiner Ort in Schleswig-Holstein mit gutem Beispiel vorangeht.

In Klixbüll im Kreis Nordfriesland tut sich etwas. In dem Ort mit rund 1.000 Einwohnern setzt der Bürgermeister auf Lösungen, die in die Zukunft weisen sollen. Eine Zukunft mit klimaschonendem Verkehr. Ein Puzzle-Teil ist das sogenannte Dörpsmobil: ein Elektro-Carsharing, speziell für das Land entwickelt. Die Ausgangssituation in Klixbüll ist typisch für viele Dörfer in Norddeutschland: Im Ort hält sich kein Kaufladen, kein Arzt, kein Friseur. Die Bewohner müssen für ihre Erledigungen in die nächstgelegenen größeren Orte wie Niebüll fahren. Kein Wunder, dass die meisten mindestens ein Auto haben.

Samstag, 3. Dezember 2022

Warum die „Letzte Generation“ alles richtig macht

In den letzten Wochen gab es viel Mist, aber auch viele erstaunlich gute Artikel zu lesen, die sich mit den Aktionen der letzten Generation beschäftigen. Dieser hier ist einfach nur genial! Lesen Sie ihn selbst!

Übermedien  hier  von   24.11.22

Wirkungsvolle Protestformen


1: Was nicht sein kann

Der Mensch weiß zu viel, über sich und die Welt. Selbst unsere eigene Endlichkeit ist uns schmerzlich klar. Einer der wichtigsten Mechanismen unserer Psychohygiene ist deshalb die Verdrängung. Würden wir bei jedem Spaziergang ausführlich bedenken, überfahren werden zu können, wären wir gelähmt vor Angst – und blieben zu Hause. Ebenso normal scheint es, jenes wissenschaftlich belegte Szenario, als Spezies milliardenfach in Tod und Elend zu laufen, im Alltag auszublenden. Wir müssen unser Leben heute leben, egal was in 20 oder 200 Jahren mit der Welt passiert. Der Alltag geht schließlich weiter, auch wenn er unsere Normalität früher oder später zerstören wird.

In diesen Wochen erleben wir vielleicht den Anfang vom Ende einer immensen kollektiven Verdrängungsleistung. Als vorvergangene Woche die Aktivistin Carla Rochel bei Markus Lanz saß, hatte der Diskursaufbruch seinen vorläufigen Höhepunkt erreicht: „Wie sollte ich denn sonst mit meinen 20 Jahren hier sitzen“, sagte sie, „und über die Klimakatastrophe debattieren können, wenn wir nicht [den Alltag] unterbrechen würden? Und ich weiß, dass das unangenehm ist, weil wir Tag für Tag auf die Straße oder in die Museen tragen, was wir alle so gerne ignorieren würden.“

Nur der Konjunktiv stimmt in diesen Sätzen nicht: Die meisten von uns ignorieren sehr erfolgreich und seit langem die Realität des drohenden Klimakollaps. Doch spätestens in diesem Moment musste man feststellen: Die „Letzte Generation“ hat ihre Themen, Anliegen und Persönlichkeiten mit wenig Budget innerhalb kürzester Zeit in die breite Öffentlichkeit gebracht. Über sie und ihre Schwesterorganisationen „Extinction Rebellion“ und „Just Stop Oil“ wurde so groß berichtet wie über kaum eine Gruppierung der vergangenen Jahre. Die Videos erreichten hunderte Millionen Abrufe, die „New York Times“ kommentierte, Staatschefs äußerten sich. Wer mir ein Beispiel eines quantitativ effizienteren Protests zeigt, bekommt einen unversehrten Monet.

Alternative Wohnprojekte für Jung und Alt

 Deutschlandfunk  hier






Wie wollen wir wohnen? Diese Frage beschäftigt immer mehr Menschen, auch angesichts steigender Mieten und der Single-Gesellschaft. Alternative Modelle sind im Kommen: Gemeinschaftsprojekte, Mehrgenerationen-Häuser, WGs für Jung und Alt. 





Wohnen wird immer mehr zur sozialen Frage: Steigende Mieten und Energiekosten lassen viele zweifeln, ob sie auf Dauer in ihren vier Wänden bleiben können. So mancher, der noch in einer großen Wohnung oder einem eigenen Haus lebt, würde sich gern verkleinern, vielleicht andere mit dazu nehmen. Ältere suchen Alternativen zum Seniorenheim. Und manch Single ist das Alleinleben leid und sucht Gemeinschaft. Was gibt es an alternativen Wohnformen?

 


120 Millionen für Mobilitätsgarantie BW statt für noch mehr Straßen - dringend unterschreiben bis 9.12!

Campact   hier  zum Unterschreiben!

An: Herrn Ministerpräsident Kretschmann, Herrn stellvertretenden Ministerpräsident Strobl, den Fraktionsvorsitzenden der Grünen im Landtag, Herrn Schwarz, und den Fraktionsvorsitzenden der CDU im Landtag, Herrn Hagel

Wir fordern Herrn Ministerpräsident Kretschmann, alle Ministerinnen und Minister der Landesregierung sowie alle Mitglieder des Landtags auf, im Haushaltsentwurf 2023/2024 im Einzelplan 13, Ministerium für Verkehr
• 120 Millionen Euro für die Umsetzung der Mobilitätsgarantie vorzusehen,
• die Haushaltsmittel für Landesstraßen sowie Gemeinde- und Kreisstraßen und Planungskosten dafür entsprechend zu kürzen und
• den Einzelplan 13 entsprechend geändert mit dem Haushalt 2023/2024 zu beschließen.

Warum ist das wichtig?

Zur Erreichung der Klimaziele im Verkehrssektor ist es dringend erforderlich, dass der ÖPNV ausgebaut und der motorisierte Individualverkehr auf das Notwendige beschränkt wird. Die Bürgerinnen und Bürger sind sich einig: 79 Prozent der Befragten in Baden-Württemberg wollen, dass Busse und Bahnen landesweit bis Mitternacht mindestens alle 30 Minuten, in der Stadt sogar alle 15 Minuten fahren (1). Dies soll vom Landesverkehrsministerium mit der sogenannten Mobilitätsgarantie bis 2026 umgesetzt werden. Nun wurden im Entwurf des Landeshaushalts die dafür erforderlichen 120 Millionen Euro gestrichen (2). Und das obwohl gleichzeitig die Mittel für Landesstraßen vom Jahr 2021 um 45 Prozent, das sind 70 Millionen Euro, auf jährlich 223 Millionen im Jahr 2023 gesteigert werden sollen (3). Außerdem sollen 127 Millionen Euro für Kreis- und Gemeindestraßen und 66 Millionen Euro für die Straßenplanung über den Landeshaushalt ausgegeben werden.
Wir sehen den hohen Mitteleinsatz insbesondere für Landesstraßen im geplanten Umfang mit Blick auf die Klimaziele in keinster Weise gerechtfertigt. Zudem ist in den letzten Jahren sehr viel Geld in die Sanierung von Straßen und die Projekte des Generalverkehrsplans geflossen, so dass es hier keinen Sanierungsstau gibt. Außerdem sind die Projekte für den Landesstraßenneubau ohne strategische Umweltprüfung und ohne Öffentlichkeitsbeteiligung und das heißt auch ohne Betrachtung der Klimakrisenfolgen in den Generalverkehrsplan aufgenommen worden.
Vor diesem Hintergrund ist es jetzt dringend notwendig endlich die Verkehrswende anzugehen und durch die Umschichtung der Landeshaushaltsmittel im Bereich Verkehr unsere Mobilität zukunftsfähiger und klimafreundlicher auszurichten.

Freitag, 2. Dezember 2022

Protest wirkt – wenn er hartnäckig genug ist.

Das bringt alles nichts, Politiker*innen machen eh, was sie wollen – das hören wir als Bürgerbewegung immer wieder. 

Doch es ist falsch. Weitgehend unbemerkt haben wir gerade wieder einen großen Erfolg erzielt: Die Bundesregierung hat am Mittwoch beschlossen, die klimaschädliche Energiecharta zu kündigen. Lies hier, wie es gelungen ist, die Ampel zu dieser Entscheidung zu bewegen. 

Plastikmüll: Kann ein historisches Abkommen die Müllflut in den Ozeanen stoppen?

 Spektrum   hier   Meera Subramanian

In diesen Tagen wird in Uruguay über einen globalen Vertrag gegen Plastikverschmutzung verhandelt. Forscher warnen, dass die Umsetzung an fehlenden Daten scheitern könnte.

Überwältigende Aufmerksamkeit für die Ravensburger Klimaaktivisten

Schwäbische Zeitung hier

Klimaschützer überkleben Temposchilder an B30 zwischen Ravensburg und Baindt

Ravensburger Klimaschützer haben in der Nacht zum Donnerstag entlang der B30 zwischen Baindt und Ravensburg-Oberzell 13 Verkehrsschilder mit Tempo 100 überklebt. Laut Sarah König von der Pressestelle der Polizei Ravensburg wurden zudem zwei Schilder abmontiert, die normalerweise die Geschwindigkeitsbegrenzung aufheben. Bekannt hat sich zur Klebeaktion in einer Pressemitteilung die Gruppe der „Ravensburger Klimaaktivist*innen“. (hier finden Sie die Pressemitteilung)

.....Viele Tage werden die falschen Schilder aber vermutlich nicht für ein langsameres Fahren sorgen, denn die Straßenmeisterei hat am Donnerstagvormittag mit der Beseitigung begonnen beziehungsweise stellt den alten Zustand wieder her.

Strafrechtliche Bewertung steht noch aus

Wie die Aktion strafrechtlich zu bewerten sei, vermochte Polizeisprecherin König noch nicht zu sagen. Infrage kommt Sachbeschädigung. ..... (na wenigstens hat er was gefunden, wenn es auch schon lange nicht mehr ganz so überzeugend rüber kommt.....)


Die Bildschirmzeitung hier

Tagblatt  hier

SWR  hier

Die Zeit hier

FAZ hier

Wochenblatt hier

Ka-news   hier

Esslinger Zeitung hier

Stuttgarter Nachrichten hier

Rheinland-Pfalz.de  hier

RND hier

Welt  hier

Vodafone hier

Tag 24  hier

Wochenblatt hier

Süddeutsche Zeitung hier

Focus  hier

 und dann gibt es noch diese Seite:                                  Entwicklungshilfe für Deutschland hier



Energiewende: Habeck bringt Klimaschutz-Verträge mit Industrie auf den Weg

Handelsblatt  hier   Artikel von Reuters 

Wer seine Produktion klimafreundlich macht, kann jährlich Geld vom Staat dafür bekommen. Eine Richtlinie des Wirtschaftsministers legt nun erste Regeln fest.

Wirtschaftsminister Robert Habeck will mit einem milliardenschweren Förder-Konzept nach der Energie- nun auch die grüne Industrie-Wende voranbringen. So sollen zunächst energieintensive Branchen wie Stahl-, Chemie- oder Zement ihre Produktion klimafreundlich umstellen, wie der Entwurf einer Richtlinie zeigt, die der Nachrichtenagentur Reuters am Mittwoch vorlag.

Auf Basis der Richtlinie werden Klimaschutzverträge mit der Industrie geschlossen: Wer seine Produktion klimafreundlich macht, bekommt mit einem 15-jährigen Vertrag zwischen Staat und Betrieb sowohl Geld für Investitionen als auch jährlich Mittel für die teurere, grüne Produktion. Dabei geht es in erster Linie um den Einsatz von Wasserstoff, der Kokskohle, Öl oder Erdgas verdrängen soll.

EU-Lieferkettengesetz: Riesenerfolg für Menschenrechte und Umwelt in globalen Lieferketten

Liebe Freundinnen und Freunde, liebe Interessierte,

die EU-Mitgliedsstaaten haben sich gestern (1. Dezember 2022) auf ein EU-Lieferkettengesetz geeinigt. Zivilgesellschaft, Gewerkschaften und engagierte Unternehmen hatten sich dafür jahrelang eingesetzt. Denn in unseren Produkten steckt zu oft Ausbeutung von Arbeitnehmer*innen und Umweltzerstörung. Trotz vieler Bemühungen von Unternehmen und NGOs sind Menschenrechtsverletzungen in globalen Lieferketten weit verbreitet.

Das europäische Lieferkettengesetz wird Großunternehmen nun verpflichten, bei ihren Zulieferungen in den Binnenmarkt Menschenrechte und Umweltstandards zu beachten.

Autofahrer verletzt mehrere Radler

 Schwäbische Zeitung hier

Während der letzten Demonstrations-Tour des Aktionsbündnisses Critical Mass Schussental am 25. November kam es zu einem Zwischenfall mit Autofahrern. Die Polizei ermittelt nun wegen Körperverletzung.

Wie jeden letzten Freitag im Monat trafen sich die Critical-Mass-Mitglieder zu einer Rad-Demo, bei der es laut den Organisatoren darum geht, Fahrradverkehr sichtbar zu machen und für Verbesserungen in der Radverkehrsinfrastruktur zu demonstrieren. Sie fuhren von Ravensburg nach Weingarten zur „Langen Nacht der Demokratie“.

In einer Pressemitteilung von Critical Mass heißt es: „Wiederholt versuchten Autofahrer, sich ihr vermeintliches Vorfahrtsrecht durch die Gruppe der Radfahrenden hindurch, die jedoch nach StVO rechtmäßig als Verband unterwegs waren, zu ,erkämpfen' und gefährdeten dadurch die Teilnehmenden.“

Zudem soll ein vorbeifahrender Autofahrer mehrmals absichtlich die Scheibenwischanlage betätigt haben. Er habe dabei billigend in Kauf genommen, dass mehrere Radfahrende hochgiftiges Frostschutzmittel in die Augen bekamen. Da mehrere Radler über Augenreizungen klagten, folgte eine Anzeige.
Die Polizei bestätigt diesen Vorgang. Das Polizeirevier Ravensburg habe eine Anzeige wegen Körperverletzung aufgenommen. Sollte im Rahmen der Ermittlungen die Identität des Fahrers geklärt werden, habe er sich in einem Strafverfahren zu verantworten.


Donnerstag, 1. Dezember 2022

Ravensburger Klimaaktivist*innen nehmen Tempolimit selbst in die Hand -- und sparen bislang knapp 20 Tonnen CO2 ein

Pressemitteilung vom 1.2.2022

In der Nacht vom vergangenen Mittwoch (30.11.2022) auf den Donnerstag (1.12.2022) überklebten Klimaaktivist*innen die vorhandenen Tempolimitschilder auf dem gesamten ausgebauten Abschnitt der B30 (zwischen Baindt und Obereschach) mit Tempo-100-Stickern. "Bundesverkehrsminister Wissing wäre eigentlich zuständig", erklärt Verkehrswendeaktivistin Lara Werner (24), "doch er und seine Partei bremsen die Verkehrswende radikal aus". Pro Tag spart die Aktion etwa 10 Tonnen CO2 ein, das ist genau so viel, wie rechnerisch ein durchschnittlicher Ravensburger über das ganze Jahr verteilt in der Atmosphäre ablagert.

Die Schwäbische hatte erst am vergangenen Samstag berichtet, dass die B30 ein Unfallschwerpunkt darstelle. In einer Mitteilung gaben die Aktivist*innen an, dass dieser Zeitungsartikel ursächlich für die Wahl des Aktionsorts war [6].

"In Zeiten der Energie- und Klimakrise blockiert die FDP selbst einfachste Sicherheitsmaßnahmen wie ein Tempolimit von 100 km/h auf Autobahnen", so Werner weiter. Nach Auskunft des Umweltbundesamts würde eine solche Begrenzung pro Jahr 5,4 Millionen Tonnen CO2 einsparen [1] – außerdem wäre der Verkehr flüssiger und Unfälle seltener tödlich oder mit schwerwiegenden Folgen [2,3]. Werner folgt dem Satiriker Jan Böhmermann, der die FDP in die inhaltliche Nähe der RAF rückte: "Die FDP ist die Verkehrswendeblockade-RAF. Sie klebt an Geschwindigkeiten von 130 km/h und mehr fest."

Nach Angaben von Werner inspirierte eine Aktion der Initiative "Letzte Generation" vom Oktober Werner und ihre Mitstreiter*innen zu dem Protest. Diese hatte auf der A2 ein Tempolimit von 100 km/h umgesetzt, indem sie mit zwei Autos parallel 100 km/h fuhr [4]. Wer wiederum die Aktion von Werner nachahmen möchte, erhalte die nötigen Sticker sowie eine ausführliche Sicherheitseinweisung jederzeit gerne. Werner freue sich über Kontaktaufnahme zum Thema.

Wie Autohaus.de berichtet, sprachen sich in einer Umfrage 80 % der Frauen und 70 % der Männer für ein Tempolimit auf deutschen Autobahnen aus [5]. Die FDP verhalte sich radikal undemokratisch, so Werner, wenn sie diesen Bevölkerungswillen nicht umsetze, nur um "Posern aus der eigenen Anhängerschaft" zu gefallen.



BUND- Studie: Klimaneutrales Baden-Württemberg - der Beitrag seiner zwölf Regionen

BUND Baden-Württemberg  hier


Heute Abend 18.30 Uhr in Aulendorf: Die neue BUND Klimastudie für die Region Bodensee-Oberschwaben.


Für die BUND-Studie „100% klimaneutrale Energieversorgung – der Beitrag Baden-Württembergs und seiner zwölf Regionen“ haben Wissenschaftler*innen ermittelt, wie ein klimaneutrales Energiesystem der Zukunft in Baden-Württemberg aussehen kann und welche Transformationsschritte hierfür in den nächsten Jahren notwendig sind.

Konsistente Ziele von Deutschland bis in die Regionen

Baden-Württemberg hat sich angesichts des dramatisch voranschreitenden Klimawandels zum Ziel gesetzt, bis 2040 klimaneutral zu sein. Das Öko-Institut hat nun im Auftrag des BUND Baden-Württemberg dieses Ziel auf den Südwesten und – in einem weiteren Schritt – auf die 12 baden-württembergischen Regionen heruntergebrochen. Erstmals wird damit deutlich, wie unterschiedlich die Bedingungen in den Regionen sind und was sie zum globalen Ziel Klimaneutralität beitragen müssen und auch können.



 


Mittwoch, 30. November 2022

 

15.12. 19 Uhr in der Linse

Wie Klimaschutz die Rente sicherer machen kann

Handelsblatt  hier  GASTKOMMENTAR vom 30.11.2022 Danyal Bayaz

Baden-Württemberg gibt seit 2021 Green Bonds aus. Der Bund sollte dem Beispiel folgen und das Kapital für die Aktienrente nachhaltig anlegen, regt Danyal Bayaz an.
Der Autor ist Finanzminister von Baden-Württemberg (Bündnis 90/Die Grünen).

Der russische Angriffskrieg und seine gravierenden Folgen verdrängen derzeit Themen, die für den Wohlstand kommender Generationen entscheidend sind. Es geht um den Klimaschutz und um die Reform unserer sozialen Sicherungssysteme - allen voran der Altersvorsorge. Beides kann mehr miteinander zu tun haben, als es auf den ersten Blick erscheint.

Dass sich die Klimakrise immer mehr zuspitzt, haben wir erst wieder diesen Sommer mit seiner langen Dürrephase erleben müssen. Extreme Wetterereignisse wie Starkregenfälle nehmen ebenfalls zu.
Die Kosten für die Folgen der Klimakrise steigen - ebenso die Kosten für die sozialen Sicherungssysteme: Laut dem Bundesrechnungshof werden die Ausgaben des Bundes von rund 121 Milliarden Euro im Jahr 2019 sukzessive auf 454 Milliarden Euro im Jahr 2060 wachsen. Durch den demografischen Wandel kommen dann auf eine Person im Rentenalter zwei Erwerbstätige. Aktuell sind es noch drei.

Baden-Württembergs Pensionsfonds orientieren sich an Nachhaltigkeit

Hoffnungsraum Wald

 

Das Titelbild der aktuellen BLIX-Printausgabe ohne „Christbaum“ fotografiert von unserem Fotograf des Monats: K. Wäscher

Darum bedrohen trockene Moore unsere Klimaziele

 hier in Quarks

ein sehr lehrreicher Artikel !

Klimawandel

Im Kampf gegen den Klimawandel geht es oft um die Energiewende, um Autos oder Inlandsflüge. Dabei sollten wir auch dringend über entwässerte Moore sprechen.

Darum geht’s

Deutschlands Moore tragen zum Klimawandel bei

Entwässerte Moorböden in Deutschland verursachen jedes Jahr etwa 53 Millionen Tonnen Treibhausgase – etwa fünfmal so viel wie Inlandsflüge und insgesamt 7,5 Prozent der gesamten deutschen Treibhausgasemissionen.

Durch jahrzehntelange Forschung wissen Wissenschaftler:innen heute, in welchem Ausmaß und mit welchen Mechanismen entwässerte Moorböden unserem Klima schaden. Und: Wie wir sie wieder dazu bringen können, dem Klimawandel entgegenzuwirken.

Mit nachwachsendem Rohstoff klimafreundlich bauen

Deutschlandfunk  hier

Strohballenhäuser

Klimagerecht, nachhaltig, ressourcenschonend: Das sind Punkte aus dem jüngsten Maßnahmenkatalog für bezahlbaren Wohnraum des Bundesministeriums für Wohnen. 

Der Baustoff Stroh erfüllt diese Anforderungen – und wächst direkt vor der Haustür. 


Mobilitätswende braucht häufigere Taktung von Bus und Bahn

 Klimareporter  hier   27. November 2022  von Sandra Kirchner

"Mobilitätsbarometer"

Ein Drittel aller Bundesbürger:innen wünscht sich eine bessere Anbindung an Bus und Bahn, ergibt eine Umfrage von Verkehrs- und Umweltverbänden. Diese fordern von der Politik eine Angebotsoffensive im ÖPNV – finanziert aus umgewidmeten Geldern für den Straßenbau und für die Subventionierung von fossilem Verkehr.

Jede dritte Person fühlt sich nicht besonders gut an den öffentlichen Nahverkehr angebunden. Noch mehr Menschen stören sich daran, dass Bus oder Bahn zu selten an der nächstgelegenen Station halten. Laut einer repräsentativen Umfrage im Auftrag von Umwelt- und Verkehrsorganisationen wünschen sich viele eine häufigere Taktung von Bus und Bahn.

Dienstag, 29. November 2022

Im Hintergrund agieren die Saboteure

Ernüchternde Klimakonferenz COP27 

Eine Kolumne von Christian Stöcker im Spiegel   hier  20.11.2022

Die Klimakonferenz von Scharm al-Scheich endet mit einer Enttäuschung – und das hat seine Gründe. Es wird Zeit, die Saboteure klar zu benennen. Zumal nachweisbar ist, wie sie agieren.

Die Klimakonferenz in Ägypten ist zu Ende, und das Ergebnis ist durchwachsen. Nach rund zwei Wochen harter Verhandlungen einigten sich die Delegierten auf einen eigenen Finanztopf, aus dem arme Länder einen Ausgleich erhalten sollen für Verluste und Schäden, die durch den Klimawandel entstehen. Doch der Erfolg hat einen hohen Preis: Beim Klimaschutz, also dem Ausstieg aus fossilen Energien und dem Runterfahren von Emissionen, gab es kaum Fortschritte.

Eine entscheidende Rolle bei dieser Konferenz spielte einmal mehr China, der mittlerweile größte CO₂-Emittent des Planeten. Doch das Land allein verantwortlich zu machen, das wäre ein weiterer Erfolg für die, die in Wahrheit die größte Schuld tragen.

Ein Hinweis auf die tatsächliche Lage: In Scharm al-Scheich waren 636 Lobbyisten von Öl-, Gas- und Kohlekonzernen akkreditiert.

Legitime Ziele für die Klimawut

Die anscheinend so komplexe Landschaft der Klimapolitik teilt sich, wenn man von China einmal absieht, in zwei sehr übersichtliche Lager: All diejenigen, die tatsächlich aus fossilen Brennstoffen aussteigen wollen, so schnell wie möglich. Und all diejenigen, die mit der Förderung und dem Verkauf von Roh-CO₂ Geld verdienen, und deren Handlanger in Medien, Politik und Randgebieten der Wissenschaft.

Die letztere Gruppe ist dafür verantwortlich, dass viele Menschen auf diesem Planeten immer noch nicht begriffen haben, wie gefährlich unsere Lage ist.

Wer zahlt, schafft an

Ein paar aktuelle Beispiele: In »Nature Climate Change« erschien kürzlich eine Studie , die nachweist, was passiert, wenn Unternehmen aus der Fossilbranche Energieforschung finanzieren. Forschungszentren, die von der Gasbranche gefördert werden, »bevorzugen in ihren Berichten Erdgas gegenüber erneuerbaren Energien«. Bei tatsächlich unabhängigen, nicht von fossilen Interessensgruppen finanzierten Forschungseinrichtungen, »zeigt sich das gegenteilige Muster, mit einer neutraleren Einstellung zu Erdgas und einer Bevorzugung von Solarenergie und Wasserkraft.«

Mit anderen Worten: Die Fossilbranche kauft sich Ergebnisse, die ihren Interessen dienen sollen. Immer noch.

Sabotage mit allen erdenklichen Mitteln

Gleichzeitig sabotieren Vertreter fossiler Interessen weiterhin den Ausbau der erneuerbaren Energien. Das hat seinen Grund: Erneuerbare Energien sind mittlerweile konkurrenzlos billig. Es ist also im Interesse derer, die weiterhin CO₂ verkaufen wollen, diesen Umstand zu verschleiern oder zumindest seine Umsetzung in politisches und wirtschaftliches Handeln zu verhindern.

Die Analyse zur 27. Klimakonferenz in Ägypten: Können wir das Pariser Klimaabkommen noch einhalten?


Wenn Ihr das Webinar verpasst habt, oder es nochmal anschauen wollt, findet Ihr das samt der Folien von Prof. Höhne jetzt hier: https://europe-calling.de/webinar/cop27-analyse/

Unsere Gäste haben in ihren Beiträgen klar gemacht, dass die grundsätzliche Einigung zu einem Loss & Damages-Fonds für die ärmsten und von der Klimakrise am stärksten betroffenen Länder eine wichtige Entwicklung ist, die nicht zuletzt hilft dringend nötiges Vertrauen zwischen Industrieländern und den Ländern des Globalen Südens aufzubauen. Nach vielen unerfüllten Zusagen der letzten Jahrzehnte, ein nicht zu unterschätzender Schritt. 

Gleichzeitig ist das Fehlen jeder Ambition bei der Verringerung von Treibhausgasemissionen eine echte Hiobsbotschaft. Damit geht wieder ein Jahr verloren für den Klimaschutz. Wenigstens konnten Rückschritte zu der COP in Glasgow noch einigermaßen verhindert werden. Aber bei der nächsten COP in Dubai müssen konkrete, sektorscharfe und verbindliche Emissionsminderungen den Pfad deutlich unter 2°C drücken. Das Fenster schließt sich immer weiter. Die Zeit drängt. Hier hat die EU und Deutschland eine große Verantwortung, die nächste COP besser als diese vorzubereiten. Einen erneuten Stillstand kann sich die Welt nicht leisten.

Mitzi Jonelle Tan hat das in einem starken Bild zusammengefasst: Wenn die Welt ein Haus ist und im Obergeschoss die Industrieländer den Wasserhahn voll aufgedreht lassen, dann kann der Globale Süden im Erdgeschoss noch so viele Schäden reparieren (mit viel Loss & Damages-Geld), aber solange der Wasserhahn im Obergeschoss nicht zugedreht ist (Treibhausgas-Emissionen reduziert), dann bringt das alles nichts, weil das Erdgeschoss immer und immer wieder überflutet wird. Es braucht also beides: Emissionsreduktion UND Loss&Damages. Schaut den Ausschnitt hier und teilt ihn mit Anderen:

https://www.youtube.com/watch?v=rplEF37lIkI&t=1444s

Zuletzt hat Mitzi berichtet, wie stark die Zivilgesellschaft von den ägyptischen Behörden behindert und drangsaliert wurde. Das muss Konsequenzen für die nächste COP haben. Die UN und die Mitgliedsländer haben eine große Verantwortung, das sicherzustellen.

Vielen Dank für Euer Interesse und Eure Unterstützung.